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Leselupe.de > Kurzgeschichten
… ihn lieben und ehren, bis ...
Eingestellt am 28. 03. 2010 16:41


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EviEngel
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„Die Welt“ vom 09. März 2010:

Flugzeug landet in Berlin statt in Leipzig:

Eine Panne auf dem Flughafen Leipzig-Altenburg hat die Landung einer Linienmaschine aus London verhindert. Der Grund: Es war kein Fluglotse im Tower. Schuld sei eine „unklare Dienstplanung“. Das Flugzeug der Billig-Airline Ryanair mit rund 300 Passagieren musste nach Berlin-Schönefeld ausweichen.


An Bord begab sich diese Episode:

Unverschämtheit, mich auf diesen Billigflieger zu buchen. Ryanair! Es lachen sich im Büro bestimmt alle einen Ast und ich klemm hier drin wie ein Affe auf dem Schleifstein. Und der weiß genau, dass ich bei dieser Airline zu wenig Platz habe.
Oh Mann, eh.
Und dann nach Leipzig, ich werd' nicht mehr. Die Entfernung ist gleich, von Berlin oder Leipzig, aber nein, er bucht für mich ein Leipziger Hotel.
Ich werd verrückt bei der Aussicht, in Dunkeldeutschland die nächsten zwei Monate verbringen zu müssen, das wird eine triste Zeit.
Ich kenn' keine Menschenseele, hier ist nichts los, außer mit den Kollegen zu saufen, ach, und alles nur wegen …!
Bloß nicht auch noch an den Schlamassel denken.
Wenn 'Sie' wenigstens einsichtig wäre, schließlich ist es mein Elternhaus, aber nein! Ach, ich werd noch verrückt von dem ganzen Shiet, der mich bis in den Schlaf verfolgt.
Ein Lichtblick zwischen den trüben Gedanken ist meine Sitznachbarin, die sieht aus wie ein Engel. Ein hübsches Gesicht und diese Figur ...! Phh! Da bleibt einem die Spucke weg.
Sie liest Vogue, auf englisch.
„Was ist Ihr Ziel? Werden Sie in Leipzig bleiben?“, quatsch' ich sie von der Seite an.
Schau dir diese Augen an, wuah!
„Bitte?“
„Ist Leipzig ihr Ziel für heute Abend oder müssen Sie weiter?“
Sie hat Grübchen um den Mund wie Nicole Kidman, wie bei einer haarlosen Katze.
„Mein Ziel ist Berlin, dorthin gab es jedoch keinen Flug.“, eine melodische Altstimme, die mich umhaut.
„Ich habe in Berlin studiert.“
Diese super Figur, die Beine so lang wie meine, dabei ist sie mindestens einen Kopf kleiner. Pfooh! Und dicke Möpse! Sie wirkt, wie aus einem Spezial-Katalog entsprungen, speziell für mich.
„Ich bin aus Berlin.“
„Ach, ich habe Sie für eine Engländerin gehalten.“
„Wegen der Zeitung? Nein, ich war ein paar Tage in London.“
„Haben Sie Familie in Berlin?“
Eine so traumhafte Frau kann unmöglich allein sein.
„Meine Geschwister leben dort.“
Doch, sie ist allein, heute ist mein Glückstag!
„Haben Sie die Lautsprecherdurchsage verstanden? Wir landen in Berlin?“
„Ja! Habe ich auch verstanden.“
„Dass sowas überhaupt noch passiert, aber, wo Menschen arbeiten passieren Fehler. Womit verdienen Sie Ihr Geld?“
Hach, ich frag manchmal blöd, nicht zu fassen. Aber, sie geht nicht darauf ein, gottseidank.
„Sehr gut, da brauche ich nicht mit dem Zug zu fahren.“
Ihr kommt es gelegen und mir ist es sehr recht, da kann er sich sein Leipziger Hotel in die Haare schmieren. Vielleicht kann ich mich bei ihr einquartieren, da brauche ich kein Hotel und muss mich noch nicht einmal rechtfertigen.
„Ich muss morgen früh an der Baustelle sein. Ob ich mir in Berlin einen Mietwagen nehme oder in Leipzig, das ist gleich.“
„Sie sind Ingenieur.“
„Woher wissen Sie das?“
„Ganz einfach, wenn man 'Baustelle' und 'studiert' in Zusammenhang bringt ...“
Ihren Verstand hat sie nicht vom Wühltisch, das steht fest.
„Was machen Sie beruflich? Sind Sie Model?“
Schau dir das Lachen an, Hammer!
„Danke für das Kompliment.“
Ich weiß immer noch nicht … Kurze Fingernägel, entweder ist sie lesbisch oder sie muss mit den Händen arbeiten.
„Sie sind Sekretärin, Chefsekretärin.“
„Mindestens!“, ein heller Glockenklang, ihr Lachen.
Ob sie lesbisch ist?
„Sie arbeiten mit den Händen, die sind schlank und sehen kraftvoll aus, Sie arbeiten nicht schwer, aber sie müssen präzise zugreifen können, deswegen die gepflegt-kurzen Fingernägel.“
„Gut beobachtet!“, das Lob von ihr ist süß. Sie bewegt sich geschmeidig, dynamisch.
„Sie treiben Sport.“
„Du lieber Himmel, was Sie alles sehen.“
Ob sie eine Einladung zum Essen akzeptiert?
„Mögen Sie die türkische Küche?“
„Wenn man aus Berlin kommt, bleibt einem nichts anderes übrig.“
Eine Frau mit Humor! Das wird die Mutter meiner Kinder.
„Darf ich Sie zu meinem Lieblingstürken einladen?“
Der Blick, diese Augen, dieses Lächeln, sie ist bezaubernd.
„Wann? Jetzt?“, von ihr zum Besten gehalten zu werden ist nett.
„Sobald wir unten sind, ich habe Hunger.“
„Ja, sehr gerne, das Frühstück war meine letzte Mahlzeit.“
Siehste, geht doch.
-

„Waren Sie schon einmal hier?“
„Nein, aber es ist gemütlich, nett, nicht verstaubt-türkisch, sondern modern-türkisch, schön.“
Sie scheint begeistert zu sein, schaut sich alles genau an.
„Sind Sie Architektin?“
„Sie sind ja verrückt!“, sie lacht und spricht gleichzeitig und ihre Zähne sind wunderschön. Wann ist der richtige Zeitpunkt, zur Sache zu kommen? 'Immer dann, wenn es dir einfällt!', sagte mir mein Cousin vor langer Zeit. Der hat ständig neue Weiber am Start und immer echte Brummer, mein lieber Mann.
„Wo wohnen Sie?“
„Wollen Sie mich besuchen kommen?“
Diese Augen! Dieser Mund! Ooh nee!
„Wenn ich darf!?“
Nee, was bin ich schüchtern, aber ist das ein Wunder?
„Was ist ihr Beruf?“, ich muss doch etwas sagen.
„Das erraten Sie nicht.“
Ob ich sie heute noch rumkriege? Oder soll ich warten?
„Brauchen Sie den Sport für Ihren Beruf?“
„In gewisser Weise, ja.“
Gut, schön, wenn es ihr Spaß macht, mich zappeln zu lassen.
„Sind Sie freiberuflich tätig?“
„Beeindruckend, ja.“
Lesbisches Callgirl? Quatsch.
„Nicht, was Sie jetzt denken.“, sie hat mein Grinsen bemerkt.
Werd ich etwa rot?
„Es ist kein Geheimnis. Ich bin im Auftrag unterwegs.“
Kann ich auch nichts mit anfangen, langsam wird’s peinlich. Ich kann mit Menschen, die nicht zu Potte kommen, nur sehr schwer umgehen.
„Ich bekomme einen Auftrag, und den erledige ich dann.“
Aha! Langsam werde ich ein wenig ungeduldig, kann auch am Hunger liegen.
„Bei der Beschreibung könnten Sie eine Auftragskillerin sein.“
Sarkasmus ist nicht unbedingt meine Stärke, aber mir reichts jetzt.
„Beeindruckend, ja.“
„Was machen Sie mit dem Messer?“, ihres ist spitz und sieht scharf aus.
„Schönen Gruß von Ihrer Frau!“, sagt sie gepresst und stößt mir das spitze Messer in die Brust. Ich glotze nur blöd auf das Messer, das bewegt sich, wie ein Strohhalm, den man in einen Ameisenhaufen gesteckt hat.
Ich spüre nichts, bin erschrocken.
Es wird leichter, unschärfer, bekommt dunkle Ränder. Sie glotzt mich gespannt an, ihr Bild wird unscharf, ich lege meinen Kopf auf den Tisch.

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