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Leselupe.de > Gereimtes
„s‘Josi“-s Wanderstöcke
Eingestellt am 25. 12. 2017 17:32


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whitepaper
Autorenanwärter
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(Aus der Psychiatrie)

„s‘Josi“-s Wanderstöcke

Man hat „s’Josi“ von der Alm hierher gebracht.
Dort hat es Schafe gehütet und Pfeife geraucht,
hat mit ledernen Händen ein tägliches Werk
der Alm, den Schafen, dem Herrn und sich auch
und allen zum großen Gefallen vollbracht.

Es haben Ordnungshüter zu uns überführt,
es war so im Dorf aufgefallen…
„s’Josi lafft a bits vil, na u`s sabbert doch auch!“
trotz der Alm, den Schafen, dem Herrn, trotz allen
hat es das Bild für die Leute im Dorf angerührt.

Nun bei uns kann es nicht schlafen zur Nacht,
holt sein altes Sackmesser raus und schafft,
mit ledernen Händen dicht neben mir hier,
an frischen Stöcken zum Wandern und lacht.
Die hat es vom Ausgang am Tag mitgebracht.


Man hat „s’Josi“ von der Alm hierher gebracht.
Dort hat es Schafe gehütet und Pfeife geraucht,
hat mit ledernen Händen ein tägliches Werk
der Alm, den Schafen, dem Herrn und sich auch
und allen zum großen Gefallen vollbracht.

„s‘Josi“ schnitzt heut und wandert nicht mehr,
sein Schritt ist selbst wie ein Stock im Brechen,
die zitternden Hände vollbringen kein Werk.
- Wodurch sollte „s’Josi“ sonst sprechen? -
Das Bild mancher Leute wiegt in ihm schwer.

„s’Josi“ hatte den letzten Stock jene Nacht,
so alle Stöcke und alles Wandern vor mir
mit ledernen Händen, mit einem Lachen
für die Alm, die Schafe, den Herrn, die Leute
- für alle, für immer zu Ende gebracht.

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Frodomir
Guest
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Hallo whitepaper,

ich finde deinen Text interessant - eine Ballade, die in meinen Augen nur etwas zu wenig die Handlung voran treibt und deshalb in ihrer Länge vielleicht das Ziel übertritt.

Den Text verstehe ich so, dass ein alter auf einer Alm lebender Mann bedauerlicherweise (und das meine ich nicht ironisch, sondern dein Werk löst dieses Gefühl in mir aus) wegen Demenz oder Ähnlichem in ein Heim bzw. sogar in die Psychatrie gebracht wird. Sein Lebensinhalt in "Freiheit" war das Wandern und Schnitzen, doch leider kann der Alte diesen Beschäftigungen im Heim nicht mehr nachkommen und stirbt letzten Endes sogar, wenn ich es richtig verstehe.

Naja, je öfter ich deine Ballade lese, desto häufiger denke ich: Vergiss, was ich über die Länge und die Handlung deines Gedichtes geschrieben habe, es lebt ausreichend von seiner emotionalen Kraft, die sich wahrhaft lyrisch und unglaublich berührend in dieser Zeile entfaltet:

quote:
- Wodurch sollte „s’Josi“ sonst sprechen? -

Ganz ehrlich? Diesen Vers finde ich richtig gelungen, weil in ihm alles davor Aufgebaute zum tragischen Höhepunkt geführt wird.

Eines musst du mir aber noch verraten? Wie bist du auf den Namen "s' Josi" gekommen? An den kann ich mich nur schwer gewöhnen, aber vielleicht hilft da eine Erklärung von dir.

Viele Grüße
Frodomir

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Trainee
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@ Frodomir

In manchen Gegenden der Repulik werden weibliche Namen "versächlicht" (darf man das sagen?) und dadurch veniedlicht. Beispielweise: das Dorle, das Renerl oder eben das Josi. Ich gehe im Gedicht also von einer Schäferin aus.

@ Whitepaper

Dieses Werk gefällt mir ausgesprochen gut. Durch die Dialekteinsprengsel wirkt die Ballade ungemein lebendig, gleichsam hautnah, was noch durch die bildschönen "ledernen Hände" verstärkt wird.
In der Form erinnert mich dein Gedicht entfernt an ein malaiisches Pantun ... weil sich bestimmte Sequenzen wiederholen, die sich wiederum gut in das Bild des gleichförmigen Anstaltsalltags schmiegen, als Kontrast zum früherem steten Wandern der Schäferin.
Das Highlight des Textes ist bereits erwähnt worden:

quote:
„s‘Josi“ schnitzt heut und wandert nicht mehr,
sein Schritt ist selbst wie ein Stock im Brechen,
die zitternden Hände vollbringen kein Werk.
- Wodurch sollte „s’Josi“ sonst sprechen? -
Das Bild mancher Leute wiegt in ihm schwer.


Das ist wirklich ausgesprochen anrührend.

Die Klippen des Kitsches umschiffst du diesmal mit großem Geschick, weil jene gleichsam in ein Außerhalb (den Dialekt) geschoben werden, der, wie es Dialekte oft tun, als natürlicher Weichmacher wirkt und der eigenen Anrührung die "Rechtfertigung" gleich mitliefert.

Kurzum: Rundherum entzückte Grüße
Trainee

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Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen / Von fern bin ich Zora, von Nahem: Sabinchen (Simone Borowiak)

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aligaga
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Hihi -

"S'Josi" ist eine mundartliche Kürzung des z. B. im Bärndütsch gebräuchlichen, sächlichen Artikels "es", einhergehend mit einer wohlmeinenden Verkleinerung.

Im Doitschen wird aus dem Buben das Bübchen, in der Schweiz usem Bueb es Büebli.

Dass man mit Mundart allein dem Kitsch Paroli böte, meinen nur jene, die sie nicht verstehen. Sie wähnen noch hinter banalstem "Seich" Tiefsinn und halten den Text von "I can get no satisfaction" für lührisches Kleinod. Neulich bekam sogar einer den Nobelpreis für sein Genuschel.

Amüsiert

aligaga

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Trainee
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In einem Punkt gebe ich aligaga recht:
Im Titel sind der Bindestrich und eigentlich auch die Anführungsstriche verkehrt. Jene könnte whitepaper aber flink durch einen Moderator ändern lassen.
Richtig hieße es

quote:
S‘Josis Wanderstöcke

Der Genitiv ist ja bereits enhalten. Und im Deutschen werden Namen nicht apostrophiert. Und damit aligaga nun nicht wieder kommentarlang auf den siegreichen Tipp gagaesker Prägung hinweisen muss:
Ja, Ali, die Erwähnung des Genitivs ist von dir. Ich habe nur eine winzige Ergänzung beigetragen.

Trainee

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aligaga
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Schon wieder verkehrt. Wer die Mundart nicht beherrscht, sollte nicht damit prunken wollen.

Der zuvor schon falsch interpretierte Artikel (man hat doch glatt aus einem Knaben ein Mädchen gemacht!) übersieht man jetzt, dass auch im Dialekt der Artikel gebeugt werden muss.

Gesetzt, "das Josi" wäre eine veniedlichende Koseform einer männlichen Person Namens Josua oder Joachim, müsste aus dem korrekten doitschen Genitiv "des Josis Wanderstöcke" ein bärndütsches ds'Josis Wanderstöck und aus dem unkorrekten doitschen Dativ "dem Josi seine Wanderstöcke" ein em Josi sini ~ werden.

Amüsiert

aligaga

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