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Monat: Dezember 2006

Der große Vogelatlas

Der große Vogelatlas

Das große Buch ist als Nachschlagewerk gedacht. Dementsprechend ist es aufgebaut. Jede Art wird zunächst als Teil einer Familie gezeigt und später noch einmal in einem eigenen Porträt vorgestellt. In der Familienbeschreibung, in der Reihenfolge so angeordnet, wie sie vermutlich gemäß der Fossilgeschichte entstanden sind, werden die Merkmale der Vogelfamilie beschrieben. Der Leser erfährt, wo die Familie vorkommt, wovon sie sich ernährt, ob sie den Zug- oder Standvögeln zugeordnet wird, über welches Lautrepertoire die Vögel verfügen, welche Bindung zwischen den Geschlechtern besteht, wie ihr Brutverhalten aussieht, ob sie Nester bauen, wie oft sie brüten, wie viele Eier gelegt werden, und wie lange die Brutdauer ist. Auch über die Jungvögel wird Interessantes berichtet, wie und wie lange die Eltern sie umsorgen und was die Nestlinge fressen.

Danach geht es an die Beschreibung der einzelnen Arten einer Familie. Hier kann man Verbreitungskarten einsehen, Fotos und Zeichnungen ansehen und sich Hilfe bei der Bestimmung der Arten holen.
Die Vogelbeschreibungen sind erfreulich ausführlich gehalten. Das wird sicher jeden Vogelfreund begeistern. Viel Interessantes, Wissenswertes und auch Außergewöhnliches im Verhalten der Vögel gibt es hier zu erfahren. So kann man sich ein umfassendes Bild der einzelnen Familien und Arten machen. Die vielen typischen Fotos ergänzen dieses Bild. In kleinen Zeichnungen kann man Jungvögel mit erwachsenen Vögeln vergleichen

Interessant sind auch die dem Buch vorangestellten Artikel über Evolution, Anatomie und Systematik. Hier kann man viel über Vögel nachlesen, beispielsweise ihr Familienleben, ihre Lebensräume, ihr Flugverhalten und auch über den Vogelschutz

Das Buch ist für Hobby-Ornithologen, Vogelliebhaber und Naturfreunde sehr empfehlenswert, besonders, weil es im Gegensatz zu vielen Vogelbestimmungsbüchern sehr ausführlich gehalten ist und auch gestalterisch sehr ansprechen aussieht. Für Fotos ist hier viel Platz, was ausgesprochen hilfreich bei der Bestimmung von Vogelarten ist. Teilweise nehmen sie eine ganze Seite ein und da sind wirklich Higlihts dabei. Glossar und Register sind vorhanden.

Rezension von Heike Rau

Dominic Couzens:
Der große Vogelatlas
Alle europäischen Arten
Aus dem Englischen von Marc Förschler und Iris Heynen
Fotos und Bildredaktion: David Cottridge
336 Seiten, 1300 Farbzeichnungen, 470 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
ISBN-10: 3-8001-4989-3
ISBN-13: 978-8001-4989-6
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Die Habenichtse

Die Habenichtse

Es handelt sich in diesem Buch um eine düstere und unterschwellig dramatische Geschichte.

Jakob und Isabelle, die zwei Hauptprotagonisten, treffen sich zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung an einer Universität am 11. September 2001 in Berlin, wo beide tätig sind. Er ist Rechtsanwalt und sie Grafikerin. Er ist mit der Rückübertragung von Vermögensangelegenheiten betraut, die sich nach dem Krieg und dem Fall der Mauer ergeben haben.

Der Tag des 9.11. bildet einen Markstein im Fühlen und Denken vieler Bürger der westlichen Hemisphäre.
Eine Art Düsternis liegt seitdem über den Ländern und großen Städten, weil sich tiefe Unsicherheit darüber breit macht, wie wir ohne Angst und Not nun weiterleben werden. Diese Not zeigt sich auch im Verlauf der weiteren Geschichte.

Isabelle und Jakob verlieben sich und heiraten. Die Liebe zwischen den beiden wirkt lau und wenig überzeugend. Es sieht so aus, als ginge es ihnen um Geborgenheit und Zugehörigkeit zu einander mehr als um die große Liebe.

Jakob bekommt eine Stelle in London, da der dafür ausersehene Kollege bei dem Anschlag auf das WTC in New York ums Leben gekommen ist.

Jakob und Isabelle beziehen ein kleines Häuschen in einer nicht ganz so feinen Gegend Londons.

Als Parallelgeschichte dazu figurieren Jim, Ben, Albert und Jims Freundin Mae, die aber verschwunden ist. Diese Personen agieren im kriminellen Milieu in London.

Während Jakob mit seiner Arbeit und seinen Kollegen, die aus dem homosexuellen Milieu stammen, beschäftigt ist, entfernen sich Isabelle und Jakob innerlich sehr weit von einander.
Allmählich gewinnt die Geschichte eine fast surreale Dimension: Isabelle verliert sich an Jim, den Dealer und Kriminellen.
Es wechseln die Orte und die Gesprächspartner. Manche Szenen erscheinen wie ein Traum, in anderen wieder geht es grausam bis realistisch zu.
Die ganze Erzählung hindurch spürt man Trostlosigkeit und Leere. Es scheint so, als lebten die Personen von Augenblick zu Augenblick ohne wirklich langfristige Perspektiven oder Lebensziele.

Das ist m.M. nach die Kunst von Katharina Hacker: sie hat eine Stimmung eingefangen, wie sie sich erst nach dem 11. September mit allen ihren wirtschaftlichen Konsequenzen und allgemeinen Daseinsfragen durch die weltpolitischen Veränderungen zugleich mit dem Ende des kalten Krieges bei vielen Bürgern in unserer westlichen Welt eingestellt hat.
Es gibt keinen festen Halt, es gibt keine sicheren Daseinsformen; wir sind einer Zeit der Unsicherheit ausgesetzt, die neu ist. Traditionen und Familiensicherheiten sind z.T. verloren gegangen.
Ich war fasziniert und abgestoßen zugleich: von einer heilen Welt kann man sich nach diesem Buch endgültig verabschieden. Es ist dennoch ein großartiges Buch, intelligent ausgedacht, scharf in der Beobachtung, in einem wunderbaren Stil geschrieben, anspruchsvoll und absolut überzeugend in der Darstellung unserer heutigen Welt, in der sich die Konturen zwischen den gesellschaftlichen Strukturen verwischen.

Katharina Hacker
Die Habenichtse
Eine neue Zeit nach dem 11.September 2001
ISBN:3518417398
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Sechs silberne Saiten

Sechs silberne Saiten

Als Weihnachtsmann im Supermarkt erlebt man nicht nur Gutes. Das bekommt Holger zu spüren. Aber es ist nicht nur der juckende Wattebart. Das Übel geht von Dennis aus. Der ist zu groß, um noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Aber er weiß, wie man ihn ganz geschickt mit fiesen Methoden um fünfzig Euro erpressen kann. Holger hat keine Wahl. Er rückt das Geld raus, um nicht als angeblicher Kinderschänder dazustehen.

Auf dem Heimweg trifft Holger einen anderen Weihnachtsmann der zur Gitarre Country-Songs singt. Sein Bart ist echt. Aber noch viel faszinierender sind die magisch glänzenden Saiten seiner Gitarre. Von Holger lässt er sich dreist auf einen Glühwein einladen. Holger hat sowieso nichts Besonderes vor. Lange währt das Glühweintrinken im Cafe nicht. Weihnachtsmann Udo muss gehen, als ein Auftrag eingeht.

Holger hat es sich in der Badewanne gemütlich gemacht, um sich in weihnachtliche Stimmung zu bringen, als seine Mutter anruft. Sie ist eine Nervensäge und bringt ihn ganz schön aus dem Konzept. Wahrscheinlich rennt Holger deswegen so kopflos aus der Wohnung, als er nach dem Gespräch erschrocken feststellt, das der Kühlschrank so gut wie leer ist. Erst draußen merkt er, dass er Jacke und Schlüssel vergessen hat. Eine einsame Telefonzelle bietet ihm Schutz vor dem Schneeregen.

Den Schlüsseldienst hätte er jetzt gerne gerufen. So erbettelt er sich etwas Geld. Mit einer Mark geht allerdings heute nichts mehr. Eine alte Frau nimmt sich schließlich seiner an. Sie ersetzt den Schlüsseldienst voll und ganz. Nach einer Tasse Kaffee, bringt Holger die Frau nach Hause. Auf dem Spielplatz entdecken die beiden ein Kind. Ganz allein ist es und das an Weihnachten. Holger traut seinen Augen nicht. Es ist Dennis. Das ist die Gelegenheit, sich das erpresste Geld wiederzuholen.

Mit dieser kurzen vergnüglichen und perfekt illustrierten Weihnachtsgeschichte wird man an einem einsamen Abend bestens unterhalten. Regie führt der Weihnachtsmann selbst. Er bringt einsame Menschen an diesem Tag zusammen. Die Charaktere sind alles andere als gewöhnlich. Dazu gehören der freche Dennis, der aber eine Traumfrau als Mutter hat oder die rüstige Frau Hutwelker, die kein Blatt vor den Mund nimmt, das Herz aber am rechten Fleck trägt . Auch Holgers geschiedene Eltern erfreuen mit ihrer Anwesenheit. Jeder hat seinen eigenen persönlichen Spleen. Deswegen erlebt der Leser auch einige Überraschungen. Das Weihnachtsfest wird dann auch nicht ganz traditionell gefeiert. Schön ist es trotzdem.

Rezension von Heike Rau

Frank Goosen
Sechs silberne Saiten
Eine Weihnachtsgeschichte
Illustrationen von Peter Schössow
96 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3-8218-4963-0
ISBN-13: 978-3-8218-4963-8
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Mama, du bist nicht der Bestimmer

Mama, du bist nicht der Bestimmer

Andrea Kiewel, bekannt als Fernsehmoderatorin, hat zwei Söhne unterschiedlichen Alters. Von den beiden und ihrer eigenen Kindheit erzählt sie nun. Dabei geht es um die Eingewöhnung im Kindergarten, die Einschulung und die Pubertät. Andrea Kiewel unterhält mit urkomischen Anekdoten und Geschichten, die im Gedächtnis haften geblieben sind. Auch was Kindermund so kund tut, findet Erwähnung. Der Wiedererkennungswert ist für alle Eltern groß. Einiges kommt doch sehr bekannt vor. Viele Eltern könnten ebenfalls solche Geschichten erzählen. Manches in Vergessenheit geratene kommt wieder in Erinnerung.

Andrea Kiewel gibt auch Einblicke in ihre Erziehung, die sie mit viel Liebe meistert oder gemeistert hat. Sie zeigt, wie bei ihr der Alltag gelebt wird und wie sie umgeht mit den Schwierigkeiten, die das Elternsein nun mal so mit sich bringt. Ihre Gelassenheit springt auch ein Stück weit auf den Zuhörer über. Gerade für gestresste Eltern wirkt das Hörbuch also sehr entspannend.

Interessant ist auch der Vergleich zwischen Frau Kiewels Kindheit in der DDR und der Erziehung der Kinder heute. Da hat sich tatsächlich einiges geändert. Die Schwerpunkte in der Erziehung haben sich verschoben. Andrea Kiewel scheint es zu bedauern, dass viele Kinder heutzutage kaum noch Freizeit zum ausgelassenen Spiel haben. Sie gibt Anreize, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Perfektion ist nicht gefragt. Mit Liebe lässt sich vieles leichter bewältigen.

Man spürt ein Schmunzeln im Gesicht von Andrea Kiewel, wenn sie liest. Es macht ihr sichtlich Spaß, sich an die eigene Kindheit und die ihrer Söhne zu erinnern. Dementsprechend gut, wird der Zuhörer unterhalten.

Andrea Kiewel
Mama, du bist nicht der Bestimmer
Sternstunden für Eltern
Autorenlesung
Eine CD, ca. 78 Minuten
Steinbach sprechende Bücher
ISBN-10: 3-88698-886-4
ISBN-13: 987-88698-886-0
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