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Leselupe.de > Kurzprosa
'elekulieren' oder Schiffe in der Nacht...
Eingestellt am 24. 09. 2005 15:58


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AliasI
???
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SIE HABEN POST!!!

Diese Frauenstimme von AOL war wirklich penetrant, sie wies Daniela un├╝berh├Ârbar darauf hin, dass sie Post erhalten hatte. Es kam nicht oft Post, sie war ziemlich neu im Internet-Gesch├Ąft, und sie war ein bisschen erstaunt.

Sie sah sich die Mail mit gemischten Gef├╝hlen an. Es war mit Sicherheit SPAM, und es war bestimmt schon ein Risiko, sie ├╝berhaupt zu ├Âffnen. Aber die Neugierde siegte ├╝ber ihre Bef├╝rchtungen, zumal da ein richtiger Name stand und nicht nur eine Nummerkombination ohne Sinn und Verstand, und auch das „inlone“ hinter dem Namen machte einen vertrauenserweckenden Eindruck

Sie ├Âffnete die Mail also und las:


Liebe Daniela Berger,

ich habe heute Ihre Geschichte „Spiele der Liebe“ im Autoren-Forum gelesen, und ich muss sagen, dass ich niemals zuvor eine sch├Ânere, intensivere und sinnlichere Beschreibung weiblicher Sexualit├Ąt und eines weiblichen H├Âhepunktes gelesen habe wie in Ihrer Geschichte. Das ist ja etwas, was einem als Mann unerreichbar und gerade deshalb so spannend und interessant ist.

Ich habe dann gleich im Internet zwei Kapitel Ihres Buches am PC gelesen, was ich eigentlich gar nicht mag, und daraufhin beschlossen, das ganze Buch auszudrucken und zu lesen.

F├╝r diese sch├Âne Erfahrung vielen Dank

Michael


Daniela konnte es nicht fassen. Es hatte ihr jemand geschrieben, und dieser jemand wollte auch noch ihren Roman lesen, f├╝r den sich bis jetzt nicht viele interessiert hatten, vor allem keine M├Ąnner. Das war gro├čartig! Es war also eine sehr gute Idee gewesen, einen leicht bis mittelschwer versauten Teil aus diesem Roman auszukoppeln und ihn in diesem Forum unter „Erotisches“ zu ver├Âffentlichen. Er sollte eigentlich nur den Zweck erf├╝llen, Leute auf ihre brandneue Homepage zu locken, und das hatte ja wohl geklappt.

Das Leben hellte sich merklich auf, und Daniela f├╝hlte sich wie auf einer Wolke getragen, leicht und gl├╝cklich. Und die Tatsache, dass er sie siezte, war irgendwie vertrauenserweckend. Sie hatte nat├╝rlich schon viel gelesen ├╝ber die Anmachversuche der M├Ąnner gerade im Internet, aber jemand, der einen so steif siezte, der konnte eigentlich kein B├Âsewicht sein. Und auch wenn er einer war, was konnte er ihr schon gro├č antun?

Nat├╝rlich schrieb sie ihm nach einer kurzen Eintagespause zur├╝ck. Genauso f├Ârmlich, wie er ihr geschrieben hatte:


Hallo Michael,

Vielen Dank erst einmal. Ich war zuerst ziemlich verbl├╝fft ├╝ber Ihre Mail, denn durch solche Sachen f├╝hlen sich eher Frauen angesprochen, habe mich aber dann sehr gefreut.

Ich hatte eigentlich nie damit gerechnet, das jemand „Spiele der Liebe“ liest, beziehungsweise sich das ausdruckt und habe deswegen auch keine druckf├Ąhige Version vorgesehen. Ich hoffe trotzdem, dass Sie es irgendwie lesen k├Ânnen und auch lesen werden. Es ist ein ziemlich anstrengender, irgendwie sehr weiblicher Text, von dem die erste H├Ąlfte total wahr ist und die zweite nat├╝rlich reines Wunschdenken, bestimmt von dem Verlangen nach Erl├Âsung durch die Liebe zu einem Mann. Witzig und vermessen irgendwie...

Falls Sie es also trotz technischer Widerst├Ąnde schaffen, ihn zu lesen und m├Âglicherweise sogar bis zum Ende lesen, w├Ąre es dann vermessen, mir eine Mail zu schicken oder mir irgend etwas ins G├Ąstebuch zu schreiben? Denn es gibt so selten Resonanz.

Liebe Gr├╝├če Daniela


Daniela war ja sooo bescheiden in ihren Anspr├╝chen, und wahrscheinlich h├Ątte sie ihre Seele dem Teufel verpf├Ąndet, wenn sich nur irgend jemand f├╝r diesen ihren Roman interessiert h├Ątte. Daniela hielt es auch f├╝r angemessen, diesen potentiellen Leser nicht zu ├╝berfordern oder gar zu verschrecken. Sie wollte ihn ganz sorgsam behandeln.

Nicht einen Tag sp├Ąter kam die Antwort:


Liebe Daniela,

ich bin, wie Du liest, zum Du ├╝bergegangen, weil ich gerade daf├╝r kritisiert worden bin, weil das "Sie" altmodisch w├Ąre. Wie dem auch sei, es f├Ąllt mir ohnehin leichter, so zu schreiben.

Wo eigentlich sonst k├Ânnte man(n) unverf├Ąlschte Informationen ├╝ber weibliches Denken und F├╝hlen bekommen als in Texten, die von Frauen eher f├╝r Frauen geschrieben worden sind?

Es zu lesen macht keine M├╝he, aber ich lese Texte nicht gern am PC. Auch das Kopieren in ein Word Dokument und das Ausdrucken ist kein Problem. Dass es ein anstrengender Text und ein ebenso anstrengender Job war, ihn zu schreiben, glaube ich Dir aufs Wort. Es waren zwei Dinge, die mich angesprochen haben und die Ursache daf├╝r waren, das Buch zu lesen: Dass es ein authentischer und ein sehr weiblicher Text ist. Mir gef├Ąllt Dein Schreibstil, Deine Offenheit und Deine Wortwahl.

Ich habe gestern auf einer Zugfahrt von M├╝nchen nach Berlin die Kapitel 1 und 2 gelesen und habe mich ├╝ber mich selbst ge├Ąrgert, nicht weitere Kapitel ausgedruckt zu haben.

Ich schreibe in Dein G├Ąstebuch und schicke Dir auch weitere Mails, abh├Ąngig davon, wie ich mit dem Lesen voran komme. Offen gestanden hatte ich am Ende meines letzten Absatz’ einen l├Ąngeren Text geschrieben, den ich aber wieder gel├Âscht habe. Ich schreibe den Teil noch einmal neu, ehe ich ihn maile.

Soviel f├╝r den Augenblick.

Liebe Gr├╝├če Michael


Er fuhr also mit dem Zug, das gefiel Daniela, die selber vor vielen Jahren dem Auto abgeschworen hatte. Und was konnte das f├╝r ein Text sein, den er wieder gel├Âscht hatte? Egal, es war gro├čartig, er wurde sich wirklich die M├╝he machen, ihren Roman auszudrucken und dann zu lesen. Daniela war schwer beeindruckt, und sie fing an, sich f├╝r ihn zu interessieren. Er schien recht gebildet zu sein. Dieses Apostrophh├Ąkchen hinter „Absatz“ sprach sehr daf├╝r. Und vielleicht w├╝rde er ja mit ein paar Details ├╝ber sich herausr├╝cken. Irgendwann einmal.

Aber trotz seiner guten Grammatikkenntnisse blieb sie ein wenig misstrauisch und entschied sich, ihn ganz brutal zu fragen, was er sich davon versprach, wenn er ihren Roman las. Sie schrieb ihm eine sehr kurze Mail:


Hallo Michael,

warum interessierst du dich so f├╝r die weibliche Psyche und ihre Physis ? Ich glaube, „Spiele der Liebe“ wird dich darin nicht weiter bringen, denn die Frauen an sich sind ziemlich unterschiedlich.

LG Daniela


Daniela hatte das bl├Âde Gef├╝hl, das Wort Physis g├Ąbe es gar nicht, aber er w├╝rde es schon verstehen, wenn er klug genug war.
Die Antwort lies auch nicht lange auf sich warten, auch sie war sehr kurz, wenn auch nicht so richtig aussagekr├Ąftig:


Liebe Daniela,

die Frage kommt mir doch irgendwie bekannt vor: "Und Robert m├Âchte gerne die Frauen verstehen, das ist einer seiner Herzensw├╝nsche. Die Frauen verstehen! Als ob alle Frauen gleich w├Ąren... Also, mich muss kein Mann verstehen, denn ich verstehe mich ja selber nicht..."

Das ist aber nicht die einzige Stelle. Muss an einer (intelligenten?) Antwort noch etwas tun. Sie wird mit Astronomie, mit der ISS und vielleicht mit Tausendf├╝├člern zu tun haben.

Liebe Gr├╝├če Michael


Daniela war sehr von dieser Kurzmail angetan: Er zitierte doch tats├Ąchlich eine Stelle aus ihrem Roman, er hatte sich Gedanken dar├╝ber gemacht, und sie mochte ihn sehr daf├╝r. Er schien ein feinf├╝hliger Mensch zu sein, und er schien sich auch f├╝r Astronomie zu interessieren. Und obwohl ihr der ganze Text ein wenig einstudiert vorkam, entschloss sie sich, auf seine n├Ąchste Mail gespannt zu warten.

Tats├Ąchlich traf diese keine drei Stunden sp├Ąter ein:


Liebe Daniela,

Ich interessiere mich auch f├╝r Astronomie, obwohl alle Himmelsk├Ârper f├╝r mich unerreichbar sind und ich niemals alles dar├╝ber wissen werde. Aber ich verdanke der Astronomie einige sehr sch├Âne Erlebnisse. Ich habe mir angew├Âhnt, wenn ich im Dunkeln unterwegs bin, auf den Himmel zu achten. Es war an einem Gr├╝ndonnerstag vor drei oder vier Jahren, ich war wirklich nicht gut drauf, um es milde zu formulieren, als ich beim Blick in den Himmel einen sehr hellen Stern sah, der ziemlich schnell ├╝ber das Firmament zog. Ich habe damals noch nicht regelm├Ą├čig im Internet nachgeschaut, wann die ISS zu sehen ist, aber ich wusste sofort, dass sie es war. Ich hatte in dem Augenblick das Gef├╝hl, sie fliegt da v├Âllig unbeachtet von allen anderen nur f├╝r mich allein, und auf der Stelle hellte sich meine Stimmung auf und blieb ├╝ber Tage in diesem Hoch.

Mit der Physis der Frauen geht es mir ganz genau so. Ich erlebe immer noch Anblicke wirklich atemberaubender Sch├Ânheit und ich finde sie nicht nur beneidenswert, sondern empfinde oft genau Neid auf soviel Attraktivit├Ąt und Sch├Ânheit, die den Frauen geschenkt ist. Wenn du Beispiele lesen m├Âchtest, dann sag es mir und ich schreibe sie Dir im Dutzend.

Die weibliche Psyche ist ein ganz anderes Thema, und ich habe nicht den Ehrgeiz, die endg├╝ltig zu verstehen oder gar eine Art Frauenfl├╝sterer zu werden. Dennoch ist das f├╝r mich als Mann ein sehr sehr interessantes, spannendes und unersch├Âpfliches Thema. Deshalb habe ich nat├╝rlich Deinen Text „Reden Frauen wirklich so“ gelesen und das war der Grund, weshalb ich auch „Spiele der Liebe“ (ich meine das Kapitel im Autoren-Forum) gelesen habe. Ich habe Dir ja schon geschrieben, wie es mir damit ergangen ist. Es zu lesen, ist f├╝r mich ein Erlebnis, das mich f├╝r Augenblicke fast atemlos macht, als Du Deine Gef├╝hle im Moment des heran nahenden H├Âhepunktes beschreibst.

Andere Stellen in Deiner Geschichte fand ich ebenfalls bemerkenswert, Dein irgendwie lapidarer Sprachstil zum Beispiel, in dem Du sehr erregende Dinge mit einer Beil├Ąufigkeit erz├Ąhlst, die ohne Beispiel ist. Dann gibt es da noch sehr witzige Dinge, zum Beispiel, dass Du dich wie ein H├Ąhnchen f├╝hlst, das gerade ew├╝rzt wird. Soviel Phantasie muss man erst einmal haben. Die Geschichte hat mich auch deshalb so ber├╝hrt, weil ich vor vielen Jahren das gleiche erlebt habe, meine damalige Freundin hatte es mir zum Geburtstag geschenkt. Ihre Reaktionen danach waren teilweise identisch mit den Erfahrungen, die Du beschreibst.

Ich glaube jedenfalls, es war das sch├Ânste Geburtstagsgeschenk, das ich je bekommen habe. Ich habe aus den damaligen Erfahrungen eine Geschichte gemacht, die verglichen mit Deiner aber einfach grottenschlecht ist. Nat├╝rlich habe ich sie nicht ver├Âffentlicht, wenn Du sie aber lesen m├Âchtest, dann maile ich sie Dir.

Liebe Gr├╝├če Michael


Gott sei Dank hatte er das Wort Physis verstanden und geschluckt, auch wenn es so wohl nicht im Duden stand. Daniela befand sich nach dem Lesen der Mail in einem leichten euphorischen Rausch, dieser Mann war hochinteressant, und er hatte tats├Ąchlich auch ihren anderen Text gelesen, der ├╝berhaupt nicht erotisch war, sondern eher ern├╝chternd.

Sie schrieb ihm also nach einem Tag Wartezeit:


Lieber Michael,

es ist sch├Ân, dass der Himmel dich tr├Âsten kann (konnte), ich selber schaue kaum noch hinauf zum Himmel, denn es ├Ąndert nichts an der Situation auf der Erde. Manchmal denke ich, es sind nur Reflexionen auf meiner Netzhaut, die ich irgendwie verbinde mit Gr├Â├če, Ruhe und E├şnmaligkeit. Ich bin eben eine sehr zynische Person mit eingestreuten sentimentalen Elementen. Und die ISS ist vielleicht nicht mehr mein Ding, mein Ding ist eher die gute alte MIR, so altersm├Ą├čig, gehalten von Strumpfb├Ąndern, zusammengeflickt mit Tesafilm und verarscht in vielen Filmen. Aber auch die MIR ist schon lange nicht mehr da, und ab und zu w├╝nsche ich mir, ich k├Ânnte diese Faszination zur├╝ckholen.

Doch manchmal, wenn ich die Venus sehe, die ja auch nur im Westen bei Sonnenuntergang oder im Osten bei Sonnenaufgang sichtbar wird, dann beschleicht mich ein Gef├╝hl der Konstanz, und DIESES Gef├╝hl der Konstanz ist beruhigend im Gegensatz zu der Konstanz auf der Erde. Hier auf der Erde ├Ąndert sich nie etwas, und das ist schlecht.

Beispiele f├╝r die Sch├Ânheit der Frauen brauche ich nicht. Frauen sind mit Sicherheit sch├Âner als M├Ąnner, zumindest als die meisten.

Und dieses Geburtstagsgeschenk von deiner ehemaligen Freundin, dieses Geschenk hat sie sich wahrscheinlich selber gemacht...

So schlecht kann deine Geschichte dar├╝ber gar nicht sein! Ein m├Ąnnliches Gegenst├╝ck zu meiner Geschichte. Interessant! Du k├Ânntest sie im Autoren-Forum ver├Âffentlichen , denn dort sind die meisten Leser erotischer Geschichten eher M├Ąnner, denen die m├Ąnnliche Sicht der ‚Dinge’ bestimmt besser behagt als die weibliche.

H├Ąngst du immer noch an dieser Freundin? Woran ist es gescheitert? Liest sich wie ein Trauma. Oder ein Traum. Ich sollte nicht so neugierig sein.
Was soll's? Damit meine ich, du k├Ânntest mir das Ding ruhig mailen.

LG Daniela


Also, warum nicht? Sie war schlie├člich nicht zimperlich. Sie hatte selber schon einiges ├╝ber nichtzimperliche Sachen geschrieben, und diese Sachen waren nicht etwa Wunschvorstellungen sondern sie hatte sie wirklich erlebt.

Also, warum nicht?

Die Antwort lie├č nicht lange auf sich warten:


Liebe Daniela,

vielleicht hast Du es ja nicht erwartet, aber Deine Antwort hat mich nicht ├╝berrascht, ganz im Gegenteil, mit Deiner Beschreibung der MIR und dass die besser zu Dir passe, mit dem Anflug von Zynismus, der da mitschwingt, das hat mir doch gefallen.

Und was Du zur Venus schreibst, das schl├Ągt einen weiten Bogen zu der eher sehr poetischen (und offen gestanden anr├╝hrenden) Formulierung in Deiner voraufgegangenen Mail: „bestimmt von dem Verlangen nach Erl├Âsung durch die Liebe zu einem Mann. Witzig und vermessen irgendwie...“

Also doch nicht nur Zynismus.

Mit dem Satz: „dieses Geschenk hat sie sich wahrscheinlich selber gemacht...“ hast Du so etwas wie einen Stachel in mein Hirn gesetzt und ich wundere mich, warum mir in all den Jahren nie der Gedanke gekommen ist, obwohl er naheliegend ist, wenn ich daran denke, wie sich nach diesem Geburtstagsgeschenk unser Liebeseben ver├Ąndert hat.

Ich hatte mir ├╝berlegt, an meine Geschichte einen Absatz anzuf├╝gen, der genau auf diese Ver├Ąnderungen eingeht, hab das aber, zumindest f├╝r den Augenblick, gelassen.

Die Geschichte von meinem Geburtstagsgeschenk. Ich habe tats├Ąchlich ├╝berlegt, ob ich sie Dir schicken soll, und gerade Dein MIR-Kommentar hat den Ausschlag gegeben, ich bin mir sicher, ich werde damit Dein Seelenheil nicht gef├Ąhrden.

Ich habe noch einmal dar├╝ber nachgedacht, warum ich die Geschichte eigentlich geschrieben habe. Ich glaube, ich wollte die extreme Erregung, oder Geilheit, in die mich das „Geschenk“ damals versetzt hat, in irgendeiner Form konservieren. Deshalb ist die Geschichte ganz aus meiner m├Ąnnlichen Sicht geschrieben und legt gro├čen Wert auf die detaillierte Beschreibung der Mechanik des Aktes. Also nichts, was Frauen erregend finden k├Ânnten. Vielleicht sind ein oder zwei Formulierungen gut gelungen, sollte man aber nicht ver├Âffentlichen.

Also, Du bist gewarnt.

Mit lieben Gr├╝├čen Michael


Na also! Daniela lud sich seine Story herunter, es war ein Word-Dokument, und es hie├č ‚Geburtstagsgeschenk’. Sie holte sich einen Kaffee und vertiefte sich dann in die Geschichte. Wieso kam er ├╝berhaupt auf die Idee, dass Frauen die detaillierte Beschreibung der Mechanik des Aktes, wie er es nannte, nicht erregend finden k├Ânnten. Und wieder hatte er nichts ├╝ber sich preis gegeben, den Absatz ├╝ber die Ver├Ąnderung in seinem Liebesleben hatte er nat├╝rlich gel├Âscht. Mist aber auch!

Es war nat├╝rlich Pornografie, aber auch r├╝hrend, wie er die Sch├Ânheit seiner Exfreundin bewunderte, das hei├čt Teile von ihr...

Manche Sachen allerdings gefielen Daniela auf Anhieb nicht, denn es ist nicht jederfraus Sache, wenn ein Mann auf sie ejakuliert, auch wenn er dabei ihre empfindsamsten Stellen trifft. Aber mein Gott, wir sind ja schlie├člich nicht zimperlich, und es hatte etwas richtig ant├Ârnendes. War auch ziemlich interessant, die Sache einmal von der m├Ąnnlichen Warte aus zu sehen und zu f├╝hlen. Das war anders, ganz anders. Im ├╝brigen hatte er recht, die Story war nicht ├╝berragend, sie hielt keinen Vergleich mit ihrer aus, aber schlecht war sie auch nicht.

Einen Tag sp├Ąter schrieb sie ihm, nachdem sie zwei Glas von diesem bitteren Cynar-Zeugs getrunken hatte, ziemlich locker:


Hallo Michael,

ich schwatze bzw. schreibe viel bl├Âdes Zeug daher, also nimm das nicht so ernst, was ich schreibe. Und ich hasse es, analysiert zu werden, und wenn dann noch jemand etwas Gutes in mir entdeckt, dann f├╝hle ich mich immer... verlegen? Denn ich bin in Wirklichkeit ├╝berhaupt nicht poetisch, sogar meine lausigen Gedichte habe ich nur geschrieben, weil Gedichte so wahnsinnig angesagt sind und viel mehr als Kurzgeschichten gelesen werden. Also als eine Konzession an den Zeitgeschmack. Ich bin ja so berechnend!

Also bitte bitte, nimm das alles nicht so genau, was ich ├╝ber mich schreibe.

Zur Sache:
Erst einmal, Frauen f├╝hlen sich durchaus nicht abgesto├čen von detaillierten Details (doppelt gemoppelt), das ist uralter Aberglaube, die Details sind meistens besser als irgendein poetischer Mist, bei dem man sich nichts vorstellen kann und bei dem man sich ver├Ąppelt vorkommt.
Ich hab's also gelesen, und es hat mir sehr gut gefallen, wie du deinen Stolz beschriebst, und das mit der Offenheit, Nacktheit und Verletzlichkeit, ja das hat mich ger├╝hrt.
F├Ąngt jedenfalls edel an, das mit der Bewunderung ihrer intimsten Weiblichkeit. Aber man h├Ârt das M├Ądel gar nicht. Hat sie sich nicht bewegt oder so. Nichts gest├Âhnt? Oder hast du das nicht mitbekommen? Egal. F├Ąngt jedenfalls gut an, aber dann, ich wei├č nicht, ob mir bzw. Eva das gefallen h├Ątte, dass ein Mann sich vor mir selber befriedigt, wo er doch mich bzw. Eva dazu h├Ątte. Das kommt mir wie ein Fehler vor, erst hat sich Cornelia zu dieser Aktion entschlossen, und dann kommt DAS noch dazu. Alles quasi beim ersten Mal. K├Ânnte ein wenig zu heftig gewesen sein.

Obwohl, vielleicht mochte sie es. Ich glaube allerdings an Evas Stelle, ich h├Ątte es nicht gemocht, gut, vielleicht im Augenblick, aber hinterher h├Ątte ich ein komisches Gef├╝hl gehabt. Vielleicht. M├Âglicherweise w├Ąre ich mir wie ein Objekt vorgekommen, auf das man ejakuliert. Aber auch darauf stehen manche Frauen. Wie gesagt, jede Frau ist anders.

„Es r├╝hrte mich an, wie der allerempfindlichste Teil des weiblichen K├Ârpers den allerempfindlichsten des m├Ąnnlichen ber├╝hrte und reizte.“

Das ist wieder okay, ich glaube, es macht jede Frau verr├╝ckt, wenn ein Mann mit seinem Ding da nur rumspielt.

Also gut, es hat was... Du solltest es ver├Âffentlichen, denn ich glaube, M├Ąnner fahren voll drauf ab. Viele Frauen bestimmt auch.

Trotzdem habe ich irgendwie ein bl├Âdes Gef├╝hl bei der Sache. Ist der Sex danach auf diesem Level geblieben? Vermutlich eine zeitlang, aber bestimmt nie so gut wie bei diesem Mal. Und dann? Wieder bin ich neugierig und nicht zu knapp.
Du zehrst anscheinend von diesem Erlebnis. Hast du diese (k├Ârperlichen) Gef├╝hle jemals wiederholen k├Ânnen?

├ťbrigens trinke ich gerade ein Glas CYNAR, es schmeckt sehr bitter.

Liebe Gr├╝├če Daniela.


Daniela war sehr zufrieden mit sich. Sie hatte diplomatisch reagiert, neutral irgendwie, sie hatte sich selber da rausgehalten und stattdessen ihre Romanprotagonistin Eva vorgeschoben.

EVA h├Ątte das vielleicht nicht gefallen.

EVA h├Ątte das vielleicht gefallen.

Das war sehr gut. Danke Eva!

P├╝nktlich einen Tag sp├Ąter kam seine Mail:


Liebe Daniela,

danke daf├╝r, dass Du nicht emp├Ârt reagiert hast, hatte kein so gutes Gef├╝hl und hab es immer noch. Aber ich hab mich ├╝ber Deine Antwort gefreut, weil es dazu viel zu sagen und zu schreiben gibt.

Was den CYNAR angeht, das ist eine ganz bequeme Art, Artischocken zu genie├čen. Wenn sauer angeblich lustig macht, was bewirkt dann eigentlich bitter?


Eine Stunde sp├Ąter kam eine l├Ąngere Mail:


Liebe Daniela,

Ich werde es nicht ver├Âffentlichen, weil es eigentlich klassische Pornographie ist, geschrieben, um die damaligen Gef├╝hle zu konservieren und sich davon bei passender Gelegenheit aufgeilen zu lassen. Deshalb vielleicht h├Ârt man das M├Ądel nicht. In mancher Hinsicht sind M├Ąnner ganz offenbar ziemlich anspruchslos.

Die Ungereimtheiten, die Du erw├Ąhnst, sind absolut verst├Ąndlich. obwohl es sich um eine tats├Ąchliche Begebenheit handelt, ist es offenbar schwer, die Geschehnisse auf die L├Ąnge einer Kurzgeschichte einzudampfen, ohne dabei die Details zu verf├Ąlschen.

Ein Grund liegt sicher in der Person Cornelia, die ich wohl etwas schief beschrieben habe. Sie war tats├Ąchlich viele Jahre ├Ąlter als ich, 100 mal erfahrener und tausendmal tabuloser als ich.

Ich war damals ein zartes Seelchen, und was sie letzten Endes an mir fand, kann ich nicht sagen. Obwohl die Biographien so verschieden waren, sind wir knapp vier Jahre zusammen gewesen, wobei Sex eine sehr wichtige Rolle spielte.

Der Tabubruch, auf sie zu elekulieren, war nicht auf ihrer, sondern auf meiner Seite. Au├čerdem war es nicht das Ende, sondern der Anfang sexueller Aktivit├Ąten an diesem Tag und - alle Bescheidenheit beiseite - vielleicht h├Ątte es ja auch Eva gefallen.

In dem Zusammenhang eine kurze Begebenheit aus der Anfangszeit der Beziehung, so etwa nach 10 Wochen. Ein wundersch├Âner sonniger Sonntag im September. Ich war zu einer Familienfeier nach Hause gefahren. Am Nachmittag rief Cornelia mich an und bat mich, doch bitte bitte zu ihr zu kommen. Eigentlich wollte ich bis Montag bleiben, aber erfuhr zum ersten mal bewusst, wie Frauen Macht einsetzen und aus├╝ben. Jedenfalls empfand ich das so. Also fuhr ich 300 km zu ihr.

Sie hatte sich auf dem Balkon gesonnt und ├Âffnete mir die T├╝r nur mit einem Slip bekleidet, und mein ganzer unterschwelliger Groll schmolz dahin. Sie glaubte wohl, dass ich f├╝r meine Folgsamkeit eine besondere Belohnung verdient h├Ątte und... (zensiert)... eigentlich bis zum Ende. ‚Eigentlich’ deshalb, weil ich zu gehemmt war, in ihrem Mund zu kommen. Jahre sp├Ąter habe ich in einem US Sex Ratgeber die Schilderung eines ganz ├Ąhnlichen Falles gelesen, und die Therapeutin, ich glaube Ruth Westheimer, stellte rundheraus in Abrede, dass es so etwas g├Ąbe.

Ich hatte gesagt, dass Sex in dieser Beziehung sehr wichtig war. Cornelia liebte es, (zensiert) und dann den Samen auf ihren K├Ârper spritzen zu lassen und nat├╝rlich schluckte sie mein Sperma, ohne dass ich je darum gebeten h├Ątte.

Und schlie├člich noch eine letzte Sache, n├Ąmlich die mit dem Ding, das da unten herumspielt. Es war ja keine Ersatzhandlung, sondern ein Vorspiel, das bis zu seinem H├Âhepunkt getrieben wurde, manchmal nicht nur zu einem. Wenn ich dann schlie├člich in sie eindrang, dann waren alle Fragen des m├Ąnnlichen Egoismus’ oder des zu fr├╝hen Kommens bedeutungslos.

Es war wie ein Ritt auf dem Tiger, obgleich ich ├╝berzeugt bin, dass es das Beste war, was mir widerfahren konnte.

Liebe Daniela, ich hoffe, mein Text ist nicht g├Ąnzlich unverst├Ąndlich.

Zu den anderen Teilen Deiner Mail schreibe ich Dir noch.

Michael


Daniela f├╝hlte sich geschmeichelt, es war schon ein irres Gef├╝hl, sich mit einem Wildfremden ├╝ber so ein Thema zu unterhalten. Es war au├čergew├Âhnlich und vielleicht auch ein bisschen krank.

Andererseits t├Ârnte es sie auch an, sie konnte sich durchaus vorstellen, mit diesem Unbekannten Sex zu haben, sei es auch nur in der Fantasie.

Wie alt war er wohl?

Was hie├č: Vor vielen Jahren?

Was bedeutete dieser Satz? „Der Tabubruch, auf sie zu elekulieren, war nicht auf ihrer, sondern auf meiner Seite.“

Elekulieren? Seltsames Wort. Daniela schaute im Duden nach, aber das Wort gab es nicht. War wohl ein Schreibfehler.

Allerdings hatte sie sich mit dieser Cornelia gr├╝ndlich vertan. Die war ja wohl wirklich eine total erfahrene Frau und hatte ihn wahrscheinlich f├╝r alle Frauen danach versaut.

Daniela wartete nun auf gespannt auf den Kommentar, den er ihr zu den anderen Teilen ihrer Mail schreiben wollte, aber es kam nichts.

Sie war verwirrt. Was war los? Hatte sie etwas Falsches geschrieben? Oder war sie zu neugierig gewesen? Bisher hatten sie fast jeden Tag miteinander korrespondiert - fast f├╝hlte sie sich schon wie ihre ber├╝hmte Namensvetterin Erika Berger, die mit „Eine Chance f├╝r die Liebe“ - und jetzt auf einmal hatte sie seit vier Tagen keine Mail mehr bekommen.

Sie gr├╝belte ein bisschen dar├╝ber nach und entschloss sich dann, so zu tun, als w├Ąre SIE an der Reihe. Sie musste sich nat├╝rlich etwas einfallen lassen, warum es mit ihrer Mail so lange gedauert hatte, und sie hatte den grandiosen Einfall, ihre Mutter erkranken zu lassen. Das war passiert, aber schon vor einem Jahr... Und es war zwar piet├Ątlos, w├╝rde aber erkl├Ąren, warum sie so sp├Ąt dran war.

„Zu den anderen Teilen deiner Mail schreibe ich Dir noch.“ Was also war los? Hatte er keine Lust darauf? Oder hatte er vergessen, was er da geschrieben hatte? Nun ja, sie w├╝rde es erfahren. Entweder antwortete er oder nicht. Aber es w├Ąre schade, wenn er nicht mehr antworten w├╝rde. Sie w├╝rde ihn wahrscheinlich vermissen. Irgendwie mochte sie diesen Kerl, der einerseits so zur├╝ckhaltend war und andererseits so offen ├╝ber Sex redete.

Sie hatte zwar kein gutes Gef├╝hl bei der Sache, aber sie schickte die Mail los wie einen Versuchsballon ins Ungewisse:


Hallo Michael,

so, das hat ein bisschen l├Ąnger gedauert, aber im Augenblick passiert nur Mist. Meine Mutter hatte einen schweren Unfall und liegt jetzt im Krankenhaus unter anderem mit einem Oberschenkelhalsbruch, aber es geht ihr Gott sei Dank schon wieder ganz gut.

Bitter macht s├╝├č, bitters├╝├č - Wunschvorstellung. Der Cynar machte mich eher trunken - ein bisschen.

Ich schreibe nun ein wenig konfus weiter, habe Teile entfernt, andere eingef├╝gt. Ist alles ein bisschen durcheinander, aber was soll’s...

War es nun ein Segen oder ein Fluch? Ich meine, dass du Cornelia hattest. Ich sch├Ątze mal, alle die nach ihr kamen, waren bestimmt verklemmt oder nicht so ganz auf der H├Âhe.

Und wenn du irgend etwas von dem, was ich geschrieben habe, als Vorwurf aufgefasst oder angesehen haben solltest, dann hast du dich geirrt . So habe ich das bestimmt nicht gemeint.

Und... lieber, Michael, was ist denn elekulieren? Was neues etwa (kicher)?

Also, mittlerweile k├Ânnte ich mir durchaus vorstellen, dass es Eva gefallen w├╝rde. Nur in der Theorie nat├╝rlich. Und auch nicht das elekulieren...

Ich zitiere:
‚Eigentlich’ deshalb, weil ich zu gehemmt war, in ihrem Mund zu kommen. Jahre sp├Ąter habe ich in einem US Sex Ratgeber die Schilderung eines ganz ├Ąhnlichen Falles gelesen, und die Therapeutin, ich glaube Ruth Westheimer, stellte rundheraus in Abrede, dass es so etwas g├Ąbe.

Ehrlich gesagt stelle ich das auch in Abrede, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, wenn er schon so ‚weit’ gekommen ist, auf einmal Skrupel kriegen sollte. Oder war es bei dir aus R├╝cksichtnahme? Lie├č das Seelchen gr├╝├čen?

Wie auch immer, ich glaube, du kannst froh sein. Du hattest eine Frau, die um soviel anders war als die anderen zu dieser Zeit, in dieser wahrscheinlich doch sehr pr├╝den Zeit. Ich kannte vor zwanzig Jahren auch mal eine Frau, die war ├Ąhnlich geil, ├Ąhnlich leicht erregbar, aber das ist nicht der Normalzustand bei Frauen. Die meisten Frauen die kriegen einfach keinen Orgasmus, die haben keinerlei Spa├č am Sex, egal ob mit unbekannten oder mit angetrauten M├Ąnnern. Es ist
eine Qual f├╝r sie, und manchmal schaffen sie es noch nicht einmal durch Selbstbefriedigung. Also sei doch froh, dass du Cornelia hattest.

Aber nein, du bist ja f├Ârmlich besessen davon. Liest du nur Sex-Geschichten? Ich kann dir nur raten, sei dankbar f├╝r deine Erfahrungen mit Cornelia. Und irgend etwas muss DEINE Cornelia ja an diesem angeblichen Seelchen, das du ja angeblich mal warst, gefunden haben.

Vielleicht deine ja was... Geilheit?

Du solltest die Story trotzdem ver├Âffentlichen. Ich halte sie eigentlich nicht f├╝r klassische Pornografie.

Die Arbeit erhebt ihr grausiges Haupt. Shit aber auch!

Daniela


Daniela f├╝rchtete wirklich, auf diese Mail keine Antwort von ihm zu bekommen. Aber ... SIE HABEN POST!!! ... Einen Tag sp├Ąter war seine Antwort da. Es war also nur ein Missverst├Ąndnis gewesen.

Daniela atmete tief aus uns las gierig seine Mail.


Liebe Daniela,

ich muss nicht sagen, dass ich wegen des Unfalls Deiner Mutter mit Dir f├╝hle. Das klingt wie eine Floskel, aber ich bewundere Dich daf├╝r, dass Du mir in so einer Zeit ├╝berhaupt geschrieben hast.

Ich habe das Gef├╝hl, in Deiner Mail nicht ganz so gut wegzukommen. Also, das Thema Cornelia lasse ich nach nur einem weiteren Satz endg├╝ltig beiseite. Ich kann mir gut vorstellen, dass f├╝r sie die Beziehung zu mir, einem wesentlich j├╝ngeren Mann, der dazu ziemlich gut beieinander war, von Bedeutung war. Es war zu den Zeiten noch sehr ungew├Âhnlich und nonkonformistisch. Genau das war f├╝r sie ziemlich wichtig.

Was Du ├╝ber die Frauen und ihre Erfahrung und Einstellung zu sexuellen Dingen schreibst, m├Âchte ich fast nicht glauben. Liegt das denn nicht zu gro├čen Teilen an den M├Ąnnern? Dann doch lieber gar keinen Sex als eine so einseitige Veranstaltung.

Es deckt sich auch nicht mit meinen Erfahrungen, und ich bin ein ganz durchschnittlicher Liebhaber, glaube ich. Man liest immer wieder davon, dass die Frauen den M├Ąnner im Bett etwas vormachen, und es kann ja auch sein, dass sie gute Schauspielerinnen sind. Aber wer kann denn zum Beispiel eine ganz fleckig durchblutete Haut oder G├Ąnsehautinseln vort├Ąuschen, mal abgesehen von all den anderen, naheliegenderen Ver├Ąnderungen.

Bin ich, wie Du schreibst, von dem Thema v├Âllig besessen? Es gibt Leute, die ihr Leben lang einen Kiesgarten harken, um das vollkommene Muster in die Steine zu zeichnen, und andere schlagen mit Holzst├Âcken durch die Luft auf der Suche nach dem ultimativen Schlag. Warum sollte sich da nicht jemand mit dem ultimativen sexuellen H├Âhepunkt besch├Ąftigen, an dessen Ende man nicht doch irgendwie unbefriedigt zur├╝ck bleibt. Der Gedanke besch├Ąftigt mich manchmal, und ich glaube, dass Phantasie da eine ganz wichtige Rolle spielt.

Ich lese nicht den ganzen Tag erotische oder Sexgeschichten. Ich wei├č nicht, ob ich Dir geschrieben hatte, dass ich mich allerdings sehr f├╝r von Frauen geschriebene erotische Geschichten interessiere. Die waren, bevor es das Internet gab, ja ziemlich selten. Beim Autoren-Forum sind die Frauen ja reichlich vertreten. Ich habe mir angew├Âhnt, vor allem nach den Kommentaren zu gehen und interessiere mich also f├╝r solche Geschichten, zu denen es viele Kommentare gibt, insbesondere von Frauen. Ich wundere mich immer ├Âfter, welche Geschichten gerade von Frauen positiv bewertet werden, wenn es M├Ąnner w├Ąren, okay, aber so. Aber Du hattest mir ja bereits geschrieben, dass Frauen durchaus an Details interessiert sind.

In Bezug auf von Frauen geschriebene erotische Geschichten wei├č ich genau, wie es begann. Ich bin mit drei Schwestern zusammen aufgewachsen, zwei davon ├Ąlter als ich. Mein Vater war auch selten zu Hause, so dass ich in diesem weiblich dominierten Haushalt als junger Mann oder Mann gar nicht so recht wahrgenommen wurde. Ich hatte damit keinerlei Probleme, schon gar nicht nach au├čen, also im Hinblick auf andere Jungs. Ich spielte ziemlich gut Fu├čball und damit war das Thema durch.

Meine j├╝ngere Schwester und ich hatten ein sehr gutes Verh├Ąltnis zu einander. Von ihr bekam ich eines Tages ein sehr erotisches, wenn nicht gar pornographisches Buch ausgeliehen, nur stundenweise, und ich erlebte zum erstenmal einen H├Âhepunkt ohne Schuldgef├╝hle. Die Geschichte lief weniger lapidar ab, und auch die hab ich aufgeschrieben, aber nat├╝rlich nicht ver├Âffentlicht. Ich mail sie Dir aber gern, wenn Du magst.

Ich hoffe sehr, du hast ein sch├Ânes Wochenende.

Liebe Gr├╝├če Michael

P.S. Hoffentlich nicht wieder so viele Fl├╝chtigkeitsfehler?


Daniela las diese Mail zweimal, bevor sie es kapierte. Oder nicht kapierte. Irgend etwas stimmte da nicht. Schlie├člich merkte sie, was es war. Wie hatte es eigentlich angefangen? Ach ja, er wollte ihren Roman lesen als authentische und blablablaa weibliche Sache. Aber jetzt schrieb er nur noch von sich selber.

Um Danielas im Grunde ein wenig phlegmatisches Gem├╝t aufzuw├╝hlen brauchte es viel, aber sie stand jetzt kurz davor, denn sie f├╝hlte sich tats├Ąchlich verarscht.

Dennoch ├╝berlegte sie hin und her. Es w├Ąre schade, ihn zu verlieren, aber die Sache lief ihr zu einseitig ab. Was hatte SIE eigentlich davon?

Also entschloss sie sich, allerdings schweren Herzens...

Es fiel ihr wirklich nicht leicht, das zu tun, und der Titel ihrer Mail trug ├╝brigens sinnigerweise den Namen „so long“...


lieber Michael,

ist schon okay wegen meiner Mutter, wir lieben uns nicht besonders. Trotzdem bin ich ziemlich fertig.

Na gut, Cornelia lassen wir mal au├čen vor.

Frauen und Orgasmus... Sie wollen wohl, nur sie k├Ânnen nicht. Aber du hast zum Gl├╝ck solche erfahren, die es k├Ânnen, du Gl├╝ckspilz! Dann hast du dir wohl die richtigen ausgesucht. Und wahrscheinlich sind die angeblich durchschnittlichen Liebhaber wohl die besten...

Schade, wenn ich 20 Jahre j├╝nger, nein sagen wir mal 10 Jahre j├╝nger w├Ąre, dann h├Ątte ich dich gerne als Liebhaber kennen gelernt. Das ist nat├╝rlich absurd.

Leider...

Fantasie ist alles, aber der H├Âhepunkt ist sooo fl├╝chtig, nimmt eine sooo kurze Zeit in Anspruch, und deswegen verstehe ich einfach nicht, wieso du ihm sooo eine gro├če Bedeutung zuteilst, es sei denn, du w├╝rdest in einem Zustand der permanenten Geilheit leben. Kann so etwas sein?

Aber:
Auch ich bin egoistisch. Du kannst mir deine Story ruhig mailen, aber erst, wenn du mir deine Meinung zu ‚SPIELE DER LIEBE’ kundgetan hast. Du wolltest es doch lesen, so als ‚authentische und weibliche’ Erfahrung. Es ist wirklich nicht so grottenschlecht, dass man es nicht lesen k├Ânnte, es sei denn, du wolltest nur deine eigenen Sachen irgendwie kundtun...

Sorry, ich muss hart sein, obwohl diese H├Ąrte nicht in meiner authentischen und weiblichen Natur liegt. Aber bei n├Ąherer Betrachtung muss ich feststellen, dass sie mir durchaus liegt, denn ohne sie w├╝rde ich mich sonst verzetteln in den gro├čen weiten anonymen Feldern des Internets und der pffff... weiblichen Gef├╝hle.

Ich hoffe, auch du hattest ein sch├Ânes Wochenende.

So long.
Oder auch nicht.

Liebe Gr├╝├če Daniela.

PS. Keine eklatanten FF (Fl├╝chtigkeitsfehler). Zumindest habe ich keine gesehen.


Oh ja, es tat zwar weh, aber sie hatte diesem Typen doch tats├Ąchlich ein Ultimatum gestellt, sie hatte n├Ąmlich die Nase voll, er interessierte sich f├╝r sie als Person einen Dreck, und ein Sexobjekt war sie auch nicht f├╝r ihn. Noch nicht einmal das! Dabei sah sie auf den Bildern ihrer Homepage gar nicht so ├╝bel aus, nat├╝rlich war sie keine Sch├Ânheit, aber mit Sicherheit gab es Schlimmeres.

Was also wollte er von ihr? Dass sie seine versauten Stories las? Das h├Ątte sie ja gerne getan, die waren wirklich nett und t├Ârnten sie einigerma├čen an, aber so ganz ohne Gegenleistung? Ihr Roman war immer mehr in der Versenkung verschwunden. Wahrscheinlich hatte er gerade mal die ersten beiden Kapitel gelesen, um so zu tun, als w├╝rde ihn das interessieren.

Also, was sollte das ganze?

Pffff... und die Astronomie... Der meinte tats├Ąchlich, wenn er nachts die ISS sieht, dann h├Ątte das schon was mit Astronomie zu tun. Wie kleinkariert! Und sie war darauf reingefallen wie eine Idiotin.

Aber leider w├╝rde sie jetzt nie erfahren, wie alt er war, wie er aussah, wie sein Familienstand war und vor allem nicht, wie sich sein Liebesleben nach dem Geburtstagsgeschenk“ ver├Ąndert hatte. Das war bitter. Beinahe so bitter wie Cynar.

Daniela wunderte sich ├╝ber sich selber, aber gleichzeitig war sie ein wenig traurig und hatte zeitweilig sogar das Gef├╝hl, mit ihr selber w├╝rde irgend etwas nicht stimmen, denn der gute Mann lie├č nichts mehr von sich h├Âren. Es war aus.

Und die Moral von der Geschichte?

Sie hatte keine Ahnung. Sie war jedenfalls schlechter dran als vorher, f├╝hlte sich ver├Ąppelt, als Frau nicht wahrgenommen und als Autorin einfach ignoriert.

Was w├╝rde sie also beim n├Ąchsten Mal tun?

Sie hatte wirklich keine Ahnung...

Ende
*********


Wie immer wei├č ich nicht genau, wo das Ding hinpasst. Sollte es erwartensgem├Ą├č nicht hierhin passen, dann werde ich es in 'Erotisches" packen, obwohl es so unerotisch wie ein Kropf ist. Mal schauen. Pffff...
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bonanza
Guest
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teilweise ganz witzig. der arme michael - mu├čtest du ihn
so schlecht abschneiden lassen? daniela ist ziemlich
egoistisch.
der gute sex ist immer ein prima geiles thema. woran das
wohl liegt? vor allem wenn der gespr├Ąchspartner vom anderen
geschlecht ist - vorausgesetzt man ist hetero.
f├╝r mich ist es anregend, wenn frauen von ihren sexuellen
phantasien reden. dein geschichtchen geht ├╝ber das
reden ├╝ber sex, wobei danielas roman den ansto├č gibt.
der mailverkehr ist nicht ├╝bel geschrieben. er bleibt
etwas oberfl├Ąchlich. das h├Ąttest du sicherlich spannender
und sexualisierter gestalten k├Ânnen. trotzdem hielt ich
durch, weil ich hoffte, es k├Ąmen noch ein paar versaut-
heiten.
michael scheint keine geistige gr├Â├če zu sein.
wahrscheinlich ein aufschneider, corneliagesch├Ądigt.
armer kerl. urknallfixiert.
und diese daniela, ich wei├č nicht, was ich von ihr halten
soll. sie wirkt reichlich unreif. sie wei├č nicht, was
sie will. vielleicht h├Ątten die beiden ganz gut
zusammengepa├čt. daniela und michael. man mu├č ja ab und
zu sex praktizieren, um dar├╝ber schreiben zu k├Ânnen.
finde ich.

deine "mailstory" ist ausbauf├Ąhig.

bon.

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AliasI
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hallo bon,

erst einmal danke ich dir daf├╝r, dass du meinen stil nicht kritisiert hast. Ich finde n├Ąmlich, der stil ist f├╝r den inhalt einer geschichte ziemlich unwesentlich. Da tut sich dann die frage auf: hat meine geschichte einen inhalt oder gar eine botschaft? ich habe keine ahnung. ich hab das zeug nur geschrieben und ├╝berlasse es meinen (zugegebenerma├čen sp├Ąrlichen) lesern, was sie davon halten sollen - ich hatte da zwar eine gewisse Absicht, wei├č aber nicht, ob ich die r├╝berbringen konnte.

gut, DU willst also mehr sex in der story? Scheint mir typisch m├Ąnnlich zu sein.

und ICH wollte eigentlich nur aufzeigen, dass es bei diesen internet-sachen nicht immer um offenkundigen sex geht, sondern um... ja um was?

da sind also zwei leutchen, die beide etwas von dem anderen wollen. bei Daniela ist das leicht zu erkennen. ihr roman ist ihr das wichtigste, und nebenbei h├Ątte sie wohl gerne ein bisschen cybersex mit diesem fremden genossen. genossen sieht irgendwie politisch aus. Lach!

Aber Michael, wer kennt sich mit dem aus? er ist der oder die gro├če unbekannte in diesem (e-mail) verkehr. ich finde auch nicht, dass er schlecht abgeschnitten hat, er hielt sich ja immer etwas bedeckt...

klar h├Ątte man den mailverkehr etwas spannender - und wie du schreibst - etwas sexualisierter gestalten k├Ânnen, aber ich wollte eben nicht sooo eine geschichte schreiben, sondern mehr einen tatsachenbericht.

tja, da hat man mich wohl missverstanden.

aber vielleicht w├Ąre es wirklich eine gute idee, ein paar sexdinger einzuf├╝gen, es w├Ąre dann allerdings eine ganz andere Geschichte, aber wenn der Bedarf danach besteht...
auch Daniela tut fast alles, um gelesen zu werden.

gr├╝├če von Ingrid

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bonanza
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wie weit w├╝rde daniela denn gehen?

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quote:
Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von bonanza
wie weit w├╝rde daniela denn gehen?

Gute Frage. Vielleicht ziemlich weit, vielleicht auch nicht.
Aber sie w├╝rde mit Sicherheit 'ne gute Story draus machen.

LG Ingrid
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bonanza
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echt pech f├╝r michael. wenn er das gewu├čt h├Ątte,
h├Ątte er sich mit danielas roman bestimmt eingehender
auseinander gesetzt.
wie hie├č der roman noch mal? und wo ist der zu lesen?

bon.

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AliasI
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Es ist nat├╝rlich nur eine fiktive geschichte in einer fiktiven welt mit einem fiktiven internet und mit fiktiven leuten, die fiktive romane geschrieben haben, aber es scheint ja recht echt r├╝bergekommen zu sein. Ufff, das war lang.

Zu deiner information: daniela mag zwar naiv und auch berechnend sein, oder besser gesagt naiv berechnend, aber ich glaube, sie wiederholt ihre fehler nicht. Sie macht vielleicht neue fehler.... Mehr kann ich zu meiner protagonistin nicht sagen, die hat sich irgendwie verselbstst├Ąndigt.

Und ich glaube, das thema ist damit abgeschlossen. Wie immer hatte ich mehr an aufmerksamkeit erwartet, aber was soll's.
danke dir bon.

liebe gr├╝├če ingrid

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