Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
260 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
(Un)Glück
Eingestellt am 20. 02. 2007 21:25


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
KimPossible
Hobbydichter
Registriert: Feb 2007

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um KimPossible eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

(Un)Glück

Sie stand am Straßenrand.
Ihre Finger glitten immer wieder durch die nassen Falten ihren Rockes.
Er hatte sie einfach stehn lassen.
Regentropfen rannen aus ihren Haarspitzen und vermischten sich mit salzigen Tränen.
Wie hatte er das nur tun können?
Sie starrte in die aufgewühlte Pfütze die sich in der Abwasserrinne sammelte. Der Regen hatte die Straße leer gefegt. Ein Auto raste vorbei und ertränkte sie fast in der Welle aus Pfützenwasser.
Sie rührte sich nicht.
Feucht glitt der Rocksaum durch ihre Finger.
Wieso hatte er das getan?
Deutlich zeichneten sich ihre Konturen unter der weißen Bluse ab, die sich nass um ihren Körper schlang. Ihr war kalt, selbst die Gänsehaut konnte man unter dem dünnen Stoff leicht erkennen. Aber sie spürte die Kälte gar nicht.
Kalte Finger zwischen nassen Falten.
Sie war so allein.
Ihre Lippen zitterten und formten immer wieder die Worte: \"Ich liebe dich doch\".
Sie presste die Falten in ihrer Hand. Eisiger Regen prasselte in Strömen.
Ihre blauen Augen, glasig, schwammen und starrten ins Nichts.
Ein großer, roter Regenschirm spazierte vorbei.
Ein schreiender Tupfen Farbe im grauen Nichts ihres Seins.
\"Michael\", flüsterte sie.
Ihr Körper bebte unter ihren Tränen, und die nächste Pfützenwelle zwang sie in die Knie.
Steif klammerten sich ihre Finger um die Bordsteinkante. Krümmten sich so fest in den kalten Beton bis sie bluteten.
Rote Spiralen aus warmem Leben, drehten sich in endlosen Kreisen, anmutig in Pfützenwasser um sich für immer aufzulösen.
\"Alles in Ordnung, Kleine?\" fragte der rote Regenschirm?
Anja nickte.
Der rote Regenschirm stand auf und blieb neben ihr stehen.
Der Regen hörte auf in ihr Gesicht zu peitschen. Unaufhörlich wühlte er die Pfütze vor ihr auf. Aber der rote Regenschirm beschützte sie.
Er legte seine Hand auf ihre Schulter, lächelte freundlich und half ihr auf.
\"Du holst dir noch den Tod Kind.\"

Eine rote Decke lag um ihre Schultern, eine Tasse wärmte ihre kalten Finger, und heiße Schokolade schmeckte köstlich, süß auf ihrer Zunge.
\"Noch eine Tasse?\"
Anja fühlte sich langsam besser. Sie seufzte innerlich. Michael.
\"Gerne.\"
Er öffnete den Schrank, griff an dem blutigen Kinderschlüpfer vorbei und holte die Kakaodose hervor.
Wie konnte man nur so viel Glück haben?
Der rote Regenschirm lehnte in einer Ecke. Dicke Tropfen liefen durch seine schweren Falten und bildeten am Boden eine salzige Pfütze aus Tränen.
__________________
~ alles was du bist, das ist in dir ~

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!