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Leselupe.de > Kurzgeschichten
... ein Fetzen Alltag ...
Eingestellt am 09. 11. 2003 19:29


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Marc Olivier
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Nov 2003

Werke: 5
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... barsten hervor aus dem Untergrund. Gesch├Ąftiges Treiben verriet die Tageszeit. Krawatten flogen, R├Âcke flatterten. Einige strauchelten, aber keiner kam zu Fall. Manche kniffen die Augen zusammen. Daran erkannte Werner Hof, ein kleiner, hellh├Ąutiger Mann, dessen K├Ârper genauso rundlich war wie sein Kopf, auf dem sein ausged├╝nntes, rotblondes Haar thronte, dass sie eine lange Zeit unterhalb der Stadt verbracht hatten, wohl einige Male hatten umsteigen m├╝ssen, um ihr Ziel zu erreichen. Das helle Tageslicht brannte wohl in ihren Augen, die sich bereits an das kalte Licht dort unten gew├Âhnt hatten. Als der Pulk wortlos an ihm vorbeiraste, sp├╝rte er den schneidenden Luftzug. Er beobachtete, wie er sich von ihm wieder entfernte und immer weiter ausd├╝nnte. Manche verschwanden in Seitengassen, andere in Hofeing├Ąngen. Und der Rest verteilte sich bald auf beide Stra├čenseiten. Alle waren darauf bedacht, m├Âglichst schnell und ohne Kontakt zur Umwelt ihr Ziel zu erreichen, was auch immer es gewesen sein mag. Werner Hof wartete hier. Er hatte sich verabredet. Um ein Uhr wollte seine Kollegin aus dem B├╝ro f├╝nf Etagen unter seinem hier sein, um mit ihm bei einem Kaffee die Mittagspause zu verbringen. Er hatte die Verabredung absichtlich auf seinen freien Tag gelegt, um auf keinen Fall gestresst, m├╝de oder auch nur in Zeitdruck zu sein. Doch es waren bereits zwanzig Minuten seitdem vergangen und sie war nicht da. Bereits als sie schon zehn Minuten ├╝berf├Ąllig war, hatte er begonnen, zu ├╝berlegen. An ihren Arbeitsplatz zu gehen, das traute er sich nicht. Sich diese Bl├Â├če vor den Kollegen geben? Nein danke!!! Einfach wieder wegzugehen empfand er als Kapitulation. Au├čerdem – vielleicht hatte sie sich ja auch nur versp├Ątet und die Chance w├Ąre verpasst gewesen. Letztendlich war sein Blick auf eine Telefonzelle gefallen und er fasste den Entschluss, sie bald anzurufen, sofern sie weiterhin nicht auftauchen sollte. Nun stand er da, hatte den Zettel mit ihrer Durchwahl bereits in der Hand. Die Stra├če hatte den Ansturm aus dem Untergrund bereits ├╝berstanden und die Menschenmenge sich wieder auf das ├╝bliche Ma├č reduziert. Er wartete noch einen Augenblick, in dem nichts geschah, und lief in Richtung Telefonzelle.
Kurz zuvor war Andreas Pr├Âll, ein junger, adrett gekleideter Mann mit Anzug, Krawatte sowie Aktentasche und Mitglied des Pulks aus dem Untergrund - er war einer der angestrengtesten, seine Krawatte war am h├Âchsten geflogen – von einem Schild am Fenster eines Fast-Food-Restaurants, das ihm einen Milchshake nach Wahl f├╝r wenig Geld versprach, aus eben jener Gruppe herausgesogen worden. Er hatte Gl├╝ck. Er fand eine Kasse, an der vor ihm nur eine Frau mit ihrem kleinen Kind bezahlte und an einen Tisch ging. Sein verzerrtes Gesicht verriet jedem seine Eile, die Dringlichkeit des Gesch├Ąftstermins, der in wenigen Minuten anstand. Die Anstrengung und der Stress waren ihm deutlich anzusehen und das wusste er. Aber sein Erfolg gab ihm Recht. Er hatte gro├čen Hunger, aber keine Zeit f├╝r Essen. Deswegen war ihm der Milchshake gerade recht gekommen. Es war schwere Nahrung und t├Ąuschte dem Magen einige Zeit ausreichenden F├╝llungszustand vor. Seine Wahl fiel auf Schoko. Er zahlte eilig... er zahlte in dem Moment, als sich Werner Hof mit Ziel Telefonzelle in Bewegung setzte. Dieser stie├č einen spitzen Schrei aus, als er in den fast rennenden Andreas Pr├Âll voll hineinlief. Er hatte sich zu Tode erschrocken, genauso wie sein Unfallpartner, denn der war anderthalb K├Âpfe gr├Â├čer und hatte nichts B├Âses geahnt, Werner Hof schlicht nicht gesehen. Beim Zusammenprall wurde Andreas Pr├Âlls Becher wie eine Tomate zerquetscht und ├Ąhnlich font├Ąnenartig wie Fruchtfleisch ergoss sich der Inhalt ├╝ber die Hemden der M├Ąnner.
„Sehen Sie sich doch vor!“, herrschte Pr├Âll Hof an. Das Schlimmste, was einem Gesch├Ąftsmann passieren konnte, war passiert. Er stellte seine braun gesprenkelte Aktentasche ab und versuchte verzweifelt, mit blo├čen H├Ąnden die Schweinerei zu beseitigen.
„Entschuldigen Sie bitte!“ Werner Hofs Stimme war leise und verhalten. „Ich habe so schnell nicht ausweichen k├Ânnen!“
Dem Klang seiner Stimme war es zu verdanken, dass Andreas Pr├Âll dies nicht als Schuldzuweisung verstand. Er stand ihm nun gegen├╝ber und beobachtete, wie der andere ein Taschentuch hervorholte und hektisch an den Flecken auf seinem Hemd herumwischte – erfolglos. „Ach, Schei├če!“ Er schleuderte das Taschentuch auf den Boden. Sein Ton hatte sich immer noch nicht entsch├Ąrft.
„Ich bezahle ihnen das Hemd!“
Pr├Âll funkelte ihn an. „Ich habe bestimmt keine Zeit, mir ihre Adresse aufzuschreiben. Sehen sie sich diese Sauerei an. Das kann ich im Moment ├╝berhaupt nicht brauchen!“
Hof ├╝berlegte, wie er sich verhalten sollte. „Lassen Sie mich Ihnen wenigstens die einsf├╝nfzig f├╝r das Getr├Ąnk geben!“
Statt zu antworten, riss Pr├Âll seine Aktentasche, in der er f├╝r solche F├Ąlle stets ein Ersatzhemd mit sich f├╝hrte, an sich, wirbelte herum und st├╝rzte zur├╝ck in das Restaurant. Werner Hof sah ihm ratlos nach, bis er in der Herrentoilette verschwunden war. Jetzt endlich fiel ihm wieder ein, was er eigentlich vorgehabt hatte und ging langsam und ├╝ber den Vorfall nachdenkend zur Telefonzelle. Er f├╝tterte den Apparat mit M├╝nzen und w├Ąhlte die Nummer. Es klickte einige Male und er h├Ârte das...

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