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Monat: März 2008

Frau Hagedorn, Heinz-Berti und der Kurt

Frau Hagedorn, Heinz-Berti und der Kurt

Zwei verschiedene Ehen werden von Elisabeth Jansen in ihren Kurzkrimis „Leonce und Lena“ und „Das Mitbringsel“ beschrieben. In der einen geht es um einen Ehemann, der es nicht schafft, seine ehelichen Pflichten einzufordern und von der Tatsache überfordert wird, dass seine Frau dennoch keine Jungfrau ist. Dass nun in Heinz-Berti die Mordlust geweckt wird, ist kein Wunder. Doch der präparierte Harzer Käse sucht sich ein anderes Opfer.
Ernst-Friedolin ist von ganz anderem Kaliber. Auch er ist nicht zufrieden mit seiner Ehefrau. Sein Plan etwas zu ändern, scheint zunächst aber aufzugehen. Es ist ganz einfach, ihr die Geliebte Pink-Sue als Haushaltshilfe unterzujubeln. Roberta scheint mitzuspielen, in Gedanken schmiedet sie aber schon einen teuflischen Plan.
Beide Krimis sind kurzweilig und amüsant. Die Männer sind Opfer und Täter zugleich, das macht die Sache spannend. Geschrieben sind die Texte mit Sensibilität. Die Autorin beobachtet sehr genau, dass macht die Krimis tiefgründig.

Die Hauptrolle in dem amüsanten Krimi „Nichts zu verlieren“ von Michael Norden spielt ein Butler, der im Ruhestand ist, weil sein Herr spurlos verschwand. Die Witwe hat den Butler entlassen. Aber der kann die dritte Frau Schüppe ohnehin nicht leiden. Amelie Hagedorn, eine Sitzengelassene aus der Vergangenheit, als Schüppe noch keinen Butler hatte, hat allerdings Verwendung für ihn. Bertram hat Lust für sie zu arbeiten, auch wenn er es nicht nötig hat. Er hätte seiner Neugier lieber im Zaum halten sollen. Das Haus, das vom Enkel der alten Dame „Frankeinsteins Hütte“ genannt wird, hat diesen Namen zurecht. Das wird Bertram klar, als er den Schrumpfkopf im Keller findet. Die Warnung kann deutlicher nicht sein. Und dennoch wird der Butler Opfer seiner eigenen Leichtgläubigkeit und auch seiner Dienstbeflissenheit.
Dieser Krimi kommt einem Verwirrspiel gleich, bei dem nicht so schnell klar wird, wer Opfer und wer Täter ist. Der Autor überrascht mit interessanten Wendungen, versteht es, den Leser damit zu fesseln. Der gut durchdachte Krimi liest sich leicht, auch wenn er sehr makaber ist.

Wie wichtig die richtige Kopfbekleidung ist, die man bei einem Banküberfall zur Tarnung aufsetzt, zeigt Detlef Knut mit seinem Krimi „Unter der Last“. Ein weiteres Risiko ist das eigene Gewissen, gerade dann, wenn man es unterschätzt. Mit aller Macht zerstört es jedes bisschen Selbstsicherheit. Den Rest erledigt die Fantasie.
Der Autor spielt einen ganz „gewöhnlichen“ Banküberfall durch. Sein Bankräuber ist ein normaler Mensch in schwieriger finanzieller Situation, der sich nicht anders zu helfen weiß. Der Banküberfall selbst gelingt, die Polizei tappt zunächst im Dunkeln. Der Bankräuber manövriert sich allerdings selbst ins Abseits.
Es macht Spaß, die Geschichte zu lesen und sich in die Sorgen und Nöte des Räubers hineinzudenken, der Opfer seines eigenen Gewissens wird. Auch die andere Seite wird beleuchtet, also das Ermittlerteam. Der Leser, der ja praktisch Zeuge des Überfalls war, erfährt, wie nah oder fern die Polizisten dem Täter sind. Hier sticht besonders der Ehrgeiz einer neuen jungen Kollegin heraus, die den Fall entscheidend vorantreibt. Der Autor schreibt sehr detailreich, so dass man sich gut in diesen Krimi hineinversetzen kann. Satirisches spielt unterschwellig mit, genau im richtigen Maß.

Fazit: Eine lesenswerte Anthologie, für alle, die spritzige Kurzkrimis mögen.

Rezension von Heike Rau

Elisabeth Jansen / Michael Nolden / Detlef Knut
Frau Hagedorn, Heinz-Berti und der Kurt
Die Kriminalgeschichten der 3. Mönchengladbacher Kriminacht (2007)
142 Seiten, broschiert
Engelsdorfer Verlag 2008
ISBN: 978-3867036511
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Wer war das? – Forscher und Erfinder

Wer war das? – Forscher und Erfinder

Dass wir heute nicht im Dunklen sitzen müssen, dass wir Autos haben, am Computer lernen können, dass bestimmte Krankheiten ihren Schrecken verloren haben und vieles mehr, das haben wir Menschen zu verdanken, die mutig, erfinderisch und wissbegierig sind oder waren. Über die Forschungsergebnisse und die vielen Erfindungen lernt man auch immer einiges in der Schule. Aber nicht jeder Schüler ist an Physik, Mathematik, Chemie und Biologie interessiert. Zu viel muss man sich mit Formeln und Gesetzen abplagen. Und doch sind diese Wissenschaften überaus spannend. Die Autorin geht gekonnt daran, Wissen zu vermitteln. Sie erzählt von den Forschern und Erfindern.

Jedem Porträt geht eine kleine Geschichte oder Anekdote voraus. Hier wird noch kein Name genannt. Manchmal ahnt man schon, wer gemeint ist. Auf alle Fälle wird das Interesse geweckt, weiterzulesen. Mit dabei sind Archimedes von Syrakus – der Vater des Pi, Leonardo da Vinci – das malende Universalgenie, James Watt – der Herr der Pferdestärken, Werner von Siemens – der Mann unter Strom, Gottlieb Daimler – der Kutscher ohne Pferde, Otto Lilienthal – der Ikarus von Anklam, Lisa Meitner – die Mutter der Kernspaltung, Stephen Hawking – der Meister des Universums und viele mehr. Man gibt sich mit dem Buch auf eine Zeitreise, die bis in die Gegenwart reicht.

Schon die Überschriften wecken Interesse und laden ein zum Weiterschmökern. Nach den Lebensdaten werden aber nicht einfach nur die Forschungsarbeiten und Erfindungen aufgelistet. Die Autorin erzählt die Lebensgeschichte, die meist schon in der Kindheit beginnt. Die biografischen Daten sind dort untergebracht. Aber der Autorin gelingt es, den Menschen darzustellen, was ausgesprochen gut gefällt. Man bekommt Zugang zu den Erfindern und Forschern, lernt die Beweggründe kennen. Das liest sich wirklich gut, ist spannend und informativ. Man liest Fakten und Anekdoten und wo nicht viel überliefert ist, wird auf schlüssige Annahmen zurückgegriffen. So entsteht ein umfassendes Bild jeder Person. Zu jedem Porträt gibt es außerdem eine Abbildung, zum Beispiel eine Zeichnung oder auch ein Foto.

Fazit: Das Buch ist ein kleines Lexikon und doch ganz anders. Es beschränkt sich nicht auf Fakten, vielmehr wurde es in einem erzählenden Stil geschrieben, der sich sehr gut lesen lässt. Es zeigt nicht nur die Erfindungen und Forschungsergebnisse, es beschreibt auch den Menschen, der dahinter steht. Das Buch ist für Kinder ab 12 Jahren bestens geeignet, auch gerade dann, wenn diese noch keinen Zugang zu den Wissenschaften finden konnten. Aber auch für Erwachsene ist das Buch spannend.

Rezension von Heike Rau

Christine Schulz-Reiss
Wer war das? – Forscher und Erfinder
285 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Loewe Verlag, Bindlach
ISBN: 978-3785559994
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Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb

Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb

Amy Bloom
Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb
Hoffmann und Campe
ISBN 3455400914

Abenteuerreich und vielschichtig ist die Geschichte über das Leben und die Reisen der Lillian Leyb.
Wir schreiben das Jahr 1920 und erleben sie als junge Frau in New York.
Sie ist gerade mit einem Einwandererschiff angekommen und schleppt sich buchstäblich mit letzter Kraft zur Adresse einer Cousine. Dort wird sie unter ärmlichsten Bedingungen in ein Schlafquartier eingewiesen, das sie sich mit noch anderen Ankömmlingen teilen muss.
Sie ist Jüdin und kommt aus Russland. Dort hat sie bei einem Pogrom ihre ganze Familie verloren, nur ihre kleine Tochter ist verschwunden.
Lillian beginnt in New York als Näherin bei einer jüdischen Theatergruppe. Mitglieder der Truppe, ein imposanter Vater und sein Sohn, Regisseur der eine und Schauspieler der andere, werden ihre Liebhaber. Beide sind recht sonderbare Gestalten. Lillian ist alles egal: es gilt nur, das Szenario des Untergangs hinter sich zu bringen.

Niemand kann Lillian aufhalten, als sie erfährt, dass ihre Tochter Sophie angeblich noch lebt,–in Sibirien!
Sie macht sich auf die Reise, um die Tochter zu finden.

Es geht aber in der Erzählung nicht vordergründig um die Suche nach der Tochter. Vielmehr scheint die Reise und Suche nach ihr den Plot zu geben für ein Leben, das von außergewöhnlichen Randbedingungen gekennzeichnet ist.

Die Geschichte spielt zwischen Neuankömmlingen in New York, zwischen Ganoven und Lebenskünstlern, Theaterleuten aus russisch jüdischen Einwandererzirkeln und allerhand verlorenen Gestalten.

Lillian taumelt zwischen Traum und Wirklichkeit dahin. Sie wirkt fast unbeteiligt und spielt ein Spiel mit, von dem nicht klar ist, wie es enden wird. Es geht immer nur ums nackte Überleben und dazu gehört Geld, wie immer man es sich beschafft.

Abenteuerlich, phantasievoll und fast betäubend wird über die Leiden der Lillian Leyb auf ihrem Weg zurück nach Russland berichtet.
Mit Chuzpe und Geschick setzt sie unbeirrt ihre Reise durch.

Auf ihrer Reise landet Lillian einmal im schwarzen Prostituiertenmilieu in Seattle mit unglaublichen Zuständen, dann wieder im Knast auf dem Weg nach Kanada.
Ob sie ihr Ziel je erreichen wird?

Neben dem New Yorker jüdischen Viertel ist es die gefährliche Reise über den halben Kontinent nach Alaska und Sibirien, die mit vielen Abenteuern aufwartet. Charakterstudien und Lebenskunst sind die herausragenden Merkmale der Erzählung.
Milieustudien von seltener Vielfarbigkeit bieten bestechende Unterhaltung.
Die Geschichte ist gelegentlich in epischer Breite angelegt.

Trotz wortgewaltiger Passagen und der phantasiereichen Geschichte möchte ich das Buch eher dem Genre gehobener Unterhaltung als der großen Literatur zurechnen.

Rezension von Claudine Borries

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Check out!

Check out!

Das Hotel Mama hat sicherlich seine Vorteile, aber irgendwann wird es Zeit auszuziehen, vielleicht weil man eine Lehrstelle in einer anderen Stadt gefunden hat, weit weg von zu Hause studieren möchte oder weil irgendwo fernab der Heimat ein toller Job wartet. Für viele junge Leute heißt es nun, ins kalte Wasser zu springen, denn oft ist nicht so richtig klar, was einen erwartet.
Das Buch hilft hier weiter. Es geht los mit der Wohnungssuche. Beherzigt man die Ratschläge, sollte sich eine geeignete Bleibe, die man auch finanzieren kann, finden lassen. Man erfährt zum Beispiel, wie eine Wohnungsbesichtigung abläuft und was man bei der Wohnungsübergabe beachten muss.
Der Umzug sollte nicht ungeplant stattfinden. Ganz ohne Chaos geht es mit den Ratschlägen im Buch. Man bekommt sogar Tipps, damit die neue Wohnung richtig gemütlich wird. Die Einweihungsparty wird aufgrund der Rezepte, die man im Buch findet, sicher ein voller Erfolg.
Die ersten Hürden sind genommen. Dennoch kommt noch jede Menge an Herausforderungen auf jeden zu, der zum ersten Mal alleine lebt. Zum Beispiel muss der Umgang mit dem Geld gelernt werden. Es gibt viele Tipps, wie man seine Einnahmen sichtet und die Ausgaben plant, damit man gut über den Monat kommt. Hier helfen auch die Einkauftipps weiter.
Mit Hilfe des Buches kann man auch Kochen lernen. Grundsätzliches wird hier vermittelt und damit man auch gleich loslegen kann, gibt es einfache Rezepte für Anfänger und etwas aufwändigere für Fortgeschrittene.
Das war aber längst noch nicht alles. Wer sich fragt, wie das mit dem Putzen geht, wie man Ordnung hält, wie man Wäsche wäscht und bügelt und was man bei kleinen Wehwehchen tut, findet Antwort im Buch.

Geeignet ist das Buch für junge Leute, die sich bisher im Hotel Mama so richtig verwöhnt haben lassen. Mancher, der das Buch liest, wird sich wundern, dass ganz einfache Dinge erklärt werden, aber das ist ja genau das, was gebraucht wird, wenn man bisher höchstens mal bei den Hausarbeiten geholfen hat.
Die Autoren erklären alles sehr verständlich. Ihr lockerer Ton gefällt gut, man kann die Ratschläge so viel besser annehmen. Das Buch liest man am besten von vorn bis hinten durch. Später kann man es als Nachschlagewerk benutzen. Man findet kleine Psychotest, Checklisten, hilfreiche Listen, zum Beispiel für die Vorratshaltung, tolle Rezepte, auch für den schmalen Geldbeutel oder auch eine Fleckenapotheke.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt also. Das Geld ist gut angelegt. Das Buch nimmt auch die Angst vor der ersten eigenen Wohnung. Man kann es schaffen. Das Buch ist eine große Hilfe für den Alltag.

Rezension von Heike Rau

Natalie Stowasser / Patrick Choinowski
Check out!
Hotel Mama adé – Start ins eigene Leben
182 Seiten, broschiert
Grondrom Verlag
ISBN: 978-3811231245
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