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Monat: Oktober 2006

Kamtschatka

Kamtschatka

Eine Reise mitten in der Schulzeit ist ungewöhnlich, zumal die Fahrt Hals über Kopf und ohne Reisegepäck beginnt. Es war nichts abgesprochen. Harry und sein kleiner Bruder haben viele Fragen, doch die Mutter hält sich bedeckt. Zuerst geht es zu Freunden, um zu warten, bis der Vater da ist. Dann fährt die Familie weiter bis zu einem abgelegenen Landhaus. Hier will die Familie bleiben, bis die Lage sich entspannt.

Harry wittert ein Abenteuer. Seine Fantasie wird durch die Regeln, die die Mutter den Kindern auferlegt noch mehr angeregt. So darf zum Beispiel das Telefon nicht benutzt werden. Der Vater lässt sich einen Schnurrbart wachsen. Alle denken sich neue Namen aus. Die Kinder schlagen die Zeit tot, vermissen ihr Zuhause. Aber der Plan, die beiden in die Obhut der Großmutter zu geben, schlägt fehl.

Eines Tage kommt ein 18-jähriger Junge in die Familie. Zunächst empfinden ihn die Kinder als Eindringling. Aber er fungiert auch als Babysitter, so dass die Eltern das Haus immer mal wieder verlassen können.
Harry und sein Bruder gehen schließlich wieder zur Schule. Es ist eine kirchliche Schule und der Priester ist ein Freund des Vaters. Die Kinder können sich dort sicher fühlen. Doch Harry verweigert das Lernen.

Die Lage ist angespannt. Die Mutter hat ihre Arbeit im Labor verloren, der Papa hat keine Kanzlei mehr. Harry hat Angst, dass seine Eltern eines Tages nicht zurückkommen könnten. Er träumt davon, ein berühmter Entfesselungskünstler zu werden. Unbewusst versucht er damit auch seinen eigenen Fesseln zu entkommen.

Der Autor erzählt die Geschichte aus der Sicht des kleinen Harry, der die entstandene Gefahr gar nicht begreifen kann. Für einen Zehnjährigen spielt die Politik noch keine Rolle und doch wird er damit konfrontiert. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt. Zusammen mit seiner Familie muss er untertauchen, ohne die politischen Hintergründe verstehen zu können. Während die Eltern versuchen zu überleben, erlebt Harry ein Abenteuer. Versucht so, die Schrecken und die Bedrohung auf seine Weise zu kompensieren.
Die Geschichte ist sehr sensibel erzählt. Aber gerade die kindliche Sichtweise auf die Dinge, macht sie so schockierend, so unglaublich desillusionierend. Kinder beobachten ihren Alltag genau, so auch Harry, der aber die Bedrohung ganz anders wahrnimmt, als die wissenden Eltern. So sind viele Szenen für den Leser, der ja im Gegensatz zu den Kinder begreift, was wirklich passiert, schwer zu verkraften. So ist es kein Wunder, dass diese Geschichte lange im Gedächtnis bleibt.

Über den Autor:
Marcelo Figueras wurde 1962 in Buenos Aires geboren. Er arbeitete als Journalist und Redakteur für verschiedene Zeitungen, veröffentlichte Kurzgeschichten, Romane und schrieb mehrere Drehbücher, auch für „Kamtschatka“. Der Kinofilm wurde als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert.

Rezension von Heike Rau

Marcelo Figueras
Kamtschatka
320 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN-10: 3-312-00377-6
ISBN-13: 978-3-312-00377-8
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Tief im Hirn

Tief im Hirn

Helmut Dubiel ist 46, als Parkinson bei ihm diagnostiziert wird. Die Ursache dafür ist unbekannt, eine Heilung ist nicht möglich. Mit Medikamenten wird versucht, die Krankheit zu behandeln.
Der Autor beschreibt, wie alles begann. Von den ersten Symptomen an, die körperlicher, aber auch psychischer Natur sind. Er erzählt, wie ihm sein eigener Körper immer fremder wird. Seiner Arbeit kann er nicht mehr wie gewohnt nachgehen.

Helmut Dubiel schildert auch die Reaktionen seines Umfeldes auf die Krankheit. Sein Blick auf die Welt verändert sich. Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst und Frustration machen ihm zu schaffen.
Dennoch wagt er eine Operation, die Tiefenhirnstimulation. Dieser Eingriff kann die Krankheit nicht heilen, aber beeinflussen. Leider nicht so, wie Dubiel es sich erhofft hat. Seinen Lebensmut hat er dennoch nicht verloren. Seine Träume hat er sich bewahrt.

Helmut Dubiels Geschichte beeindruckt stark, macht aber auch betroffen und traurig. Bei Parkinson kann es noch kein gutes Ende geben. Doch die Hoffnung auf den medizinischen Fortschritt bleibt. Der Autor schreibt ohne Selbstmitleid und dennoch sehr gefühlvoll und sehr persönlich werdend. Er beschreibt seinen Lebensweg seit dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit. Es ist ein Leidensweg, der von Arzt zu Arzt führt. Trotzt Medikamenten ist das Leben nur noch sehr schwer in den Griff zu bekommen. Die Krankheitssymptome überlagern die Persönlichkeit.
Dennoch ist es auch ein Buch, das Hoffnung macht. Der Autor beweist, dass man sich unter noch so schwierigen Umständen seinen Lebensmut bewahren kann. Dass man aus einem seelischen Tief auch wieder herausfinden kann. Man empfindet Hochachtung vor Helmut Dubiel, der diesen schweren Kampf ausfechtet.

Über den Autor:
Helmut Dubiel wurde 1946 in Essen geboren. Er hat Philosophie und Germanistik in Bielefeld und Bochum studiert und lehrt als Professor für Soziologie in Gießen, arbeitete als Gastprofessor an der University of Berkeley, in Florenz und an der New York University. Helmut Dubiel lebt in Frankfurt.

Rezension von Heike Rau

Helmut Dubiel
Tief im Hirn
142 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN-10: 3-88897-451-8
ISBN-13: 978-3-88897-451-9
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Ein Hund für eine Woche

Ein Hund für eine Woche

Leon und Pia hätten am liebsten einen Hund. Er könnte das Haus bewachen und mit den Kindern spielen. Aber die Eltern lassen sich nicht erweichen. Schließlich macht ein Hund viel Arbeit. Dann geht Leons und Pias Wusch auf einmal doch in Erfüllung. Die Kinder sollen auf den Hund einer Nachbarin, die ins Krankenhaus muss, aufpassen. Das können die Eltern nicht ablehnen.

Der junge Hund heißt Bollo. Er ist noch ganz verspielt. Zur Begrüßung verpasst er Pia gleich mal einen Hundekuss. Turbulent geht es weiter. Bollo springt durch das ganze Haus. Er spielt mit Papas Hausschuh, kippt den Papierkorb um, zerlegt die Zeitung und treibt noch eine Menge Unfug. Papa wird ganz brummig. In der Nacht bleibt Bollo nicht im Flur in seinem Körbchen. Er will bei den Kindern schlafen.

Leon und Pia müssen ununterbrochen auf den Hund aufpassen, damit er keine Dummheiten macht. Doch können sie nicht verhindern, dass Bollo wegläuft, direkt einem wilden Kaninchen hinterher. Zum Glück findet der Hund allein nach Hause. Als er frisch gebadet alles nass macht, ist Papa wenig begeistert. Es ist offensichtlich, dass er Bollo nicht besonders mag. Dafür liebt Bollo den Papa umso mehr. Leon und Pia haben Bollo in ihr Herz geschlossen. Sie wünschen sich jetzt noch viel sehnlicher einen eigenen Hund. Doch scheint es jetzt noch schwieriger, die Eltern zu überzeugen.

Jedes Kind wünscht sich ein Haustier. Aber gerade kleine Jungen und Mädchen können noch nicht einschätzen, was das auf sie zukommt. Im Buch wird das deutlich gemacht. Damit ist die Geschichte besonders gut geeignet für Kinder, die bald ein Haustier bekommen sollen. Es wird gezeigt, wie viel Arbeit ein Tier macht, aber auch wie viel Freude. Da sollte man gut vorbereitet sein, am besten auf eine spielerische Art und Weise. Das Bilderbuch kann dazu der erste Ansatz sein.
Die Illustrationen gefallen gut. Auf jedem Bild können Pia und Leon mit dem Hund beobachtet werden. Das ist sehr spannend und macht viel Spaß. Die Zeichnungen sind großformatig und schön bunt.

Rezension von Heike Rau

Rosemarie Künzler-Behnke
Mathias Weber (Illustrationen)
Ein Hund für eine Woche
25 Seiten, durchgehend illustriert
Annette Betz Verlag
ISBN-10: 3-219-11263-3
ISBN-13: 978-3-219-11263-4
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Papageien der Welt

Papageien der Welt

Papageien findet wohl jeder faszinierend. Viele Arten fallen besonders durch ihre Farbenpracht auf. Interessant ist auch ihre Intelligenz und die Fähigkeit, die Sprache der Menschen nachzuahmen. Deswegen werden einige Arten auch oft als Haustiere gehalten. Karl-Heinz Lambert hat Papageien für das vorliegende Buch in ihrem natürlichen Umfeld fotografiert. Matthias Reinschmidt hat die Texte verfasst. So werden insgesamt mehr als 60 Arten porträtiert. Die Informationen sind spannend. Dazu kommen noch einige Sonderthemen. Hier wird beispielsweise über den Spix-Ara berichtet, der im Jahre 2000 ausgestorben ist.

Die Fotos sind gelungene Naturaufnahmen, die jeden Betrachter faszinieren werden. Vorgestellt werden die Papageien Südamerikas, Afrikas, Neuseelands, Australiens und Asiens. An vielen kann man sich kaum satt sehen. Da sind die Kubasittiche, die, bevor sie ihren Brutbaum anfliegen, zunächst zwischenlanden, um die Umgebung zu kontrollieren. Perfekt fotografiert sind auch die Blaustirnsittiche, die um eine Mango streiten oder die Amazonas-Grünbürzel-Sperlingspapageien, die mit ihrem grünen Federkleid beim Fressen auf einer Wiese perfekt getarnt sind. Auch eine Flugaufnahme einer Blaustirnamazone ist gelungen. Ein weiteres spannendes Foto zeigt Graupapageien, die sich vom Boden erheben und davonfliegen. Wirklich anrührend ist ein Taranta-Bergpapagei beim Füttern des Nachwuchses. Die zwei Keas beim konzentrierten Spiel gefallen ausnehmend gut. Im Kontrast dazu sind die Rosenkakadus beim Streit um den besten Sitzplatz anzusehen. Auch Wellensittiche gibt es im Buch. Auf dem Foto trinken sie eilig einen Schluck an der Wasserstelle und verschwinden schnell wieder. Auch sehr schön anzusehen, sind die Buntloris beim Kuscheln.

Man kann sich gut vorstellen, wie viel Geduld und welches Können es erfordert, ein Buch mit so spektakulären Nahaufnahmen zu machen. Für so manches Bild musste der Fotograf sich im Tarnzelt auf die Lauer legen. Text und Bilder sind perfekt aufeinander abgestimmt. Der Leser erfährt viel Interessantes und auch viel Neues über die faszinierenden Vögel, von denen leider viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Auch darauf lenken Autor und Fotograf das Augenmerk und sensibilisieren den Leser dafür.

Matthias Reinschmidt, Biologe, arbeitet seit 2001 als Kurator im Loro Parque auf Teneriffa, der größten Papageiensammlung der Welt. Er setzt sich für die Rettung bedrohter Papageienarten ein.
Karl-Heinz Lambert fotografiert seit Jahrzehnten Vögel, besonders in ihrem natürlichen Lebensraum. Er züchtet Papageien. Unter anderem hat er mit seiner Frau Karin sieben Naturfilme gedreht.

Rezension von Heike Rau

Matthias Reinschmidt / Karl-Heinz Lambert:
Papageien der Welt
160 Seiten, 200 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN 3-8001-4991-5
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Der Zauberer von Oz

Der Zauberer von Oz

„Der Zauberer von OZ“, geschrieben von Lyman Frank Baum, wurde 1900 zum ersten Mal veröffentlicht. Das vorliegende Buch von David Chauvel und Enrique Fernàndez zeigt die Geschichte um das Mädchen Dorothy auf eine moderne Weise in einer Comic-Adaption.

Dorothy und ihren kleinen, geliebten Hund Toto verschlägt es nach einem Wirbelsturm in das Zauberland von Oz. Gleich bei ihrer Ankunft schaltet sie die böse Hexe des Osten aus und zwar unabsichtlich. Die gute Hexe des Nordens ist dennoch beeindruckt und erzählt Dorothy, dass der Zauberer von Oz die Macht besitzt, sie wieder nach Hause nach Kansas zu Tante Em und Onkel Henri zu bringen. Der Weg ins Zauberland ist allerdings weit und voller Abenteuer. Dorothy wird begleitet von einer Vogelscheuche, die statt Verstand nur Stroh im Kopf hat, von einem Löwen, der ausgesprochen ängstlich ist und nur brüllt, um seine Angst zu verbergen und von einem Blechmann ohne Herz. Die drei Begleiter haben auch ihre Wünsche. Die Vogelscheuche möchte Verstand, der Löwe Mut und der Blechmann ein Herz. Zusammen schaffen sie es bis in die Smaragdstadt. Doch eine Audienz beim Zauberer von Oz in seinem Palast zu bekommen, ist nicht einfach. Ohnehin fordert er, als es endlich geschafft ist, von den vier Freunden eine Gegenleistung. Sie sollen die böse Hexe des Westens aus der Welt schaffen. Das ist keine leichte Aufgabe.

Schon auf den ersten Blick fällt auf, wie eigenwillig die Zeichnungen sind. So wirkt zum Beispiel Dorothy kaum kindlich, nicht mal vom Gesichtausdruck her, was doch sehr verwundert. Sie sieht erwachsen aus und nicht besonders hübsch. Das Zauberreich Oz ist sehr farbenfroh und detailreich dargestellt, die Smaragdstadt in interessanten leuchtenden Grüntönen. Alles in allem sind viele Zeichnungen leider recht klein geraten und auch das Schriftbild ist manchmal nicht leicht zu entziffern. Dennoch bietet die Comic-Adaption viele Überraschungen und verwirklichte Ideen in der Umsetzung der einzelnen Szenenabfolgen, auch wenn eine märchenhaft, verträumte und vor allem kindgerechte Stimmung nicht so recht aufkommen will. Geeignet ist das Buch damit vielleicht nicht so sehr für Kinder. Erwachsene dürften aber ihre Freude daran haben.

Rezension von Heike Rau

L. Frank Baum
Der Zauberer von Oz
Adaption: David Chauvel
Zeichnungen und Farbe: Enrique Fernàndez
96 Seiten, gebunden
Ehapa Comic Collection im Egmont vgs Verlag
ISBN-10: 3-7704-2915-X
ISBN-13: 978-3-7704-2915-8
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