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Leselupe.de > Humor und Satire
"Der hauseigene Neger" (Urbi et Orbi - Vatikanische Bauernregel)
Eingestellt am 18. 05. 2010 18:12


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Waltero
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2010

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„Der hauseigene Neger“ („Urbi et Orbi“ - Vatikanische Bauernregel)

Ein fast schon philosophischer Gedanke beschĂ€ftigt mich zurzeit stĂ€ndig. Als wir vor ca. 20 Jahren das erste Mal auf Koh Tao auftauchten, kostete unsere BillighĂŒtte, inklusive American Standard Sitztoilette, sage und schreibe 350 Bath. Heute, ein ganzes Dackelleben spĂ€ter, kostet die gleiche HundehĂŒtte immer noch 350 Bath. SelbstverstĂ€ndlich ist die KloschĂŒssel noch dieselbe und die Matratze kommt mir auch irgendwie bekannt vor. Doch die Frage, die mich lange Zeit beschĂ€ftigt hat, war:
Wie kann man die Mietpreise ĂŒber die Jahre hinweg auf diesem niedrigen Niveau halten?
Dass die Jugend dieser Welt, auch die der westlichen Welt, meistens nicht allzu viel Kohle in der Tasche hat, ist an sich irgendwie logisch! Doch diese Tatsache allein erklÀrt die Stagnation der Preise auf diesem niedrigen Level bei Weitem nicht. Es gibt hier etwas ganz Besonderes, was die Preise auf indischem Niveau hÀlt.
Auf Koh Tao haben etliche Thais ihren "hauseigenen Neger“!
NatĂŒrlich wĂŒrde ich so eine sozial unkorrekte Aussage niemals zu Papier bringen, aber ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren könnte.
Da sich der kleine Siamese schon aus traditionellen GrĂŒnden nicht gern unnĂŒtz bewegt, hatte er eine geniale GeschĂ€ftsidee. Um die Lohnnebenkosten niedrig und sich selbst ruhig zu halten, holt sich Klein Thai seine Vettern und Cousinen aus Birma auf die Insel. Der Burmese ist in Thailand in etwa das, was fĂŒr den deutschen Bauunternehmer der Albaner, der RumĂ€ne oder der Bulgare ist. Es sind meistens einfache, fleißige Leute, die von diesen Halsabschneidern, natĂŒrlich nur aus reiner Menschenfreundlichkeit, ausgebeutet und versklavt werden. Es ist schon erstaunlich, wie einfach man acht Weißrussen und vier Ukrainer in einem Baucontainer unterbringen kann, ohne dass einer von ihnen ĂŒber Platzangst klagen wĂŒrde. Aber der Burmese ist noch um einiges flexibler in der Lagerhaltung. Ähnlich wie Weinflaschen, kann man die Burmesen im Regal auf und nebeneinander lagern. Erstaunlicherweise kommen die allermeisten von ihnen dabei nicht ins Kippen. Dieses abartige Stapelsystem macht es möglich, dass es einige Ferienanlagen auf Koh Tao gibt, deren gesamte „Manpower“ aus Burma stammt. Obwohl das Wort „Manpower“ eigentlich nicht wirklich passt, da der Burmese, Ă€hnlich wie sein thailĂ€ndischer Blutsbruder, auch nicht gerade zur HyperaktivitĂ€t neigt. Seine Begeisterung fĂŒr körperliche Bewegung hĂ€lt sich ebenfalls in Grenzen. DafĂŒr bewegt sich die Burmesin mindestens fĂŒnfmal schneller als ihr mĂ€nnlicher Landsmann.
Der entscheidende Vorteil beim Burmesenimport liegt natĂŒrlich im Großeinkauf. Es gibt Rabatte ohne Ende auf dem Burmesenmarkt. Überall stehen unsichtbare Verkaufsschilder auf denen geschrieben steht: „Nimm 3, aber bezahle nur 2!“ Bequeme Ratenzahlung möglich! Du bekommst ein Dutzend Burmesen zum Preis von zwei thailĂ€ndischen ArbeitskrĂ€ften.
Und der Burmese schreit nicht nach Gewerkschaft, Betriebsrat, Mindestlohn, 38,5-Stunden-Woche oder Pendlerpauschale. Blöd „Verdi“ sein, sagt sich der Burmese. In diesem Fall ist er biegsam wie ein Bambus und das schĂ€tzt der kleine Siamese an seinem Vetter. Ich habe auch noch nie davon gehört, dass ein Burmese vor ein thailĂ€ndisches Arbeitsgericht gezogen wĂ€re, um seinen Arbeitgeber wegen Ausbeutung und illegaler Sklavenhaltung zu verklagen. NatĂŒrlich wĂŒrde die Justiz in einem solchen Fall mit aller HĂ€rte erbarmungslos zuschlagen. Allerdings nur auf den kleinen Burmesen! Das kleine MĂ€nnlein wĂŒrde sehr wahrscheinlich nach einem Standgericht nie wieder gesehen und seine Stelle durch einen anderen Burmesen besetzt werden. „Advokat und dein Anwalt hilft“, aber nicht ĂŒberall und auch nicht jedem, wĂŒrde Novalis an dieser Stelle wohl anmerken. In Deutschland arbeitet diese Art von Tagelöhner oft schwarz, aber in Siam arbeiten die Burmesen bis sie schwarz werden. WĂ€hrend der Albaner auf einer Baustelle in Deutschland immerhin 30 Euro Cash am Tag einschiebt, zumindest wenn er an demselbigen 12 Stunden ohne Pause arbeitet, steckt der Burmese diesen astronomisch hohen Betrag im Monat ein. In seltenen FĂ€llen bekommt der kleine Burmese einen noch kleineren „Bangladeschi“ zur Seite gestellt. Das ist der Mann fĂŒrs Grobe! Dieser kleingewachsene Spezialist wird ĂŒberwiegend im SanitĂ€r- und im Rohrreinigungsbereich erfolgreich eingesetzt. Mit seinen feingliedrigen HĂ€nden befreit er wirklich jede Abwasserleitung von Verstopfungen aller Arten. Mit der Anstellung eines „Bangladeschis“ spart sich der Siamese auch das Geld fĂŒr eine Motorspirale, eine Saugglocke und all das andere teure Werkzeug, das der Rohrreiniger normalerweise so braucht. Denn wie gesagt, die Zauberkraft des SanitĂ€rspezialisten liegt in seinen schmalen HĂ€nden! Wenn die Kacke aber wirklich am Dampfen ist, dann greift auch dieser kleine Mann auf eine ganz spezielle Geheimwaffe zurĂŒck:
Auf seine Frau!
Die anmutige „Bangladeschi-Frau“ steht auf der untersten Stufe der Arbeiterhierarchie und verflucht insgeheim die „anderen“, die sie dort unten abgestellt haben. So schließt sich der Kreislauf des Lebens wieder einmal in der untersten Schublade im Kasten des Systems. Sperrt man einen EuropĂ€er in die unterste Lade des Lebens ein, dann fĂ€ll er wahrscheinlich in eine nicht enden wollende Dauerdepression. (Warum ausgerechnet ich? Warum nicht jemand anders? Wieso? Weshalb? Warum?)
Der Asiat ist anders. Er sieht Licht am Ende des Tunnels. Denn auch er hört eine innere Stimme, die ihm leise zuflĂŒstert: >Hast du in diesem Leben schlechte Karten, dann musst du auf das NĂ€chste warten!< (Asiatische Bauernregel)
In der westlichen Welt wurde fĂŒr den gemeinen Bauern die „Urbi et Orbi"-Regel erfunden. Auf beiden Seiten des Globus erschuf die geistige Oberschicht diese nĂŒtzlichen Lebensregeln fĂŒr die gemeine Unterschicht in ihrem Land. In einfachen Worten ausgedrĂŒckt möchten die Erfinder dieser Lebensweisheiten zum einfachen Mann auf der Straße sagen: >Halt dein Maul, denk nicht nach, und mach gefĂ€lligst was wir dir sagen! <
GemĂ€ĂŸ der hinduistisch-buddhistischen Vorstellung von der Wiedergeburt ist auch fĂŒr die Unterschicht im Lande noch nicht alles verloren. In einfachen Worten ausgedrĂŒckt:
Wer in diesem Leben die Arschkarte gezogen hat, der bekommt im nĂ€chsten Leben ein besseres Blatt. Und so trĂ€umt die „Bangladeschi-Frau“ davon, als „Bangladeschi-Mann“ zu reinkarnieren, die Frau des Burmesen wĂŒnscht sich ebenfalls eine Geschlechtsumwandlung fĂŒrs nĂ€chste Leben und ...!
Dieses an sich mĂ€nnliche Prinzip sorgt dafĂŒr, dass in diesem Leben alles beim Alten und der Asiat in seiner Grundeinstellung optimistisch bleibt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese „Im nĂ€chsten Leben wird alles besser“-Philosophie von denjenigen, die in diesem Leben schon alles haben, sehr geschĂ€tzt und gefördert wird. Zu den glĂŒhendsten Verfechtern dieser im Hinduismus wurzelnden Glaubenslehre gehören in erster Linie GeschĂ€ftsleute, Großgrundbesitzer, Politiker und MĂ€nner im Allgemeinen! Obwohl ich ein vollwertiges Mitglied der zuletzt genannten Gruppe bin, lehne ich diese realexistierende, speziell von MĂ€nnern gelebte Lebensphilosophie entschieden ab. (Meine Frau ĂŒbrigens auch!)
Das ist zumindest unsere Sicht der Dinge. Doch was ich eigentlich damit sagen wollte, ist:
Auch Siamesen haben mitunter ihren „Neger“!
Leider!


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