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Leselupe.de > Gereimtes
[b]Schnelles Ende[/b] - Versuch einer "Bertine"
Eingestellt am 15. 04. 2001 13:27


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Ruth-Marion Flemming
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Schnelles Ende

Schnelles Ende - Versuch einer „Bertine“

Mitten im Wald steht zerfallen ein Haus –
ich meine, du solltest lieber nicht hingehn,
denn es soll dort spuken, du wirst es sehn –,
mitten im Wald steht also zerfallen ein Haus,
sein einziger Bewohner ist eine kleine graue Maus.

Das Mäuslein, zwar fröhlich, wußte eins ganz genau –
ich meine, es ist ein rein menschliches Verlangen
und wohl den meisten von uns schon so ergangen –,
das Mäuslein, zwar fröhlich, wußte also eins ganz genau,
daĂź ihm etwas fehlt, und das war eine Frau.

Deshalb machte es sich, um auf Brautschau zu gehn, chick –
ich meine, mancher von uns verhält sich nicht anders, genau,
takelt sich auf wie ein wild gewordener, läufiger Pfau –,
deshalb machte es sich also, um auf Brautschau zu gehn, chick,
dabei paßte es nicht auf, fiel vom Hocker … brach sich das Genick.

Mitten im Wald steht zerfallen ein Haus –
ich meine, du solltest lieber nicht hingehn,
denn es soll dort spuken, du wirst es sehn –,
mitten im Wald steht also zerfallen ein Haus,
sein einziger Bewohner war eine kleine graue Maus.

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Bernd
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Lob und Frage

Ein ungewöhnliches Gedicht. Beim ersten Lesen dachte ich "O Gott! keinerlei Rhythmik, voll daneben, etwas sinnlos."
Aber ich las es noch mal und muĂź mein Urteil revidieren. Es hat Rhythmik und einen besonderen Charm.

Bitte aber, ich weiĂź es nicht, was ist eine Bertine?
Dies soll ja eine sein, ich habe auch Besonderheiten entdeckt, kenne aber die Form nicht.

Viele GrĂĽĂźe von Bernd
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Bernd
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PS: Je öfter ich es lese, desto besser gefällt es mir.
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Ruth-Marion Flemming
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Hallo Bernd,
zunächst herzlichen Dank für Deine Beurteilung. Erst habe ich mich köstlich darüber amüsiert – und das ist alles andere als negativ gemeint. Dann mir selbst ein paar Mal, ich gestehe anerkennend, auf die Schulter geklopft. Warum das eine wie das andere? Dazu muß ich ein bißchen ausholen: Vor kurzem beschäftigte ich mich etwas intensiver mit Ernst Jandl. Ich mag ihn sehr, seine Wortspielereien, seine Ungezwungenheit und Leichtigkeit im Umgang mit der Sprache. Er ist für mich halt literarisch etwas Besonderes. Das alles brachte mich auf den Gedanken, auch etwas Besonderes zu versuchen, etwas, das ich bisher in dieser Form noch nicht kannte. So entstand das, was ich in Anlehnung an die Reimstrophe „Terzine“ schlicht und ergreifend „Bertine“ nannte, obwohl beide völlig bezugslos sind.

Meine „Bertine“ besteht aus unterschiedlich vielen Versen mit dem Zeilenfall abba’a. Sie ist in manchem sonettähnlich, insgesamt gesehen doch wieder nicht. Man könnte sie auch dem Nonsensbereich zuordnen. Das eigentliche Gedicht sind die jeweils ersten und fünften Verszeilen, Zeilen zwei und drei jeweils „nur“ ergänzende Bilder, meist „Gesprächsfetzen“ mit oder ohne unmittelbarem Bezug zum eigentlichen Gedicht. Die jeweils vierten Zeilen – sie entsprechen der jeweils ersten Zeile, ergänzt durch das Wort „also“ – dienen lediglich dazu, den Anschluß einfacher wiederzugewinnen, ergo der Verständlichkeit.

So die Geburt der „Bertine“. Zwischenzeitlich gibt es natürlich etliche mehr. Es ist etwa wie mit Haiku oder Limericks, man kann sich fast totschreiben, eine gewisse Zeit jedenfalls. Mit Gruß
Ruth

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Bernd
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Ruth-Marion, ich drĂĽckte gerade die Tasten,
da schrie mein verschrumpelter Bildschirm ganz laut:
"Was hast du gemacht? Sag, hast du mich heute versaut?
Oder hieb vielleicht irgend ein anderer hier auf die Tasten?
Du hältst mich wohl immer noch für einen seelenlosen Kasten?

Dabei bin ich kein Seelenloser, dumm gelaufen,
ich habe nämlich Seele und besitze inneren Geist.
Zumindest besitze ich diesen zumeist,
wenn Strom nicht fehlt. Bist du deshalb hierher gelaufen?
Oder wolltest du mir eine Seele kaufen?

Das aber wäre ein verfehltes Unterfangen,
denn ich bin einfach kaputt, deshalb bin ich,
wär ich sonst kaputt? Sicherlich nich.
Und es wäre trotzdem ein vergebliches Unterfangen.
Und jetzt hilf mir doch endlich mal, heim zu gelangen."

Und dann sah ich ihn an und geriet ein wenig ins GrĂĽbeln,
vielleicht sollte ich mal die Festplatte tauschen,
oder noch weiter mit dem kaputten Computer plauschen?
Ich weiĂź es nicht und gerate ins GrĂĽbeln,
das wirst du mir doch sicher nicht verĂĽbeln.



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