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Monat: April 2008

Mein Nachbalkon

Mein Nachbalkon

Auch wer keinen Garten hat, kann Obst und Gemüse ernten. Terrasse oder Balkon machen es möglich. Der Ertrag wird immer klein bleiben, dafür ist der Spaßfaktor aber ausgesprochen groß. Alles, worauf man Lust hat, wird in Töpfen und Kübeln angebaut. Es gibt viele Sorten, die dafür geeignet sind.

Die Autorin beginnt mit dem Gemüse. Sie stellt Salate vor, die gut im Blumenkasten wachsen, zeigt, welche Tomatensorten gerne im Kübel gedeihen. Einen schönen Sichtschutz kann man mit Bohnen und Erbsen ziehen. Sogar Möhren und Kartoffeln wachsen im Topf.

Auch wer Lust auf Kräuter hat, findet die passenden Sorten im Buch. Von Petersilie bis Schnittlauch ist alles dabei. Wer das Besondere mag, kann es mit Sauerampfer und Brunnenkresse versuchen. Sehr dekorativ sieht eine rankende Kapuzinerkresse aus, die sich auch gut als Ampelpflanze macht. Selbst eine Grüne Apotheke mit Zitronenmelisse, Lavendel oder Salbei hat Platz auf dem Balkon.

Wer nur einen Balkon oder eine Terrasse hat, braucht auch nicht auf frisches Obst zu verzichten. Es gibt kleinwüchsige Apfelbäume, die gut in Kübeln wachsen. Schön sehen auch Orangen- und Mandarinenbäumchen aus. Eine gute Ernte versprechen auch Johannisbeeren als Stämmchen gezogen. Sogar der Traum vom eigenen Weinstock lässt sich erfüllen. Wer es exotisch mag, versucht es mit Feigen, Maracujas.

Die Autorin berät umfassend. Sie macht eine Kaufberatung, sodass der Leser sofort weiß, welche Sorten sich für Balkon oder Terrasse eignen. Ausführlich wird beschrieben, wie die Pflanzen zu pflegen sind. Dabei geht die Autorin auch auf Probleme ein, die etwa ein Schädlingsbefall mit sich bringen könnte.
Man erhält als Leser das nötige Wissen, das man braucht, um die Gemüse-, Obstsorten und Kräuter optimal beim Wachsen unterstützen zu können. Auch wenn die Ernte kleine sein wird, so macht es doch ungeheuer viel Spaß, die Pflanzen zu pflegen und zu beobachten. Die Ernte wird entweder sofort vernascht oder aber auch weiterverarbeitet. Im Buch findet man auch gleich die passenden Rezepte von Kräuterquark über Blütentee bis hin zu Estragonessig.
Damit ist das Buch für alle Balkongärtner ausgesprochen empfehlenswert.

Rezension von Heike Rau

Natalie Faßmann
Mein Nachbalkon
Gemüse, Kräuter & Obst
124 Seiten, 100 Farbfotos, 10 Tabellen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN 978-3-8001-5351-0
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Lisa Gardner: Kühles Grab

Lisa Gardner: Kühles Grab

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Bobby Dodge, Detektive der Staatspolizei von Massachusetts wird in der Nacht von seiner Vorgesetzen D. D. Warren aus dem Bett geholt. Für Bobby, eben am Tatort angekommen, werden Erinnerungen an einen alten Fall wach. Auf dem Gelände des ehemaligen Boston State Mental Hospital, wurde eine unterirdische Kammer mit sechs Kinderleichen entdeckt. Eine von ihnen wird anhand eines Anhängers identifiziert.
Annabelle liest in der Zeitung, dass die Polizei glaubt, dass sie tot ist und meldet sich. Sie erzählt von ihrer Familie, ihren Eltern, mit denen sie immer auf der Flucht war. Das Medaillon hat sie ihrer besten Freundin Dori Petracelli gegeben, weil sie es nicht behalten durfte und sie dann wegen eines fluchtartigen Umzuges nie wieder gesehen.
In Verdacht, die Morde begangen zu haben, fallt Richard Umbrio. Auch er hatte ein Mädchen entführt und in eine Erdgrube gesperrt. Sie wurde jedoch gefunden und hat überlebt. Umbrio saß zum Zeitpunkt der späteren Morde im Gefängnis.
Nach und nach finden die Ermittler heraus, warum die Eltern von Annabelle so oft umgezogen sind. Offenbar fürchteten sie um das Leben ihrer Tochter. Möglicherweise musste Annabelles Freundin sterben, weil der Täter ihrer nicht mehr habhaft werden konnte. Der Mörder ist auf freiem Fuß und möglicherweise immer noch hinter Annabelle her.

Es ist sicher kein Vergnügen, einen Krimi zu lesen, in dem kleine Mädchen Opfer eines pädophilien Serienkillers geworden sind. Doch die Autorin spielt nicht um jeden Preis mit den Gefühlen ihrer Leser. Sie setzt das Hauptaugenmerk nicht auf die Opfer, sondern auf die Ermittlungsarbeiten. Und die sind wirklich spannend. Dennoch kommt das kalte Grausen hoch, denn die Aufklärung des Falls gestaltet sich alles andere als einfach. Puzzlestein für Puzzlestein wird mühsam zusammengesetzt. Immer mehr Details kommen ans Tageslicht, aber ohne dass das Buch für den Leser vorhersehbar wird. So wird die Spannung bis zum Ende des Buches gehalten.
Sehr interessant gestaltet sind die Figuren des Buches. Das Ermittlerteam, hier insbesondere Bobby und D. D. sind sehr eigenwillige Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, die auch mal aneinandergeraten.
Interessant ist auch Annabelle, deren Vergangenheit und wahre Identität lange ein Geheimnis bleibt. Hier tappt nicht nur die Polizei im Dunklen. Annabelle selbst kann keine Auskunft geben. Sie weiß nicht, warum ihre Eltern immer wieder geflüchtet sind und die Identität gewechselt hat. Ihre Eltern können keine Auskunft geben, da sie nicht mehr am Leben sind.
Es gibt Bücher, deren Lektüre ist ermüdend. „Kühles Grab“ dagegen macht munter. Es ist eine Herausforderung für den Leser, selbst zu überlegen und Schlüsse aus den Ermittlungsarbeiten zu ziehen. Die Autorin legt die Fährten geschickt, auch wenn es dem Leser bald so vorkommt, als hätte er keine Chance, denn Fall noch vor Abschluss der Ermittlungen zu lösen. Kurzum, man wird gut und anspruchsvoll unterhalten.

Rezension von Heike Rau

Lisa Gardner
Kühles Grab
Aus dem Amerikanischen von Ursula Walther
360 Seiten, gebunden
Rütten & Loening
ISBN: 978-3352007552
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In 180 Tagen um die Welt

In 180 Tagen um die Welt

Johann Gottlieb Fichtl ist nur ein kleiner Finanzbeamter. Dass er nun auf Weltreise gehen kann, verdankt er einem Gewinn seiner Lotto- und Toto-Tippgemeinschaft. Da das Geld aber nicht für alle reicht, wird ausgelost. Fichtel ist der Glückliche, der auf Kreuzfahrt geschickt wird, mit der Auflage alles Erlebte täglich frisch zu berichten.

Die MS Europa, dieses riesige Luxushotel, beeindruckt Fichtl über alle Maßen. Er fügt sich sofort ein, obwohl er nicht zu den Reichen und Schönen gehört. Auch die Seekrankheit schlägt nur bei den anderen zu, bei im liegt das Unwohlsein an der Doppelportion Jacobsmuscheln und Riesengarnelen. Seine Tischgesellschaft rätselt um seine Identität. Den Aldi-Smoking hält man für eine Verkleidung. Bald redet man Fichtel mit dem Doktortitel an. Er spielt mit, wird zum genauen Beobachter seiner Umwelt. Was er erlebt zwischen Fressgelagen und Diätkost, zwischen dem Nachtleben an Bord und den Landgängen, zwischen Beach-Barbecue und Bayerischen Frühschoppen, zwischen Gottesdienst und PC-Kurs für Anfänger schildert er seinen Freunden zu Hause. Er schickt sogar Fotos, ganz nach Fichtl-Art.

Das Buch ist schon interessant zu lesen. Schließlich muss Fichtl sich in einer für ihn gänzlich unbekannten Welt bewegen. Luxus war ihm bisher fremd. Und auch der Umgang mit privilegierten Menschen, denen er nun näher kommt, als ihm lieb ist, in deren Privatleben er hineingezogen und -gezwungen wird. Und alles spielt sich in dieser kleinen Welt ab, der man nicht entfliehen kann. Dieses aufgesetzte Zusammengehörigkeitsgefühl wirkt komisch. Und Fichtel berichtet darüber in einer sehr trockenen humorlosen Art, die zum Schmunzeln reizt.
Der Schreibstil des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Die Tagebuchform ist in Ordnung. Es wird aber nicht in vollständigen Sätzen geschrieben, vielmehr wird sich auf das Wesentliche beschränkt. Der Text wirkt so zusammengeklatscht und strukturlos. Das ist sicherlich beabsichtigt, weil es zu Fichtl passt, liest sich aber schlecht.

Rezension von Heike Rau

Matthias Politycki
In 180 Tagen um die Welt
Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl
384 Seiten, gebunden
Marebuchverlag
ISBN: 978-3866480803
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Herr Faustini und der Mann im Hund

Herr Faustini und der Mann im Hund

Es gibt Herrn Faustini zu denken, als seine Nachbarin Frau Gigele ihm eine Botschaft aus dem Jenseits übermittelt. Er soll seine Eingeweide reinigen lassen, so die verstorbene Tante Fine.
Herr Faustini geht bummeln. Im Laden von Susi Kroth findet ein Hund Gefallen an seiner Hose. Der Hund lässt einen Blick in sein Innerstes zu. Herr Faustini entdeckt darin einen Mann. Das regt ihn an, über den Tod nachzudenken. Ob man den alten Mann wohl aus dem Hund befreien kann?
Susi Groth beteuert, dass ihr Hund sich noch nie derartig benommen hat. Er ist sonst ganz lieb. Von dem Mann im Hund erzählt Herr Faustini nichts. Es könnte eine Halluzination gewesen sein. Aber loslassen kann er nicht, so bittet er Frau Kroth um einen Spaziergang mit dem Hund.
Im Bus wird er auf einen Zeitungsartikel aufmerksam. Es geht um Darmreinigung. Da das kein Zufall sein kann, macht Herr Faustini einen Termin bei Dr. Gurgel-Etzel. Die Schwester, die sich seiner annimmt, findet er ganz nett. Die Darmreinigung bekommt ihm allerdings nicht so gut. Er wird immer schwächer. Zwar schafft er alle Behandlungstermine, landet aber dann völlig entkräftet im Krankenhaus und muss wieder aufgepäppelt werden.
Zuhause hat ihn niemand vermisst, weder sein Kater, noch die Nachbarin. Der Hund freut sich, Herrn Faustini wiederzusehen und endlich gelingt die Kontaktaufnahme mit dem Mann im Hund.

Herr Faustini ist anders als andere Menschen. Dass weiß, wer „Herr Faustini verreist“ gelesen hat. Herrlich kleinkariert ist er immer noch, aber vielleicht nicht mehr ganz so kontaktscheu. Die Langeweile hat ihn dennoch voll im Griff, bis er den Mann im Hund entdeckt. Es ist eine absonderliche Begebenheit, die ihn eigentlich vollkommen als Spinner entlarven müsste. Aber nein, seine Bekannten ziehen mit. Der Autor beweist, dass jede Geschichte wahr werden kann, wenn nur alle daran glauben oder vorgeben, daran zu glauben. Manch anderer ist auch nicht der, der er vorgibt zu sein.
Ein herrlich leiser Humor schwingt zwischen den Zeilen mit. Man liest dieses sehr feinfühlig geschriebene Buch sehr gerne, lässt sich berühren von dieser märchenhaften Geschichte, die Herrn Faustini ins Übersinnliche führt.

Rezension von Heike Rau

Wolfgang Hermann
Herr Faustini und der Mann im Hund
192 Seiten, gebunden
Deuticke im Zsolnay Verlag
ISBN: 978-3552060753
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Tagebuch einer Katze

Tagebuch einer Katze

Remco Campert
Tagebuch einer Katze
Arche Verlag
ISBN 3716023779

Der bekannte und feinfühlige holländische Autor Remco Campert hat ein entzückendes kleines Büchlein für Katzenliebhaber geschrieben.

Da berichtet die Katze mit dem prosaischen Namen Pöff über ihr Leben im Hause von Rock und Brille!
Na, wer kann das anderes sein, als Frauchen und Herrchen?
Brille arbeitet zu Hause und Rock geht morgens aus dem Haus.
Sonst haben die Katzen erhabene Namen wie Madonna, Napoleon, T.S. Eliot, Venus und Sokrates…
Aber so weit her ist es damit dann auch nicht!
Lautet doch der Spitzname von Madame de Pompadour: Po.

Pöff also berichtet aus ihrer Sicht der Dinge, wie sie die Welt wahrnimmt. Sie ist nämlich weiblichen Geschlechts, was dem Namen nicht zu entnehmen ist.

In dem leichten, unbeschwerten Ton eines Vierbeiners sieht man, wo die Freuden sind und wo die Unbilden des Lebens zwicken.
Ihr Wohlbehagen hängt von der Fütterung im rechten Umfang ab. Auch die Zeit sollte eingehalten werden, sonst kann Pöff sehr ungehalten reagieren.

Zum Tierarzt, der erschreckend wirkt, geht sie nicht so gerne.
Dem Hund der Nachbarn oder gar unfreundlichen Katern entzieht sie sich zur rechten Zeit.

Die Launen ihres Herrchens und Frauchens weiß sie wohl zu orten! Und sie versteht etwas von Schabernack! Verstecke unter der Couch oder im Kleiderschrank legen Zeugnis ab, wie man Frauchen und Herrchen verschrecken oder ärgern kann!

Kein Zweibeiner versteht, dass tote Spielzeuge mit lebenden keinesfalls mithalten können. Insekten, Mäuse und Vögel sind hurtig und beweglich. Die Jagd nach ihnen ist kurzweilig und macht einfach Spaß. Was weiß eine Katze schon vom Leiden der anderen Kreatur? Alles dreht sich um das eigene Vergnügen und um das, was im Leben Abwechslung verspricht.
Die Katzenperspektive bleibt ständig gewahrt.

Für den Katzenfreund oder für Kinder, denn auch für sie eignet sich das Buch, ist es einmal eine ganz neue Sicht der Dinge, wie die Welt aus den Augen eine Hauskatze aussieht.
Sie kann sich ja nicht verständlich machen und muß die Zeichen deuten …

Der Ton in diesem unspektakulären kleinen Buch reicht von naiver Lebensfreude bis zu Ingrimm über die Unpässlichkeiten, denen man als Haustier ausgesetzt ist.

Dass eine Katze denkt und sich äußert, macht uns Pöff sympathisch und vertraut. Kleine Ärgernisse und Wut über Vernachlässigung oder Missachtung sind gut nachvollziehbar. Sieht man doch herkömmlich ein Haustier als Unterhaltung und zu Erbauung der Zweibeiner ohne Schwanz, wie sie hier bezeichnet werden, an. Nun kann man einmal erleben, dass auch Katzen eigene Bedürfnisse, gar ein Seelenleben haben. Beobachtungen am Tierbesitzer geben Aufschluß über die Nachlässigkeit, mit der das Tier zur eigenen Befriedigung von Liebe, Unwillen oder gar Überdruss mißbraucht wird.

Immerhin gehen am Ende sowohl Katze als auch Besitzer eine Alliance zu beider Wohlbefinden ein!

Mit Gedankenwitz und Einfallsreichtum wird der Einmaligkeit der Würde einer jeden Kreatur gedacht.

Dieses schnell erzählte und gelesene Büchlein eignet sich bestens für Katzenliebhaber und solche, die es werden wollen.

Für Kinder und Erwachsene ist es gleichermaßen lesenswert und berückend!

Claudine BorriesBestellen