Zwischen den Tagen

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blackout

Mitglied
Hier, wo der Himmel ohne
Sterne, schlafen wir taub, wie trunken;
in der Stadt mit den vergessenen Verletzungen
und dem tausendfachen Seufzer
verlorener Träume.

Schlaf als Erinnerung
unserer gänzlichen Abwesenheit
auf Erden, dass die Worte eingestürzt sind,
mit denen wir tagsüber
Ausschau hielten nach Glück.

Mein Einssein ist Stille,
wenn Glanz und Lichter der Straßen
erloschen, Stimmen des Tages verrauschten,
wenn die Finsternis ihre Rätsel
aufgibt.
 

Mondnein

Mitglied
Wach auf, black out! Guten Morgen!


Hier, wo der Himmel ohne
Sterne, schlafen wir taub, wie trunken;
holpert des elliptischen Einstiegs wegen.
"wie trunken" ist überflüssig, da "taub" schon betäubter als "trunken" ist; das Vergleichs-Wie paßt auch nicht zur Abschwächung des Attributs.

in der Stadt mit den vergessenen Verletzungen
Also schon geheilt?
Ich gratuliere zur Schmerzfreiheit.
und dem tausendfachen Seufzer
verlorener Träume.
Ich dachte, Roy Black wäre schon lange tot.
Oder out.
Schlaf als Erinnerung
unserer gänzlichen Abwesenheit
auf Erden, dass die Worte eingestürzt sind,
mit denen wir tagsüber
Ausschau hielten nach Glück.
Ja, das kann ich Dir bestätigen, daß die Worte bei Dir eingestürzt sind.
Es gibt bessere Medien als ausgerechnet Worte, um tagsüber nach Glück Ausschau zu halten. Die einen spielen Lotto, die anderen betreiben stoische Philosophie (das heißt: sie lauern nicht aufs Glück, weil es nur von alleine herbeikommt, wenn man ihm nicht nachjagt).

Mein Einssein ist Stille,
Meditationskurs bei der Volkshochschule?

wenn Glanz und Lichter der Straßen
erloschen, Stimmen des Tages verrauschten,
wenn die Finsternis ihre Rätsel
aufgibt.
Schade, fast wäre sie eingetreten, die Stille, und da gibt die Finsternis ihre Rätsel auf und wird geschwätzig: sie ist ein altes Weib -

mißlungen?

Schlimmer: Kitsch.
 

blackout

Mitglied
Mondnein, das ist deine Ansicht mit dem Wissen, über das du verfügst. Offensichtlich kannst du mir nicht verzeihen, dass ich von deinem gepriesenen epigonistischen Trochäen-Salat überhaupt nichts gehalten habe, und jetzt lässt du Dampf ab. Das ist verständlich, du bist noch am Schlucken und hast ganz offensichtlich mein Gedicht politisch gelesen, da hast du recht getan, aber die Politik gefällt dir nicht, und deshalb versuchst du gar nicht erst, mitzugehen, sondern hast nach dem ersten gelesenen Wort "eine Meinung".

Deinem Kommentar merkt man an, dass wir beide aus verschiedenen Welten kommen, was das genaue Lesen angeht, und dass wir zumindest auf dem Gebiet der Lyrik nicht zusammenfinden können. Ich werde deine Gedichte auch nicht mehr kommentieren, ich halte das für vertane Zeit.

Versuchen wir uns zu meiden. In diesem Sinne

blackout
 

revilo

Mitglied
Hallo, aus Eurem Streit halte ich mich raus, muss aber Mondnein beipflichten, dass der Einstieg mehr als unglücklich ist. Insgesamt hast du hier für meinen Begriff überzogen, zu viel gewollt.....LG revilo
 

blackout

Mitglied
Revilo, ich streite mich nicht mit Mondnein, er will meiner Ansicht nach nur provozieren. Ich habe ihm gesagt, was Sache ist. In der Literatur geht es immer hart auf hart zu, egal, wo. Aber wir müssen doch die Profi-Gewohnheiten hier nicht einführen. Er nimmt mir meinen Kommentar zu seinem delikaten Gedicht übel, den ich aus voller Überzeugung geschrieben habe. Ich habe Verständnis für Mondnein, aber sein obenstehender Kommentar ist eine persönliche Sache und hat mit meinem Text nicht das geringste zu tun. Es ist gut, dass du dich raushältst, du hast damit ja nichts zu tun.

Aber zum Problem des Einstiegs:
Eine Ellipse ist eine ganz normale Stilfigur, mit der das Unwichtige weggelassen wird. Ihm fehlt das völlig überflüssige ist in diesem Fall. Die Ellipse gehört zur Gruppe der Satzfiguren. Es gibt keinerlei Regel (ich hätte sie sonst beachtet), dass sie als Einstieg ins Gedicht nicht möglich sein darf, sie ist wie jede Satzfigur eine Frage des Stils. Mondnein scheint das nicht zu kennen.

blackout
 

blackout

Mitglied
Noch ein Nachtrag, Revilo: Mondnein unterstellt mir Kitsch, weil er nicht bedacht hat, dass das Verb "aufgeben" eine Doppelbedeutung hat, nämlich etwas beginnen, aber auch etwas unterlassen. 1. Rätsel aufgeben = Lösung erwarten; 2. Etwas aufgeben, in diesem Fall das Rätsel = kapitulieren, Abstand nehmen. Mondnein ist in seiner Rage recht oberflächlich an dieses Gedicht herangegangen. Ich habe Verständnis dafür, aber gutheißen kann ich das nicht, ich finde das einfach peinlich, das hat er doch nicht nötig gehabt.

blackout
 

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