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Leselupe.de > Science Fiction
"Dort" (Traut euch ruhig hin)
Eingestellt am 18. 11. 2000 08:15


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
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Dort

Dort

Ich fiel, ohne zu stürzen.
Ich fiel, ohne zu stürzen.
Ich fiel, ohne zu stürzen.
Ich fiel. Ich lag.
Als sei ich gefallen, um zu liegen.
Ein Geräusch. Ein Rauschen. Ein Plätschern floss hinzu, füllte sich metallisch an.
Ich öffnete die Augen. Und ich konnte sehen. Irgend ein Etwas. Dort. An der Stelle, wo der Himmel hätte sein sollen. Dieses Etwas hatte keine Wolken, war weder nur blau noch einzig grau, weder sonnendurchflutet noch regenverhangen. Es schillerte in bunten Farben wie eine Seifenblase und ebenso schön anzuschauen. Beinahe zu schön. Es lockte, klebte den Blick an sich fest. Trotzdem riss ich mich los und stand auf.
Der Platz ist kreisrund und nicht abgezäunt, denn dahinter kommt nichts mehr. Nichts, außer jenes farbige Schillern. In einiger Entfernung sah ich die Ruine, ein nicht sehr ansehnliches Bauwerk, und den kleinen Spielplatz: Ein aufgeschütteter Haufen dunkler Sand und heruntergekommene Gerüste aus Eisen. Nahe der gegenüberliegenden Kante, ragt die alte Trauerweide. Ihre langen herabhängenden Zweige fegen durch den Staub. Längliche Laubblätter wirbeln überall umher.
Am auffälligsten aber blieb der Brunnen in der Platzmitte. Aus metallenen Schalen, die Unterste fünfzehn Meter im Durchmesser und so blank, dass sich das bunte Schillern in ihrer gebogenen Fläche spiegelt. Nach oben hin werden die Schalen immer kleiner; die Fünfundzwanzigste ist nur so groß wie ein Obstkorb. Hier war der Ursprung des Geräusches, denn das Wasser, dass sich bald in die unteren Schalen ergießen würde, wurde nicht etwa durch den Brunnen nach oben gepumpt. Es fiel als fadendünner Strahl in die oberste Mulde, und es entsprang dem ... Oben. – Aus dem, was oben war, wenn es nicht Himmel sein sollte.
Verwundert war ich darüber nicht. Ich nahm es einfach hin. Viel mehr wollte ich wissen, was sich unter diesem ... diesem Platz befand. Daher ging ich auf den Rand zu. Aber je näher ich ihm kam, ich konnte dahinter nichts erkennen. Keinen Berghang, keine Niederung, kein Ende des Schillerns. Dafür spürte ich mit jedem Schritt, wie ich Angst bekam vor diesem Nichts, wie dieses Nichts zu immer mehr und sehr viel Nichts wurde. Eisiger Schweiß presste sich aus meiner Stirn. Ich ließ mich zu Boden, krabbelte wie eine Küchenschabe auf den Rand zu, so weit, bis sich meine schreckliche Ahnung bestätigte: Der Platz war eine Insel. Ein bebauter Brocken Land, der in diesem Schillern schwebte, als sei er irgendwo aus der Welt herausgerissen und in die Luft gehängt worden. Rundherum nur buntes Seifenblasenschillern. Es füllte alles Nichts in Tiefe, Breite und Höhe aus und gab somit diese Begriffe der Lächerlichkeit preis. Sämtliche Dimensionen wurden ein Witz. Und ich konnte nicht über ihn lachen. Denn jenes Schillern ... es gähnte unter mir, saugte mich an, schien mich mit unsichtbaren Fingern am Bauch zu packen, näher an sich heranzuziehen, den Griff zu drehen und seine Krallen in mich hineinzuwühlen. Mein Atem ging schwer und ein pulsierendes Dröhnen füllte mich aus. Auf den Rand zu. Immer näher. Die Farben ... strudelten ... flimmerten ... saugten ... schillerten ... zogen ... dröhnten ... pulsierten ...
„Sie sind aber mutig.“ Die Stimme riss meinen Verstand einen guten Meter zurück. Diese Leere war unerträglich und ich riss mich hinterher, um meinen Verstand wieder einzuholen. In meinem Kopf taumelte alles. Ich war schweißgebadet und vollkommen unfähig, mich an einen Denkvorgang zu erinnern, geschweige denn, zu leisten. Ich kam mir vor wie ein Cornflake-Frühstück nach durchzechter Nacht, in das ein Magenbitter-Fläschchens entleert worden war. Es dauerte lange, bis ich um mich herum wieder etwas wahrnehmen konnte.
Der Mann saß an der Kante und ließ die Beine baumeln. Sein Haar war nass, wie eben gewaschen, und er trug einen Morgenmantel und Hauspantoffeln. Ich nahm an, er sei es gewesen, der mich angesprochen hatte. Außer ihm war schließlich niemand da. Doch nun starrte der Mann ausdruckslos in die Weiten des Schillerns, und ich bewunderte ihn aufrichtig dafür.
Meine Beine waren kaum zu gebrauchen. Also kroch ich in einem weiten Bogen auf den Mann zu und hütete mich, meinen Blick noch einmal in die Tiefe zu senken. Ich sprach den Mann aus respektvoller Entfernung an: „Schönen guten Tag, der Herr!“
Der Mann sah mich mit dem traurigsten Gesicht an, mit dem ich jemals angesehen worden war. „Schönen? Guten? Was?“
„Tag“, wiederholte ich. „Einen schönen guten Tag wünschte ich Ihnen.“
„Ah“, sagte er und nickte einmal. Dann wandte er sich mit einem Schulterzucken wieder um.
Ich versuchte es erneut: „Entschuldigen Sie bitte, aber, wo genau bin ich hier?“
„Eine selten dumme Frage“, sagte der Mann im Morgenmantel.
Ich war nicht seiner Ansicht. Doch bevor ich eine weitere, für ihn dumme Frage stellte, wechselte ich meine Strategie. „Guter Mann! Darf ich fragen, wer Sie sind?“
„Du darfst“, entgegnete der Mann und ließ sich weiterhin nicht von seinem Desinteresse mir gegenüber abhalten.
Ich glaube, ich verdrehte die Augen. „Wer sind Sie, habe ich Sie gefragt?“ rief ich mit Nachdruck.
„Ich bin ich“, antwortete der Mann.
„Na, welch Überraschung!“ rief ich sarkastisch. „Das bin ich auch!“
„Eben“, sagte der Mann, schaute mich kurz an und nahm dann sein Starren wieder auf. Ich stutzte verblüfft und krabbelte zurück. Meine eigentliche Frage, weshalb er mich kurz zuvor für mutig gehalten hatte, verschluckte ich.
Verwirrt begab ich mich zur gegenüberliegenden Seite, zu jenem halb zerfallenen Haus. Ich hoffte, dort herauszufinden, was es mit all dem hier auf sich hatte. Einst mochte es ein recht imposantes Gebäude gewesen sein.
Nun erweckt es den Eindruck, nur noch sehr zärtlich berührt werden zu wollen. Die Rückseite ist völlig zerfallen. Geborstene Dachbalken und Außenmauern ragen über den Rand des Plateaus hinweg, so dass man von hinten nicht in die Ruine hineinsehen kann. Mir kam der Gedanke, dass sich dort, wo der Platz sich vorher befand, die hintere Hälfte der Schule noch stehen könnte. – Vor einem ziemlich großen Krater. Die Fassaden ist in einem desolaten Zustand. Sämtliche Fenster mit Brettern verrammelt, Läden krallen sich mit rostigen Scharnieren an die Rahmen.
Ich stieg die brüchigen Stufen zum Eingangsportal empor. Darüber baumelte ein grünspanbedecktes Schild an seinem letzten Nagel.
Schule entzifferte ich.
Ich wollte eben den Absatz zum Eingang betreten, da fuhr ich erschrocken zusammen. Das betäubende Kreischen einer Pausenglocke schrillte mir um die Ohren. Gejohle und Getrampel näherte sich hinter der Tür. Plötzlich schmetterten die Flügel auf, und ein Schwall Menschen quoll mir entgegen. Einigen Fensterläden gab das den Rest. Sie quittierten den Dienst und krachten vor das Schulgebäude. Jene Männer und Frauen, augenscheinlich war keiner von ihnen unter siebzig, störte das kaum. Die greise Meute stürmte die Stufen hinunter, ohne mich dabei im mindesten zu beachten. Sie trugen Schuluniformen, die mottenzerfressen und zerrissen an ihren welken Körpern hingen. Laut kreischend und grölend stürzten sie auf den kleinen Spielplatz und fingen an herumzutollen wie kleine Kinder. So weit es ihre klapprigen Körper zuließen, turnten sie auf den Sprossen der Gerüste herum und bauten mit Förmchen und Schüppchen dreckdunkle Sandburgen. Dabei jauchzten sie wirre Kinderreime:
„Lirum, larum, Löffelstiel! Alte Weiber essen viel!“
„Quatschen, tratschen noch viel mehr! Wo kriege ich Sensationen her?!“
„Lirum, larum, Rückenstriemen! Alte Männer Schläge lieben!“
„Meckern, stänkern, nörgeln rum! Drum bringt sie bald der Nachbar um!“
„Früher war’s ein schön’res Leben! Bei Ihm hätt’s so was nicht gegeben!“
Ich beobachtete dieses Verhalten mit einer beunruhigenden Mischung aus verwirrter Belustigung und blankem Entsetzen. Ich wandte mich ab und wollte das baufällige Gebäude betreten, als ich von zwei großen, verglasten Glupschaugen gebremst wurde.
„IHR BLEIBT GEFÄLLIGST AUS DEM GEBÄUDE!! JETZT IST PAUSE!!“ Ein Gesicht jenseits jeglicher Vorstellungsmöglichkeiten. Man versuche es mit der quietschbunten Illustration einer betagten Dame, hier ohne Buckelkatze, auf dem Plattencover einer Death-Metal-Band, konzipiert nach einem ziemlich heftigen Drogentrip. Eine Brille gleich einer Bullaugenhalterung. Grellrot gefärbtes Haar, mit Nadeln in der Größe von Dolchen zu einem gigantischen Knoten zusammengesteckt. Durch den Hals dürften kleine Kinder passen. Den Rest konnte ich nicht sehen. Selbst wenn ich gewollt hätte. Mit Kinn samt Halsansatz war ich zwischen monströsen Brüsten im buchstäblichen Schwitzkasten gefangen. Diese Frau, oder was immer es war, war die totale Reizüberflutung. Auf der Stelle bekam ich ein schlechtes Gewissen. „Entschuldigung“, röchelte ich. „Aber ... können Sie mir sagen, wo ich hier bin?“
Faltige Wülste, an der Stelle, wo eigentlich Augenbrauen hätten sein sollen, waberten in die Höhe. Ich fiel zu Boden, bekam aber immerhin wieder Luft. „HIER? DU BIST NICHT HIER! MAN IST HIER NIE HIER, SONDERN IMMER NUR DORT!!“
Ich beschloss, mir über diese Antwort später Gedanken zu machen. In meinen Ohren fiepte es. Trotzdem fragte ich weiter. „Und wie komme ich von dort fort?“
Die Bullaugen blinzelten. Ein fleischiger Daumen reckte sich über einen Schulterwall. „NA, DA DURCH!“ Ich ahnte, dass den Stimmbändern einer solchen Person neben Brüllen keine geringere Lautstärke zur Verfügung stand.
„Fein“, wollte ich mich in Bewegung setzen, „danke für die Auskunft.“ Doch ein massiger Kolben rammte so gegen meinen Solar Plexus, dass mir erneut die Luft weg blieb.
„HAST DU DENN AUCH ...“, dehnte sie, „... DEINE HAUSAUFGABEN GEMACHT?“ Dabei sah sie mich an, als wüsste sie die Antwort bereits.
Ich wägte ab, ob ich lügen sollte oder nicht. „Hmmmnnein“, entschied ich mich für die Wahrheit, versuchte aber mein Möglichstes, ein grenzenlos schuldbewusstes Gesicht zu zeigen. „Kann ich die morgen nachliefern?“
„PAH!“ Meine Haare wehten nach hinten und mein Gesicht wurde besprenkelt. „DAS SAGEN ALLE HAUSAUFGABENVERSCHLUDERER! UND MORGEN IST EIN NEUER TAG UND ‘MORGEN’ IST AUCH MORGEN EINE GUTE ENTSCHULDIGUNG, NICHT WAHR?!“ Ihr rechtes Bullauge berührte meine Nasenspitze. „SIEH ZU, SÖHNCHEN, DASS DU MIR DES RÄTSELS LÖSUNG AUF DEN TISCH BRINGST! UND IN SCHÖNSCHRIFT GEFÄLLIGST!“ Damit rauschte sie herum und drohte im Schulgebäude zu verschwinden.
„Aber was ist die Hausaufgabe?“ rief ich hinterher. „Ich habe sie ... ähm ...
verlegt.“
„ERKUNDIGE DICH BEI DEINEN KAMERADEN!“ hallte die abgewandte Antwort, bevor das Portal mit lauten Rumms ins Schloss fiel.
Ich seufzte. Ich bin mal sehr froh gewesen, diese Art von Sprüchen nicht mehr hören zu müssen.

* * *

Fünfundzwanzig greise Menschen spielten und freuten sich dabei wie verrückt.
„Methusalem war ’ne große Flasche. Fleisch zu Fleisch und Asche zu Asche“, jauchzten zwei alte Frauen, während sie freudestrahlend die Höhen und Tiefen einer Wippe genossen. Jedes Mal, wenn die Wippe auf einen halb zerfledderten Gummireifen buffte, sprang am anderen Ende die bejahrte Benutzerin einen halben Meter in die Höhe.
Ich fing sehr hoffnungsvoll und stinkhöflich an: „Meine Damen, dürfte ich Sie kurz stören ...“,
„Spreche er, breche er, fächele er uns zu“, frohlockte eine der Omas.
„Vielleicht können die Damen mir helfen. Ich habe meine Hausaufgaben vergessen und wollte fragen, ob Sie mir da eventuell aushelfen könnten?“
Das faltigen Kinn der einen begann wehleidig zu zittern. Die andere plärrte sofort los. Ich war furchtbar peinlich berührt, bemühte mich noch zu beschwichtigen. „Aber meine Damen, so schlimm ist das doch auch wieder nicht“
„Traurig, traurig, wein’ ich weichlich trauernd meinen Vollmond an!“ krähte die Heulsuse. Und ein Greis, der kopfüber an einem Klettergerüst baumelte, krakeelte: „Hey, Kumpel, wenn du am letzten Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen!“ Woraufhin ihm ein Furz entfuhr und er ein Lachen ausstieß, das wie asthmatisches Husten klang. Eine weitere alte Schachtel, die mit Plastikförmchen schmutzige Sandkuchen buk, griff nach einem Schäufelchen und drosch auf ihren Spielkameraden ein, der mindestens zehn Jahre jünger als sie, also etwa siebzig, war.
„Was, zum Geier, soll das?!“ schrie ich. Ich hatte das Gefühl, dass mir die ganze Situation irgendwie aus den Händen und dem Verstand glitt. „Ich will doch bloß von wissen, was ... Hey!“
Jemand fingerte an meinem Hosenbein herum. Als ich nach unten schaute, grinste mich das schokoladenverschmierte Gesicht eines Ur-Großmütterchens an, das um meine Füße krabbelte und enormes Interesse an einem meiner Schuhe zeigte. „Brauchst du den noch?“ lallte die Alte.
Ich ging vor ihr in die Hocke. Ein penetranter Geruch von Cognacbohnen wallte mir um die Nase. „Wenn du mir die Aufgabe verrätst, gehören sie dir.“
Ihre feixend Falten wurden von Besitzgier verzogen. „Was sagt im Regenland der Fuchs unterm Baum?“
„Was?“ Ich glaubte, nicht recht verstanden zu haben. Schließlich hatte sie kaum noch Zähne und ihre Oberlippe baumelte wie eine Affenschaukel.
Ihre stargrauen Augen verengten sich. „Was sagt im Regenland der Fuchs unterm Baum?“ Sie buchstabierte die Worte fast. „Bekomme ich den jetzt?“
Ich wurde ernsthaft sauer. „Verdammt noch mal! Ich verstehe diesen Quatsch nicht! Redet vernünftig mit mir.“
„Ja, ja!“ grölte ein alter Knacker, der mit blankem Hintern auf dem Gipfel des Sandberges saß und mit Barbiepuppen spielte. „In der Linguistik ist nicht viel los, aber wir haben eine starke Frauenforschung.“ Sein Keuchen und die pumpenden Handbewegungen über der Lendengegend schienen verzweifelte Versuche im Sande verlaufen zu lassen.
„Ich will das da“, lallte die Oma zu meinen Füßen. Ihr knochiger Finger tippte auf meinen Schuh. „Du hast es mir versprochen.“
Mir drohte der Kragen zu platzen. „Du sollst mir die Aufgaben nennen!“ brüllte ich sie an.
„Kommt, lasst uns die Welt mal necken und einige Bäume im Wald verstecken!“ sang der kopfüber baumelnde Greis. Sein Gesicht war hochrot angelaufen. In diesem Moment gaben seine Beine nach und er krachte unter das Gerüst. Sein Gebiss rollte heraus und wurde mit Staub paniert.
Wieder zupften die knochigen Finger. „Hey! Abgemacht ist abgemacht“, nuschelte die Alte trotzig.
„Es reicht!!“ Ich packte sie am zerschlissenen Uniformkragen und zog sie hoch. Ihre Haut und Knochen wogen kaum etwas, und sie strampelte mit den Krampfaderbeinen. „Die Aufgabe! Nenn’ mir die Hausaufgabe!“
„Hab ich doch!“ keifte sie zurück.
Erst jetzt ging mir ein Licht auf. ‘Was sagt im Regenland der Fuchs unterm Baum?’ Aber diese Frage war doch völlig blödsinnig. Vielleicht eine Art philosophisches Rätsel. Ich stülpte mir den Schuh vom Fuß. „Hier. Willst du auch den anderen.“
„Wozu? Dann habe ich ihn ja doppelt.“ Sprach’s, krallte sich den Schuh wie ein Allerheiligstes vor die schlappe Brust und zog von dannen. Ich schaute ihr nach, wie sie den alten Knacker vom Sandberg schubste und sich anschickte, präpubertäre Dinge mit einer Ken-Puppe anzustellen. Ich fürchte, ich schaute ziemlich dämlich aus der Wäsche.
„Mehr Falten!“ – „Besser, du kümmerst dich nicht um die.“
Von der plötzlichen Stimme erschrocken, fuhr ich herum. Ein Mann, in der leuchtstreifenverzierte Kleidung eines Straßenarbeiters, ging mit einen beinlangen Stock bewaffnet umher und schleifte einen blauen Müllbeutel mit sich. „Keine Daumen, keine Kekse.“ An der Spitze seines Stockes war ein Nagel befestigt, mit dem er Weidenblätter aufpiekste. „Zahnlose Leichen feiern am Morgen Grauen.“ Jedes Mal, wenn er damit ein Laubblatt traf, ertönte ein leises Stimmchen und erstarb.
„Warum nicht?“ fragte ich.
„Die sind nicht mehr jugendlich. Die sind nur noch straffällig.“ antwortete er.
„Ach“, machte ich. „Ja und?“
„Und bedeutet Gleichheit. Man beachte Gold und Scheiße.“ Er zupfte das Blättchen in den Müllsack und kam schniefend näher, musterte mich mit gelangweilter Mine. „Bist’ neu, hm?“ Ich nickte. „Na ja“, drehte er sich um, „bin dann mal gespannt, wie du alt aussiehst.“
„Moment mal“, protestierte ich und humpelte mit nur einem Schuh hinter ihm her. „Was soll das denn heißen?“
„Wirst es noch merken, Bürschchen.“
„Können Sie mir sagen, wo ich hier bin?“
„Du bist dort. Nicht hier.“
„Meinetwegen.“ Wieder einmal hatte ich das unangenehme Gefühl, verarscht zu werden. Ich wollte eben aufbrausen, da wandte sich mir der Müllmann zu. Seinen Piekser auf die Schulter gelehnt, schaute er mich lange prüfend an. Ein Grinsen verzog seinen Mund. „Du bist in der Zwischenzeit.“ Er wirbelte den Piekser wie einen Paradestock und erstach ein Weidenblatt. „Macht nichts als alles, aber das wenigstens gut.“
„Toll.“ Mich riss die Euphorie nicht gerade vom Hocker. „Wollte ich ja immer schon hin. Und wie bin ich ... dort hingekommen?“
Sein Daumen wies in den bunten Nebel über uns. „Von dort, nehme ich an.“
„Ach, auf dem Weg von dort nach dort landet man also in der Zwischenzeit, ja?“ nörgelte ich. „Und was soll ich dort?“
„Was fragst du mich? Ich bin nicht dein Kindermädchen. Weder für dich noch für die da.“ Er nickte Richtung Spielplatz.
Ich überlegte. Ich hatte den Müllmann bisher nie gesehen. „Und wo kommen Sie her?“
Losprustend stieß er mir den Ellbogen in die Rippen. Sein Lachen hörte sich an, als könne er damit Nägel in die Wand hauen. „Hey, Bürschchen, keine schlechte Frage. Verdammt noch mal. Das ist keine schlechte Frage.“ Er schüttelte sich vor Lachen und hieb in ein Blatt. „Drollinge wissen mehr.“
„Schön, Ihnen Freude bereitet zu haben. Könnten Sie mir jetzt antworten?“
Sein Lachen verstummte schlagartig. „Nö.“
„Nö?“
„Nö. Keine Ahnung, woher ich komme. War wohl nicht dabei.“
„Ah. Wissen Sie wenigstens, wie ich von diesem ... Pausenhof runterkomme.“
„Klar.“
„Fein.“ Ich wartete. Ziemlich lange. Der Müllmann vertrieb sich die Zeit, indem er mir ins Gesicht starrte. „Und wie?“ fragte ich entnervt.
„Du musst die Frage beantworten.“
„Und dann?“
„Dann darfst du da rein.“ Er wies mit seinem Piekser zur Schule hinüber.
„Und dann?“
„Sobald du drin bist, bist du draußen.“ Nun klang er genervt.
„Was?“
„Du wolltest es wissen. Also beschwere dich nicht.“
„Aber ich beschwere mich doch gar nicht. Ich will nur raus.“
„Dann musst du die Frage beantworten.“
„Und dann?“
„Dann darfst du da ...“ Er schaute mich irritiert an. Dann zog er grunzend die Nase hoch, spuckte etwas aus, dem ich nicht nachschauen wollte und schaute mich mit klingendünnen Augenschlitzen prüfend an. „Verarschen kann ich mich alleine“, schnaufte er, schob seine orangefarbene Uniformmütze zurück und hieb seinen Piekser wütend in ein vorbeiwehendes Blatt. „Wer zwischen den Stühlen sitzt, kann leicht unter den Tisch fallen.“ Der Müllmann steckte es weg und fuhr grummelnd in seiner Arbeit fort.
Plötzlich ahnte ich, wie wertvoll dieser Müllmann für mich sein könnte. Mir wurde klar, dass ich für die kurze Zeit, die ich hier ... dort ... war, schon verdammt viele Nerven verloren hatte. Die Frage war nur, ob ich jetzt schon verzweifeln oder mir noch Zeit lassen sollte. Wollte ich nicht völlig überschnappen, brauchte ich eine wenigstens halbwegs normale Person in diesem Zirkus voller Clowns. Also lief ich hinter dem Mann her. „Bitte entschuldigen Sie, Herr ... äh ... hören Sie, es tut mit leid!“
Er erwischte ein Weidenblatt. „Lüge gut oder verrecke!“
„Verstehen Sie mich bitte“, flehte ich. „Alles was ich will, ist, von diesem bekloppten Ort fortkommen. Und ... können Sie mir nicht helfen?“
„Ich habe gesagt, was ich weiß“, knurrte er und hieb die Spitze in ein Blatt.
„Wein auf Bier, behalt’ bei dir, doch Bier auf Wein trink’ ich allein.“
„Ich weiß“, gestand ich. „Aber schauen Sie: Ich muss weg von hier ...“
„Von dort.“
„Wunder wären weltlich’ Würde, wenn wer weiß wer wollen würde.“
„Dort?“
„Dort.“
„Schau da, welsch Kaudawelsch!“
„Wie auch immer, ich muss. Sie haben mit diesen Idioten zu tun und wissen, ...“
„Ach, du hältst mich also auch für einen Idioten, was?“
„Aber nein! Nein! Das habe ich doch gar nicht ... „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ ... Ich brauche Sie. Als eine Art Lehrer, verstehen Sie? ... „Wer andere stützen will, muss selbst aufrecht gehen.“ ... Sie kennen sich aus und haben Erfahrung und ...“
„Habe ich nicht. Ich sammle sie nur in der Zwischenzeit. Aber ich behalte sie nicht für mich. Nenn’ mich also nicht Lehrer.“ „Lerne deine Adieus.“
Ich sah ein, dass es keinen Zweck hatte, und dies der geeignete Moment zur Verzweiflung sein durfte. Also setzte ich mich auf den Rand des Brunnens, nahm den Kopf in beide Hände und verzweifelte ein wenig.
„Hamster sind out“, hörte ich das verendende Flüstern der Weidenblätter in der Entfernung. „Es gibt Lieder, über die verliert man keine Noten.“ – „Das Gegenteil von feministisch ist masochistisch.“ – „Briefe außer der Reihe verheißen nichts Gutes.“
Ich bemerkte aber, wie die Stimmchen näher und näher kamen.
„Triff den Nagel auf den Kopf derer, denen ein Brett die Sicht versperrt.“ – „Für jeden Judas gibt es einen Sonnenaufgang; nach den anderen schreit der Hahn.“
Ich spürte eine behandschuhte Hand auf meiner Schulter. Mit einem Ächzen ließ der Müllmann sich neben mir nieder, nahm seine Mütze ab und betupfte sich mit einem Tuch die hohe Stirn. Die Mütze legte er neben sich auf den Stein. So saßen wir einige Zeit schweigend beisammen.
„Ich muss bald fort“, sagte er irgendwann.
„Wohin.“
„Da rein.“ Die Spitze seines Pieksers wies wieder gen Schulgebäude.
„Sie müssen da rein?“
„Sagte ich das?“
„Ja.“
„Dann wird es stimmen.“
„Dann ... nehmen Sie mich doch mit.“
„Geht nicht.“
„Warum nicht?“
„Bist du Müllmann?“
„Nein.“
„Siehste.“
„Aber wozu müsste ich das sein?“
„Um reinzukommen und reinzumachen.“
„Oh. Aha“, machte ich niedergeschlagen. „Wie lange werden Sie weg sein?“
Er hob die Schultern. „Verdammt viele Räume da drin“, stöhnte er.
„Aber der Bau ist doch nur noch halb so groß.“
Er antwortete nicht, piekste nur gedankenverloren in ein Weidenblatt zu seinen Füßen. „Für Wände sind Ecken keine Sackgassen sondern Kurven.“
„Und was mache ich in der Zwischenzeit?“ fragte ich.
„Geh spielen.“
Ich warf einen skeptischen Blick zum Spielplatz hinüber. „Mit denen?“
„Du musst sie verstehen.“
„Gerade damit habe ich ja Schwierigkeiten.“
„Sie alle hatten ihre Aufgaben und Ziele. Aber sie schoben sie auf die lange Schulbank und vergaßen nach und nach, warum und seit wann sie hier sind. In der Zwischenzeit haben sie ihren Faden verloren und pendeln am letzten Ende.“
Seine Worte verschwammen hinter meiner Stirn. „Muss ich das verstehen, wenn ich fragen darf?“
„Genau das ist es, Bürschchen“, sagte er geheimnisvoll. „Du darfst fragen. Aber nur dich selbst und niemanden sonst. Und dann müsstest und solltest du es verstehen. Du darfst und kannst aber auch spielen gehen. Sage all deinen Fragen ‚Adieu’ und lebe, wie man dir die Füße setzt oder die Spuren legt.“
„Das hört sich so einfach an“ sagte ich. „Und das soll richtig sein?“
„Das habe ich nicht gesagt.“ Er räusperte sich und sprach gedämpft weiter. „Für die Leutchen da ...“, er wies mit dem Daumen Richtung Spielplatz, „für die ist das Leben in der Zwischenzeit das Richtigste der Welt geworden. Dass sie andere Welten übersehen, übersehen sie.“
„Ach“, machte ich verblüfft. „Gibt es denn mehr als eine Welt?“
Sein Stock zuckte vor. „Verlier beim Suchen nie die Nerven.“ Er schmunzelte und machte eine wegwerfende Geste.
„Dort?“ fragte ich vorsichtig.
„Dort“, antwortete er leise, „scheiden sich alle möglichen Welten.“
Ich wurde nervös. „Aber wo, verdammt noch mal, ist dort?“
„Siehst du“, sagte er. „Das ist der Haken. Wo gibt es dort nicht. Verflixt schlau ausgeklügelt und dabei so einfach. Irgendwann kam mal einer darauf, dass darauf nie einer kommen würde: Wo wird wirklich, wenn wann wichtig wurde.“
Ich stöhnte vor Unverständnis und seine Miene verriet, dass er von mir etwas enttäuscht war. Als er aufstand, waren seine Bewegungen von traurig resignierter Langsamkeit. Er setzte seine Mütze auf und schulterte den blauen Müllsack. „Ich muss los“, seufzte er.
„Und ich?“ fragte ich.
Der Müllmann zuckte mit den Schultern. Er legte den Kopf in den Nacken und schaute den Brunnen empor. Erste Tropfen schwappten von der ersten Brunnenschale in die darunter liegende. Und er blickte weiter hinauf zu der Stelle, an der über uns der Wasserstrahl aus dem Bunt flutete. „Da fließt noch viel Wasser am Himmel herunter“, murmelte er und lächelte plötzlich. „Vergiss deine Aufgabe. Genieß das bunte Wetter und geh spielen. Bleib schön lieb und fromm, bis zurück ich wiederkomm’.“
„Bringst du mir was mit?“ bat ich ihn.
„Nur, wenn du ungehorsam bist“, sagte er.
„Ja, das werde ich sein.“
Dann ging er auf die Schule zu, seinen Piekser wie einen Spazierstock schwingend. „Wohl dem, der spielend über sich siegt, wissend, welche Karte unterm Stapel liegt“, hörte ich ein leises Stimmchen. Vor dem Portal wandte sich der Müllmann noch einmal zu mir um, winkte kurz, und war gleich darauf hinter der großen Tür verschwunden.

* * *

Ich verbrachte vier volle Schalen damit, auf den zerfallenen Stufen vor dem Schulgebäude zu hocken, manchmal am Stamm der Weide zu lehnen und ziemlich dämlich über den Pausenhof zu starren. Dabei redete ich mir ein, viel nachzudenken und wunderte mich, dass ich zu keiner brauchbaren Lösung kam. Letzten Endes wusste ich immer noch nicht, was ich eigentlich wollte, aber immerhin, was ich nicht wollte. Ich wollte nicht mit den Chaoten spielen und mit dem Morgenmantel-Typen, der am Schulhofrand saß, wollte ich nicht reden, weil ich dem Rand nicht noch einmal näher kommen wollte.
Das war ein guter Anfang. Nur leider verfing ich mich daraufhin lange Zeit in philosophischen Theorien über den Brunnen in der Pausenhofmitte. Wie lange schon, wie lange noch, von wo und warum überhaupt dieses Wasser lief und was passieren würde, wenn der Brunnen voll sei? Ich kam zu einigen sehr interessanten Erkenntnissen. Ich diskutierte mit mir über die Schalenanzahl 25 und stellte fest, dass alles auf diesem Schulhof auf die Zahl 25 zurückzuführen war, wenn man nur lange genug nach den richtigen Rechenwege suchte. Diese Erkenntnis warf ich jedoch irgendwann über einen ziemlich großen Haufen und bemerkte, dass sich in der Zwischenzeit weitere vier Schalen gefüllt hatten; also insgesamt zehn, was zwei Fünfteln von 25 entsprach.
Eine Weile – etwa zwei Schalen lang – fand ich Gefallen daran, wie der Müllmann Blätter zu fangen und zu malträtieren, bis sie ihr Sprüchlein kundgaben. Danach warf ich sie in den verbeulten Papierkorb neben dem Treppenaufgang. Nachdem der Hof völlig laubfrei war, versuchte ich, mir mit den noch nicht vom Baum gefallenen Blättern Kurzweil zu verschaffen. Doch so sehr ich mich mit meinem ganzen Gewicht an einzelne Blätter hing: Sie ließen sich nicht pflücken.
Schließlich gab ich mich geschlagen und plauderte doch mal mit einigen Greisen. Ich muss gestehen, dass ich dabei von Anfang an bösartige Absichten hegte. Ich narrte, um nicht genarrt zu werden. Die Alten hatten nicht mehr viel Verstand zu verlieren, also half ich ihnen, den letzten Rest noch etwas schneller zu vergeuden. Einem verbrauchten Opa knöpfte ich beim geschummelten TicTacToe-Spiel einen Hosenknopf ab.
„Was sagt man da?“ fragte er, als ich mich wortlos umdrehen und zum Gehen wenden wollte.
„Herzliches Beileid?“
Er schüttelte knatschig das graue Haupt.
„Glückwunsch?“
Wieder Kopfschütteln.
„Eine Hand wäscht die andere?“
Er versuchte ein Pokerface hinzubekommen. „Damit der dreckige Taler wandere? So werden Schulden nicht geringer?“
„Dann behalt’ ich eben schmutz’ge Finger“, ging ich auf sein Spielchen ein, was
ihn sichtlich verwirrte. Er begann nervös zu stammeln. „Dann ... wasch sie dir.“
„Leck sie mir.“
„De...des Talers Wert wird ... wird hosengerecht verrechnet.“
„Des Talers Wert wird abgeknöpft verkehrt. Stopft Löcher und knechtet!“ Ich beugte mich zu ihm hinunter und wisperte ihm verschwörerisch ins Ohr: „Und das bald die Köpfe rollen, werden auch die Knöpfe wollen.“ Dabei buffte ich ihm augenzwinkernd in die Seite. Der Alte stieß ein angstvolles Schreien aus, sprang auf und rannte wie blöd, die dürren Arme um den Kopf geschnürt, über den ganzen Pausenhof.
Klar war das fies. Aber ich hatte nur diese Möglichkeit: Entweder wurde ich ein Bekloppter unter Bekloppten oder ich wurde ein halbwegs Verrückter in einem Haufen völlig Abgedrehter. Einige andere beschäftigte ich mit Schüttelreimen und Zungenbrechern. ‘Fischers Fritze’ und so, Sie wissen schon. – Nun, die wussten es nicht. Oh, wirklich dumm waren sie nicht. Sie verstanden nur nicht, dass es nichts zu verstehen gab.
Als sich die dreizehnte Schale füllte, versuchte ich noch einmal in die Schule zu kommen. Doch als ich die Hand auf die Klinke legte, preschten mir sofort die Bullaugen entgegen. Zähnebleckend knurrte mich dies Wesen geborener Alpträume an: „WENN DU DIR SCHON FREIWILLIG ÄRGER MACHST WILLST, BÜRSCHCHEN, MUSST DU EXTREM GLÜCKLICH SEIN!!“
Nach den Unterredungen mit meinen Spielgefährten glaubte ich in Übung zu sein: „Glücklich? Ich? Diese Summe ist Hohn. Undank ist der Welten Lohn, welcher unbarmherzig löhnt. Glück? Nein. An Glück hab ich mich nicht gewöhnt.“
Hinter dem Panzerbrilleglas bildete sich so etwas wie ein Lächeln. „IHR SEID FLIEGEN AUF DER FENSTERBANK; SPUREN VERGEUDETER ENERGIE! FLIEGT EUCH GESAMT DIE NASEN BLANK AN HARTER LUFT! IHR LERNT WOHL NIE!
„Lässt du mich ein?“
Sie zeigte eine Reihe ehemaliger Zähne. „NEIN!“ Damit wandte sie sich mit allem, was zu ihr gehörte um, und unsere Konversation war beendet.

* * *

Drei Schalen später fiel mir etwas sehr Interessantes auf. Ich hatte es schon lange vorher gesehen, allerdings ohne zu realisieren, was es bedeutet: Der Pausenhof hat Schlagseite! Ganz leicht nur. Ich bemerkte es am Brunnenwasser. Es schwappt nur an einer Stelle über die Ränder.
Plötzlich kam ich auf mehrere phänomenale Gedanken: Angenommen, dieser Pausenhof sei tatsächlich das, wonach er aussieht – ein von irgendwo herausgerissenes Stück – dann konnte er nicht allzu dick sein, nicht wahr? Und weiter angenommen, man könne die Zeit zur Lösung der Hausaufgabe gleichsetzen mit dem Fluss des Brunnenwasser – das schloss ich jedenfalls aus der Rede des Müllmanns – so war der Brunnen de facto eine Art Sanduhr und die Zeit zur Lösung der Aufgabe war um, wenn die unterste Schale des Brunnens gefüllt war. Gesetzt den Fall, dies alles war so ... dann konnte ich vielleicht meine Hausaufgabenzeit bei Bedarf verlängern, indem ich am Brunnenrand ein Loch in den Boden grub. Genau an der Stelle, an der das Wasser aus der letzten Schale schwappen musste. So konnte es dann weiterfließen, hinein in die endlose Tiefe des bunten Schillerns.
Ich machte mich sofort an die Arbeit und zertrümmerte als erstes einen der abgefallenen Fensterläden, um den Sparren als Werkzeug zu benutzen. Dann bestimmte ich die genaue Stelle am Brunnenrand und begann zu graben.
Doch schon kurz darauf – ich hatte kaum so tief gegraben, das man meine Arbeit als Loch hätte bezeichnen können – begann plötzlich alles um mich herum zu erzittern. Das ganze Plateau bebte! Die Alten auf dem Spielplatz kreischten in heller Panik, liefen auseinander und zusammen und suchten sich blödsinnige Verstecke, versuchten sich im Sandhaufen einzubuddeln oder ihre angstverzerrten Gesichter so gut es eben ging hinter Förmchen zu verbergen. Ich selbst klammerte mich voller Entsetzen an den Brunnenrand.
„Was machst du da?!“ erscholl eine Stimme, von der ich lange nichts gehört hatte. „Lass das!“ Ich schaute mich um und sah den Spinner im Morgenmantel mit wutrotem Kopf auf mich zukommen. Je näher er kam, um so stärker wurde das Beben.
Doch halt! Nein. Ich merkte, dass es kein Beben war, sondern ein Heben. Irgend etwas stemmte das gesamte Plateau einseitig hoch. Hinter mir knarrte die Schulruine aus allen altersschwachen Fugen um Hilfe, während ihr Staub und Laub entgegen rauschten.
„Du sollst sagen, was du da tust!“ schrie mir der Kerl zornig entgegen und blieb auf der Hälfte der Strecke stehen. Sofort stoppte das Bewegen und die Schulplatzinsel verharrte in der Neigung. In meinem Magen spürte ich erhebliches Pendeln, so heftig, dass mir übel wurde. Vor Schreck, nahm ich an. „I-ich ... ich wollte nur ...“, stotterte ich und wusste mit einem Male keine Antwort mehr.
„Was wolltest du?!“ brüllte der Mann im Morgenmantel. Nie zuvor habe ich eine solche Wut in jemandes Gesicht gesehen. Seine Kiefer waren zusammengepresst und seine Nasenflügel bebten. Doch auf einmal glättete sich seine Zornesmaske und seine Stimme klang unglaublich traurig. „Du warst so mutig“, fuhr er leiser fort. „Gleich zu Anfang so weit in die Tiefe zu schauen, hat sich in der Zwischenzeit selten jemand getraut. Ich hatte tatsächlich gedacht, du seist anders. Besser, als diese feigen Kreaturen da.“ Damit wies er zu den bibbernden Alten hinüber. Einer der Gemeinten hatte eben seinen Kopf aus dem Sand gezogen. Wegen des Gefälles war der Haufen beträchtlich in die Breite gezogen worden und hatte diesen und zwei weitere Greise halb freigelegt. Als er merkte, dass auf ihn gezeigt wurde, buddelte er sich schnell wieder ein.
Der Mann im Morgenmantel schüttelte bedauernd den Kopf. „Ihr werdet eure Aufgaben ewig vor euch herschieben und Schönwetter vorgaukeln. Aber ja, warum nicht? Es ist so einfach.“ Er tat einige Schritte nach vorne. Ich klammerte mich fester an den Brunnenrand, denn das Plateau bewegte und hob sich erneut.
„Du versuchst, dich selbst zu überlisten!!“ brüllte der Morgenmantelmann zu mir herüber und hämmerte mit dem Zeigefinger gegen seine Stirn. „Ihr glaubt phantastisch schlau zu sein, die Gerissenheit mit Schneeschaufeln gefressen zu haben. Mit erstbesten Gelegenheiten kann man Zeit sparen, hm? Je mehr davon, um so besser, hm? Und wenn ihr sie habt, wisst ihr nichts besseres mit ihr anzufangen, als es mit sinnlosem Geplänkel zu vergeuden. Alles andere betrachtet ihr als kindisch und ihr seid doch so erwachsen. Ha-ha. – Muss man erst naiv sein, um Alternativen zu begreifen? So steckt Weisheit allein in Kinderköpfen und ich wette, ihr würdet versuchen sie herauszuoperieren!“
Er wandte sich wieder dem Rand zu. Wieder erbebte alles. Doch sank das Plateau nun wieder der Waagerechten zu. Kurz vor dem Abgrund ins bunte Schillern drehte sich der Morgenmantelmann noch einmal zu mir um. „Du bist dort!“ knallte seine Stimme über den Pausenhof. „Und ich werde in der Zwischenzeit keinerlei Hier zulassen! Hast du das verstanden?!!“
Ich nickte schnell und hatte den Eindruck, ihm damit ein Versprechen gegeben zu haben, denn er nickte ebenfalls. Daraufhin setzte er sich wieder an die Kante, ein Stück weiter links von seinem bisherigen Platz. Das Plateau wankte noch ein wenig, dann war alles wieder ruhig.
Ich brauchte eine Weile, um mich von diesem Ereignis zu erholen. Schließlich wagte erste Regungen. Mir fiel die Veränderung sofort auf: Die Stelle, an der das Wasser über die Kanten der Schalen schwappte, war verschoben. Und zwar genau in die Richtung, in die sich auch der Sitzplatz des Herrn im Morgenmantel verlegt hatte. Das konnte kein Zufall sein.
Plötzlich offenbarte sich mir ein vollkommen neues Bild von dieser Welt:
Dieses Beben, als der Morgenmantelherr sich zur Mitte hin bewegte ... Jenes Anheben auf dieser und Senken auf der anderen Seite des Plateaus ...
Dieser Pausenhof schwebt nicht. – Vielmehr ist er wie ein breites Pendel in Waage. Wobei die Trauerweide ein Gegengewicht ist. – Und zwar für den Spielplatz. Und der Herr im Morgenmantel ist ebenfalls ein Gegengewicht. Nämlich für die Schule. Doch er ist schwerer als die Schule.
Und der Brunnen. Er ist die Mitte. Von allem.
Und demnach ist dieser feine Wasserstrahl nicht allein Wasser oder Synonym vergehender Zeit. – An diesem fadendünnen Strahl Wasser ... hängt alles.

* * *

Äußerst langsam und vorsichtig bewegte ich mich auf den Rand und auf den Mann mit den seit Jahren nassen Haaren zu. Ich hatte keinerlei Lust, den Schwindel von einst ein weiteres Mal zu erleben. Bis auf etwa drei Meter war ich an ihn herangekommen, als er plötzlich, ohne sich zu mir umzudrehen, sagte: „Du musst dich nicht anschleichen. Setz’ sich einfach zu mir hin.“
„Es tut mir leid!“ schrie ich ihm zu.
„Was tut dir leid?“
„Das mit dem Loch. Ich wusste nicht, dass ich das nicht darf.“
„Schon gut.“ Er klopfte neben sich auf den Boden. „Nun setz’ dich hier hin.“
„Ich traue mich nicht“, gestand ich.
Da drehte er sich zu mir um und lächelte mich an. „Komm’ schon. Schlimm ist es nur auf den ersten Blick.“
Zögernd näherte ich mich dem Rand. Und er hatte recht: Es ging ganz leicht.
So saßen wir nebeneinander und starrten eine lange Zeit in das bunte Schillern. Hinter uns füllte sich die siebzehnte Schale. „Warum sind Sie schwerer als die Schule?“ fragte ich irgendwann.
„Der Unterschied zwischen mir und der Schule ist derselbe wie zwischen schwer und schwierig“, antwortete er geheimnisvoll. Und so lange, wie ich eine ganze weitere Schale darüber nachdachte, wusste ich dem nichts entgegenzusetzen. „Hast du deine Hausaufgabe gemacht?“ fragte er mich schließlich.
„Ich habe nicht viel auf“, sagte ich und merkte, dass es nur eine ungenügende Antwort war. „Es ist nicht einfach“, fügte ich daher hinzu.
„Vielleicht kann ich dir helfen.“
Insgeheim hatte ich auf ein solches Angebot gehofft. „Was sagt im Regenland der Fuchs unterm Baum?“ nannte ich ihm die Frage.
Er zog die Augenbrauen in die Stirn. „Das ist nicht einfach. In der Tat“, sagte er.
Resigniert ließ ich die Schultern hängen. „Ich werde niemals fort können.“
„Ich habe nicht gesagt, dass eine Lösung unmöglich ist. Hast du es versucht?“
Ertappt schüttelte ich den Kopf. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich mir, seit ich die Frage kannte, immer nur darüber Gedanken gemacht habe, wie ich die Antwort umgehen, aber nie, wie ich die Aufgabe lösen könnte.
„Was sagt im Regenland der Fuchs unterm Baum?“ murmelte der Herr im Morgenmantel und wiederholte den Satz immer wieder während der Zeit, die folgte, in der wir, ansonsten stumm, nichts als nebeneinander saßen. Wieder und wieder diese Worte. Langsam und mit enormer Konzentration. Ich glaubte, ein paar nasse, graue Haare an meinem Nebenmann zu entdecken. Und das Wasser schwappte in die zwanzigste Schale. Ganz unvermittelt sagte er: „Was ist der Fuchs für ein Tier?“
„Ein Säugetier“, antwortete ich und zählte auf, was mein Gedächtnis unter dem Schlagwort ‘Fuchs’ fand: „Er hat ein rotes Fell und einen breiten, buschigen ...“
„Vergiss das!“ schnauzte der Herr. „Wenn ich einen Fuchs sehe, weiß ich, dass es einer ist. Ich will nicht wissen, woran ich einen Fuchs erkenne, sondern wie er ist.“
„Er ist ... Einzelgänger ... glaube ich“, formulierte ich vorsichtig.
„Glaubst du oder weißt du es?“
„Nicht genau. Ich glaube, dass ich kein Bild von Füchsen im Rudel kenne.“
„Das ist gut“, sagte er lächelnd. „Du hast dein Bild von einem Fuchs. Verstehst du? Es ist nicht wichtig, ob dieses Bild der Wirklichkeit entspricht. Weiter, Junge, du bist auf dem richtigen Weg.“
Mein Verstand verstand das nicht. „Der Fuchs ... der Fuchs ...“ Da traf mich ein Geistesblitz: „... ist schlau.“
Der Mann schaute mich listig von der Seite an. „Glaubst du oder weißt du das?“
„Ich finde, es passt zu ihm“, antwortete ich lakonisch.
„Definiere mir schlau“, forderte er mich auf.
Ich seufzte. „Schlau ... klug, pfiffig, clever, gerissen, listig, ... schlau eben.“
„Was meinst du: Weiß der Fuchs, dass er schlau ist und in welchem Maße?“
Ich überlegte. „Wenn er es wüsste, wäre er zu schlau, es zuzugeben, oder?“
„Gut“, sagte der Herr begeistert. Daraufhin versank er erneut in Schweigen. Und während sich die einundzwanzigste, zweiundzwanzigste und auch die dreiundzwanzigste Schale füllte, gruben sich Falten in sein Gesicht, seine vom Grübeln gerunzelte Stirn verdrängte den Haaransatz. Ich wurde allmählich ernstlich ungeduldig.
Ganz plötzlich beendete der Greis sein Schweigen. „Was ist das Regenland?“
„Keine Ahnung“, gestand ich. „Das Amazonasgebiet vielleicht.“
Doch er schüttelte brüsk den Kopf. „Das Amazonasgebiet hat in der Zwischenzeit zu viel verloren.“
„Aber es gibt da viel Regen.“
„Ja, genau. Und deshalb nennt man das Gebiet Regenwald. – Nicht Regenland. Es gibt keine Veranlassung zu denken, mit ‘Regenland’ sei das Gebiet um den Amazonas gemeint.“
Ich musste ihm Recht geben. „Ich hatte frei assoziiert“, versuchte ich mich zu rechtfertigen.
„Ja, und das ist auch gut“, gab der Herr neben mir zu. Mit flinken Fingern schnappte er sich ein vorüberwehendes Weidenblatt und zerdrückte es. „Reduzierung ist die halbe Arbeit.“ – „Ich frage anders: Wie sieht aus in einem Regenland?“
„Es regnet viel. Die ganze Zeit. O ja, es wird vom Regen beherrscht. Sonst hieße es nicht Regenland.“
„Also?“
„Also wird dort sehr viel wachsen. Viele saftige Pflanzen und hohe Bäume. Obwohl – in Großbritannien regnet es auch viel, aber da gibt es nicht sehr viele Bäume ...“
„Hey!“ unterbrach er mich und rammte mir sanft den Ellbogen gegen die Rippen. „Genau das ist der Trick, verstehst du nicht? Es ist nicht wichtig, wo sich das Regenland befindet, sondern wie ein Regenland wäre. Und zwar wie es da oben“, er tippte mir mit dem Finger gegen die Stirn, „bei dir wäre. Geografie, oder Klima spielen keine Rolle. In deinem Regenland herrscht der Regen, denn sonst hieße es nicht Regenland. Und es gibt viele saftige Pflanzen und hohe Bäume. Richtig?“
„O ja“, sagte ich eifrig. „Überall Wald, alles mit großen, dunklen Blättern bedeckt.“
Der Greis im Morgenmantel zog eine krause Miene, die mich willkürlich zusammenzucken ließ. „Wofür, glaubst du, sind diese großen, dunklen Blätter?“
Ich fürchtete, ihm erneut in die Falle gegangen zu sein. „Na, um den Waldboden und die niedrigen Pflanzen vor dem vielen Wasser zu schützen. Und natürlich auch vor der Sonne, die ...“
„Welcher Sonne?“ unterbrach er mich seufzend. „Mein Junge, du rutscht wieder durch Klimazonen anderer Welten. Vergiss Amazonas und Äquator. Die gehören nicht zu deiner Aufgabe. Du bist in einem Regenland. Es ist allein dein Regenland. Es lebt nach deiner Vorstellung, aber folge ihrer Logik konsequent. Wenn Regen herrscht, herrscht er nicht Periodenweise, sondern die ganze Zeit. Und über solcher Regenherrschaft findet die Sonne keinen Platz. Nun denke noch einmal gründlich nach. Schließe deine Augen. Nimm dir Zeit, noch hast du sie. Los, mach die Augen zu! Wie sieht dein Regenland aus? Stell’ dir jedes Detail, jedes einzelne Blatt dieses Waldes vor.“
Ich hatte die Augen geschlossen. Da war es: Mein Regenland. – Und ich merkte, dass es tatsächlich nicht stimmen konnte. Es war in seiner unrealistischen Art unrealistisch. Und wie von selbst glich es sich langsam seiner eigenen Logik an.

Mein Regenland. – Frischfeuchte, kalte Luft. Weiträumiges Sehen unmöglich. Bodensenken hüfthoch überschwemmt, nur wenige Erhebungen, an die die Flut noch nicht heranreicht, bedeckt mit Moosteppich, vor Nässe schmatzend, schwarzgrün von Fäulnis. Mannshohe Sträucher, geil gewachsen, ohne Blüten, beerenlos, mit Blättern, üppig und falb, da sie alles im Überfluss haben, außer Sonne. Mächtige, ast- und laublose Baumsäulen, dick wie Säulen, in rissigen Rindenmänteln. Erst weit oben ein schwarzes Blätterdach. Dichtes, tristes Wolkengrau drückt sich durch die Ritzen. Das Regenland ist dunkel und nass und unbehaglich. Nirgends bietet sich Schutz. Das Laubdach kann der Dauerberieselung keinen Stand halten. Tropfen fließen, ballen zusammen. Die Blattschindeln biegen sich. Milliarden Wasserklumpen rasen der Tiefe entgegen. Knallen auf. Wie kleine Bomben.

Ich blinzelte und sah den Herrn im Morgenmantel an. „Es regnet“, schluckte ich fassungslos. Tränen stiegen mir in die Augen. „In meinem Regenland regnet es auch unter den Bäumen. Wo es ständig regnet, macht es keinen Sinn sich unterzustellen.“ Ich drückte mein Gesicht an die feuchte Morgenmantelschulter des Greises und ließ meinen Tränen freien Lauf.
„Das ist gut“, sprach der alte Mann und strich sanft über meinen Kopf. „Das ist sehr gut, mein kleiner Fuchs.“
Erschrocken rückte ich zurück und starrte den Alten an. In meinem Kopf toste ein Sandsturm auf, rauschte durch meine Ohren. Mir war, als habe sich in der Zwischenzeit eine dicke Staubschicht über mein Gehirn gelegt und sei plötzlich vom Luftzug eines einzigen Wortes weggeblasen worden. Staubpartikel stoben hinter meinen Augen und ich konnte nur schemenhaft erkennen, was da unter dem Staub gewachsen war. Dann rieselte der Staub wieder herab und verbarg alles unter sich. – Aber ich habe es gesehen.
Keine Ahnung, wie lange es dauerte, aber ein schallendes Geräusch, als würde Wasser in eine sehr große metallene Schale gegossen, weckte mich aus meiner Erstarrung. Ich rang nach Atem wie nach einem Marathonlauf. „Wer bist du?“ ächzte ich.
Der Greis im Morgenmantel lächelte milde. „Ich bin ich. Das sagte ich dir.“
Er gähnte genüsslich, zog seine Beine aus dem endlosen Abgrund und ließ sich auf die Seite sinken. „Du brauchst mich nun nicht mehr“, murmelte er.
Ich spürte Zorn in mir aufbrodeln. „Warum sagst du mir nicht, wer du bist und was das Ganze soll?!“ brüllte ich ihn verzweifelt an. „Erst bringst du mich zu meiner Welt und verweigerst mir dann den Weg zu deiner!“ Ich stampfte mit dem Fuß auf. Ein zufälliger Wind wehte ein Weidenblatt direkt unter meinen verbliebenen Schuh. “Der Wurm am Haken muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, knurrte das Blatt, als es von mir zertreten wurde. Meine Rage verebben augenblicklich.
Leises, grunzendes Schnarchen versicherte mir, dass der Herr eingeschlafen war. Doch bin ich davon überzeugt, dass er unverzüglich erwachen wird, sollte ich in Erwägung ziehen, noch einmal ein Loch zu graben. Und ich weiß, dass Ich dann ziemlich böse sein würde. – Dies, so weit ...

* * *

Wasser. Fließen. Langsam. Füllen. Schale. Fünfundzwanzig. Knien. Brunnen. Rand. Gesicht. Gelehnt. Hände. Gefaltet. Zahlen. Tropfen. Langsam. Stetig. Einzeln. Augenzucken. Hinterher. Jedem. Tropfen. Runter. Einzeln. Waren. Schalen. Getropft. Fünfundzwanzig. Sind. Schalen. Getropft. Zeiten. Tropften. Hinunter. Tropfen. Zahlen. Werden. Tropfen. Tropfen für Tropfen.
„Was fragt in einem Regenland ein Fuchs unterm Baum?“ – „Was bist du?“ – „Hilf uns, Fuchs! Wir ertrinken in Tropfen!“ – „Vielleicht kann ich dir helfen.“ – „Was sagt im Regenland ein Fuchs unterm Baum?“ – „Ich bin nicht ein Fuchs in einem Regenland.“ – „Was weint mein Fuchs unterm Baum in meinem Regenland?“ – „Ich bin der Fuchs in deinem Regenland.“

* * *

Seine Schritte hallen durch die Halle hinter dem Schulportal.
Seine Schritte knirschen über den Staub unter dem Schulportal.
Seine Schritte verstummen auf den Stufen vor dem Schulportal.
Der blaue Sack rauscht zu Boden und der Stock mit dem Nagel an der Spitze klackert daneben. Mit einem Ächzen lässt der Müllmann sich neben mir nieder, nimmt seine Mütze ab und betupft sich mit einem Tuch die hohe Stirn. Die Mütze legt er neben sich auf den Stein. „Verdammt viele Räume da drin“, schnauft er. „Na, wie geht es dir?“
„Den Umständen entsprechend.“
„Und was sprechen die Umstände?“
„Ich begreif’ das alles nicht.“ Schnell wische ich die Tränen fort. Dieses ständige Weinen – dicke Tropfen – ich kann mich selbst nicht verstehen. „Hast du mir was mitgebracht?“ frage ich ablenkend.
Der Müllmann lächelt. „Warst du denn auch ungehorsam?“
„Eigentlich habe ich meine Aufgabe gelöst. Ich habe nur keine Antwort.“
„Und warum nicht?“
„Ich hab’ doch noch Zeit“, lüge ich und versuche ein Lächeln.
„Dann habe ich genau das Richtige für dich“, sagt der Müllmann und greift in eine der vielen Taschen seiner leuchtstreifenverzierten Uniform. „Hier. Habe ich in einem der Klassenräume gefunden. – Damit du weißt, was Zeit ist.“
Es lässt etwas an einer Kette vor meiner Nase baumeln. Die Taschenuhr ist verschlossen und scheint sehr alt zu sein. Ihr Silber hat Flecken. „Danke schön“, sage ich artig und lasse den Deckel aufschnappen. In der Innenseite ist etwas eingraviert.
Für Dich
„Für mich?“
Der Müllmann nickt. „Ja-a. Obwohl mich brennend interessieren würde, wer Dich ist.“
Das Zifferblatt ist eines jener Zifferblätter, die keine Ziffern haben und trotzdem Zifferblatt heißen. Doch die Zeiger hängen schlaff am Zentrum und pendeln hin und her, wenn ich die Uhr bewege. „Aber sie ist ja kaputt.“
Mein Freund macht ein überraschtes Gesicht. „Findest du?“ Ich blinzle irritiert. Er jedoch steht auf, stemmt seine Fäuste in die Hüfte und brüllt: „Wie sieht das hier aus?!“ Er greift nach Mütze, Müllsack und Piekser und marschiert schnurstracks auf die große Trauerweide zu. Den Abfalleimer, den ich ihm gefüllt habe, übersieht er.
Er hat allerdings recht: Die Weide hat viele welke Stippen im Grün und eine Menge abgefallenes Laub und lässt sich über den Pausenhof treiben. Einige Blätter treiben wie kleine Schiffchen in der untersten Schale des Brunnens.
Der Brunnen. – Mein Herz will stehen bleiben. Zwischen Wasserstand und Brunnenrand ist kaum noch Distanz zu erkennen. Panik fackelt in mir auf, lodert hell und kurz ... und wird von Resignation gelöscht.
Ich will nicht mehr. Jetzt ist eh alles egal. Ich trotte einfach hinter meinem Freund her. Vom herabhängenden Zweigmantel halb verdeckt beobachte ich mit einiger Verwunderung, wie er seinen Müllsack am Stamm der großen Weide abstellt und sein Werkzeug beiseite legt. Jetzt entfernt er sich wieder einige Meter, peilt mit dem Daumen eine Rindenstelle an, nimmt behäbig Anlauf und tritt mit aller Wucht gegen den Baum. Ein knirschendes Zittern durchzuckt das alte Holz. Kurz darauf rauscht gelber Weidenlaubregen nieder und bedeckt den Boden unter der hängenden Krone. Ich muss zugeben: Die Methode hat was. Der Baum ist wieder rein grün.
„So!“ erklärt der Müllmann, wobei er tatkräftig in die Hände spuckt und nach seinem Werkzeug greift. Ich schaue zu, wie er mit dem Piekser jedes Blatt einzeln aufpickt und in den Müllsack stopft.
„Warum nimmst du keinen Besen?“ frage ich ihn.
„Gern“, antwortet er. „Hast du einen?“
Ich seufze, da er recht hat. „Du kannst sicher Hilfe gebrauchen“, sage ich und ermahne mich insgeheim, bloß nicht an das Wasser zu denken, das jeden Augenblick überschwappen kann. An einem herabhängenden Zweig entdecke ich ein letztes gelbes Blatt. „Hoppla! Das dort hat seinen eigenen Kopf.“
„Das Dort? Kann man so sagen“, höre ich den Müllmann auf der anderen Seite des Baumstamms murmeln.
Ich zupfe das Blättlein ab. Und ohne es eigentlich zu wollen, drücke ich zu.
„Ich suche das Weite!“
„Blöder Spruch“, meine ich kurz darauf zu hören. Aber ich traue meinen Ohren nicht. Rühre mich nicht. Habe ich mich jemals gerührt?
„Was ist jetzt?“ Eine Hand wedelt mir durch den Blick, kann ihn jedoch nicht abwenden. Weit, weit dahinter ragt das Schulgebäude, halb und trotzdem majestätisch, wie ein gestrandetes Cäsarengaleerenwrack über den Pausenhofrand. Und die Schläge einer übergroßen Basstrommel dröhnen. Gigantische Tropfen, die kilometertief von einer vollen Schale hinab in eine andere volle Schale stürzen. In meinem Kopf, meinem Magen, meinen Ohren und Augen bringen sie alle Wahrnehmung zum Erzittern. Und jeder dieser Tropfen kann jener sein, der die Schale zum Überlaufen bringt. „Ich denk’, du willst mir helfen?“
„Ich kann nicht“, sage ich laut. „Die Tropfen. Sie sind mir zu dick. Hier!!!“
Einen Tropfenfall lang drehe ich mich um. Einen Tropfen lang laufe ich, einen weiteren lang werde ich immer schneller. Einen Tropfen lang stolpere ich über eine Stufe, schlage vor dem Portal der Länge nach hin. „Schaff’s nicht!“ schießt mir durch den Kopf. Einen Tropfen lang. Bis meine Finger einen Mörtelstein umkrampfen, und ich gehetzt eine zitterige, grauweiße Schrift in den Staub kreische:

ICH SUCHE DAS WEITE!

„Ziemliche Krakelei. Aber ich will es mal durchgehen lassen“, höre ich hinter mir eine bekannte Stimme, ungewohnt sanft. „Nun geh schon rein.“
Ich raffe mich auf.

* * *

Mein Atem zieht in Schwaden vor mir her. Die Halle ist riesig. Säulen stemmen das Gewölbe. Es sind keinerlei Verzierungen zu sehen. Keine Farbe, außer weiß. Als sei alles vom Ursprung an jungfräulich weiß und leer und kühl. Ich finde nur eine einzige Tür, versteckt in einer hinteren Ecke führt sie in die weiße Wand. Daneben Pappschild, das mit Heftzwecken befestigt ist und mich beordert, bitte anzuklopfen. Dem komme ich nach und sogleich klingt ein schnarrendes „Herein!“ von drinnen.
Ich drücke die Klinke, öffne, und mache der Zugluft den Weg frei. Eine Staubböe wirbelt an mir vorbei nach draußen. Mit Mühe ziehe ich die Tür hinter mir zu.
Das recht große Zimmer sieht aus wie ein Büro oder ein Lehrerzimmer. Die hintere Wand bildet ein schwarzer Stoffvorhang, der von der Decke bis auf den Fußboden reicht. Ich fröstle. Dieser Raum ist wirklich sehr gut belüftet.
„Hallo!“
Ich wende mich um. Die Stimme kommt von einem mit Büchern überladenen Schreibtisch. Zwischen den Folianten, verborgen wie ein Tier, das sich auf Tarnung versteht, entdecke ich einen Mann, der sich nun von einem quietschenden Sitz erhebt und mir lächelnd entgegen kommt. „Ah, du bist der Neue. Freut mich, freut mich.“ Er ist klein und untersetzt, aber um so quirliger. Sein sauber gestutzter Bart verleiht ihm etwas Intellektuelles. Er wäre das Klischee eines Professors, wäre da nicht dieser Hut mit der breiten Krempe auf seinem Kopf. Dutzende brennende Kerzen stehen darauf rundherum und entwachsen sich bei jeder Bewegung. Auf der Weste, deren Knöpfe durch einen runden Bauch bedroht werden, sind Wachstropfen erstarrt und auf den Schultern türmen sich weiße Häufchen wie die Schulterklappen eines Offiziers.
„Willkommen am Ort unserer brillantesten Fehler! Setz dich. Setz dich.“ Er lotst mich mit ausschweifenden Gesten zu einem uralten Sessel. Ich vermute, die Füllung wurde entweder in Pfeifen geraucht oder vom Winde verweht, denn Federn drücken unangenehm in meinem Hintern. Der Professor wirft sich in den quietschenden Sessel jenseits des Tisches und lugt hinter einem Bücherturm hervor. „Womit kann ich dienen?“
„Ich will weg von hier“, sage ich.
„Aber warum denn? Du bist doch gerade erst hier. Du hast noch so viel vor dir.“
„Ich weiß.“
„Aber?“
„Ich würde gerne das, was ich vor mir habe, woanders vor mir haben.“
Der Professor legt seine Finger aneinander. „Verstehe“, murmelt er. „Du willst ... den Absprung, den Schritt nach vorn, nach draußen.“
„Ja. Genau.“ Ich fühle mich sofort verstanden.
„Du willst den Kick. Das Andere.“ Er steht auf und geht um den Tisch herum. „Was von dir ist! Einzig und allein von dir und für dich.“
„Ja-ja. Ja! Genau!“ euphoriere ich.
„Und es ist dir schnuppe, was andere davon halten“, kommt er mir näher, immer lauter anfeuernd. „Ob sie es dumm finden oder es verlachen. Das ist dir voll-kom-men egal! Du willst nach draußen!“
„Ja!“
„Du willst endlich dein Leben! Dein verdammtes Recht auf Leben!!“
„Ja!“
„Und du weißt, dass du ein ICH bist!“
„Ja! Ja!“
„Sag es!!“
„Ich bin ein ICH.“
„Wer ist ein ICH?“
„Ich bin ein ICH!!“
„Ich höre dich nicht!!“
„ICH bin ein ICH!“
„Ich habe gehört, dass hier irgendwo ein verdammtes verICHtes ICH ist!“
„Ja! Hier! ICH“
„Wer spricht?! Ich höre dich nicht! Wer ist ein verdammtes ICH?!“
„ICH! ICH bin ein verdammtes, verICHtes ICH!!“
„LAUTER!!“
„ICH BIN EIN ICH!!!!“
Ich schnappe nach Luft. Mein Atmen durchrauscht die plötzliche Stille, und die Hutkerzen knistern so leise, als sei es ihnen peinlich. In der geräumigen Vorhalle verabschiedet sich ein Echo: „Ich ... ich ... ich ...“
Der Professor beugt sich an mich heran. Seine wachsverschmierte Krempe berührt meinen Haaransatz. Er sagt nichts, schaut mir nur fest in die Augen mit diesem berechnenden Blick aus Bestätigung und Skepsis. Dann lächelt er, richtet sich auf und dreht sich mit einem Nicken um. Ich verstehe, dass ich ihm folgen soll. Da ich zögere, hakt er sich bei mir unter und führt mich vor die große Vorhangwand, lässt mich los, bleibt aber neben mir stehen und gibt ein schnalzendes Geräusch von sich. Der Vorhang gleitet zur Seite.
Vor Schreck weiche ich einen Schritt zurück. – Der Raum, in dem ich mich befinde, muss an der Hinterseite des Gebäudes liegen. Die hintere Wand fehlt völlig. Ein zerrissener Rand aus lockeren Steinen, Holz und Mörtelbrocken rahmt die Sicht in das bunte Schillern frei. Direkt vor mir, bisher vom Vorhang verdeckt, führen drei Stufen auf ein kleines Podest, und ein langes Brett reckt sich weit über den abgebrochenen Rand hinaus. In das Schillern hinein.
Unfähig, meinen entsetzten Blick von der Aussicht abzuwenden, zittere ich wie Weidenlaub. Ich spüre eine Berührung an meinem Arm. Der Professor lächelt mich an. „Spring“, sagt er nur.
Die Zunge klebt mir wie trockener Kuchen am Gaumen. Ich muss mehrere Male schlucken. „Ich hätte es jederzeit tun können, nicht wahr? Schon viel früher.“
„Nur keine Selbstvorwürfe“, entgegnet der kleine Mann freundlich und zuckt mit seinen Wachsschultern. „Das finden alle heraus. Allerdings meist zu spät.“
Höchst behutsam, als betrete ich ein lebendes Wesen, steige ich die Stufen empor und taste mich einige Schritte auf das Brett hinaus. Meine Beine zittern. Ich spüre den Schwindel. Diesen alten Schwindel!
Das Schillern zieht meinen Blick. In seine Untiefe. Ich kann sie nicht erfassen, spüre aber intensiv, was sich in ihr verborgen hält. Ungewissheit, Zweifel, Besorgnis. Angst. Mein Blick verschleiert. Meine Beine sacken konsistenzlos zusammen. „Ich kann nicht“, höre ich mich schluchzen. „Das schaffe ich nicht.“
„Deine Entscheidung.“ Es klingt, als seufze mir der Professor direkt in den Kopf. „Dann geh zu deinen Kameraden. Spiel mit ihnen. Das hilft vergessen.“
Wut regt sich in mir wie eine Larve, die aus ihrem Ei heraus will. Der Zwiespalt klafft. „Nein“, ächze ich und kralle die Fingernägel in das Sprungbrett, kneife die Augen zusammen, dass mir die Lider weh tun, presse das Kinn an die Brust, dass es mir den Atem raubt.
Ganz leise, als schleiche er durch meine Gedankengänge, wispert die Stimme des Professors in meinem Kopf. „Beantworte mir eine Frage: Wie schafft es ein Vögelchen in einer Kamera zu leben und trotzdem Lächeln zu zaubern?“
Die Worte dehnen sich aus. Warm wie Milchwolken im Kaffee. Mein Griff lockert sich. Ich öffne die Lider. Leicht wie Flügelschläge. Und mein Blick hebt sich aus der schlierigen Tränentraufe, breitet sich aus über das bunte Schillern vor mir. Ich spüre den Sog, empfinde ihn aber als weichen Kuss, liebevoll, aber auch fordernd.
„Wenn einem Einhorn die gemalte Koppel des Bildes zu klein ist“, beginnt die flüsternde Stimme in meinen Gedanken. „... Komma ...“ Ich weiß es. „... dann sprengt es wiehernd den Rahmen. Und sucht das Weite.“
Ich stehe auf. Hole Luft. Beginne zu rennen. Lange Sätze voller Genuss. Der letzte Sprung. Mit beiden Füßen. Das Brett federt. Mit Schwung hinunter. Empor. Springe.
Ich falle, ohne zu stürzen.
Ich falle, ohne zu stürzen.
Ich falle, ohne zu stürzen.


Januar – April 1997
überarbeitet im Juli 2003

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
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Hallo Veith,
ich habe gut zwei Wochen gebraucht, um mich durch alle deine Kurzgeschichten und Erzählungen zu lesen. Zu recht erntest Du in den Feedbacks jede Menge Lob. Mir haben besonders "Biggi", "Die Verklemme" und "Wo warst Du" gefallen. Aber auch die Sache mit dem kettensprengenden Muskelmann fand ich außerordentlich gut erzählt. So unterschiedlich deine Themen auch sein mögen - eines fasziniert mich bei jeder deiner Erzählungen - nämlich die Sprache. Am deutlichsten wird das meines Erachtens in "Wo warst du?" Die Überlänge der Einleitung hat mich nicht gestört. Sie kann man einfach auch nur für sich betrachten und sich einbilden, sie sei der Auftakt zu einem großen Roman. Wie gern würde ich sagen: "Aus deiner Art, mit der Sprache umzugehen, möchte ich lernen." Doch ich weiß nicht, ob man das lernen kann. Hier kommt neben dem Handwerk letztlich das Talent ins Spiel.

Was mich ein wenig wundert, ist die Tatsache, daß auf "Dort" bis jetzt niemand reagiert hat. Ich habe die Erzählung schon vor eineinhalb Wochen ausgedruckt, sie nun schon mehrmals gelesen. Von dem skurrilen Geschehen auf der an einem dünnen Wasserfaden hängenden "Schulinsel" habe ich mich immer wieder gefangen nehmen lassen. Und das, obwohl ich eigentlich mehr für klare nachvollziehbare und vor allem logische Handlungsabläufe bin. Die sprachlichen Stärken habe ich ja bereits erwähnt, obwohl dieser Aspekt in anderen Geschichten noch stärker zum Tragen kommt. Aber diese Vielfalt von verrückten Einfällen, die aber wohl überlegt angeordnet sind, das ist schon faszinierend. Der tiefere Sinn dieser Geschichte ist mir allerdings verborgen geblieben. Bis auf einige Bruchstücke vielleicht.
Gibt es hier jemanden, der in dieser Hinsicht weiter voran gekommen ist als ich? Leute, lest diese Erzählung, sonst verpaßt ihr was. Und dann meldet euch mal. Möchte doch zu gern wissen, ob ich der einzige bin, der ziemlich im Dunklen tappt.

Gruß Ralph

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Svalin
???
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Hallo Markus

ein Wort ... phantastisch. Hier hast du eine in sich authentische Zwischenwelt erschaffen, in der alles stimmig ist, obwohl scheinbar nichts stimmt. Mich verunsichert das jedoch nicht ... ich begab mich auf die Reise ins Dort ... folgte den Spielen des Geistes Du bist von allem Dürfen und Müssen des Nachdenkens entbunden und darfst leben ... Das bedeutet wohl, vergiß alle konventionellen Denkarten, dein bisheriges Weltbild ... deine vermeintliche Sicherheit zu wissen ... hinterfrage alles ... und denke das Undenkbare. Eine phantastische Welt der Verwirrung ... die wohl Selbstfindung zum Thema hat, vielleicht nur als Randmotiv ... ich weiß es auch nicht so genau. Ich schließe mich der Begeisterung von Ralph an. Genial in jeder Hinsicht!

Gruß Martin
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Lyrik ist Logopädie im Zeitalter der Sprachlosigkeit. [Alexander Eilers]

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maskeso
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warten auf godot?

Wahrscheinlich war mir die Geshcichte am Anfang erst mal zu lange. Jetzt habe ich es nicht bereut, sie durchgelesen zu haben. Ralph hat recht: Du bist ein Künstler der Sprache. Deine Geschichten sind geradezu bildgewaltig. Diese ist irritierend, aber schön.
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Die Hölle sind wir selbst.

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