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Leselupe.de > Kurzgeschichten
"Alltag"
Eingestellt am 15. 12. 2013 12:21


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Galak
Hobbydichter
Registriert: Dec 2013

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Halb sieben morgens. Es ist Montag und der Wecker klingelt. Aber er muss mich nicht wecken. Ich liege, wie seit Wochen schon, bereits wach im Bett. Ich fĂŒhle mich nicht gut, bin unzufrieden, rastlos und doch lethargisch.
Ich erhebe mich aus meinem Sarg, schlĂŒrfe benommen ans Fenster und öffne die Gardinen. Die Sonne strahlt und der Himmel ist wolkenlos, aber ich laufe bereits auf Autopilot. Die sich immer wiederholende morgendliche Routine: duschen, rasieren, in den Anzug schlĂŒpfen, kurz frĂŒhstĂŒcken. Ich ĂŒbernehme erst wieder die Kontrolle, als ich bemerke wie ich unabsichtlich Kaffee ĂŒber mein Hemd verschĂŒtte. Fluchend greife ich nach dem nĂ€chsten KĂŒchentuch, dabei kommt das Hemd direkt aus der Reinigung! WĂ€hrenddessen lĂ€uft im Radio etwas ĂŒber AufstĂ€ndische, woanders ist eine Bombe explodiert. Es gibt Tote. Ich wechsele den Sender um Musik zu hören wĂ€hrend ich versuche den Fleck so schnell und gut wie möglich zu versorgen. Nach dem Wechseln meines Outfits bin ich bereits spĂ€t dran, mein Chef hat es sowieso schon auf mich abgesehen. Ich beeile mich, doch als ich mich in mein Auto setze will es einfach nicht anspringen. Ein SEHR schöner Tag! Völlig entnervt und viel zu spĂ€t begebe ich mich zur nĂ€chsten Bahnstation.
Der Bahnhof quillt ĂŒber. UnzĂ€hlige Menschen, die sich auf dem Weg zur Arbeit befinden und ihrem Tagewerk nachgehen. Jeder gefangen in seiner eigenen Welt, auf den Boden schauend, am Handy, mit Kopfhörern im Ohr, gedanklich abwesend.
Genauso wie ich.
Ich schaue auf den Fahrplan, dann auf meine Uhr und sehe, dass der nĂ€chste Zug kurz vor der Abfahrt steht. Ich laufe los noch bevor ich meinen Kopf drehe, doch stoße mit jemandem zusammen und meine Aktentasche fĂ€llt mir aus der Hand.
\"Verflucht,sind Sie bl...\"- noch bevor ich den Satz beenden kann sehe ich mit wem ich zusammengestoßen bin: Ein Ă€lteres PĂ€rchen, beide tragen schwarze Sonnenbrillen, die Frau zusĂ€tzlich einen Stock. \"Entschuldigen Sie bitte, wir haben sie nicht gesehen\" Noch wĂ€hrend er die Worte ausspricht beginnt sie kindlich zu kichern und er steigt danach mit ein. \"Ich hoffe mit Ihnen ist alles in Ordnung, sie sind anscheinend in Eile. Wir mĂŒssen auch weiter in den Park, der Tag ist zu schön um ihn nicht zu genießen. Und ja, wir sind blind. Aber das ist kein Grud fĂŒr schlechte Laune, schließlich sind wir noch nicht tot.\" Sie lachen wieder und machen sich auf.
Ein Teil von mir war glĂŒcklich, dass sie mich nicht sehen konnten, denn so blieb ihnen mein offener Mund erspart. In Gedanken begebe ich mich zum Gleis, der Zug ist bereits abgefahren. Egal. Bei der Arbeit angekommen werde ich wie erwartet ins BĂŒro des Chefs gerufen und mĂŒndlich abgemahnt. Aber ich höre kaum was mir gesagt wird, ich hĂ€nge noch im Bahnhof.
Die Worte klingen den ganzen Tag nach, auch auf dem Weg nach Hause und den restlichen Abend.

Halb sieben morgens. Es ist Dienstag und der Wecker klingelt. Ich wache auf und öffne die Gardinen. Es regnet in Strömen. \"Ein schöner Tag\" höre ich mich selber sagen und kann mir ein LĂ€cheln nicht verkneifen, schließlich sind wir nicht tot.

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