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Leselupe.de > Kurzgeschichten
(Un-)zweifelhaft prominent
Eingestellt am 31. 01. 2015 13:59


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weisserrabe
Hobbydichter
Registriert: Jan 2015

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(Un-)zweifelhaft prominent!?

Schon auf dem Weg zum Picknick wurden die Frauen immer wieder angestarrt. VerschÀmt blickten kleine Jungen und MÀdchen kichernd zu dem Trio. Eine Weile dauerte es, bis dieses den Aufruhr bemerkte, den sie verursachten. Aber verstehen konnten sie ihn nicht...

Als die Decke ausgebreitet und die Leckereien aufgetafelt wurden, war Diana gerade dabei, von ihrer Buchpremiere zu erzĂ€hlen und was fĂŒr Termine sich deswegen hĂ€ufen – Lesungen, Autogrammstunden, Buchbesprechungen... Sie hatte sich darauf gefreut, Erfolg zu haben. Mittlerweile sah sie auch die Arbeit, die nicht mit der Veröffentlichung einfach aufhören wĂŒrde. Ein vorwitziger kleiner Kerl unterbrach sie: „Verzeihung, sind Sie nicht... Ich meine, Sie haben doch... Ich kenne Sie!“ Jetzt mußten die drei grinsen. „Ich bin und ich habe. Sogar alles mögliche. Aber kennen dĂŒrften wir uns nicht. Noch nicht. Ich bin Diana.“ „Ich weiß, ich weiß. Sie haben ĂŒber den Umdumpler geschrieben. Ihre Reportage war Thema bei unserer Projektwoche hier im Zoo. Die kriegen bald eigene Exemplare und wir dĂŒrfen sie beobachten!!!“ UnverstĂ€ndnis in den Augen der Verlegerin und der Illustratorin. Die Autorin jedoch begann, sich ein Bild zu machen. „Du hast mein Bild erkannt? Das ist sĂŒĂŸ. Ja, die „Reportage“ habe ich vor einiger Zeit geschrieben. Aber...“ „Super. Kriege ich ein Autogramm?“ „Gerne, aber...“ „Danke!!!“ Und weg war der kleine Kerl.

„WĂŒrdest Du uns bitte aufklĂ€ren? Du hast etwas geschrieben, worĂŒber ganze Schulklassen Referate hören und in Projekte eingebunden werden? Was ist ein Umdumpler? Warum wissen wir nichts von dieser großen Sache?“ Diana holt achselzuckend eine Zeitschrift hervor und öffnet den Mittelteil:

Die einzige ultimative, unbestrittene und tatsĂ€chliche Wahrheit ĂŒber den UMDUMPLER

Der Umdumpler gehört zur Gruppe der Singvögel. Sein Lebensraum sind die arktischen Gebiete im Norden Europas, Amerikas und Asiens. Im Gegensatz zu anderen dort ansĂ€ssigen Spezies, die sich durch weißes Fell oder Federkleid perfekt an die eintönige Umgebung angepaßt haben, zeichnet er sich durch seine leuchtend gelbe FĂ€rbung aus. Die nur ca. sieben bis neun Zentimeter kleinen Geschöpfe mit allerdings auffallend langen (teilweise bis zur doppelten KörpergrĂ¶ĂŸe) SchnĂ€beln leben in schier unĂŒberschaubaren Populationen zusammen. Weder ZĂ€hlung noch SchĂ€tzung waren bisher möglich oder erfolgreich.

Trotzdem der Umdumpler an sich eher scheu ist, ergeben sich immer wieder Begegnungen mit Menschen. Zum GlĂŒck, muß man hier sagen: In der zeitweise anhaltenden Finsternis der nördlichen Breitengrade kommt es oft zu FĂ€llen, in denen die dort nomadisch lebenden Einwohner sich verirren und nicht ohne fremde Hilfe wieder ihren Weg finden. Eine solche, wenn auch sicher unbeabsichtigte UnterstĂŒtzung bieten die Umdumpler: das strahlend gelbe Gefieder, das zu allem Überfluß bei dem kleinsten Lichtschimmer, Mondschein o.Ă€. reflektiert und widerscheint, liefert den Orientierungslosen genau den Anhaltspunkt, der sie zurĂŒck nach Hause fĂŒhrt.
Diese absurde Laune der Natur hat aber eigentlich einen anderen Hintergrund. Weil der Bau eines herkömmlichen Nestes unter den schwierigen Bedingungen im Nordland nicht zu bewerkstelligen ist, lebt der Umdumpler in kleinen Eishöhlen. Diese baut er selbst, indem er seinen Schnabel wie einen Meißel benutzt und so eine gemĂŒtliche und geschĂŒtzte Behausung erschafft. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die sprichwörtliche arktische KĂ€lte frieren diese an sich optimalen Höhlen von Zeit zu Zeit zu. Allein kann sich der nunmehr eingeschlossene Umdumpler nicht befreien; seine Rettung sind die Artgenossen, die dem gelben Leuchtpunkt hinter der frischen Eisschicht nachgehen und ihrerseits unter Einsatz der SchnĂ€bel den Zugang berĂ€umen.

Der Umdumpler lebt also als EinzelgĂ€nger, der aber in symbiotischer Art und Weise von der GrĂ¶ĂŸe seiner Schar profitiert. Als solcher ist er nicht monogam sondern jeweils zur Paarungszeit auf der Suche nach einer kurzzeitigen, der Fortpflanzung dienenden Begegnung. Das Balzverhalten ist unaufdringlich und besteht vor allem aus zwei Komponenten: die Deckfedern der MĂ€nnchen entwickeln eine intensivere und variablere Farbgebung (von einem zarten Cremeton bis hin zu sattem Orange wurden Exemplare beobachtet). Man geht davon aus, daß mit den Farbtönen entsprechende WesenszĂŒge, ja – man könnte von Charaktereigenschaften sprechen, einhergehen. So scheint z.B. der eher farblose und dezent gefĂ€rbte Hahn fĂŒrsorglich und opferbereit zu sein. Der grell getönte im Gegensatz dazu jedoch unzuverlĂ€ssig und unbeherrscht. Außerdem gibt es wĂ€hrend dieser Zeit außergewöhnlich schöne GesĂ€nge zu hören. Diese werden sowohl von MĂ€nnchen als auch Weibchen vorgebracht. Es dĂŒrfte um den Austausch von Informationen, GefĂŒhlen und WĂŒnschen gehen.

SelbstverstĂ€ndlich verwenden wir hier diese vermenschlichende Sprache lediglich zum besseren VerstĂ€ndnis. Nach erfolgter Paarung ziehen sich beide Partner in ihr gewohntes Leben zurĂŒck. Die Henne legt nach etwa drei Wochen drei bis fĂŒnf Eier. Die Brutpflege obliegt ihr allein; der Hahn versorgt sie normalerweise mit Futter, solange sie bei den Jungen festgehalten ist. Dies kann jedoch auch fallweise durch die gesamte Gemeinschaft erfolgen. FĂŒr Notsituationen funktioniert eine Art soziales GefĂŒge, das die Überlebenschancen der kleinen Wesen sehr hoch erhĂ€lt.

NatĂŒrliche Feinde hat der Umdumpler nicht. NestrĂ€uber haben schmerzlich die Bekanntschaft der vom Eis gehĂ€rteten SchnĂ€bel machen mĂŒssen, Raubvögel gibt es so gut wie keine und so können sich die Gesamtvorkommen ungehindert erweitern – das Nahrungsangebot ist unerschöpflich: der Umdumpler ist einer der wenigen Allesfresser unter den Vögeln. Neben tierischen und pflanzlichen Bestandteilen gehört auch Aas, kleinste Steine und Eis, die eigenen Federn etc. zum Speiseplan. Und wo andere wildlebende Tiere sich vor dem Jagdeifer der Menschen fĂŒrchten mĂŒssen, hat der Umdumpler nicht den geringsten Grund dazu. FĂŒr die menschliche Nase ist sowohl der lebende Vogel als auch sein Fleisch derart unertrĂ€glich, daß er ganzjĂ€hrig auf seine natĂŒrliche Schonzeit vertrauen darf.

Mit Spannung hat man Versuche verfolgt, die Ressourcen nutzbar zu machen, die sich aus der Vielzahl der kleinen Wesen anzubieten scheinen. Doch die Federn widersetzen sich einer kommerziellen Nutzung – selbst StahlspĂ€ne wĂ€ren weicher und kuscheliger als die gelben Daunen.

Wir werden uns also weiterhin auf die Beobachtung und Erforschung der sĂŒĂŸen Zweibeiner beschrĂ€nken. Vielleicht lĂ€ĂŸt sich bald abschließend klĂ€ren, ob der Umdumpler des Fliegens unfĂ€hig oder nur zu faul ist. Bislang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse ĂŒber dieses RĂ€tsel. FĂŒr belegbare Informationen – Videoaufnahmen, anatomische Studien, eidliche Aussagen von ortsansĂ€ssigen Vogelkundlern – wurde bereits eine attraktive Belohnung ausgesetzt. NĂ€here Informationen dazu sind bei der NASA erhĂ€ltlich. Das Interesse gerade dieser Organisation wirft neue Fragen auf: Ist der Umdumpler gar ein Import aus dem All...?

---

Einen Moment herrschte Stille. Dann ĂŒberschlugen sich die Stimmen: „Woher hast Du die Fakten fĂŒr den Bericht? Mit wem hast Du zusammengearbeitet? Gab es Forschungsmittel? Begleitest Du die wissenschaftliche Untersuchung?...“ „MĂ€dels – beruhigt Euch. Ich habe ganz allein gearbeitet und keinerlei ZuschĂŒsse gehabt. Ich hatte ja nicht einmal Informationen! Das Ganze ist reine Phantasie und es gibt – Ehrenwort! - keinen Umdumpler.“ VerblĂŒfftes Schweigen; dann:“Aber warum wollen die hier dann demnĂ€chst welche ausstellen???“

Und alle drei fingend schallend an, sich die Seele aus dem Leib zu lachen. Da hatte wohl jemand einen gewaltigen Recherchefehler gemacht und aufgrund der fiktiven ErzĂ€hlung ein zoologisches Superprojekt ins Leben gerufen. So etwas hat es ja verschiedentlich schon gegeben – der Yeti, das Ungeheuer vom Loch Ness... Alle geboren aus Worten und gewachsen am Glauben der willigen Menschheit. Wer weiß schon, was der Umdumpler noch alles bewegen wird...?



2. Juli 2011



__________________
weisserrabe

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aligaga
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Lieberweißerrabe,

wer verschĂ€mt ist, guckt nicht hin, sondern weg! Wobei der Leser rĂ€tselt, wofĂŒr sich die Kinder denn schĂ€men mĂŒssten. Sind die Damen unbekleidet?

Du musst jetzt ganz stark sein:

Deine Geschichte liest sich wie dĂŒrftige Fantasy - eine Verlegerin, eine Illustratöse und eine gefeierte Autorin setzten sich auf den Erdboden und essen von dort, wĂ€hrend sich ihre Fans um sie scharen und um Autogramme betteln. Der Grund fĂŒr diese Prominenz, erfahren wir, lĂ€ge in einer "Reportage" begrĂŒndet, die unlĂ€ngst in einer Zeitschrift abgedruckt worden wĂ€re. NatĂŒrlich hat die gefeierte Autorin die besagte Postille im HandtĂ€schchen dabei und liest den ganzen, sterbenslangweiligen Text ĂŒber irgendeinen Piepmatz vor, der am nördlichen Polarkreis sein Wesen treiben soll. Es ist keine Reportage und kein wissenschaftlicher Text, sondern klingt wie ein Mittelschulaufsatz ĂŒber Hansi, das sĂŒĂŸe Kanarienvogerl, aus dem man keine TschickenbĂŒrger braten kann.

Wirklich amĂŒsieren kann man sich allenfalls ĂŒber die völlig unverstĂ€ndliche Begeisterung, in die die Begleiterinnen der Autorin nach der Vorlesung ausbrechen - dabei ist eine der beiden doch "Verlegerin", die in jedem Fall merken mĂŒsste, was fĂŒr ein dĂŒrftiges Geschreibsel das ist. Es wĂ€re nie geeignet, eine namhafte Zeitschrift zu fĂŒllen, geschweige denn, dass solche KĂŒmmerenten eine "Forschungslawine" auslösten.

Es mag sein, mein lieberweißerrabe, dass Worte geglaubt werden und dass der Glaube manchmal Berge versetzt. Diese hier tun das aber leider nicht. So dumm, darauf hereinzufallen, sind nicht mal Abc-SchĂŒtzen.

Tipp: Entweder seriös denken und schreiben oder wirklich witzig sein. Jedenfalls aber plausibel bleiben. Sonst muss man an dem Produkt tatsÀchlich verschÀmt vorbeigucken ...

Nichts fĂŒr ungut und liebe GrĂŒĂŸe

aligaga

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