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Leselupe.de > Gereimtes
"Gib Händchen!"
Eingestellt am 07. 06. 2003 10:48


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Inge Anna
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"Gib Händchen!"

Ich hab' fürwahr in meinem Leben -
mehr oder weniger beglückt -
festen Bestimmungen ergeben,
diese und jene Hand gedrückt.

Kaum dass ich vier, ward mir befohlen:
"Gib Händchen, Mädel, zier' dich nicht!"
Da half kein Zaudern oder Schmollen;
Gehorsam war hier strengste Pflicht.

Ich scheute Onkel Brunos Pratze,
die butterweich und schweißig war;
bedrohlich glänzte seine Glatze -
er strich mir ständig übers Haar.

Tante Mathilde fand kein Ende,
sülzte mich voll mit Schmeichelei'n;
knochig und kühl war'n ihre Hände;
doch himmlisch ihre Näscherei'n.

Vergeblich jeder Fluchtgedanke,
kam Onkel Leopold ins Haus;
gefährlich keilte seine Pranke,
blitzschnell in meine Richtung aus.

Den Geigenfingern meines Paten,
begegnete ich mit Respekt;
sie waren schlank und wohlgeraten -
an ihm schien alles mir perfekt.

Doch später hat mich fast erschlagen,
was fett in jeder Zeitung stand,
dass er im Dreck saß bis zum Kragen,
die goldnen Fühler sich verbrannt.

Im Lauf der Jahre war mein Händchen
trotz Grußstrapazen brav gedieh'n;
ich wand mir feine Seidenbändchen
ums Handgelenk - die Farben schrien.

Und weiter hieß es, "Pfötchen geben" -
im Freundeskreis - auch im Büro;
ich fügte mich, man tat es eben -
manchmal verzog ich mich aufs Klo.

Vor kurzem traf ich meinen Schwager,
dem ich unter die Arme griff,
als einstmals dessen Kasse mager
und aus dem letzten Loch er pfiff.

Nur er kann bannen dieses Zucken,
das jeglich Handling mir vergällt;
der räumt gelegentliche Mucken
durch Hand-Auflegen aus der Welt.

Auf seinen Beistand kann ich zählen,
magischen Kräften blind vertrau'n.
Bald schon wird er das Übel fällen:
Im Grunde kann er nix versau'n.
__________________
Die über Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Inge-Anna,

Deine Gedichte sind für mich immer ein Genuß - sie lassen sich so flüssig lesen, ohne zu stolpern und zu holpern
und vom Inhalt sind sie immer so fein und witzig zugleich,
ohne plump in ihrem Witz zu wirken. Das zeugt schon vom Können auf diesem Gebiet
Du scheinst ja eine enorm große und bunte Verwandtschaft zu haben, aber ich erkenne mich und die meinen oft darin wieder
Die Menschen sind eben miteinander stark verwandt
in ihren Vorteilen und Macken.

Ich wünsche Dir frohe Pfingsten
und sende ganz liebe grüße

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Stoffel
gesperrt
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Hallo Inge,

schmunzlig wars..
und eine gute Idee.."Händchen(Pfötchengeben) gut erzählt im Laufe der Jahre..kenn ich auch, fand mich darin wieder.

Die letzten drei Strophen hat Du dann aber nur dem einem gewidmet..war mir etwas dann zu viel des "Guten"..

"dem ich unter seine Arme griff,"
wie findest Du das?

Bis auf die letzten drei..,nein zwei..gefälts mir super sonst!

lG
Stoffel

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Inge Anna
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"Gib Händchen!"

Guten Abend zusammen!
Bin soeben von einem herrlichen Pfingstausflug zurückgekehrt und will jetzt noch ein bisschen meinen Johannes (Computer) streicheln; denn auf sanftes Handling fährt er voll ab. Ja, liebe Klopfstock, ich habe 'ne große Verwandtschaft, die mich immer wieder aufs Neue in Richtung Ironie inspiriert.
Lieber Stoffel, Dein Änderungsvorschlag (dem ich unter seine Arme griff) mag zwar sprachlich korrekter sein; dennoch bin ich der Meinung, dass dann das Versmaß holprig wäre.
Danke Euch beiden und noch einen schönen Pfingstmontag.
__________________
Die über Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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