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Leselupe.de > Kurzprosa
. . . eine Geschichte bitte
Eingestellt am 24. 08. 2001 00:38


Autor
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Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

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diese story wurde in der schreibwerkstatt ├╝berarbeitet.
danke an alle mitwirkenden.

Es regnete. Seit drei Tagen regnete es ohne Unterbrechung. Der Himmel hatte seine Schleusen ge├Âffnet und schien nicht gewillt zu sein, sie in absehbarer Zeit wieder zu schlie├čen. Die ganze Welt hatte sich in eine einzige triste graue Unendlichkeit aus Nebel, Regen und K├Ąlte verwandelt, die bereit zu sein schien, das Dorf und alle seine Bewohner f├╝r ihre S├╝nden zu strafen, welche sie auch begangen haben mochten. Der Regen trommelte unabl├Ąssig in einem nicht enden wollenden Stakkato gegen die Scheiben des niedrigen Hauses, das sich am Ende des Dorfes an den Hang des Berges dr├╝ckte. Maria stand gedankenverloren an dem kleinen Fenster in der schlecht geheizten Stube und sah in die nebelverhangene Welt da drau├čen. Sie erschauerte, als sie einen kalten Luftzug versp├╝rte, zog die verschlissene Decke die sie um die Schultern trug, enger um sich und drehte sich widerstrebend um.
"Mein Liebling, wie geht es dir." Ihre Stimme klang sanft und traurig, in einem schleppendem Nasal, als ob sie jedes ihrer Worte genau abw├Ągen m├╝sste. Sie war einmal ein sehr h├╝bsches und sehr lustiges M├Ądchen gewesen, temperamentvoll, umtriebig und immer in Bewegung, wie ein ausgelassen flatternder, bunter Vogel im Fr├╝hling, immer ein lustiges Wort auf den Lippen, ein Lachen im Augenwinkel und einen Streich im Kopf; aber das schien lange her.
Ihre einst leuchtenden blonden Haare waren l├Ąngst von den ersten silbrigen F├Ąden durchzogen und ihre ehemals strahlenden blauen Augen waren stumpf und beinahe glanzlos geworden. Nur wenn sie mit ihrem j├╝ngsten Sohn sprach, legte sich ein Hauch ihrer fr├╝heren Sch├Ânheit auf ihr Gesicht, das sonst verh├Ąrmt und m├╝de wirkte. Die hoch angesetzten Wangenknochen, ein Erbe ihrer Vorfahren aus dem hohen Norden, gaben ihrem Gesicht zwar noch immer den Anschein von einem l├Ąchelnden Strahlen, das ├╝ber ihrem Antlitz lag, aber der leicht gebeugte R├╝cken strafte diese vermeintliche Zufriedenheit L├╝gen. Sie straffte ihre Schultern, ein matter Abglanz der Energie, die sie einst erf├╝llte, und ging ihrem Sohn entgegen.
"Du solltest doch im Bett liegen und dich ausruhen, mein Schatz. Du hast ziemlich hohes Fieber und brauchst viel Ruhe und Schlaf." Behutsam nahm sie den kleinen Jungen bei der Hand und f├╝hrte ihn in sein Zimmer zur├╝ck, wo sie ihn in sein Bett steckte und sorgf├Ąltig die schweren Decken glattstrich.
"Mir ist so hei├č, Mama!" keuchte Julian und fasste sich mit einer hilflos wirkenden Geste an den fiebrig gl├╝henden Kopf. Seine Haare klebten nass und verschwitzt in seinem Gesicht. Seine Augen, gro├č und gl├Ąnzend, hingen an den Lippen seiner Mutter. Ihm war schwindlig. Das Zimmer schien ganz sanft zu schaukeln Wie ein kleines Boot das ├╝ber den Fluss fuhr. Der Kopf pochte schmerzhaft. In einem stetigen Rhythmus aus Klopfen, Verhallen, Klopfen und Verhallen. Wie das Dr├Âhnen der schweren bronzenen Scheibe, die im Gemeinschaftsraum des Dorfes, dort wo sie ihre Versammlungen abhielten, hing.
"Mein armer kranker Liebling", fl├╝sterte die Frau und beugte den Kopf ├╝ber ihren Sohn. Sanft strich sie mit den Fingern ├╝ber sein Haar. In ihren Augen standen die Besorgnis und die tief verborgene Angst einer Mutter, deren Kind krank und hilflos vor ihr lag, und die nichts dagegen machen konnte. "Hast du Durst? Ich habe dir Tee aufgebr├╝ht."
Dankbar trank der Junge aus der Tasse, die ihm seine Mutter an die trockenen Lippen hielt.
"Erz├Ąhlst du mir eine Geschichte?" Bittend sah er sie an, und in seinen fiebrig gl├╝henden Augen stand so viel schlummernde Hoffnung, dass sie es nicht wagte ihm diese Bitte abzuschlagen. "Aber ja doch, nat├╝rlich." erwiderte sie z├Ąrtlich und streichelte wieder ├╝ber sein Gesicht und sein Haar. Hastig klopfte Julian mit der flachen Hand auf das Bett und rutschte zur Seite, damit seine Mutter sich bequem setzen konnte. Er l├Ąchelte in freudiger Erwartung, und sah still zu ihr auf. Ungeduldig und doch voller Zuversicht. Seine Mutter wusste so viele aufregende und spannende Geschichten aus fr├╝heren Zeiten zu erz├Ąhlen. Ein L├Ącheln huschte zaghaft ├╝ber die Z├╝ge der Frau und sie setzte sich, leise seufzend auf das Bett des Jungen. Nachdenklich schloss sie die Augen und ├╝berlegte. Schlie├člich, der Junge harrte wortlos und mit vor Aufregung ger├Âteten Wangen auf ihre Worte, begann sie zu erz├Ąhlen.
Es war die Geschichte von einem M├Ądchen, einer Schwertfrau, das ihr Volk noch lange bevor r├Âmische Soldaten das Land erobern sollten, gegen die ├ťbermacht eines Feindes in den Kampf f├╝hrte, diesen gewann, und damit das sch├Ânste Tal des Landes f├╝r ihr Volk erobern konnte.
Julian liebte diese Geschichten aus der Zeit in denen die Menschen noch mit dem Schwert in der Hand um, wie er meinte, edle Ziele k├Ąmpften. Er liebte es, wenn seine Mutter von feurigen R├Âssern und tapferen Kriegern erz├Ąhlte, und er liebte diese bunten, einfachen Bilder die seine Mutter mit ihren Geschichten heraufzubeschw├Âren vermochte. Da gab es nur Gut und B├Âse, nur Sch├Ân und H├Ąsslich, nur Reich und Arm, und keine komplizierten Zwischent├Âne und Halbwahrheiten.
Ihre Stimme ver├Ąnderte sich und klang nun vollt├Ânend und klar. Sie schien die beiden, Mutter und Sohn, auf riesige Schwingen zu nehmen und weit mit sich davonzutragen. In eine ferne Zeit. Lange, lange bevor Julian und auch seine Mutter auf diese Welt gekommen waren.

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo fredy

sch├Ân ist sie, deine geschichte. das gef├╝hl der mutter kenne ich nur zu genau. du hast es gut beschrieben.
eines ist ist mir noch aufgefallen. du schreibst: "Du hast ziemlich hohes fieber, ich w├╝rde das ziemlich streichen, h├Ârt sich besser an. Am schluss hast du sehr oft liebte geschrieben. ich denke das man statt er liebte die geschichten , er mochte die geschichten, oder er liebte die sch├Ânen bunten bilder, er genoss die.... schreiben. ich denke so klingt es noch fl├╝ssiger und runder.
ganz liebe gr├╝├če leonie

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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das ist

eine sehr sch├Âne geschichte, die von mir aus noch ne stunde weitergehen k├Ânnte. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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