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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
'Rummelplatz'. Eine persönliche Begegnung
Eingestellt am 10. 06. 2007 09:41


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petrasmiles
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Registriert: Aug 2005

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Zu Werner Bräunigs Roman sind an vielen Stellen schon gute und richtige Sachen gesagt worden, so dass jeder Versuch der Rezension im eigentlichen Sinne einem Plagiat gleichkäme.

Ich werde mich auf die persönliche Begegnung mit einem Buch beschränken, das so viele Fragen beantwortet hat, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie einmal stellen müsste. Ich dachte, ich lese einmal etwas über die frühe DDR, neugierig auch gemacht, was der Autor so Schlimmes geschrieben haben muss, dass er verfemt wurde. Zeitgeschichtliche Relevanz, habe ich gedacht.
Ich habe ein Buch über Deutschland gefunden. Und ich habe Literatur gefunden. Im wahrsten Sinne ihrer eigentlich Aufgabe und in ihrer schönsten Form, indem sie vom immerwährenden Handlungsspielraum des Menschen erzählt, wie er nur sein kann, so klein und banal und doch einzigartig. Dabei so ehrlich und schnörkellos, dass die reale Schwere dieser Leben gar nicht als schwer empfunden wird. Da stehen keine anderen Konzepte im Raum, an denen sich Protagonisten messen lassen müssten, keine Schablonen, nur der Mensch, wie er durch sein Leben schreitet, stolpert, schlurft. Keiner wird erhöht und keiner erniedrigt. Sie kommen so nah, als wären sie gestern erst erschaffen, weil sie so echt sind.

Wie arm muss ich geworden sein, wenn dieses Buch einer Offenbarung gleichkommt.
Wie unehrlich muss Vieles sein, was ich gelesen habe, und wie unerheblich.
Ich komme mir gerade als schreibenwollender Mensch vor wie heimgekommen. Ich habe die Wahrheit erkannt, dass Literatur nicht einfach eine wenn auch gut erzählte Geschichte ist. Ich erfahre etwas, was ich gewusst habe, aber was mir ausgeredet worden ist: Man muss ein moralischer Mensch sein, um so sehen und schreiben zu können. Man muss aus sich selbst heraus eine Wahrheit schöpfen können, und diese Wahrhaftigkeit gerinnt durch das Erleben zu einer Realität, die alle Betroffenheit und Moralität verdaut hat und zu einem Medium wird, das sich anderen mitteilt, die gleichfalls bewegt werden können und worden sind.

Und wir brauchen diesen kompromisslosen, nur der Ehrlichkeit verpflichteten Blick so dringend. Gerade heute. Vielleicht noch nie so sehr, wo alles zu Produkt wird, wo Muster und Ideale in den Köpfen stecken, die einen immer nur auf der Umlaufbahn belassen, wo wir dazu erzogen werden, immer nur den Anschein für das Reale zu nehmen. Ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.
Aber es geht. Man kann auch von schnieken Businessjunkies und Arschgeweihen so erzählen und die Lüge entlarven, es gäbe irgendetwas, an dem sich teilzunehmen lohnt, wenn es das Nachdenken kostet.
Wenn es das wahrhaftige Leben kostet.

Ich wünsche diesem Buch nicht nur viele Leser, sondern dass es den Boden bereiten möge für einen mutigen Einsatz vieler Autoren, nicht mehr nur unterhalten zu wollen und schöne Geschichten zu erzählen und ihren Namen gedruckt sehen zu wollen. Vielleicht, indem sie einfach nur schreiben, was sie wissen, und dabei nicht an ‚den Leser’ denken oder den Verleger.
Auch, wenn sie nur für die Schublade schreiben, auch wenn es das Leben kostet.
Alles andere ist Scheitern.

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