Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält

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Rezension zu:

Richard Sennet, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, Hanser Berlin 2012, ISBN 978-3-446-24035-3

In seinem neuen Buch stellt sich der amerikanische Soziologe Richard Sennet die Frage, wie Menschen, die sich in vielen Gesellschaften immer mehr unterscheiden in ihrem sozialen Staus, ihrer ethnischen Herkunft und vor allem ihrer Weltanschauung, gut zusammen leben und zusammen arbeiten können.

Für Sennett ist die Beantwortung dieser Frage der Schlüssel zu einer positiven Entwicklung unserer Gesellschaften. An unzähligen Beispielen erklärt er das Wesen der Zusammenarbeit und spürt nach, wie ihr Wert wieder neu bestimmt werden kann.

Dabei geht es in einer Welt, in der die sozialen Gräben zwischen Arm und Reich immer tiefer werden und die gesamte Gesellschaft ihren inneren Halt zu verlieren droht durch immer größer werdende soziale Spannungen, nicht darum, Unterschiede zwischen den Menschen und ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten durch mehr Zusammenarbeit zu nivellieren, sondern es geht darum, sie in eine Art gemeinsames Projekt einzubringen. Vorbild ist ihm dabei der klassische Handwerksbetrieb, dessen Leistungen er als „handwerkliche Kunst“ versteht, in dem man als Gruppe zusammenarbeitet, aber sehr wohl ein Meister das Sagen hat.

Diese Form der Zusammenarbeit, so Sennett, ist dann erfolgreich, wenn die Mitglieder des Kollektivs einander zuhören und wenn die Fähigkeiten und die Fertigkeiten jedes Einzelnen einfließen in das fertige Produkt.

Dieses Bild des Handwerkbetriebs überträgt er auch auf andere Situationen, und hebt besonders das Prinzip des Dialogs hervor. Denn wir wissen meistens nicht, was in den Menschen wirklich vorgeht, mit denen wir zusammenarbeiten sollen oder wollen. Der permanente Austausch im Gespräch führt nicht nur zu besserer Zusammenarbeit und besseren Ergebnissen bzw. Produkte, sondern hebt auch die Lebensqualität der in dieser Zusammenarbeit beteiligten Menschen.

Es ist eine sehr positive und hoffnungsvolle Sicht, die Sennett da zeigt. Er ist tief davon überzeugt, dass der Mensch zu einer viel tieferen Zusammenarbeit fähig ist, als es ihm die bestehende Ordnung ermöglicht.

Vielleicht müssen, wie so oft, einzelne Menschen in den Gruppen, in denen sie leben und arbeiten, damit anfangen. Doch wirklich wirksam wären Sennetts Ideen erst, wenn auch dort, wo die großen Entscheidungen gefällt werden, etwas von Dialog und Kooperation Einzug hielte. Da bin ich eher skeptisch.
 

petrasmiles

Mitglied
Zusammenarbeit

Lieber Winfried,

danke für die Mühe, das Buch vorgestellt zu haben.

Mich hat keine der Thesen angesprochen - nicht weil es nicht schön wäre, aber weil es so wie hier formuliert, nicht praktikabel ist.
Das hast etwas von einem Sermon 'Wenn die Welt doch nur edel, hilfreich und gut wäre, dann wäre sie edel hilfreich und gut.

Ich bin sehr zurückhaltend gegenüber den 'Ergüssen', was amerikanische Autoren zu historischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Themen zu sagen haben.
Noch von meinem Geschichtstudium her kenne ich die Redensart, 'publish or perrish' - veröffentliche oder gehe unter in Bezug auf amerikanische Fachkollegen. Eine knackige These aufstellen, und dann drum herum ein Buch schreiben und dann ab ins Marketing. Das ist sehr, sehr oft das Papier und die Tinte nicht wert, geschweige denn die Lebenszeit, das Buch zu lesen.

Im vorliegenden Fall findet sich diese Redensart zutreffend; wo ist denn der 'große Bruder', der uns alle schön ans Miteinander Reden und Funktionieren bringt?

Die gesellschaftlichen Zustände - im Klartext die ökonomischen Grundlagen unserer Gesellschaft - sind politisch gewollt, mindestens gebilligt; und wenn Frau Merkel die Märkte statt der Menschen bedienen will, dann werden die Scheren weiter auseinander gehen. Hier und anderswo.

Selbst, wenn das Buch besser (oder differenzierter) ist, als Dein Text (oder mein Vorurteil) vermuten lässt, ist es eine Frechheit, die gesellschaftlichen Probleme abhandeln zu wollen, und dabei die ökonomischen Grundlagen als 'gottgewollt' hinzunehmen.

Danke nochmal.

Liebe Grüße
Petra
 
Liebe petrasmiles,

natürlich hast du recht mit den ökomonischen Grundlagen. Aber ich glaube, darum geht es in diesem Buch gar nicht. Es geht darum, wie Menschen schon in kleine Gruppen zusammenarbeiten.

Ich habe das Buch in zeitlichen engem Abstand bearbeitet mit einem Buch von Jörg Schindler über die "Rüpel-Republik" (S. Fischer 2012), wo ich schrieb:

"Wenn wir so weiter machen wie bisher, geht unsere Gesellschaf vor die Hunde. Mit diesem Satz kann man die Diagnose zusammenfassen, die der mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnete Autor Jörg Schindler in seinem neuen Buch 'Die Rüpel-Republik' erstellt. Er geht der Frage nach, warum wir in unserer Gesellschaft so unsozial miteinander umgehen. Warum sind wir so geworden?

Da ist zum einen die immer zunehmende Ich-Bezogenheit, di, von der Werbung in den Medien unterstützt, den Menschen das Mitgefühl und die Solidarität abhanden kommen ließ. Im Internet, wo sich die meisten anonym verstecken, können solche Ich-Bezogene dann so richtig vom Leder ziehen und jede Hemmschwelle fallen lassen, Aber auch in der realen Welt fallen die Werte wie Achtung vor dem Nächsten, Respekt und Nächstenliebe einem immer größeren Egoismus zum Opfer.

Das Dramatische an diesem Verhalten ist, dass es nicht nur ungeeignet ist, wirkliche Beziehungen aufzubauen, nein, es ist im höchsten Grade zerstörend für bestehende Beziehungen und das ihnen zugrundeliegende Vertrauen.

Kontakte zu Nachbarn werden zur Seltenheit, Nachbarschaftshilfe zu etwas Exotischem in einer Gesellschaft, die das Fernsehen zu einer Guckgesellschaft gemacht hat. Die Menschen werden nicht nur immer materialistischer sondern auch ihre Aggressivität steigt."

Das hat, so glaube ich, nichts mit ökomonischen Grundlagen zu tun.

Aber du hast ja auch am Ende meiner Rezension zu sennet gesehen, dass ich skeptisch bin. Dennoch kenne ich aus eigenem Erleben, dass viele der schönsten Erfahrungen in meinem Leben dadurch entstanden sind, dass ich mit anderen Menschen wirklich gemeinsam etwas zustande gebracht habe.

Und: Richard Sennett hat durch seine bisherigen Bücher gezeigt, dass er ein seriöser Wissenschaftler ist. Er gehört sicher nicht zu jenen, die Du zu Recht kritisierst.


Danke für Dein Lesen und Nachdenken und für Deine Kritik.


Winfried
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich glaube schon, dass auch das "Rüpeltum" seine Wurzeln in den ökonomischen Verhältnissen hat. Es ist nur nicht so simpel wie die Formel "Geld = Macht", sondern wird durch eine Mischung bestimmt aus ökonomisch inspirierter Erziehung zur Ich-Betonung (es sind vor allem die eigenen „Wünsche“, die zum Kaufen animieren), massiv gestiegener Fallhöhe beim Abrutschen aus dem "Mittelstand" oder dergleichen und der daraus erwachsenden permanenten Sorge, einem verstärktem Einreden von Machertum bei gleichzeitig immer schwerer zu überwindenden Barrieren und daraus erwachsendem Frust und einigen weiteren mehr oder weniger damit verknüpften sozial-psychologischen Effekten.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Griffige Rezension mit stimmiger Struktur. Leider ist nichts dabei, was mich bewegen könnte, das Buch für interessant zu halten. Ob das am Buch liegt (es nichts Interessantes bietet) oder der Rezensent nur die "knackigen Punkte" nicht rausgefiltert hat, weiß ich nicht.

Details:

… in ihrem sozialen Staus, ihrer …
Status (… obwohl „sozialer Stau“ auch nach einem interessanten Phänomen klingt. Was das wohl sein könnte ;) )

Dabei geht es in einer Welt, in der die sozialen Gräben zwischen Arm und Reich immer tiefer werden und die gesamte Gesellschaft ihren inneren Halt zu verlieren droht durch immer größer werdende soziale Spannungen, nicht darum, Unterschiede zwischen den Menschen und ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten durch mehr Zusammenarbeit zu nivellieren, sondern es geht darum, sie in eine Art gemeinsames Projekt einzubringen.
Der Satz kann bestimmt umstrukturiert und dadurch lesbarer gemacht werden. (Ist aber nur ein kleiner Stolperer gewesen.)

Vorbild ist ihm dabei der klassische Handwerksbetrieb, dessen Leistungen er als „handwerkliche Kunst“ versteht, in dem man als Gruppe zusammenarbeitet, aber sehr wohl ein Meister das Sagen hat.
Kleine inhaltliche Anmerkung: Das Modell ist gut gewählt. Vor allem, weil es zeigt, wo sowas geht. Nur funktioniert unsere Gesellschaft in weiten Bereichen nicht nach diesem Modell des überschaubaren Kleinbetriebes. Hat Sennet mal weitergedacht und diese Modell "hochgebrochen"?

Es ist eine sehr positive und hoffnungsvolle Sicht, die Sennett da zeigt. Er ist tief davon überzeugt, dass der Mensch zu einer viel tieferen Zusammenarbeit fähig ist, als es ihm die bestehende Ordnung ermöglicht.
Knackig wäre hier eine Schlussfolgerung. So formuliert würde ich annehmen, Sennet meint, die Ordnung müsste verändert werden. Schreibt er so etwas? Und wenn ja: Was genau schreibt er zu diesem Aspekt?

Vielleicht müssen, wie so oft, einzelne Menschen in den Gruppen, in denen sie leben und arbeiten, damit anfangen.
Ist das Sennets Aussage oder die des Rezensenten?
 
Lieber Jon,

ein Satz, den Du mir bei einem Text sicher als zu kompliziert und zu lang angemahnt hättest. Doch bei etlichen Deiner Argumente muss ich Dir zustimmen. Dennoch halte ich es für falsch, die zunehmende Kälte in unserer Gesellschaft und den massenhaften Verfall von Werten und Normen ausschließlich auf die Ökonomie zurückzuführen. Das erinnert mich ein wenig an die Gruppen an der Uni in den siebzigern.

Und: gerade weil aus den Gründen, die Du anführst, jeder für sich selbst lebt und handelt, muss etwas dagegengesetzt werden.Und da muss und soll jeder Einzelne damit anfangen. Das meine ich auch als Rezensent mit dem letzten Satz meines Textes.

Vielleicht bin ich auch nur ein hoffnungsloser Fall, der noch an den guten Kern im Menschen glaubt, der nicht von irgendeiner Ökonomie vergiftet werden kann.

Zu Deinen weiteren Anmerkungen: vielen Dank. Ich werde den Text daraufhin auf jeden Fall noch durchsehen und antworten.

Mit guten Wünschen für ein schönes Wochenende


Winfried Stanzick
 

petrasmiles

Mitglied
Hallo Winfried,

ich glaube, der Zustand der Gesellschaft ist monokausal nicht zu begreifen.

In meinem Umfeld, Familie, Freunden und Kollegen, findet man diese 'soziale Kälte' nicht, und die wird man nicht bei jons oder Deinem finden.
Die soziale Kompetenz hat sich - so könnte man vermuten - in diesen Bereich zurück gezogen.

Außerhalb dieser persönlichen Bereiche sieht es anders aus. Und ich nehme mal an, es sieht auch in den Generationen anders aus.
Aber hierfür sind die Gründe viel vielschichtiger.

Als ich anfangs diesen 'Verfall' beobachtete, waren es Vorfälle unterschiedlichster Art:
- junge Leute, die ins Gespräch vertieft nicht bemerken, dass sie entweder einem die Ladentür ins Gesicht fallen lassen oder nicht bemerken, dass man freundlich zu ihnen war
- ältere Frauen (so ungefähr mein jetziges Alter), die sich vordrängeln, oder anders anmaßend verhalten - war für mich immer eher ein Zeichen, dass jemand Angst hat, zu kurz zu kommen, nicht wahrgenommen zu werden
- alte Menschen, die ihr rücksichtsloses Verhalten damit vor sich rechtfertigen konnten, ihnen ginge es ja eh schon schlechter als den anderen und wenn sie nicht für sich sorgten, täte es sonst keiner.

Das sind so die Hauptgruppen, an die ich mich erinnere. Da ich nicht Auto fahre, fehlen mir die rüpelhaften (zunehmend auch weiblichen) Autofahrer

Das ist erst einmal mangelndes soziales Verhalten, aber noch nicht soziale Kälte.
Soziale Kälte entsteht durch Gefühle tatsächlicher oder angenommener Unterlegenheit einerseits, und eine falsche Politik, die diese Unterlegenheitsgefühle schürt, andererseits. Ganz zu schweigen von politischen Maßnahmen, die bei stastlichen Stellen angestellte Mit-Menschen dazu bringt, anderen Menschen Mittel und Hilfe zu verweigern.

Wer sich selbst als Opfer der Umstände sieht, ist blind für Unrecht, das er anderen antut.

Die tatsächlichen Ursachen liegen immer auf einer überpersönlichen Ebene, auf der die Entscheidungen getroffen werden, wie sich den Menschen ihr Leben in dieser Gesellschaft anfühlt. Und das sind ökonomische Ursachen.

Das entbindet den einzelnen nicht von der Verantwortung für sein Verhalten. Jetzt aber dem Einzelnen vorzuwerfen, er sei schuld an der sozialen Kälte in unserer Gesellschaft, das missachtet einfach die tatsächlichen Weichenstellungen, die durch die aktuelle Politik auf überpersönlicher Ebene geschehen. Selbst die von Sennett propagierte 'Struktur' der Handwerksbetriebe müsste ja auf überpersönlicher Ebene angestoßen werden.

An einer Stelle möchte ich mich jon anschließen: Entweder hast Du nicht herausgearbeitet, wo etwaige Stärken des Buches sind, oder es hat keine.

Liebe Grüße
Petra
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das war auch nur die Gegenrede zu "hat nichts mit Ökonomie zu tun". Die wirtschaftlichen Umstände sind der Boden, auf dem "sowas" wächst. Der Samen ist die Natur des Menschen. Auf anderem Boden entwickelt sich dieser Samen leichter in eine andere Richtung. Ihn heute trotzdem in die "gute Richtung" wachsen zu lassen, verlangt sehr viel Widerstandskraft. Und zwar zunehmend. Es ist sicher jede Mühe wert, keine Frage, und „regional“ (in Gruppen, Vereinen, kleineren Organisationen) gelingt dieses „Zusammenarbeiten" auch (zumindest teilweise) - im Großen scheitert es doch eher regelmäßig (hoffentlich nicht ausnahmslos) an eben jenen ökonomisch determinierten Umständen.
 
Rezension zu:

Richard Sennet, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, Hanser Berlin 2012, ISBN 978-3-446-24035-3

In seinem neuen Buch stellt sich der amerikanische Soziologe Richard Sennet die Frage, wie Menschen, die sich in vielen Gesellschaften immer mehr unterscheiden in ihrem sozialen Status, ihrer ethnischen Herkunft und vor allem ihrer Weltanschauung, gut zusammen leben und zusammen arbeiten können.

Für Sennett ist die Beantwortung dieser Frage der Schlüssel zu einer positiven Entwicklung unserer Gesellschaften. An unzähligen Beispielen erklärt er das Wesen der Zusammenarbeit und spürt nach, wie ihr Wert wieder neu bestimmt werden kann. Wir leben in einer Welt, in der die sozialen Gräben zwischen Arm und Reich immer tiefer werden und die gesamte Gesellschaft ihren inneren Halt zu verlieren droht durch immer größer werdende soziale Spannungen. In dieser Welt geht es nicht darum, Unterschiede zwischen den Menschen und ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten durch mehr Zusammenarbeit zu nivellieren, sondern es geht darum, sie in eine Art gemeinsames Projekt einzubringen. Vorbild ist ihm dabei der klassische Handwerksbetrieb, dessen Leistungen er als „handwerkliche Kunst“ versteht, in dem man als Gruppe zusammenarbeitet, aber sehr wohl ein Meister das Sagen hat.

Diese Form der Zusammenarbeit, so Sennett, ist dann erfolgreich, wenn die Mitglieder des Kollektivs einander zuhören und wenn die Fähigkeiten und die Fertigkeiten jedes Einzelnen einfließen in das fertige Produkt.

Dieses Bild des Handwerkbetriebs überträgt er auch auf andere Situationen, und hebt besonders das Prinzip des Dialogs hervor. Denn wir wissen meistens nicht, was in den Menschen wirklich vorgeht, mit denen wir zusammenarbeiten sollen oder wollen. Der permanente Austausch im Gespräch führt nicht nur zu besserer Zusammenarbeit und besseren Ergebnissen bzw. Produkte, sondern hebt auch die Lebensqualität der in dieser Zusammenarbeit beteiligten Menschen.

Es ist eine sehr positive und hoffnungsvolle Sicht, die Sennett da zeigt. Er ist tief davon überzeugt, dass der Mensch zu einer viel tieferen Zusammenarbeit fähig ist, als es ihm die bestehende Ordnung ermöglicht. Natürlich muss sie in dieser Richtung verändert werden.

Vielleicht müssen, wie so oft,so denkt der Rezensent, einzelne Menschen in den Gruppen, in denen sie leben und arbeiten, damit anfangen. Doch wirklich wirksam wären Sennetts Ideen erst, wenn auch dort, wo die großen Entscheidungen gefällt werden, etwas von Dialog und Kooperation Einzug hielte. Da bin ich eher skeptisch.

Auch die Übertragbarkeit von Produktionsbedingungen der Handwerkskultur auf die moderne arbeitsteilige Welt scheint mir schwierig. Dennoch: wenn die Menschen überall dort, wo eine gute solidarische Zusammenarbeit möglich ist, dies auch tun würden, sähe unsere Welt besser aus. Ich weigere mich schlicht, alles den bösen ökonomischen Strukturen anzulasten. Der Mensch ist mehr als das Produkt der Ökonomie.
 
Ich habe meinen Text überarbeitet und zu einigen Anmerkungen von jon und petrasmiles Stellung genommen.

Vielen Dank noch einmal Euch beiden für Eure Kritik.

Winfried Stanzick
 
Lieber Winfried,

deine Rezension und die Kommentare dazu habe ich gern durchgelesen. Zu der schon fortgeschrittenen Diskussion kann ich nicht mehr viel Neues beitragen. Insgesamt möchte ich eine mittlere Position im Hinblick auf die vorgetragenen Standpunkte einnehmen. Die Unterscheidung zwischen einer Makro- und einer Mikroebene mit ihren unterschiedlichen Bedingungen, auf die du Wert legst, finde ich richtig. (Vielleicht hättest du das noch etwas deutlicher machen könnnen.) Gewiss gibt es zahllose Einwirkungen der Makro- auf die Mikroebene, doch sie erklären nie vollkommen den Einzelfall des Verhaltens zur Gänze.

Übrigens: Wie misst man eigentlich soziale Kälte und ihre evtl. Zunahme in der Gesellschaft? Gegenüber persönlichen Beobachtungen im eigenen Umfeld bin ich da etwas skeptisch, obwohl ich selbst manchmal dazu neige. Mir fällt jetzt das Beispiel einer Dame ein, die angeblich aus eigener Beobachtung eine Veränderung des Farbspektrums des Himmelslichts im Lauf der Jahrzehnte festgestellt haben wollte. Das ist natürlich Unfug, schon im Hinblick auf die Alterung des eigenen Auges. Was ich damit sagen will: Gibt es einen wissenschaftlich haltbaren Nachweis für die Zunahme der hier beklagten Phänomene?


Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

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