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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
… dann macht euch doch welche!
Eingestellt am 02. 03. 2007 10:05


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jon
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… dann macht euch doch welche!
Randbemerkungen zum Oscar 2007

Zitat aus filmreporter.de Departed - Unter Feinden … Martin Scorseses Remake des Hong-Kong-Klassikers "Infernal Affairs" übernimmt einige Szenen und Dialoge des Originals eins zu eins.

Zitat aus kino.de: Mit ausländischen Stoffen tun sich amerikanische Filmemacher traditionell schwer. Mit einem Oscar im Gepäck sieht das allerdings schlagartig anders aus.
)Das jedenfalls durfte nun Florian Henckel von Donnersmarck erfahren. Sein Stasidrama "Das Leben der Anderen" ist seit dem Oscar-Gewinn am letzten Sonntag Thema Nummer eins der Filmwelt in den USA. … Nach dem Triumph bei den Academy Awards ist nicht nur das Interesse der Kinogänger, sondern auch das der Filmschaffenden an dem DDR-Stoff sprunghaft angestiegen. Und nun planen sogar einige Hollywoodschwergewichte ein englischsprachiges Remake.




Das ist ein Scherz. Ein schlechter. Ein ganz schlechter. Was ich bisher als amerikanische Marotte kopfschüttelnd zur Kenntnis nahm, wächst sich inzwischen zu einem heftigen Unmut erzeugenden Umstand aus. Die Amerikaner sind doch …! Ich sag es lieber nicht. Dass der „Haupt“-Oscar 2007, der für den besten Film, an ein Remake ging, sollte der Academy und den Amerikanern an sich eigentlich peinlich sein. Aber da man es in Hollywood offenbar noch nie anstößig fand, Kunst zu kopieren – und das meist noch unter Inkaufnahme deutlichen Qualitätsverlustes – statt Originalfilme zu synchronisieren (Untertitel sind wirklich zuschauerunfreundlich) und sein Publikum wenigstens ansatzweise zu so etwas wie kultureller Weltoffenheit zu erziehen, findet wohl doch niemand was dabei. Für wie borniert hält man in den Staaten „seine Leute“ eigentlich, dass man ihnen nicht zutraut, sich an synchronisierte Filme zu gewöhnen? Für wie kompetent halten sich die Filmemacher, dass sie ernsthaft denken, dass die besten Filme nur durch ihr Wiederkäuen verdaulich gemacht werden könnten?

Ja ja ich weiß: Synchronisierte Filme laufen in den Staaten noch schlechter als die mit Untertiteln. Aber erstens dürfte Synchronisieren auch nicht so teuer sein wie eine Neuproduktion, die Gewinnspanne sollte also trotz geringerer Besucherzahlen doch akzeptabel sein. Zweitens ist das eine Gewöhnungsfrage. Vor allem aber ist es ein massives Image-Problem. Nicht nur, dass sich die Filmemacher damit Ideenlosigkeit, mangelnde Kunst-Bereitschaft – die ja immer mit dem Risiko des Neuen verbunden ist – und pure Raffgier bescheinigen. Sie bescheinigen ihrem Publikum auch, dass sie es für so doof halten, um Werke, die nicht noch mal auf amerikanisch umgedollart (umgerubelt passt ja hier nicht) wurden, zu verstehen. Was das Phänomen zugleich gnadenlos offenbart, ist die offenkundig in den Massen tief verwurzelte Überheblichkeit, die Welt – auch das Kino – habe gefälligst amerikanisch zu sein. Britisch? Na geht grade noch so, die sprechen immerhin fast unser Sprache. Australisch? Geht auch ganz gut, die wissen sogar, wie sich Strandleben anfühlt und ihr Outback ist fast so was wie unser Wilder Westen war …

Nein, ich will nicht alle Amerikaner über einen Kamm scheren, aber damit es sich Geld niederschlägt – und das ist ja der Entscheidungs-Knackpunkt in Hollywood – müssen es doch prozentual gesehen eine Menge Leute sein, die so fühlen oder gar denken. Ist das nicht peinlich für ein Land, das sich für so souverän hält? Vor allem: Muss man diesen Trend auch noch bedienen?

Ich hoffe, dass die Rechteinhaber von „Das Leben der anderen“ ihr Werk so hoch achten, dass sie den Remake-Machern aus Hollywood den Scheck danken zurücksenden. Vielleicht mit den Worten: Wenn ihr amerikanische Filme haben wollt, dann macht doch einfach mal welche.



Wer mit mir über das Thema diskutieren möchte: Im Forum Lupanum steht der Text noch mal als Diskussionsangbeot.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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