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Leselupe.de > Kurzgeschichten
**“FF3“///ww&8**
Eingestellt am 16. 10. 2017 20:07


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Thomas
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Registriert: Sep 2017

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Definition.Mensch : ... unter Brücken lebende Lebensform, die die Vorteile der Relativitätstheorie noch nicht zu schätzen weiß... ( Habib Peregrin / kontaktfreudiger Alien / Alienlexikon Band 4 / Seite 12 )

Von weitem nur ein Haufen wertloser Schrott. Kisten, Tüten, alte Kleidung, vielleicht Müll. Dahinter ein gebeugter Mann in dreckiger Kleidung, hier und da mit einem Loch darin. Etwas lustlos, aber dafür relativ laut. Der Vagabund schob den Einkaufswagen mit seinem Hab und Gut vor sich her. Einen Fuß vor den anderen schiebend, den Blick aus Gewohnheit auf den Bürgersteigrand gerichtet. Eine Art Berufskrankheit. Meistens fand er im Rinnstein etwas. Es glitzerte in einer Regenpfütze vom Nachmittag oder lag einfach nur da, wie für ihn hin gelegt. Ein Flaschenöffner, ein verlorener Schlüssel oder wenn er Glück hatte, manchmal eine Münze. Er musste die Augen nur offen halten. Ein einzelner Turnschuh, eine Haarbürste für Hunde oder ein abgefahrener Rückspiegel eines Luxusfahrzeuges. Die Tastatur eines Computers, den er nie benutzen würde, eine abgebrochene Hacke einer Schuhsohle irgend einer Dame, ein großer Kirmes Teddybär eines Kindes. Und so weiter. Sein eiserner Wagen war voll gestapelt mit solchen Fundstücken, schließlich musste er ja irgend etwas vor sich her schieben. Sie waren in Dosen und Schachteln eingepackt wie kleine Schätze, vergraben unter seinem Schlafsack und seinem Wintermantel. So besaß er mehrere kaputte Handys aus denen er sich irgend wann einmal Eins zusammen bauen wollte, wenn er sich eine Nummer dazu leisten konnte. Die Dose mit den Handys lag ganz unten, unter einem Schuhkarton voller alter Bücher, die er gratis in der Bibliothek ab holen durfte, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Er war der stolze Besitzer einer stattlichen Anzahl kaputter Uhren, deren Gläser teilweise zerbrochen waren. Sie funktionierten nicht mehr oder gaben die Zeit falsch an, aber das spielte für Janus keine Rolle. Er mochte ihre feine Mechanik, die goldenen Zahnräder und ledernen Armbänder. Er sah sie mehr als Schmuckstücke, einfach nur schön, los von jeder Funkion. Ein verstecktes Einweg Glas voller goldener Ketten, silberner Ohrringe und verlorener Broschen gehörte auch zu seiner Sammlung. Man konnte es beinahe nicht glauben, wenn man die große Anzahl Eheringe in dem Glas sah, die der Vagabund im Laufe der Jahre aus dem Rinnstein fischte. In manchen war der Name der Unglücklichen für immer eingraviert. Bierdosen, Pfandflaschen, Eisen- oder Kupferrohre sammelte er wie seine Kollegen natürlich auch. In Plastiktüten, deren Reklameaufschrift kaum mehr zu lesen war. Dieser Müll war bares Geld wert, aber Janus interessierte sich mehr für die Schätze, an denen seine Kollegen einfach betrunken vorbei stolperten. Klingelzeichen, Nummernschilder, einen kleinen Eisbären aus Plastik, einen Locher, ein altes Radio, dreiundvierzig verschiedene Münzarten, Kugelschreiber, Feuerzeuge, Drogen; einfach alles fand Janus auf der Straße. Weg geworfen von jemandem, der es nicht mehr brauchte oder verloren von einem Anderen, der es schmerzhaft vermisste. Aber sicher gefunden von jemandem der im Laufe seines harten Lebens alles schätzen gelernt hatte. Fahrrad klingeln, Zahnbürsten, Krawattennadeln, Knöpfe und Zahnspanngen, all diese Dinge hatte einen Wert. Ihren größten Wert bekamen sie durch die Geschichten, die Janus ihnen an dichtete. Zu jedem Stück in seiner Sammlung konnte er etwas erzählen. Dem verbogenen Löffel des Junkies haftetet er genauso schnell einen Doppelmord an, wie dem verlorenen Schlüssel ein Autounglück oder eine gescheiterte Liebesgeschichte.

An seinem Wagen hing ein Klappstuhl mit einem Gürtel befestigt. Abends saß Janus gerne alleine am Wasser, aß was er finden konnte, trank Wein dazu, wenn es ging und dachte sich die Geschichten zu seinen Fundstücken aus. Die Zahnspangen Geschichten waren lustig, die der Eheringe traurig, aber auch anders herum. Janus Phantasie kannte keine Grenzen, da er auch all die Drogen testete, die er unterwegs fand. Wenn es regnete, traf er sich mit den Kollegen unter der Brücke. Oft tranken sie und warteten einfach nur, bis die Sonne wieder schien, so wie jeder andere Mensch in dieser Stadt auch. Wenn Janus gute Laune hatte, erzählte er die Geschichten seiner Schätze. Die gebrauchte Rasierklinge wurde zum Indiz eines Selbstmordes aus Verzweiflung über einen gestohlenen Brief, der zugleich ein Eingeständnis der Schuld des Selbstmörders war und den Janus heimlich auf altem Papier dazu verfasste. Er wusste seine Geschichten glaubwürdig zu verkaufen. Er war darum beliebt und verlangte auch nur einen Schluck Wein oder etwas zu Essen als Gegenleistung für einen unterhaltsamen Moment. So tauschte er die Geschichte der kaputten Brille gegen weißen und die der abgeschnittenen Krawatte gegen roten Wein. Die Geschichte der goldenen Taschenuhr gegen Brot und die des Lippenstiftes gegen eine Zigarette. Eine Aspirin schnorrte er sich leicht mit einer Geschichte über Kopfschmerzen.

Kurz sah er etwas blinken im Rinnstein. Der Vagabund blieb mit seinem klapperndem Einkaufswagen einfach mitten auf der Straße stehen. Seine scharfen Augen hatten den kurzen Lichtreflex am Bürgersteigrand sofort wahrgenommen. Er ging auf die Stelle zu, zog dabei seine dichten Augenbrauen zusammen, um den Punkt nicht aus dem Auge zu verlieren. Als er sich über das glitzernde Ding beugte erkannte er eine silberne Metallplatte, nicht größer als eine Streichholz Schachtel. Auf dieser silbernen Platte war ein grüner Stein oder ein Stück Glas befestigt. Um den Stein leuchtete ein Ring aus rotem Licht, dessen Durchmesser, die Größe der Metallplatte nicht überschritt. Janus dachte an eines dieser elektronischen Kinderspielzeuge, die er seit einigen Jahren auf Spielplätzen fand. Vielleicht war es aber auch ein moderner Schlüsselanhänger. Als er das Ding von der Straße auf hob und etwas genauer betrachtete, erkannte er keine Lichtquelle. Der rote Licht Kreis war einfach da. Er schwebte um den grünen Kristall, ohne das Janus erkennen konnte, wo das Licht herkam. Sonderbar, aber auch sehr inspirierend, dachte er. Er ging zurück zu seinem Einkaufswagen, den er mitten auf der Straße stehen gelassen hatte, wodurch einige Autofahrer fluchend um ihn herum fahren mussten. In aller Ruhe verpackte Janus seinen neuen Schatz in eine Keksdose aus Blech. Es machte ihm nichts aus, dass er den Verkehr ein wenig störte, denn er nahm normale Menschen nur selten wahr. Sie gehörten nicht zu seiner Welt. Zufrieden mit seinem Fund ging er weiter. Er würde ihn sich später genauer an sehen. Schritt für Schritt schepperte der voll beladene Einkaufswagen weiter die Straße hinunter in Richtung Flussufer. Es sah nicht nach Regen aus, was ihm ganz Recht war, den seine Kollegen unter der Brücke waren nicht immer so freundlich wie er. Er wollte seine Ruhe, den alles in allem war sein Tag gut verlaufen. Er hatte etwas Essen in einem Abfallbehälter hinter einer Großküche finden können und eine zwei Euro Münze die er gegen einen 5 Liter Tetra-Pack Wein im Supermarkt ein tauschte. Zusammen mit seinem neuen Schatz ergab das einen schönen Abend am Lagerfeuer irgendwo am Flussufer.

Einige Stunden später, die Sonne verschwand schon beinahe ganz hinter der schwarzen Silhouette der Stadt, saß Janus alleine, satt und etwas angetrunken am Feuer. Der Fluss zog von links nach rechts an ihm vorbei und brachte schon die kalte Luft der Nacht mit sich. In seinen schmutzigen Händen hielt er die kleine Metallplatte. Die Flammen des Feuers ließen den grünen Kristall auf leuchten. Der rote Licht Kreis schwebte immer noch um ihn herum. Ein fliegender Laserstrahl, der bei jeder Bewegung seiner Hand etwas zu langsam folgte. Wie ein Schluck Wasser im Glas, schwappte der Kreis ein wenig hinter her, manchmal über den Rand der Scheibe hinaus. Janus drehte das seltsame Ding fasziniert in seiner Hand. Er durchbrach mit seinem großen Finger den winzigen Strahl. Der rote Kreis wurde dadurch aber nicht unterbrochen, sondern schien einfach durch den Finger zu laufen. Ein Ast auf dem Boden neben ihm zerbrach unter dem Gewicht eines Schuh. Plötzlich und ohne das er die Ankunft des Fremden bemerkt hatte, war er nicht mehr alleine. Janus schreckte in seinem Klappstuhl hoch, als er den Eindringling neben sich bemerkte. So fühlte es sich jedenfalls für den Vagabunden an, denn dieser Platz war für heute Abend so zu sagen sein Wohnzimmer. Misstrauisch steckte er das glitzernde Ding zurück in seine Jackentasche. Der Fremde trug eine Kapuze, die einen Schatten auf sein Gesicht warf.
„Guten Abend.“, sagte er höflich, „Sind sie Janus?“
„Wer will das wissen?“ Der Fremde verbeugte sich kurz und sprach : „Entschuldigung ich darf mich vorstellen.“, dabei verbeugte er sich wieder. „Man nennt mich Habib Peregrin. Ich komme von weit her und suche einen gewissen Janus.“ Seine Stimme klang etwas elektronisch, aber er drückte sich sehr gewählt aus. „Man hat mir unter der Brücke mit geteilt, dass ich diesen Menschen hier vielleicht finden könnte, stimmt das?“
„Ja,- manchmal.“ Janus wies mit der Hand auf eine umgedrehte Holzkiste, sein zweites Möbelstück. Er war Fremden gegenüber vorsichtig, auch eine Art Berufskrankheit, goss aber trotzdem großzügig einen Becher aus dem Tetra-Pack Wein voll und hielt ihm dem ungebetenem Gast hin.
„Setzt dich!“, sagte er. Der Fremde setzte sich hin, nahm vorsichtig einen Schluck Wein und es war ein Glück, dass Janus nicht sehen konnte, wie er versteckt hinter der Kapuze sein Gesicht verzog. Der Fremde suchte die richtigen Worte. „Na ja, es ist so...“ Er klang ein bisschen wie ein Radio mit schlechtem Empfang und einem Rauschen im Hintergrund.
„Ich bin auf der Suche nach etwas, dass ich auf der Straße verloren habe. Seit Tagen versuche ich es zu finden, aber leider ohne Erfolg. Ich befragte einige Herren unter einer Brücke nach meinem verlorenen Besitz. Sie sagten mir, dass wenn jemand etwas gefunden hätte, dann nur ein gewisser Janus und den würde ich hier finden.“
Die Stimme unter der Kapuze verstummte, das Rauschen blieb.
„Aha, das hat man dir also unter irgend einer Brücke gesagt.“ Eine Weile schwiegen beide und starrten in das Feuer.
„Was suchst du den, Herr...--Entschuldigung?“
„Peregrin, Habib Peregrin.“, ergänzte der Mann, dessen Gesicht Janus immer noch nicht sehen konnte.
„Ja genau.“, sagte der Vagabund und stieß seinen Becher gegen den seines Gastes. Sie tranken einen Schluck. Janus entspannte sich ein wenig. Sein Gast fuhr fort :
„Was ich suche ist so ein kleines Ding. Silbern, mit einem grünen Kristall, der von einem roten Lichtkreis umrundet wird. Ich habe es wohl vor ein paar Tagen auf der Straße verloren.“ Janus spitzte seine Ohren.
„Es ist wirklich wichtig, dass ich dieses Ding wieder finde!“
„Warum?“
Der Fremde lehnte seinen Oberkörper vor, stütze sich auf seine Arme und holte tief Luft. Die Sonne war mittlerweile unter gegangen. Im Schein des Feuers sah Janus nur eine schwarze Gestalt. „Das ist eine lange Geschichte...“, seufzte der Schatten.
„Hab Zeit, meine Uhren ticken sowieso nicht richtig.“, grunzte Janus.
Der Fremde atmete hörbar ein. „Wo fange ich nur an?“, überlegte er laut.
„Eine gute Geschichte kann überall beginnen.“, versuchte Janus das Tempo ein wenig zu erhöhen. Er wurde neugierig.
„Wie richtig, also mitten drin.“ Wieder eine Pause in der Habib seinen ganzen Mut zusammen nehmen musste, um folgendes zu sagen: „Ich bin seit zwei Wochen auf der Erde. Man hat mich hier abgesetzt, um etwas über euch Menschen in Erfahrung zu bringen. Leider ist meine Zeit begrenzt, den der nächste Sonnenwind in Richtung unserer Heimat kommt Morgen und ich habe nichts, um mit zurück zu nehmen, noch nicht mal eine Blutprobe. Ich habe beinahe gar nichts über euch Menschen in Erfahrung bringen können. Nur, weil ich dieses blöde Ding verloren habe. Der Trip kostet sagen wir mal viel Geld, verstehen sie.“ Verzweiflung klang in seiner Stimme, doch er schaute Janus nicht an.
„Hahaha...das ist ein guter Anfang, Prost.“ Janus nahm einen Schluck Wein. Der Fremde konnte Geschichten beinahe so gut beginnen wie er selber. Da er keinen Fernseher hatte wusste Janus auch den Wert einer guten Geschichte zu schätzen. Keine Sekunde glaubte er dem Fremden.
„Sie glauben mir nicht, oder?“
„Doch, doch...erzähl weiter.“
„Was soll ich sagen? Das Ding, das ich verloren habe, macht mich unsichtbar. Nur unsichtbar ist es mir möglich, mich unauffällig zwischen den Menschen zu bewegen, um etwas von ihnen zu lernen. Leider habe ich es in einem Unachtsamen Moment fallen gelassen.“ Habibs Stimme wurde noch verzweifelter. „Die letzten Tage konnte ich mich nur verstecken. Nachts, wenn niemand mich erkennen konnte, traute ich mich unter die Brücke, um wenigstens etwas über die Gewohnheiten von euch in Erfahrung zu bringen. Morgen ist die Zeit ab gelaufen und ich muss zurück auf mein Schiff, sonst verpassen wir den richtigen Wind.“
„Aha!“
„Wir gebrauchen nicht mehr so altmodische Verbrennungsmotoren wie ihr Menschen. Wir bewegen uns mit Hilfe der Sonnenwinde, den Mars-Strömen und auf den Wellen der Galaxien.“, fügte Habib hinzu. Weil Janus glaubte etwas sagen zu müssen sagte er :
„Sehr gut, ist auch besser für die Umwelt.“
„Unter anderem,- geht auch schneller.“ sagte der Fremde voller Überzeugung.
Janus war beeindruckt von seiner Erzähl-Kunst. Der Fremde spürte es.
„Sie glauben mir immer noch nicht, oder?“ Nun brachte er Janus in Verlegenheit.
„Willst du mich auf den Arm nehmen?“, stotterte er.
„Durchaus nicht.“
Janus war etwas verwirrt, auch weil er dem Fremden immer noch nicht in die Augen sehen konnte. Er stand auf, zertrat eine Obstkiste und warf sie auf das Feuer. Die Flammen wurden größer. Schatten tanzten um die Feuerstelle, aber der Fremde beugte geschickt seinen Kopf, so das Janus ihn immer noch nicht erkennen konnte.
„Haben sie vielleicht gefunden, was ich suche?“, fragte der Fremde. Janus setzte sich wieder. Der Fremde senkte schnell seinen Kopf noch etwas weiter.
„Vielleicht.“ Janus nahm den Wein und schenkte ihnen nach. „Willst du mir wirklich weiß machen, dass dieses Ding, das du verloren hast, einen unsichtbar machen kann?“
„Nur uns, bei Menschen funktioniert es nicht.“
„Ach, leck mich doch am Arsch.“
„Haben sie es? Dann zeig ich es ihnen.“
Janus kramte in seiner Tasche.
„Ich will erst sehen mit wem ich rede.“, sagte er selbstsicher vom Alkohol.
„Ich glaube nicht, dass sie das wollen, aber ich verstehe sie!“ Habib starrte weiter ins Feuer. Er machte keine Anstalten seine Kapuze ab zu nehmen, um Janus sein Gesicht zu zeigen.
„Dann nicht.“, knurrte Janus. Sie schwiegen. Nur das brennende Holz knackte und der Fluss plätscherte. Nach einer Weile nahm Habib seinen Mut erneut zusammen :
„Also gut.“ Er stand auf. Janus sah nur seine schwarze Silhouette, die ihre Hände an die Kapuze legte, als wolle er sie vom Kopf ziehen. Doch Habib wartete kurz.
„Bitte nicht erschrecken. Wir sehen anders aus als ihr.“ Dann erst lüftete er sein Geheimnis.
„Scheiße!“ Janus Mund blieb sehr lange offen. Neben dem Feuer, direkt vor ihm stand ein Alien! Er war einiges Gewöhnt, den viele seiner Kollegen hatten hässliche von Krankheit und Armut gezeichnete Gesichter, aber was er nun sah, konnte er einfach noch nie gesehen haben. Er vertraute seinen Augen im ersten Moment auch nicht richtig und rieb sie mit seinen schmutzigen Fingern.
Doch es blieb ein Alien. Mit zwei schwarzen großen Augen, wie im Comic, indem sich das Feuer deutlich spiegelte. Das Ding hatte weder eine Nase, noch irgend welche Ohren, geschweige den Haare. Seine grau, grüne Haut erinnerte an Reptilien. Vor dem Mund trug er einen elektronischen Apparat, wie ein Doktor seinen Mundschutz. Es sah aus wie ein Lautsprecher und stellte sich irgendwann im Laufe des Abends als elektronischer Übersetzter heraus. Janus, dem der Schreck in den Knochen stecken blieb, vergaß beinahe zu atmen. Er starrte den Alien nur mit offenem Mund an. Seine Hände krallten sich an der Armlehne des Stuhles fest. Als er sich daran erinnerte wie wichtig Sauerstoff für einen Mensch war, war es beinahe zu spät. Er musste nach Luft schnappen und begann zu husten. „Verdammte Scheiße, was ist das denn?“, fluchte er dabei. Dann trank er einen großen Schluck und lud den Gast mit einer Geste ein sich wieder zu setzten. Der Wein beruhigte ihn etwas. Er nahm das Fundstück des Tages, die Metallplatte mit dem Kristall, aus seiner Jackentasche und reichte sie Habib wortlos hinüber. Der Alien hatte nur drei sehr lange Finger, mit denen er den Kristall aber dankbar in Empfang nahm.
„Zeig mir wie dieses Ding funktioniert.“, sagte Janus möglichst gelassen, als ob es nichts besonderes wäre mit einem Alien am Feuer zu sitzen.
„O.k.“, sagte Habib nur und drehte den Kristall auf der Metallplatte. Dann war er weg. Der Platz neben Janus war plötzlich wieder frei. Nur die Holzkiste stand noch da. Er war alleine. Er schaute verwirrt auf den Wein. Er wurde verrückt, dachte er. Während seine Augen noch auf dem Tetra-Pack hafteten, bemerkte er den Alien wieder neben sich auf der Holzkiste. Nun glaubte Janus wirklich durch zu drehen. „Man hör auf, das ist zu viel für mich.“
„Das kann ich mir vorstellen.- Entschuldigung.“, sagte der Alien höflich. Er gab Janus etwas Zeit und trank ebenfalls noch einen Schluck Wein. Nun konnte Janus sehen wie er seinen großen Mund dabei verzog. Verziehen musste, weil ihm sonst der Wein an seinen hängenden Mundwinkeln wieder hinaus lief. Von der Seite sah der Alien wirklich sehr komisch aus. Sein runder Kopf war disproportional groß für menschliche Verhältnisse und sein Hals sehr dünn. Kiemen wie bei einem Fisch öffneten und schlossen sich an der Seite des Halses bei jedem Atemzug dieses nicht sehr schönen Wesens. Seine Haut glänzte, wie die einer Schlange. Doch Janus war auch etwas enttäuscht, denn dieser Alien entsprach eigentlich ziemlich genau jedem Klischee über Außerirdische Lebensformen. Am liebsten hätte er seinen Gast ein mal berührt. Nur um sicher zu sein, dass er überhaupt da war. Er kannte die Langzeitwirkung vieler Drogen sehr gut und zweifelte an seinem Wahrnehmungsvermögen. Stattdessen kniff er sich selber ins Bein.
„Jetzt habe ich wenigstens meinen **“FF3“///ww&8** wieder zurück.“, unterbrach der Alien seine Gedanken nachdem er sein Glas geleert hatte, ohne all zu viel dabei zu schlabbern. Er drehte den Kristall in seinen drei Fingern und hielt ihn ins Licht des Feuers. „Danke!“
„Ach, das,...... dass ist kein Problem,“ ,winkte Janus ab und schaute dem Alien in seine Teller großen Augen. „Aber wie soll ich den damit leben?“, dabei zeigte er auf Habib. Der Besuch von einem anderen Stern wusste darauf keine gute Antwort. Er legte stattdessen noch etwas Holz auf das Feuer, den in der Nacht wurde es ziemlich kalt in dieser Gegend. Auch er hatte seine Sorgen. Seine Zeit auf dem Planeten Erde war beinahe abgelaufen und die Ergebnisse seiner Studie waren bis her sehr mager. Er konnte noch keinem Erdbewohner Blut für eine Untersuchung ab nehmen, wusste nichts von ihrer Herkunft oder Funktion und verstand sie eigentlich auch nicht so gut. Er würde einen Höllenärger dafür kriegen. Janus bemerkte die trübe Stimmung seines Gastes. „Was ist los? Hast du jetzt hier `nen Alien gesehen, oder ich?“
Habib lachte seinem Gastgeber höflich zu, wobei er seine hängenden Mundwinkel beinahe bis zu seinen Ohren hochzog, die er nicht hatte. Janus stimmte ein, als der elektronische Mundschutz das Lachen des Aliens übersetzte. Nachdem beide sich wieder gefangen hatten, erklärte Habib ihm sein Dilemma.
Janus verstand : „Na, das mit dem Blut kannst du vergessen, aber ansonsten versuche ich dir gerne ein paar Fragen zu beantworten. Was wollen die da oben den von uns wissen?“
Habib dachte nach. Dabei rieb er sein Kinn wie ein Mensch mit einem Bart es gemacht hätte. „Eigentlich alles. Wir waren schon mal hier, aber das ist lange her. Wir können wegen der Winde ja nicht so oft vorbei kommen. Seit dem hat sich hier einiges verändert. “
„Aha! Alles weiß ich auch nicht, aber wann ward ihr den das letzte mal hier?“
„Da hattet ihr noch überall Haare und reden konnte man mit euch auch nicht vernünftig. Ihr seit ja noch nackt auf Bäumen herum geklettert.“
„Ach so! Ja, das muss vor meiner Zeit gewesen sein.“ Janus trank noch einen Schluck billigen Wein, der ihm immer besser schmeckte. Er begann sich zu amüsieren über seinen ungewöhnlichen Gast aus dem All. Er hob seinen Becher und sagte : „Auf die verdammt relative Zeit!“
Habib schaute ihn überrascht an. „Das habt ihr auch schon raus gefunden?“ Habib griff in seinen Mantel, holte einen winzig kleinen Computer heraus und machte sich eine Notiz.
„Das ist doch mal was.“, sagte er stolz.
„Wenn du meinst.“ Janus war die Relativität der Zeit ziemlich egal, schließlich hatte mehr als genug davon und welcher Trinkspruch machte schon Sinn?
„Ja, ja.“ Der Alien wurde ganz aufgeregt. „Das ist wichtig.“
„Warum?“
Der Alien schaute Janus ungläubig an. „Damit ihr die Winde benutzen könnt, wozu sonst.“ Janus, der nicht mehr von den Sternen wusste, als was er Nachts am Fluss von ihnen zugeflüstert bekam ging das zu weit. Er stand auf, lief zu seinem Einkaufswagen und suchte etwas. Als er es gefunden hatte hielt er es stolz ins Licht. Ein Glas voller goldener, kaputter Uhren. Er schraubte den Deckel auf und nahm die oberste heraus. Das Glas der Uhr war zersprungen, aber sie glänzte sehr schön. Dann versteckte er die anderen Uhren wieder vorsichtig unter seinen Lumpen. Er ging zurück und setzte sich. „Hier, die schenk ich dir. Ein prächtiges Symbol für die Relativität der Zeit. Jetzt hast du was, um denen da oben mit zu nehmen.“ Der Alien war beeindruckt darüber, wie viel Janus schon von der Zeit verstand, obwohl er Sonnenwinde noch nicht kannte.
„Danke!“, sagte er schüchtern und steckte die Uhr in seinen Mantel.
„Kein Problem, hab ja noch ein paar.“ Diesmal klang das elektronische Lachen des Alien ehrlich.

So saßen die beiden Fremden aus verschiedenen Ecken des Universums die ganze Nacht am Feuer, warfen Obstkisten hinein und wurden einander immer sympathischer. Mit der Zeit und mit jedem Glas Wein wurde Janus redseliger. Er stand in dieser Nacht ziemlich oft auf, um ein Souvenir für Habib aus dem Wagen zu holen, das zu einem Symbol seiner Weisheiten wurden. Großzügig gab er sie dem ahnungslosen Alien mit auf seinen Weg. Sie sprachen über die Entwicklung des modernen Menschen, wofür Janus ihm ein kaputtes Handy mitgab. Dann diskutierten sie über den fragwürdigen Umgang des Menschen mit seiner Natur und Janus zauberte eine an geschmorte Plastikblume, die er in irgend einer abgebrannten Lagerhalle vor Jahren fand, aus seinem Wagen.
Der Alien betrachtete die Blume, erkannte ihre Symbolkraft, verstand aber nicht warum man mit seinem Lebensraum schlecht umgehen sollte. Auch die Erklärungen des Erdlings über Geld und Kapitalismus begriff er nicht. Er nahm die alten Münzen, steckte sie in die Plastiktüte, die Janus ihm gegeben hatte und fragte sich, warum man etwas tauschen sollte. In seiner Welt stand ihm alles zur Verfügung was er brauchte, warum auch nicht? Schließlich konnte er seine Aufgabe sonst nicht optimal erfüllen. Das Foto einer alten Darmpflock wurde zum Symbol des zweiten Weltkrieges, deren Schrecken den Alien verstummen ließen. Und die leere Pillen Dose wurden zum Zeichen einer Lebensform die sich selber nicht mehr ertragen konnte. Zumindest sah Janus das so. Er kam im Laufe der Nacht in sein Element. Er wurde zum Philosophen. Er versuchte dem Alien Antworten zu geben auf all seine Fragen. Nicht das er auf alle die Richtige parat hatte, aber der Weg zum Einkaufswagen wurde immer länger, genau wie seine Erklärungen. Während er anhand der Eheringe dem Alien in einer ziemlich kurzen und lustigen Zusammenfassung die Struktur der Katholischen Kirsche erläuterte, dauerte die Erklärung über Gut und Böse an Hand der Buddha Figur mindestens eine Stunde und weitere drei Gläser Wein. Zum Glück machte Habib sich zwischen durch Notizen in seinem winzigen Computer. Er würde zwar einen überdimensionalen Kater mit zurück nehmen und eine Plastik Tüte voller Müll, aber alles konnte er sich nicht merken.

Als es langsam schon wieder hell wurde, erzählte Janus gerade von Platon, wobei er den Eisbär aus Plastik irgendwie in seine Erläuterung über die Schattenwelt einbaute, als Habib ihn plötzlich unterbrach : „Scheiße Janus, werde ich jede Schekunde abgehooolt.“ Der elektronischer Übersetzter hatte Mühe mit seinem besoffenen Wortsalat. „Meinen Leuute kommen bei Soooenaufgangg.“ Aliens trinken selten Alkohol. Janus sah auf die Silhouette der Stadt am gegenüber liegenden Flussufer und sah die orangen Reflexionen der ersten Morgendämmerung in den Fensterscheiben der Häuser. Ihnen blieben tatsächlich nur wenige Minuten für den Abschied. Habibs Leute nahmen es, wenn es sein musste, mit der Zeit sehr genau. Der Computer des Alien, der ihm zweimal aus den Händen fiel, bevor er ihn richtig betätigte, gab ihm ein Zeichen. Janus wurde etwas traurig. Betrunken stand er auf und umarmte seinen neuen Freund, den er nie wieder sehen würde. Auch Habib fühlte die Melancholie, die man schon mal verspüren kann, wenn man mit einem Fremden zu viel billigen Wein getrunken hat. Er erwiderte die Umarmung so gut er es konnte. Diese Geste war ihm eigentlich fremd, den in seiner Welt berührte man sich kaum noch. Er bedankte sich bei Janus für ein sehr interessantes Gespräch und die Tüte voller Müll, die ihm einen Haufen Ärger ersparen konnte, wenn er die Geschichten und Weisheiten des Vagabunden zu seinen Vorgesetzten brachte. Am Ende sah er Janus mit seinen großen Augen an und fügte noch hin zu : „Hier mein Freund, den schenke ich ihnen, damit sie Morgen noch glauben was sie heute Nacht erlebt haben.“ Zugleich drückte er Janus den **“FF3“///ww&8** in seine Hand, die sich nicht mehr fremd anfühlte. Janus betrachtete den grünen Kristall, um den immer noch das rote Licht kreiste. Als er seinen Kopf hob war der Alien samt Plastiktüte verschwunden. Den Vagabunden sah man seit jener Nacht nie mehr ohne dieses Ding um seinen Hals. Er trug es an einem ledernen Band, mit einem wissenden Lächeln im Gesicht und einer tollen Geschichte im Kopf.

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