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Leselupe.de > Kurzgeschichten
"Der Traummann"
Eingestellt am 15. 03. 2019 21:56


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Maribu
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Der Traummann

Drei Jahre hatte er sich gequ├Ąlt; jetzt war es an der Zeit, an sich zu denken.
Er war nicht so veranlagt, ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum allein zu leben.
'Sabine h├Ątte bestimmt Verst├Ąndnis f├╝r ihn gehabt', er wollte damit gleichzeitig sein schlechtes Gewissen beruhigen.
Er war froh, dass sie nur ihn und keine Kinder hinterlassen hatte. So musste er niemandem gegen├╝ber Rechenschaft ablegen!
Sie hatten es sich anders vorgestellt, wollten gemeinsam alt werden. Aber in weltlicher Hinsicht, nicht so wie der Pastor es predigt: 'Bis der Tod euch scheidet!'
Wie soll man es akzeptieren und einer h├Âheren Macht verzeihen und Verst├Ąndnis daf├╝r aufbringen, dass er ausgerechnet eine Frau mit 45 Jahren sterben lie├č?! Die Frage, die sich wahrscheinlich alle Hinterbliebenen stellten, 'Warum gerade sie oder er und warum muss gerade ich allein bleiben?', wurde auch ihm nicht beantwortet!

Vor zw├Âlf Jahren hatten sie sich beim Hineinfeiern in den 1.Mai kennengelernt. Er hatte mit mehreren Frauen getanzt, aber die letzten drei Stunden bis zum Morgen nur noch mit ihr. 'Es war Liebe auf den ersten Blick.' Klingt abgedroschen, vielleicht so gar kitschig, aber trotzdem w├╝rde er es so bezeichnen!
Es war in einem kleinen Dorf in Niedersachsen, in dem heute noch ihre Eltern wohnen. Durch seinen Freund, der jedes Jahr an dieser Veranstaltung teilgenommen hatte, hatte das Schicksal seinen Lauf genommen, wie seine Frau oft l├Ąchelnd erz├Ąhlte. Er glaubte eher an Zufall!

Eine Partneragentur wirbt mit: 'Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single bei uns.' Gezeigt werden Fotos von jungen h├╝bschen Frauen. Wer von ihnen h├Ątte es n├Âtig, bei einer Agentur einen Mann zu finden?! - Alles Schwindel! Sie waren Models, die f├╝r ihre, oft auch noch retuschierten Bilder, gut bezahlt wurden.
Darauf fiel er nicht herein!

Auf eine Anzeige im Internet hatte er neun Zuschriften erhalten.
Vier davon waren von schwulen M├Ąnnern, eine von einem Bisexuellen. Selbst wenn es seit einiger Zeit 'die Ehe f├╝r alle' gibt, und man heuzutage ohne bestraft zu werden, sogar einen Ziegenbock heiraten k├Ânnte, war er nicht umzupolen. Er war hetero und blieb ein Hetero!
Mit den vier Frauen kam es nur zu einem ersten Treffen.
Die Vorstellung und die Realit├Ąt gingen auf beiden Seiten zu weit auseiander.

Da man im 'Wochenblatt' f├╝r ein paar Euro eine Kleinanzeige aufgeben konnte, wollte er das dort versuchen. Aber in einem anderen Stadtbezirk, weil er nicht zuf├Ąllig (oder schicksalhaft?)eine Frau treffen wollte, die in der Nachbarschaft wohnte.
Die von M├Ąnnern aufgegebenen Annoncen sah er sich besonders genau an. Es waren fast alles ├Ąltere ├╝ber siebzig.
Da er im n├Ąchsten Monat f├╝nfzig werden wird, ├╝berlegte er, welche Angabe wohl erfolgreicher sein k├Ânnte: 49 oder 50?
Da er sich aber sowieso von den 'Greisen' abheben und m├Âglichst wenig Pers├Ânliches von sich preisgeben wollte, entschied er sich f├╝r den folgenden Text:

'HAMBURGER, 40 plus, SUCHT PARTNERIN F├ťR ALLES M├ľGLICHE UND
VORSTELLBARE. NUR ERNSTGEMEINTE ANRUFE UNTER TELEFONNUMMER...'

Am Erscheinungstag rief abends eine Frau an. Aber ihre Stimme war so schrill, dass er sagte, es w├Ąre nicht seine Anzeige.
Es h├Ątten sich schon mehrere Frauen bei ihm gemeldet. Die Telefonnummer in der Zeitung sei verdruckt worden.

Sehr fr├╝h am Donnerstag, er war gerade erst aufgestanden, kam der n├Ąchste Anruf. Eine eher m├Ąnnlich klingende Stimme fragte, ob es unbedingt eine Frau aus Hamburg sein m├╝sse, sie stamme aus MeckPomm.
"Das spielt keine Rolle", antwortete er.
40 plus sei ja eine gro├če Spanne, er solle doch mal sein wahres Alter verraten, bevor sie von sich etwas erz├Ąhlen w├╝rde.
Er fand das unversch├Ąmt und erwiderte: "Wenn ich das gewollt h├Ątte, w├Ąre das aus dem Text hervorgegangen."
Dann forderte sie ihn auf, zu erkl├Ąren, was er unter alles
'M├Âgliche' und 'Vorstellbare' verst├╝nde, und er antwortete, dass das jetzt am Telefon zu lang werden und er ihr das bei einem Treffen erz├Ąhlen w├╝rde. W├╝tend entgegnete sie: "Ich glaube, dass Sie gar keine Frau kennenlernen, sondern nur
testen wollen, wie viele sich auf Ihren bescheuerten Text melden w├╝rden. Er dr├╝ckte auf die Taste mit dem roten Telefon.

Als er am Samstagvormittag am ├ťberlegen war, ob er die gleiche Anzeige noch einmal aufgeben oder den Text ver├Ąndern und das n├Ąchst gr├Â├čere Format nehmen sollte, nahm ihm das Klingeln des Telefons die Entscheidung ab.
"Mein Name ist Kie├čling", h├Ârte er eine sympathisch und alterslose Stimme. "Spreche ich mit dem Mann, der sich alles vorstellen kann?" Sie lachte.
Da er darauf nicht gefasst war, fl├╝chtete er sich auch ins Lachen, bevor er antwortete: "Ja, ich habe diese Anzeige aufgegeben, aber Sie wissen doch, dass Papier geduldig ist.
Man m├╝sste sich erstmal kennenlernen."
"Deshalb rufe ich an. Wie w├Ąre es mit heute Abend in der
Marmstorfer Stra├če 37? Anstatt Blumen Schlafanzug und Zahnb├╝rste mitbringen!"
Als er nicht sofort antwortete, fragte sie: "Sind Sie jetzt schockiert? F├Ąllt dieses Angebot nicht unter Ihre Vorstellung?"
Sie lachte wieder.
"Doch, doch", antwortete er z├Âgerlich, weil ihm schlagartig klar wurde, dass er tats├Ąchlich einen bescheuerten Text verfasst hatte. Aber kneifen wollte er nicht und erg├Ąnzte:
"Gut, heute Abend um acht bin ich bei Ihnen!"
"Einverstanden! Bis dann! Ich lege jetzt auf."

Die bis dahin verbleibenden Stunden besch├Ąftigte er sich mit der Frage, warum er sich darauf eingelassen hatte und wie die Frau wohl aussehen w├╝rde. Komischerweise hatte er die Top-Frauen der Partneragentur vor Augen, lachte ├╝ber seine Illusion, die Antwort hatte er sich ja schon gegeben!

Er war gut durchgekommen, und hatte sogar einen Parkplatz in der N├Ąhe gefunden. Das Haus mit der Nummer 37 lag in der Mitte eines Wohnblocks mit f├╝nf Eing├Ąngen. Kurz vor acht klingelte er. Der Summer ert├Ânte sofort, als h├Ątte sie sein Kommen aus dem Fenster im dritten Stock beobachtet.
Bei den ersten zwei Etagen nahm er zwei Stufen auf einmal, die letzte Treppe ging er wie ein F├╝nfzigj├Ąhriger.
Frau Kie├čling stand in der T├╝r und sagte sp├Âttisch: "Kondition scheinen Sie ja noch zu haben, Herr Winterberg. Sie sind gar nicht au├čer Atem!"
Bevor sie sich die Hand gaben, wickelte Winterberg umst├Ąndlich die roten und gelben Tulpen aus dem mit Tesafilm st├╝mperhaft verklebten Papier und erwiderte: "Ich wohne in einem Hochhaus im 16. Stock, in dem meistens der Fahrstuhl wegen Vandalismus
nicht funktioniert. Deshalb sind Ihre l├Ącherlichen drei Etagen kein Problem f├╝r mich!" Er musterte sie dabei herausfordernd.
Vielleicht ein Meter siebzig gro├č, schwarze Haare (gef├Ąrbt?)
├╝ber einem ovalen, fast faltenlosen, leicht gebr├Ąunten Gesicht.
Er sch├Ątzte sie auf vierzig Jahre.
Sie lachte so unbek├╝mmert wie am Telefon, nur die Stimme klang etwas heller, und sagte dann: "Nur wenn Sie mit mir zufrieden sind, d├╝rfen Sie hereinkommen! Ich hatte eine andere Vorstellung, bin aber angenehm entt├Ąuscht, weil ihr Bart gut zum modernen Kurzhaarschnitt und dem grauen melierten Haar passt. Normalerweise habe ich etwas gegen Drei-Tage-B├Ąrte bei M├Ąnnern, die auf der Kopfhaut nur noch drei Haare haben und zu faul zum Rasieren sind!"
Die H├╝rde hatte er genommen! Er hatte aber etwas anderes bef├╝rchtet, er war ungef├Ąhr f├╝nf Zentimeter kleiner als sie.
Entweder hatte sie das nicht bemerkt, oder es st├Ârte sie nicht.
Sie f├╝hrte ihn ins Wohnzimmer, das f├╝r eine Wohnung in dieser 'Mietskaserne' erstaunlich gro├č war. Er sch├Ątzte es auf 28 Quadratmeter.
Sie bot ihm den Sessel mit gr├╝n bezogenem Epingl├ę an. Wahrscheinlich ein St├╝ck einer ├Ąlteren Einrichtung, von dem sie sich nicht trennen konnte und nahm ihm gegen├╝ber in einer Ecke einer drei-sitzigen Couch Platz, die mit schwarzem Leder bezogen war. Davor stand ein Glastisch und seitlich davon ein zweiter Sessel, passend zur Couch. Einen Schrank gab es nicht, daf├╝r bemerkte er unter dem Fenster ein nu├čbaumfarbenes Sideboard. Ein riesiger Flachbildfernseher, der ihn schon beim Hereinkommen gest├Ârt hatte und wie ein Fremdk├Ârper wirkte, hing an der Wand.
"H├Ątten Sie Lust, sich mit mir auf 'arte' eine sehenswerte Wiederholung eines preisgekr├Ânten Liebesfilms anzusehen?"
"Warum nicht?"
Auf dem Sideboard hatte sie ein Flasche Rotwein und zwei Gl├Ąser deponiert, bat ihn einzuschenken und sagte, er m├╝sse zu ihr her├╝berkommen, da er das Ger├Ąt im R├╝cken habe.
Er setzte sich in die andere Ecke. Sie schaltete das Ger├Ąt ein,
zuerst auf Text, damit er sich informieren konnte. Er ├╝berflog den Inhalt und wunderte sich ├╝ber die Besetzung des Mannes.
Clint Eastwood kannte er nur als Westernhelden.
Sie prosteten einander zu, und Herr Winterberg w├╝nschte Frau Kie├čling viel Spa├č, obwohl sie den Film ja bereits kannte.
"Soviel Spa├č werde ich wohl nicht haben", entgegnete sie.
"Ich bef├╝rchte, ich werde wieder weinen m├╝ssen."
Er l├Ąchelte. "Bitte nicht zu viel verraten, ich sehe ihn ja zum ersten Mal."
Schweigend verfolgten sie den Film. Nur einmal fragte sie, ob er etwas knabbern m├Âchte. Er lehnte aber ab und verteilte den Restwein auf die Gl├Ąser.
Wenn ihm der Fernseher auch nicht gefiel, waren die Bilder in Gr├Â├če und Klarheit ein Genuss. Es war fast wie im Kino wenn er sich vorstellte, dass die vorderen Reihen unbesetzt und er mit Frau Kie├čling allein in der Loge sa├č.
Als der Film mit ├ťberl├Ąnge zu Ende war, bemerkte er, wie sie sich verstohlen ├╝ber die Augen wischte. Er r├╝ckte auf den Mittelsitz, legte den Arm um ihre Schultern und sagte mitf├╝hlend: "Wenn man es sich auch w├╝nschte, wird der Ausgang in der Wiederholung nicht anders. Ich sehe 'Dirty Harry' noch immer mit dem Colt in der Hand, einen Herzschuss abfeuernd. In diesem Film bet├Ârt er die Herzen mit seinem Charme, seiner Kamera-Kunst und den hervorragenden Aufnahmen der alten Br├╝cken. Eastwood war beeindruckend und der gro├čen Meryl Streep durchaus ebenb├╝rtig." Er machte eine kurze Pause und erg├Ąnzte: "Ich h├Ątte den beiden auch ein Happy End gew├╝nscht!"
"Ich danke Ihnen", fl├╝sterte sie ger├╝hrt! "Jetzt geht es mir viel besser! - Soll ich noch eine Flasche Wein holen?"
"Nein, dann m├╝sste ich meinen Wagen stehen lassen und eine Taxe nehmen."
"Sie glauben doch nicht, dass ich Sie jetzt noch nach Hause lasse?! Mein Angebot von heute Morgen steht. Das Handtuch auf der Heizung im Bad k├Ânnen Sie benutzen. Aber eine Frage habe ich noch: Was machen Sie beruflich? Ich tippe auf Ingenieur oder Informatiker."
"Ganz falsch! Ich bin bei einem Bestatter angestellt."
Entsetzt ├Âffnete sie den Mund. "Sargverk├Ąufer in einem Beerdigungsinstitut?"
"Nein, das macht mein Chef selber! Ich wasche die Toten, schminke sie, ziehe ihnen ihre Lieblingskleidung an und lege sie behutsam in den Sarg."
Frau Kie├čling wurde leichenblass und griff zum Weinglass, das aber inzwischen leer war.
Im selben Augenblick fing Herr Winterberg an zu lachen. "Jetzt habe ich Sie ebenso geschockt wie Sie mich heute Morgen mit dem ├ťbernachtungsangebot. Keine Panik! Ich bin Prokurist in einer Hamburger Reederei." Schmunzelnd stand er auf, um ins Badezimmer zu gehen und w├╝nschte eine gute Nacht.
Sie erhob sich ebenfalls, ihr Gesicht hatte wieder Farbe bekommen, und antwortete: "Wie soll ich die haben, nach Ihrer makaberen L├╝ge?!"

Er schlief erst gegen Morgen ein. Ihm war nicht klar, weshalb sie ihm die ├ťbernachtung angeboten hatte. Vielleicht hatte er sie mit dem bl├Âden Zeitungstext provoziert oder wollte sie ihn testen? Dachte sie, er w├╝rde in ihr Schlafzimmer schleichen und ├╝ber sie herfallen? Oder dachte sie es nicht nur, sondern erwartete und erhoffte es? Er verwarf diese Gedanken. Nach der Unterhaltung und ihrer Ergriffenheit w├Ąhrend des Films sch├Ątzte er sie jetzt als romantischer Frauentyp ein, der erobert werden wollte.

Geschirr-Klappern weckte ihn. Er huschte ins Bad und begn├╝gte sich mit 'Katzenw├Ąsche', da er abends geduscht hatte. Um halb neun setzte er sich an den gedeckten Tisch. Er konnte w├Ąhlen zwischen M├╝sli, Marmelade, Honig, Wurst und K├Ąse.
"Guten Morgen!", erwiderte sie seinen Gru├č und schenkte ihm Kaffee ein. "Sie sind kein Teetrinker, daf├╝r habe ich einen Blick!"
Er l├Ąchelte. "Was k├Ânnen Sie noch erkennen?"
"Das verrate ich Ihnen sp├Ąter!"
"Das ist gemein!", meinte er. "Warum sind Sie eigentlich auf meine Anzeige in diesem K├Ąseblatt hereingefallen"
"Weil Sie der j├╝ngste von diesen alten Knackern waren! Eigentlich ungew├Âhnlich f├╝r einen Mann in den Mittvierzigern, die bedienen sich doch alle der neuen Medien!"
"Und wie fanden Sie den Text?"
"Ich h├Ątte anders formuliert. Er war viel zu kurz und hat gar nichts ├╝ber Sie ausgesagt. Frauen m├Âchten etwas anderes h├Âren!"
"So, was denn? K├Ânnen Sie das mal konkretisieren?"
Sie stand auf, holte einen Block und fing an zu schreiben, w├Ąhrend er das Fr├╝hst├╝ck genoss. Nachdem er drei Scheiben Brot mit verschiedenem Aufschnitt fast geschafft und mit zwei Tassen Kaffee hinuntergesp├╝lt hatte, sagte er ironisch: "Egal was wird, jetzt habe ich zumindest das Geld f├╝r die Anzeige wieder raus!"
Sie schob das Blatt an seine Seite und konterte: "Sie sind kein Hamburger, sondern ein'Nassauer'!"
W├Ąhrend er noch einen letzten Bissen aus einer Zahnl├╝cke im Mund verarbeitete, begann er zu lesen.

'ENDVIERZIGER, LIEBEVOLLER, SPORTLICHER MANN SUCHT LEBENSPARTNERIN. (HEIRAT NICHT AUSGESCHLOSSEN)
INTERESSEN: THEATER, KINO, SENTIMENTALE LIEBESFILME IM FERNSEHEN, LIEST UND DISKUTIERT GERNE. DA ER VON DER K├ťSTE IST, LIEBT ER GEGENS├äTZE UND VERBRINGT DEN URLAUB IN DEN BERGEN. IDEEN UND AMBITIONEN DER NEUEN PARTNERIN GEGEN├ťBER DURCHAUS AUFGESCHLOSSEN UND KOMPROMISSF├äHIG. DAS ALTER SOLLTE UNGEF├äHR PASSEN.
ANRUFE UNTER DER TELEFONNUMMER...'

Regungslos steckte Herr Winterberg die Seite in die Hosentasche, stand auf und sagte: "Seien Sie nicht b├Âse, Frau Kie├čling, aber ich muss jetzt gehen. Ich habe nachher noch eine Verabredung. - Vielen Dank f├╝r Logis und das reichhaltige Essen. Und entschuldigen Sie meine Entgleisung wegen dieser verr├╝ckten Annonce, Ihr Fr├╝hst├╝ck und Ihre M├╝he waren viel mehr wert!"
Sie zeigte ihre Entt├Ąuschung ├╝ber seinen abrupten Aufbruch und vermutete, dass er nachmittags bei einer anderen Anruferin zum Kaffee eingeladen war.
Wortlos begleitete sie ihn zur Flurgarderobe und wollte ihm in die Jacke helfen. Ver├Ąrgert nahm er sie ihr aus der Hand und sagte: "Ich bin doch kein alter Knacker!"
Ihr Gesicht hatte fast die Bl├Ąsse vom Vorabend erreicht und leise fragte sie: "Bekomme ich eine zweite Chance?"
Jetzt konnte er wieder lachen. "Ich sage, wir bekommen eine
zweite Chance! - Sie kennen doch bestimmt den Song von Mike + the Mechaniks: 'Everybody gets a second chance'!
Aber wenn man, wie ich, bereits mit einer Frau 'Liebesrauschen'
erlebt hat, Nachts nicht schlafen konnte, Kribbeln im Bauch hatte, glaube ich nicht an eine Wiederholung dieser Empfindungen. - Die Schmetterlinge sind fast ausgestorben. Es wird zu viel Gift verspr├╝ht!"
Frau Kie├čling wirkte jetzt fast traurig. Wortlos gab sie Herrn Winterberg die Hand. Einer pl├Âtzlichen Regung folgend, k├╝sste er sie auf die rechte Wange.
Noch in der T├╝r stehend sagte er: "Wenn Sie Ihre Annonce, die Sie f├╝r Ihren Traummann verfasst haben, im Wochenblatt ver├Âffentlicht finden, sollten Sie ihn sofort anrufen! Bei dem genialen Text wird Ihre weibliche Konkurrenz sehr gro├č sein!"
Frau Kie├čling l├Ąchelte s├╝├čsauer, wusste ├╝berhaupt nicht, was sie von ihm halten sollte. Sie sagte auch nichts und blickte ihm nach, wie er ├╝berm├╝tig wie ein Junge die Stufen hinuntersprang. Er drehte sich aber nicht mehr um.


















Version vom 15. 03. 2019 21:56

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SilberneDelfine
???
Registriert: Oct 2015

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Hallo Maribu,

die Geschichte beginnt mit einem R├╝ckblick. Es wird (mE etwas zu umst├Ąndlich) erkl├Ąrt, dass der Protagonist Witwer ist und sich mit philosophischen Fragen aufgehalten, auf die aber dann nicht weiter eingegangen wird. Dann wechselt die Geschichte abrupt zu der Partneragentur und der Leser erf├Ąhrt, dass der Protagonist schon eine Kontaktanzeige geschaltet hat. Die eigentliche Geschichte geht erst hier los, somit h├Ątte man den ersten Abschnitt stark verk├╝rzen k├Ânnen. Ab da wird die Geschichte n├Ąmlich interessant.

Du h├Ąltst die von dir gew├Ąhlte personale Erz├Ąhlweise aus der Sicht des Protagonisten recht gut ein bis auf den Satz:

quote:
Sie zeigte ihre Entt├Ąuschung ├╝ber seinen abrupten Aufbruch und vermutete, dass er nachmittags bei einer anderen Anruferin zum Kaffee eingeladen war.

Gruss SilberneDelfine

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Hallo Frau Schneider,
oder auch "Doc", wenn Ihnen das lieber ist!

(Wir kennen uns ja schon ein paar Jahre und haben immer einen Kompromiss gefunden!)

Ist es jetzt nicht mal Zeit, hier einzugreifen?!

Wozu gibt es einen zust├Ąndigen Foren-Redakteurin?!

├ťber eine schlechte Bewertung kann man sich ja nicht beschweren, die sind ja alle subjektiv und muss man deshalb akzeptieren.

Wenn man ins Haifischbecken springt, muss man damit leben,
gefressen zu werden. (Zitat von unserem "ali", der trotz einiger Anfeindungen mit seinen Geschichten und manchmal auch ungeschminkten Kritiken die Leselupe aber belebt!)


Aber, wenn man nicht mal eine Anrede erh├Ąlt, geschweige einen
Gru├č zum Ende der Kritik, disqualifiziert sich der Rezensentin
selber! (Wie glaubw├╝rdig kann er dann mit seiner Argumentation noch sein?)

Sie k├Ânnen jetzt wieder mit Ihrem "Schutzmantel" der LL-Richtlinien kommen, dass Mitglieder Vorschl├Ąge machen k├Ânnen, aber die Entscheidungen die Redaktion oder die Gesch├Ąftsf├╝hrung treffen. - Das ist ja in Ordnung, Sie sollten aber -wenigstens
ab und zu den Autor, der angegriffen wird, verteidigen!
Unabh├Ąngig davon, ob Ihnen der Text gef├Ąllt oder nicht.
Jeder Autor hat seine St├Ąrken und Schw├Ąchen, aber es geht darum, ihn nicht zu vernichten! - Wir sind ja alle Amateure,
oder Hobby-Autoren und weit davon entfernt, den "Nobel-Literatur-Preis" zu erhalten!
Nun bin ich ja gespannt auf Ihre Reaktion.
Sind Sie mutig, oder geh├Âren Sie auch zu den Duckm├Ąusern?

"Maribu" ist ├╝brigens eine Frau!
Herzliche Gr├╝├če von mir, Senior-Mitglied,
dessen wirklicher Name (aber nicht weitersagen!),
Maria Butan van der Ville ist.

Wir sind demn├Ąchst wieder auf dem Hamburger Fr├╝hlingsdom und betreiben die neueste Achterbahn, die statt acht Kurven jetzt sogar neun Kurven in atemberaubender Gechwindigkeit durchf├Ąhrt.
Gegr├╝ndet von meinem Ur-Ur-Ur- Gro├čvater Schippers van der Ville, der auch, - wenig bekannt -, die Zuckerwatte erfunden und auf allen Rummelplatz-Veranstaltungen eingef├╝hrt
hat. Wegen Diabetes-Gefahr ist das "Zuckerwatten-Gesch├Ąft" inzwischen eingestellt worden.
Deswegen konzentrieren wir uns auf unseren Anfang!
Liebe Frau Schneider, (lieber "Doc"), ich ├╝berlasse es Ihnen,
mir ├╝ber die Ll zu antworten oder lieber mit mir, der Ur-Ur-Ur-Enkelin van Schippers van der Ville eine "Neuner-Bahn-Fahrt" auf dem Hamburger Fr├╝hjahrsdom zu machen.

Liebe Gr├╝├če Maribu

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aligaga
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Kommentare: 5030
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Eines der leidigsten Kapitel hienieden ist das Gejammer der Autoren, die das Gl├╝ck hatten, einen Kritiker zu finden und dann doch nicht zufrieden sind, weil sie statt Lob Kritik ernten.

In der Regel wird Kritik an einem St├╝ck, an dessen Form und Inhalt, sofort pers├Ânlich genommen, vor allem dann, wenn diese nicht zusammen mit einem Blumenstrau├č, einer Gro├čpackung Konfekt dargeboten und allerlei h├Âflichen Kratzf├╝├čchen verziert wurde. Da gehen die Autoren sofort zum "Gegenangriff" ├╝ber und verteidigen nicht ihre Texte, sondern sich und sind dabei bestrebt, dem "Gegner" jene Schmerzen f├╝hlen zu lassen, die bei ihnen auch schon die leiseste Beanstandung hervorzurufen pflegt.

Sie rufen gern nach der Moderation und begehren allerlei Evaporisationen. Wenn diese dem Kritiker (so einem b├Âhsen wie @ali, zum Beispiel) nicht gewogen ist, kann's leicht sein, dass ein Kritiker als "N├Ârgler" oder "Etikettenversto├čer" auf den ewigen Index kommt.

Am schlimmsten ist's, findet @ali, wenn die Autoren im Eifer des Gefechtes nicht nur immer wieder gleich mit Doktor Guhgel ankommen, sondern oberndrein, ihre Anonymit├Ąt verlassend, allerlei Pers├Ânliches preisgeben. Sie wollen wohl damit prunken und den Kritiker, ggf. auch eine Leserschaft, damit beeindrucken.

Leider sind alldies keine hilfreichen Werkzeuge zur Verbesserung eines mangelhaften Textes. Nat├╝rlich sollte Kritik stets sinnvoll sein. Wenn erkennbar wird, dass der Kritiker gar nicht das Zeug dazu hat, zu begreifen, worum's in einem St├╝ckerl eigentlich geht, und mit seiner "Kritik" nur seine eigene Begriffsstutzigkeit dokumentiert, darf man sich selbstverst├Ąndlich dar├╝ber am├╝sieren - und gleichzeitig wundern, wie toll man damit einen "Kritikus" machen kann.

Dieses G'schichterl hier ist leider von Beginn an unplausibel.

Welcher "Mann" w├Ąre wohl so dumm, zu glauben, er bek├Ąme auf ein banales Zeitungsinserat hin den direkten Anruf einer Paarungswilligen, die sich bei ihm beliebt machen wollte?

Da kann der Inserent warten, bis er schwarz wird.

Noch unplausibler erscheint dem Leser, dass die beiden Endvierziger sich nach der Begr├╝├čung sofort, und zwar getrennt voneinander, mitsamt Rotwein vor die Glotze packen und ein Melodram verfolgen, ohne selbst mit einzugreifen.

Vollkommen l├Ącherlich dann die getrennten Schlafzimmer, wo die beiden, jeder f├╝r sich, ihren Rausch ausschlafen. Hihi - hie├č es eingangs nicht

quote:
'HAMBURGER, 40 plus, SUCHT PARTNERIN F├ťR ALLES M├ľGLICHE UND VORSTELLBARE. NUR ERNSTGEMEINTE ANRUFE UNTER TELEFONNUMMER...'
Offenbar haben nicht nur der "Hamburger", sondern auch die Dame, die sich zu dem Anruf ├╝berwunden hatte, weder irgendwelche M├Âglichkeiten noch eine wie immer geartete Fantasie.

Sorry, wenn @ali das jetzt so hart sagt: Die Nummer am Ende mit dem Hinweis des schlappen "Hamburgers" auf sein fr├╝heres Br├Âtchen und der 08/15-Annoncenvorschlag der Fr├╝hst├╝cksbedienung ist nur noch peinlich zu lesen. Da st├╝rzt kein Clint-Eastwood-Verschnitt sportlich die Treppenhausstiegen hinab, sondern da scheint ein Hornochs' unterwegs zu sein ...

Gewiss - es k├Ânnte Situationen geben wie die hier recht dr├Âge geschilderten. Aber die w├Ąren so weit hergeholt und so ungew├Âhnlich, dass man dem Leser erkl├Ąren m├╝sste, warum. Ist der zahnl├╝ckige "Hamburger" impotent? Hat Frau Kie├čling eine absto├čende Hautkrankheit? Riecht sie schlecht? Oder ist sie schon ├╝80?

Am├╝siert

aligaga



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