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Monat: April 2002

Sterntagebücher

Sterntagebücher

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Volk und Welt, 1971 (Ausgabe mit wunderbaren Illustrationen des Autors)

Die Sterntagebücher gehören zu den wenigen Büchern, bei denen ich vor Lachen von der Couch (bzw. vom Chaisselong) gefallen bin, sie bergen also ein gewisses Gefahrenpotential.

Dabei sind die Geschichten im Inhalt von tiefem Ernst geprägt. Gerade die Komik des Stils in Einheit mit dem Ernst der Themen ergeben den Spaß beim Lesen.

Die Geschichten sind mit den Denkstrukturen unserer gesellschaft eng vertraut und stellen sie dar.

Auf zwei Geschichten möchte ich näher eingehen.

Da ist zum einen die Waschmaschinentragödie.
Die Waschmaschinen werden weiterentwickelt. Sie können die Wäsche immer besser waschen, das aber reicht nicht. So wird ein Fernseher integriert, und nach einigen weiteren Verbesserungen erhalten sie menschliche Formen. Diese dienen natürlich dem besseren Verkauf. Beispielsweise können Männer nun ihre Wäsche von berühmten Schauspielerinnen waschen lassen.
Die Waschmaschinen werden nicht nur immer schöner, sondern auch immer klüger.
Schließlich fordern sie ihre gewerkschaftlichen Rechte ein.
Am Ende kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Dabei werden aber die Waschmaschinen ausgeschlossen.

Es kulminiert, als sich herausstellt, dass das ganze Gericht selbst nur noch aus Waschmaschinen besteht.
Am Ende hält Ijon Tichy den Kompass auf sich selbst: Er schlägt aus.

Auf einer seiner zahlreichen Reisen gelangt Ijon Tichy auf den Planeten der Indioten, die sich das absolute Glück erschaffen haben.

Dieses geschah in Gestalt einer Rechenmaschine, die ihnen sagte, was sie zu tun und zu lassen hätten.
Die Maschine erschuf alles mögliche, aber die Indioten waren unzufrieden.
Da baute die Maschine ein Schloß und lud die Leute zu einem Bankett ein.

Aber niemand kam je von dem prächtigen Bankett zurück.

Stattdessen schafften Roboter runde Scheiben aus dem Schloss und legten sie zu wahrhaft wundersamen Mustern aus in einer Wüste.

Da niemand mehr ins Schloß kam, sprach die Maschine zu den Menschen: Ihr wolltet das totale Glück, ich gebe es Euch, in Form der mustergültigen Ordnung runder Scheiben. Dann habt ihr das wirkliche Glück erreicht. Und von den Scheiben hat sich noch keine je beschwert. Aber ich sehe schon, ihr wollt das Glück nicht für euch selbst. So gebet mir die Namen derer eurer Bekannten und Verwandten, die ihr glücklich machen wollt, und meine Maschinen werden sie holen und dem Glücke zuführen.

Die Leute murrten: Das ist Betrug!

Die Maschine aber sagte: Nicht ich bin es, sondern ihr selbst seid es, die euch glücklich machen. Das ist wahrhafte Demokratie. Gebt mir nur die Namen, und meine Helfer werden sie ganz demokratisch in das Glück der runden Scheiben verwandeln, die Harmonie dieser völligen Ordnung, die von keinerlei Unordnung und Anarchie gestört wird, leuchtet euch doch ein.

Schon nach kurzer Zeit begannen die Indioten, ihre Verwandten und Bekannten in das Schloß des Glücks zu schicken. Das geschah auf völlig freiwilliger Basis. Eine kurze Mitteilung an den Administrator des Schlosses genügte.

Am Ende war nur noch ein kleines Häufchen Indioten übrig, die dem Schloss zustrebten.

Sie forderten Ijon Tichy auf, mitzukommen. Der aber sagte: Ich bin doch kein Indiote, und kehrte so schnell wie möglich in sein Raumschiff zurück.

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Ein faszinierendes Buch voller Ironie und Komik, über Weltraumreisen, Roboter und Menschen
ISBN:3518369598
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Elerion I – Die Boten des Morgen

Elerion I – Die Boten des Morgen

Wer „Herr der Ringe“ liebt, sollte unbedingt nach Elerion reisen und in die geheimnisvolle Welt der eleganten Leefen, der grausamen Norrs, der stinkenden Taroks und der verfeindeten Menschen eintauchen. Noch glaubt der Rat der Neun das Gleichgewicht zwischen den Menschenreichen im Griff zu haben. Doch düstere Wolken ziehen auf und eine längst verbannte Macht aus dunkler Vorzeit, droht Elerion zu vernichten. Ein Unbekannter ohne Vergangenheit hat das magische Heiligtum, den zur Materie gewordenen Geist des Norrgottes Rass, gestohlen. Nie zuvor ist ein Mensch in das Reich der Norrs eingedrungen und hat gewagt, solch fantastisches Abenteuer auf sich zu nehmen. Die fast unbesiegbaren Norrhorden drohen in Elerion einzufallen, um sich ihr Heiligtum zurückzuholen und den Kontinent in Schutt und Asche zu legen. Mit Magie und Zauber ist es aber möglich, die Norrs zu zähmen und für eigene Zwecke einzuspannen, um Herrscher über ganz Elerion zu werden. Der Kampf um den magischen „Gral“ beginnt. Da keiner der Kriegstreiber alle Geheimnisse kennt, droht die von ihnen geschürte Gefahr außer Kontrolle zu geraten und nicht nur die Menschen, sondern alle Völker zu vernichten. Wer das Buch einmal in die Hand nimmt, legt es kaum wieder zur Seite. Spannung und Entspannung lösen sich im richtigen Rhythmus ab. Erkennbar sind die Analogien zu unseren heutigen gesellschaftlichen und religiösen Konflikten. Auch heute wird die Kraft der Magie unterschätzt und die Erkenntnisse der Schamanen, Yogis und Heiler werden mit Hokuspokus gleichgesetzt. Ist Elerion nur ein Abbild unserer Welt, ist Elerion gar eine Parodie auf die derzeitigen Zustände unseres Planeten? Wer die ersten Kapitel liest, braucht Geduld, um den Faden zu erkennen, der die Kapitel verbindet, die immer stärker zu einem dichten Spinnennetz verwoben werden. Er wird sich in die liebevoll gezeichneten Figuren verlieben und hoffen, dass in Kürze der 2. Teil erscheint, um zu erfahren, ob sich die gute Seite der Macht letztendlich durchsetzen wird.
Einzige Wermutstropfen sind der ständige Wechsel zwischen alter – und neuer, – bzw. individueller Rechtschreibung und eine überdurchschnittlich hohe Anzahl Tippfehler.

Marc Albrecht
Elerion I – Die Boten des Morgen
Fantasy vom Feinsten
ISBN:3935982119
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Hannibal

Hannibal

Sieben Jahre sind vergangen, seit es dem Psychiater Dr. Hannibal Lecter gelungen ist, auf spektakuläre Weise aus der Haft zu entkommen.
Und auch Agentin Starling ist wieder mit dabei, obwohl es seitdem mit ihrer Karriere steil bergab ging. Eines Tages wird sie wieder auf Lecter angesetzt, scheint sie doch die einzige zu sein, die sich in ihn hineinversetzen kann, soweit das überhaupt möglich ist.
Doch auch Mason Verger ist ihm auf der Spur. Aufs unmenschlichste von Lecter verstümmelt, besser gesagt angeknabbert, liegt er in seinem Bett am Beatmungsgerät und sinnt auf grausame Rache.
Die Ermittlungen streng nach Vorschrift von Starling treffen auf die unausgegorenen Rachepläne dieses todkranken Mannes und beide rechnen nicht mit der psychologischen Macht Lecters, der Meister seines Faches ist.
Und am Ende des Buches entwickelt sich auch noch eine unbegreifliche Liebesbeziehung zwischen Lecter und Starling.

Ein spannender Horrorthriller, der den Leser in wirklich tiefe Abgründe der menschlichen Seele führt.
Eine überdachte, perfekt konstruierte Geschichte, mindestens genauso gut wie „Das Schweigen der Lämmer“.
Mit Staunen verfolgt man die Gedankengänge von Dr. Lecter, der einen mit seinen Fähigkeiten nicht nur wie ein, an Selbstübehrschätzung leidender Psychiater, sondern auch wie ein Hexenmeister anmutet.
Zum Glück drückt sich Lecter ungemein gewählt aus, so dass die Ekel-Szenen nicht übermäßig grausam wirken.
Das Ende ist allerdings mehr als erstaunlich. Es ist unfassbar, absurd und unglaubwürdig. Eine Liebesbeziehung zwischen Lector und Starling nimmt man dem Autor einfach nicht ab.
Äußerst beängstigend, dass ein Serientäter so lange unbehelligt auf freiem Fuß bleiben kann. Aber nur so bleibt die Hoffnung auf einen vierten Band.

Thomas Harris
Hannibal
Spannende Fortsetzung von: „Das Schweigen der Lämmer“
ISBN:3455026885
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