Zwiebel-Ninja und die Entführung der roten Paprika

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VeraL

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Hagyma Fekete, die gefürchtetste Zwiebel-Ninja seit Cebolla der Scharfen, entknitterte ihren braunen Cape und ließ nacheinander ihre Zwiebelringe knacken. Sie stand auf dem Rand ihrer Holzkiste, ganz oben auf dem Küchenregal und blickte auf Minestropolis herab. Diese Tageszeit, wenn noch alle schliefen und das erste Morgenlicht durchs Fenster strömte, mochte sie am liebsten. Sie sog tief die Luft ein und ihre Schale begann zu kribbeln. Normalerweise raschelten um diese Zeit nur die Haferflocken in der Packung neben ihr. Suppenzutaten wurden frühestens gegen Mittag aktiv. Doch jetzt drang ein aufgeregtes Rascheln aus der Vorratskammer und der Kühlschrank dröhnte laut. Das versprach ein interessanter Tag zu werden. Sie hatte das Gefühl, dass jemand einen Auftrag für sie hatte.

Sie brauchte nicht lange zu warten. Die Kühlschranktür öffnete sich einen kleinen Spalt, eine braune Knolle mit langen grünen Blättern hüpfte heraus und machte sich dran, das Regal hochzuklettern. Interessant. Knolli von Sellerich war ein Angsthase, aber angeblich hatte er Captain Gulasch mal einen großen persönlichen Gefallen getan. Niemand wusste Genaueres. Aber seitdem war er einer der engsten Vertrauten des Captains. Hier ging es also um eine größere Sache. Hagyma platziere sich lässig in ihrer Holzkiste. Sie wollte keinesfalls Interesse zeigen und so den Preis drücken.

»Hagyma? Bist du da?« Knolli klang atemlos. Er war ziemlich aus der Form.
Sie schlug kokett die Augen auf. »Wahrscheinlich. Was gibt es denn?«
Knolli errötete und stotterte herum: »Der Chef schickt mich. Wir haben einen Auftrag für dich.«
»Ach so?«
»Es ist streng geheim. Der Captain will nicht, dass sich die Sache herumspricht. Du sollst erst zustimmen, dass du den Auftrag annimmst.«
Natürlich. Captain Gulasch war notorisch paranoid. Gut für sie. »Das kostet dann das Dreifache.«
Knolli sah sie entsetzt an. »Also gut. Aber es gibt eine Bedingung.«
Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen.
»Da die Angelegenheit sehr delikat ist, will der Captain, dass ich dich begleite.«
»Schön. In Ordnung.« Diesen untrainierten Schwachkopf würde sie unterwegs schnell loswerden, wenn es sein musste.
Knolli setzte sich unbeholfen auf den Rand der Kiste und strich sich durch die Blätter.
»Die Paprika ist verschwunden. Der Captain hat sie besonders bewachen lassen. Sie war ganz frisch vom Markt. Wunderbar rot und knackig. So was sieht man heutzutage nicht oft.«
Da musste sie Knolli recht geben. »Ihr denkt, dass sie entführt wurde?«
Knolli nickte und raschelte mit den Blättern. »Keine der Zutaten fühlt sich mehr sicher. Das Tomatenmark hat so gezittert, dass es fast mit dem Wackelpudding verwechselt worden wäre. Die Sicherheitsvorkehrungen waren wirklich hoch.«
»Dahinter kann nur einer stecken. Lord Feinschmecker.«
Knolli von Sellerich wurde erst rot, dann kreidebleich und kippte anschließend ohnmächtig vom Rand der Kiste.

Eine Stunde später hatte Hagyma es geschafft, Knolli wieder auf die Beine zu bringen und sich auf den Weg in die Speisekammer zu machen. »Da vorne«, flüsterte sie Knolli zu. »Avocados sind die optimalen Informanten. Keiner mag sie, aber sie sind trendig und deswegen bei Lord Feinschmecker sehr gefragt.«
»Und wie kriegst du sie dazu, mit dir zu reden?«
Hagyma grinste gefährlich. »Sieh zu und lerne.« Sie schlich sich von hinten an die Avocado an, die gemütlich im Regal saß und sich ihren Bauch polierte. Knolli versuchte, sich hinter der Ninja zu versteckten, was lächerlich aussah, weil seine grünen Blätter viel zu hoch waren. Vorsichtig löste Hagmya ihre Schale und spaltete einen Zwiebelring ab. Mit einer lockeren Bewegung aus dem Handgelenk warf sie ihn über den Kopf der Avocado. Der Ring zog sich fest zu und die Frucht röchelte und krallte die Arme um den Ring. Hagyma lockerte ihn gerade so weit, dass die dicke grüne Frucht sprechen konnte.
»Was weißt du über die Pläne von Lord Feinschmecker?«
Wenn sich die Frucht dumm stellte, konnte sie den Ring wieder fest anziehen, aber das war nicht nötig. Avocados waren nicht gerade für ihr Rückgrat bekannt.
»Er will verhindern, dass es morgen zu dem Fest Gulasch gibt. Stattdessen bereitet er ein exklusives Fünf-Sterne-Menu vor. Ich habe etwas von Meereskräutersuppe gehört und er hat mir eine tragende Rolle beim Hauptgang versprochen.«
»Das ist ja nichts Neues. Aber wen hat er für die Entführung angeheuert? Er macht sich doch nicht selbst die Hände schmutzig.«
»Ich weiß es nicht genau.«
Hagyma zog den Ring fester.
»Aber es könnte sein, dass er sich in letzter Zeit öfter mit Lady Asparagus getroffen hat.«
Die Anführerin der grünen Spargel-Miliz. Das konnte kein Zufall sein. Knolli wurde schon wieder bleich und Hagyma beschloss, ihn an die frische Luft zu bringen, bevor er noch einmal umkippte. Sie sammelte ihren Ring ein und verließ die Avocado mit einem Hinweis: »Ich würde mit Lord Feinschmecker an deiner Stelle nicht über unseren Besuch sprechen. Verräter mag er gar nicht, ich kenne einige, die auf dem Kompost gelandet sind, nachdem sie geplaudert haben.«

Nach einer kurzen Pause machten die Hagyma und Knolli sich daran, die Anrichte zu besteigen. Lady Asparagus zu finden, war keine große Kunst. Sie stand bevorzugt in einer Vase mit eiskaltem Wasser und hatte sich Frischhaltefolie umgewickelt, um länger knackig zu bleiben. Hier würde der Trick mit den Ringen nichts nutzen. Die Lady war aus härterem Holz geschnitzt und würde sich einfach aus dem Ring winden. Zeit für die Zwiebel-Geheimwaffe.
»Knolli, bleib ein Stück zurück! Jetzt wird es spritzig.«
Noch bevor er etwas erwidern konnte, riss sie der Lady die Folie vom Kopf, öffnete ihre Schale und spritze der Spargeldame einen Schwall feinsten Zwiebelsaft in die Augen. Sofort brach die in Tränen aus.
»Nein bitte, tu das nicht. Ich werde völlig ungenießbar. Und bitte gib mir die Folie zurück.«
»Sag mir, wo ihr die Paprika versteckt habt!«
»Nein, das kann ich nicht. Das Gourmet-Menu ist meine einzige Chance groß rauszukommen. Spargelcreme-Suppe. Das ist doch was. Ansonsten werde ich in Sauce hollandaise ertränkt und einfach verspachtelt.«
Knolli seufzte mitleidig, aber Hagyma blieb hart. »Das ist mir völlig egal. Wo ist sie?«
Lady Asparagus schluchzte, aber sie sagte kein Wort.
Die Ninja-Zwiebel fing an, langsam die Folie zu zerknüllen. »Hmmm, das geht ja schnell. Du siehst an den Spitzen schon leicht schrumpelig aus. So wird das wohl nichts mit dem Süppchen. Außerdem hab ich was von Avocado-Schaum und Meereskräutersuppe gehört.«
Die Lady riss ihre verquollenen Augen so weit auf, wie es ging. »Dieser miese Schuft. Ich hab es gewusst. Ich erzähle euch alles.«
Dann berichtete sie davon, wie sie die Paprika in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entführt hatten und ganz hinten in den Dosen für die Weihnachtsplätzchen versteckt hatten. Bewacht wurde sie von einigen schwer bewaffneten Auberginen.

Hagyma schickte Knolli los, um Captain Gulasch zu informieren. Sie selbst wickelte die völlig aufgelöste Lady wieder in die Folie und beobachtete wie Captain Gulasch und seine Brokkoli-Armee die Auberginen bekämpften. Gegen ihre mit edelsüßem Paprikapulver geladenen Waffen hatten die Auberginen nichts auszurichten. Nur eine halbe Stunde später marschierten die Brokkoli-Soldaten mit der Paprika zurück.

Am Abend saß sie zufrieden wieder in ihrer Holzkiste und sah zu, wie Knolli sich zu ihr hinauf hangelte. Wahrscheinlich wollte er ihr ihren Lohn für das Aufspüren der Paprika bringen. Als er oben war, keuchte er und zitterte mit den Blättern. Er brachte kein Wort hervor. Was war jetzt schon wieder?
»Du bist die mutigste Zwiebel der Welt. Meine Heldin.« Er beugte sich vor, schloss die Augen und küsste Hagyma leidenschaftlich.
Sie blinzelte. Damit hatte sie ausnahmsweise nicht gerechnet.
 
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VeraL

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Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte hier richtig ist. Sie fällt etwas zwischen die Kategorien. Vielleicht für ältere Kinder?
 
Hallo Vera,

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte hier richtig ist. Sie fällt etwas zwischen die Kategorien. Vielleicht für ältere Kinder?
Ja, wenn dann für ältere Kinder.
Für Kleinere ist der Text m.E. nicht geeignet. Dafür kommen zu viele "seltene/unbekannte" bzw. Kindern unbekannte Wörter (z.B. Miliz, Minestropolis) und "merkwürdige", schwer zu merkende Namen (z.B. Hagyma Fekete, Asparagus, Cebolla etc.) und Sätze (z.B. "Sie wollte keinesfalls Interesse zeigen und so den Preis drücken.") vor und ist der Handlung auch dadurch nur schwer zu folgen.

Einige Fehlerchen: (Leider direkt schon drei im ersten Satz.)

Hagyma Fekete, die gefürchtetste Zwiebel-Ninja seit Cebolla der Scharfen, entknitterte ihren brauchen Cape und lies nacheinander ihre Zwiebelringe knacken.
gefürchteste
braunen
ließ

und machte sich dran, dass Regal hochzuklettern.
das

Sie schlug kokett die Augen auf: »Wahrscheinlich. Was gibt es denn?«
auf.
Würde ich ohne Doppelpunkt machen. Es gibt ja kein "sagen" o.ä.

Knolli wurde schon wieder bleich und Hagyma beschloss, ihn an die frische Luft zu bringen, bevor er wieder umkippte.
Wortwiederholung

über unseren besuch sprechen.
Besuch

Lady Asparagus zu finden, war keine große Kunst.
Denke, ohne Komma.

»Knolli bleib ein Stück zurück. Jetzt wird es spritzig.«
Knolle, KOMMA
zurück!
Ausrufezeichen, das Aufforderung.

»Sag mir, wo ihr die Paprika versteckt habt.«
dto.

Liebe Grüße und ein tolles Restjahr.
Frankyln
 
Ich finde die Geschichte großartig! Ungewöhnliches Personal, konsequent in der Benennung und du versuchst nicht, Hintergründe zu erklären, das ist sehr gut. Mir ist aufgefallen, dass du dir beim Anfang Zeit gelassen hast und zum Ende hin immer weniger, da wurde mehr Handlung in weniger Sätze gesteckt. Das ist schade, denn gerade die vielen originellen Kleinigkeiten am Anfang machen Lust auf mehr. Die Stellen, an denen du dir Zeit lässt, die einzelnen Gemüse zu charakterisieren (Lady Asparagus!) haben mir besonders gut gefallen. Es ist auf jeden Fall eine Geschichte für etwas ältere Kinder, die schon abstrahieren können, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Spaß haben könnten am Gemüsethriller.
 

VeraL

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Hallo stachelbeermond, vielen Dank für deinen positiven Kommentar. Ich verstehe, was du meinst. Die Geschichte ist in einem Schreibkurs entstanden, in dem wir ein Zeichenlimit haben und mir sind am Ende die Zeichen ausgegangen. Vielleicht überarbeite ich den Text bei Gelegenheit und baue das Ende aus.
 


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