Zum letzten Vogonen (Limerick)

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Bernd

Foren-Redakteur
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Sehr schön. Die Vogonischen Limericks gehören bekanntlich zu den schlechtesten (zweitschlechtesten?) Limericks der gesamten Galaxis.
Ich musste mir beim Lesen die Augen verbinden, um den limerick zu ertragen.

Siehe auch: http://www.hborchert.de/vogone.htm

Und: Es ist die drittschlechteste Dichtung.
 

James Blond

Mitglied
Nun,
ob Max Herrmann-Neiße dem exklusiven Club der Vogonischen Lyriker zuzurechnen ist, kann ich mit Bestimmtheit nicht sagen, auch scheint es mir genügend lebende Vertreter dieses Genres zu geben, als dass hierzu Rückgriffe auf historische Größen von Nöten wären (, auch ist die Neiße länger). Ohnehin fällt es mir schwer, diesen Namen mit einem poetischen Stil in Verbindung zu bringen, gilt die Unkenntnis doch auch für mich, die Wiki in dem betreffenden Artikel so lapidar zusammenfasst:

"Wie viele Schriftsteller der Zeit geriet Max Herrmann-Neiße schnell in Vergessenheit. Seine Werke wurden erst ab den späten 1970er Jahren allmählich wiederentdeckt und neu herausgegeben (und danach wieder vergessen). "


Glücklicherweise gelingt es den meisten, dem Vergessenwerden dadurch zu entrinnen, dass sie nie gewusst wurden.

Die Vogonischen Limericks gehören bekanntlich zu den schlechtesten (zweitschlechtesten?) Limericks der gesamten Galaxis.
Ich musste mir beim Lesen die Augen verbinden, um den limerick zu ertragen.
Die Vogonische Dichtkunst, gemeinhin als die drittschlechteste der Galaxis bekannt, hat sich den Limericks bisher in zu bescheidenem Maße genähert, als dass hier eine verlässliche Platzierung hinsichtlich ihrer Qualität in Frage käme. Aber mich reizt schon länger der Gedanke, mittels eines internen Leselupenwettberbs zur Vogonischen Dichtkunst den "Retter der Lyrik" zu ermitteln. Wie sieht's damit aus?

Grüße
JB
 
Zuletzt bearbeitet:

Bernd

Foren-Redakteur
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Leselupenintern könntest Du ihn problemlos im "Lupanum" verwenden.

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Zum Limerick zurück: Das eigentliche Reimwort durch einen Euphemismus zu ersetzen, ist ein probates Mittel bei Limericks.
 

James Blond

Mitglied
Zum Limerick zurück: Das eigentliche Reimwort durch einen Euphemismus zu ersetzen, ist ein probates Mittel bei Limericks.
Ich hatte gleich das Gefühl, so etwas irgendwo schon mal gesehen zu haben ... ;)

Apopos 'interner' Wettbewerb: Es sollte schon mit ein wenig mehr Trara sein als in der stillen Verbannung des Lupanums (oder der Fingerübungen).

Grüße
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Schlage es bitte mal für Experimentelles vor, (Forenredakteur Franke), da es sich um sehr freie Formen handelt. Oder erstmal im Lupanum, zur Vorbereitung. In Feste Formen müsste zumindest noch eine Form erkennbar sein - wie wenig auch übrig bleibt. (vogonisches Sonett, etc.) Wir sollten es im Lupanum diskutieren.
 

Mondnein

Mitglied
Ich vermisse, James,

bei Deinem Schmähgedicht den Selbstbezug, wie es sich für Schmähgedichte gehört, wenn sie nicht in selbstgefälliger Besserwisserei stranden sollen.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hier ist der Selbstbezug aber durch die Form gegeben.

Der Dichter (das Lyrische Ich) ist an der Oberfläche nicht in der Lage, einen richtigen Limerick zu schreiben. Nicht mal die Reimstruktur beherrscht er.
Der Limerick ist also Sch... = nicht so gut.

Durch das Verbergen spielt er aber mit der Form.
 
Zuletzt bearbeitet:

Mondnein

Mitglied
Mein erster Gedanke, Bernd, war:

"stimmt!",
aber dann fiel mir auf (oder ein), daß James' Limerick bei Selbsteinbezug ein Sonett hätte sein müssen, kein Limi, und zum zweiten, daß der Euphemismus des Lyri am Ende gerade keinen Talentmangel anzeigt, sondern Eleganz.

Das Lyri verkumpelt sich mit dem Leser im Schmäh über Gerhardt Hauptmann, Max Hermann-Neiße und Arno Schmidt;
und wenn man bedenkt, daß von diesen dreien nur der mittlere, der dann auch noch die "Neiße" in seinem Namen trägt, Sonette geschrieben hat,
- man stelle sich nur so zum Spaß einmal vor, Arno Schmidt hätte Sonette geschrieben! ... -
und wenn man da mal reinschaut, dann sieht man, daß Max Herrman der Wiedererinnerung durchaus wert ist.

Ich gestehe, ich habe ihn vor Zeiten gerne mal Max Herrmann-Scheiße genannt, weil es so auf der Zunge liegt, aber -
ich wäre gern so erfolgreich beim Zeitausendeins-Verlag untergekommen wie jener alte Hund Kabarett-Expressionist. Ohne mich mit ihm vergleich zu können.

grusz, hansz
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein Problem: Ich werde stark an eine Diskussion erinnert:

Ich schrieb einen Limerick und trug ihn um 1976 im Jugendklub vor:

Es war mal ein Jüngling im Harz,
ein entfernter Verwandter von Schwarz,
der entschärfte Granaten
mit Hacke und Spaten.
Es war mal ein Jüngling im Harz.

Alle lachten und waren begeistert. Dann kam ein Disputant und fragte, ob ich etwas gegen unsere Staatsgrenze hätte ...
Uuups.
Ich hätte nie an so eine Assoziation gedacht. Doch es war so beeindruckend, dass ich es heute noch weiß. Und es hätte gefährlich sein können, es war Biermannzeit. Ist aber nichts passiert.


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Ich denke, aus einem Reimwort sollte man nicht zuviel herauslesen oder hineindeuten.
Insbesondere entgeht mir völlig, was Max Hermann Neiße mit Vogonen zu tun haben soll.
Es ist hier Koinzidenz: (zufälliges) Zusammentreffen, nicht Kausalität: Ursache-Wirkung.


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Selbst wenn Neiße gemeint wäre, würde das am Limerick nicht viel ändern.
 

James Blond

Mitglied
Danke für deine Antwort, Bernd!

Ich denke, lieber Mondnein,

du fechtest da eine private Angelegenheit mit Max Herrmann-Neiße aus. Ich erkannte seinen charakteritischen Dichterkopf zwar auf Bildern (von Otto Dix), kenne fast nichts aber von seinem Werk und schon gar keine Sonette. Gerhard Hauptmanns und Arno Schmidts Werke kenne ich zumindest ein wenig und bin weit davon entfernt, diese Schriftsteller zu schmähen. Auch hatte ich bereits geantwortet, dass es mir hier nicht um tote Dichter geht. Der Limerick ist mit guten Grund im Präsens geschrieben, Präteritum wäre zwar technisch möglich, ist hier aber nicht gewollt.

In meinem Limerick geht es auch gar nicht um Schmähungen, sondern um die verallgemeinerte, selbstironische Betrachtung des eigenen dichterischen Schaffens. Ich habe selbst mit einigem Fleiß einige Sonette verfasst (und hier veröffentlicht), die aber, wenn überhaupt, nur von einigen wenigen Spezialisten goutiert wurden; die Mehrzahl der Leser, so scheint es jedenfalls, ist an Sonetten gar nicht interessiert. Und ich kenne das im Limerick verspottete Erlebnis der Diskrepanz zwischen innerer Berufung und äußerer Anerkennung. Dagegen ist Ironie (anstelle von Wut) sicher die bessere Wahl – so man sie hat. Nicht von ungefähr habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Wettbewerb zur Vogonen-Dichtung anzuregen, dessen Teilnahme ohne ein gehöriges Maß an Selbstironie wohl schwer denkbar wäre.

Wo wohnst du nochmal? Görlitz? Ach so.
Die Neiße ist mir überwiegend aus reimtechnischen Gründen in den Limerick gerutscht - ich kann dich beruhigen: An der Elbe passiert dasselbe. ;)

Nichts für ungut und viele Grüße
JB
 

Mondnein

Mitglied
Ein Dichterherz nahe der Elbe
dem Lyri identisch (dasselbe)
will Leser mit Limis
verwirren - wie schlimm is
Self-Fishing in Selbstmörder-Krimis?
 

James Blond

Mitglied
Na also! Geht doch schon (fast) – bis auf die Pointe ...

Ein Dichterherz nahe der Elbe
verdichtete ständig dasselbe.
Mit Spott-Limericken
das Ego zu schmücken,
ist auch vom Ei nicht das Gelbe.


Darf ich auch dich zu den Teilnehmern eines Vogonen-Wettbewerbs rechnen?
 

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