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Leselupe.de > Kurzgeschichten
*** Knasttagebuch Teil 1 ***
Eingestellt am 29. 12. 2001 19:25


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spiderberlin
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

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...um 6 Uhr wecken, alles ist wie immer. Fr├╝hst├╝ck wie gewohnt. Um 8 Uhr kommt mein "Lieblingsschlie├čer". Wir haben uns schon gegenseitig ins Herz katapultiert, zumindest so weit, das mich bei seinem Anblick keine ├ťbelkeit ├╝berkommt.

Nach drei Monaten darf ich mal wieder meine ganz normalen zivilen Klamotten tragen. Da habe ich mich aber richtig fein gemacht f├╝r meine Gerichtsverhandlung.

Endlose G├Ąnge an derem Ausgang mir die Knebelkette ums
Handgelenk geschnallt wurde. Meinem Freund machte es offensichtlich Spa├č mir mein ├ärmchen damit so einzuschn├╝ren das mir fast die Luft wegblieb.

Es war nur ein kurzer Weg den ich durch ca.20 Meter Freiheit zur├╝cklegen mu├čte.

Ein neutralgraues Auto vom typ "Barkas" erwartet mich, ├Ąu├čerlich nicht zu unterscheiden von "normalen" Autos des gleichen Typs.

Knebelkette ab und Handschellen um. Eingepfercht in eine von wie ich glaube 6 kleinen Zellen die meinen Beinen kaum Raum lassen. Ein Fenster gibt es nicht.

Der harte Stahl wurde wie aus Prostest extra fest umgelegt und l├Ą├čt meine H├Ąnde in allen Farben schimmern.

Die Fahrt dauert nicht lange, wie lange kann ich nicht sagen, eine Uhr habe ich schon seit drei Monaten nicht mehr.

Aussteigen, und ich sehe vor mir das Geb├Ąude des Kreisgerichtes Leipzig. Ich hatte fr├╝her mal ein anderes Gef├╝hl davon als ich im "normalen" Leben" daran recht gedankenlos vorbei ging.

Jetzt wird dieses Geb├Ąude dar├╝ber entscheiden f├╝r wie lange ich kein "normales Leben" mehr f├╝hren darf.

Handschellen ab und rein in den Gerichtssaal. Mein Anwalt, ein Unteranwalt der Spitzengr├Â├če f├╝r Freik├Ąufe ins andere Deutschland schlechthin, f├╝hrte noch ein kurzes Gespr├Ąch mit mir. Ich sah ihn in den vergangenen 3 Monaten auch nur drei mal. F├╝r ihn Routine, f├╝r mich lebensbestimmend.

Meine lieben Kollegen sind auch erschienen. Haben sich recht positiv zu mir und meiner Person ge├Ąu├čert. Alles war eine Farce und wirkte wie abgekartet.

Nach meiner ├äu├čerung das ich in keinster Weise vorhabe diesen Staat weiterhin mit meiner Anwesenheit zu bel├Ąstigen forderte die Staatsanw├Ąltin zwei Jahre Haft.

Sie ist ziemlich ausgerastet, wor├╝ber ich dann doch grinsen mu├čte. Ich hatte doch eh nichts mehr zu verlieren.

Bei meinem Verteidiger hatte ich den Eindruck als wenn ich f├╝r ihn der Angeklagte w├Ąre den er auch noch auf seine Missetat hinweisen mu├č, das es doch nun wirklich nicht rechtens ist die Deutsche Demokratische Republik auf ungesetzlichem Wege zu verlassen.

Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei und ich wu├čte das ich wohl f├╝r 14 Monate nicht mehr die Gelegenheit haben werde dieses Gerichtsgeb├Ąude noch einmal von au├čen zu sehen.

Ich habe nichts empfunden, es war alles ziemlich leer in mir. Der R├╝ckweg war der gleiche. Knebelkette um, Knebelkette ab, Handschellen um, rein ins Auto und zur├╝ck in mein neues altes zu Hause.

Ich sah das Grinsen meines "Lieblingsschlie├čers" und wu├čte doch schon das ich in sp├Ątestens 14 Monaten jenseits der Grenze sein werde. Das wu├čte er auch und ich habe so etwas wie Verachtung und Ha├č, vielleicht auch Neid in seinen Augen gesehen, welches mich nur noch ├╝berzeugter machte das der Weg der vor mir lag nicht der einfachste sein wird aber f├╝r mich der richtige.

3 Monate Untersuchungshaft hatte ich um und noch 11 Monate geschlossenen Strafvollzug vor mir....

Und dann werde ich diese s├╝ffisanten von sich und diesem Staat so ├╝berzeugten Fressen nie wieder sehen m├╝ssen. Ich war mir meiner Sache sicher...ganz sicher....

*** Ich wei├č nicht ob ich die anderen Teile auch noch alle bringen soll. Das hier ist nur ein Versuch. ***

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo spiderberlin,

am Schlu├č las ich: "Ich wei├č nicht ob ich die anderen Teile auch noch alle bringen soll. Das hier ist nur ein Versuch." Und ich meine: "Unbedingt:" Das Thema, finde ich, spricht f├╝r sich. Mir pers├Ânlich ist das zwar etwas zu sehr im Telegrammstil gehalten, aber das ist reine Geschmackssache.
Und noch etwas: Bis jetzt scheint mir das Ganze leider nur die Farben schwarz und wei├č zu kennen. Gab es ├╝berhaupt keine Graut├Âne - z. B. Menschen mit zwiesp├Ąltigen Gef├╝hlen?
Ich bin echt gespannt, was daraus wird.

Gru├č Ralph
__________________
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September1961
Hobbydichter
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er wird weiter schreiben, da bin ich mir ganz gewiss, und das grau ist zwischen den zeilen zu lesen.

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spiderberlin
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

Werke: 7
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doch ralf, ich werde den n├Ąchsten teil auch bald bringen. das ist ja auch erst der erste und somit schon ├Ąlteste. ich denke das du aus den anderen teilen vielleicht etwas mehr graut├Âne heraus lesen kannst. insgesamt sind es wohl so 15 sch├Ątze ich. guten rutsch w├╝nscht der spider:-)

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