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Leselupe.de > Humor und Satire
"Gibt es ein Leben nach der Karriere?"
Eingestellt am 21. 08. 2002 20:18


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Heike Strobel
Manchmal gelesener Autor
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„Gibt es ein Leben nach der Karriere ?“

Oder ├╝berhaupt nach dem Ausstieg aus einem Berufsleben, auch ohne echte Karrierequalit├Ąten? Was hei├čt es, jahrelang Morgen f├╝r Morgen vom Schrillen des Weckers aus den Tr├Ąumen gerissen zu werden und im Halbschlaf zur Arbeit zu eilen? Pl├Âtzlich wacht man auf und Sekunden sp├Ąter schleicht sich der Gedanke ins Bewusstsein, dass man den ganzen Tag keinen Fu├č vor die T├╝r setzen muss. Was ist das blo├č f├╝r ein Gef├╝hl? Traumhaft oder schrecklich ├Âde? Nichts f├╝r Macher und Nervenb├╝ndel.
Es ist eine wahre Freude f├╝r jene vom Aussterben bedrohte Spezies: M├╝tter, die ihre Brut selbst aufziehen m├Âchten, den qualifizierten Kinderkundigen ihre Selbstverwirklichung nicht g├Ânnen, weil sie die angebotenen Kinderbetreuungspl├Ątze verschm├Ąhen. Die Karrierefrau von heute hat nat├╝rlich nach Auswertung des Schwangerschaftstests bereits diverse Kinderaufbewahrungspl├Ątze organisiert, falls ihr doch der Putz auf den Scheitel zu br├Âckeln droht, sobald das wonnige Baby da ist.
Kinderhorte muss es geben, keine Frage. Schlie├člich gibt es Familien, die keine Wahl zu treffen haben. Wer aber freiwillig und bei klarem Verstand Mutter zu sein w├╝nscht, ohne es wirklich sein zu m├╝ssen, nimmt l├Ąchelnd hin, wenn eilfertige Beamte bei der Berufsangabe in Formularen einen Querstrich mit zwei Punkten malen.

F├╝r die ehemaligen Profit-Center-Chefs mutet es ungeheuerlich an, wenn eine Frau um die drei├čig mit einem guten Einkommen jenseits der Armuts- und Beitragsbemessungsgrenzen ohne Not den angebotenen Kinderbetreuungsplatz ablehnt. Wo soll denn hier „Management by objectives“ greifen. Bar jeder professionellen Distanz steht sie da, die ehemals hochgesch├Ątzte Mitarbeiterin, und schildert verkl├Ąrten Blickes die ersten „dadada“-Laute ihres Spr├Âsslings.

Morgens aufzuwachen, wenn das liebliche Baby die ersten T├Ânchen kr├Ąht, ist ein Hochgenuss. Vorausgesetzt, man hat eines der seltenen Exemplare „Es schl├Ąft schon seit seiner sechsten Lebenswoche durch“ abbekommen. Also nehmen wir mal an, das s├╝├če Gesch├Âpf geh├Ârt zu dieser begehrten Sorte, schlie├čt abends brav seine Kulleraugen und wacht fr├╝hestens um 7.30 Uhr wieder auf. Wenn der rechtschaffene Vater dieses Goldkindes um 6.00 Uhr st├Âhnend aus den Federn steigt, um die Familienkasse aufzuf├╝llen, dreht sich die Berufsverweigerin noch einmal um und schlummert weiter. F├╝r den Mutterjob wird es erst Zeit, wenn sich die Speckbeinchen gen Himmel strecken und die ersten Quietscht├Âne erklingen. Wer das allm├Ąhliche Aufwachen mit einem zufrieden nuckelnden Baby an sich gekuschelt dem Morgenmeeting zum Thema „R├╝ckl├Ąufige Kundenzahlen“ nicht vorzieht, sollte sp├Ątestens jetzt nicht mehr weiterlesen, sondern sich den Wirtschaftsnachrichten zuwenden.
Die Steigerung des Absatzerfolges kratzt die ehemalige Karrierefrau nur noch selten, wenn die kleinen Patscheh├Ąndchen Mamas Frisur neu gestalten, ihr Gesicht und ihre H├Ąnde erforschen und den wertvollen Schmuck als hilfreichen Haltegriff erachten.

Mit frisch gewickeltem Baby gegen 9.00 Uhr die erste Tasse Kaffee schl├╝rfend den Tag zu planen ist dem Termindruck im Beruf deutlich ├╝berlegen. Doch Planung ist ein theoretischer Ansatz. Wehe der, die f├╝r ihr Wohlergehen Ordnung und Regeln braucht. Improvisation ist gefragt. Selbst einem noch so anf├Ąngerfreundlichen Menschenkind haftet der Hang zum Chaos an. Wer also nachmittags noch im Nachgewand heruml├Ąuft und gegen 17.00 Uhr ans eigene Mittagessen denkt, die Haarpracht nur noch an der Luft trocknen l├Ą├čt und abends den Briefkasten leert, ist nicht etwa schlampig, sondern frischgebackene Mama.

Perfektionistinnen und Planerinnen sind echt gefordert. Wer bisher daran gew├Âhnt war, nach Feierabend auf erfolgreich erledigte Aufgaben des Tages zur├╝ckzublicken, wundert sich, was es hei├čt, abends nicht zu wissen, wo der Tag geblieben ist. Das Gesamtwerk wird erst Beachtung finden, wenn man die eigenen Kinder als „gelungen“ vorzeigen kann. Doch wann ist das so und wer merkt es ? Eigentlich nur die Seele. Die des Kindes und die eigene.
Welches Kind - besonders das Baby oder Kleinkind - interessiert sich f├╝r das m├╝tterliche Styling? Wichtiger als ihr Outfit ist ihre Zeit. Genau die, die ihr Chef auch gerne in Anspruch nehmen m├Âchte. Allerdings ist f├╝r ihn das angemessene Business-Outfit ebenfalls wichtig.

Im Laufe eines Berufslebens gilt es hier und da Vorstellungsgespr├Ąche zu meistern. Kaum eine Bewerberin kommt an den ├╝blen Fragen nach Kinderwunsch und Familienplanung vorbei. Als w├Ąre die Situation nicht schon stressig genug, wird entweder schlau umschrieben nach „Privaten Zielen“ gefragt oder plump und direkt die Frage „Wollen Sie auch Kinder?“ formuliert. Wer darauf nicht vorbereitet ist, wird dieses Brennen auf den Wangen erleben, das das Wangenrot aus jeder Schminkschatulle in den Schatten stellt. Hier ist L├╝gen ohne rot zu werden angesagt, wenn man sich den Job nicht abschminken m├Âchte.
Auch das vielgew├Ąhlte „irgendwann vielleicht mal“ l├Ą├čt sogleich Mutterschutz und Elternurlaub wie ein Damoklesschwert ├╝ber dem Haupte der Bewerberin schweben.
Nein, wild entschlossen von sich weisen, die so interessante Welt des beruflichen Erlebens je verlassen zu wollen, ist der einzig wahre unwahre Weg. Kinderlieb sei man ja, aber eigene – niemals, sagt die Favoritin mit ernster Miene.

Ist es dann geschehen, frau ist dennoch schwanger und morgens von ├ťbelkeit gequ├Ąlt, beginnt ein neues Kapitel. Die ersten drei Monate der Schwangerschaft gilt es nun zu ├╝berstehen, ohne dass der Chef argw├Âhnt, was man da ausbr├╝tet. Vor der 12. Schwangerschaftswoche gesteht kaum eine diese umwerfende Neuigkeit, um im Falle eines „Fehlstarts“ wenigstens keinen Karriereknick zu bef├╝rchten. Wer also bla├č von der B├╝rotoilette zur├╝ckkommt, keinen Kaffee mehr trinkt, den obligatorischen Freitagnachmittagsdrink ablehnt und auf Saft umsteigt, mit h├Ąufigen Stimmungsschwankungen und Arztterminen Verdacht erregt, ist schnell entlarvt. Es sei denn, alle Kollegen sind kinderlos. Dann kann eine Grippe, Allergie oder sogar eine Di├Ąt als Ausrede herhalten. Doch wehe der, die eine Mutter in der Kollegenschar hat…

Wenn schlie├člich auch der letzte in der Firma vom bevorstehenden freudigen Ereignis Wind bekommen hat, ist der Abschied in den Mutterschutz meistens nicht mehr weit. Noch ein bi├čchen Resturlaub und die M├╝hsal, jeden Morgen den runden Bauch hinter den Schreibtisch zu quetschen, hat ein Ende.
Doch jetzt geht┬┤s erst so richtig rund. Kaum ist die Zeit des Mutterschutzes angebrochen, wird das Kinderzimmer eingerichtet, das Haus umger├Ąumt, die Liste aller Notwendigkeiten erledigt. Der gl├╝ckliche werdende Vater zieht allmorgendlich hinaus in die weite Welt, daheim bleibt derweil die beh├Ąbig gewordene Gemahlin mit unbegrenztem Ideenreichtum zur├╝ck , um ein bisschen Nestbau zu betreiben. Wenn dann der Liebste von der Arbeit nach Hause kommt, wird ihn nach dem ├ľffnen der Haust├╝r v├Âllige Orientierungslosigkeit ├╝berfallen und er malt sich einen Lageplan der Wohnung, um sich noch zurechtzufinden. Doch sollte nicht auch noch die Telefonrechnung in seine H├Ąnde geraten – hiervon ist dringend abzuraten – denn sonst wird sich manch liebenswerter Schwiegermuttertraum in ein Nervenb├╝ndel verwandeln. Nur Mut, ihr armen Mannsgestalten, es kommt noch viel besser...

Ist das Baby mit Gebr├╝ll in diese Welt eingezogen und hat sich erst mal eingelebt, kommt auch bald wieder die Zeit, wo das elterliche Leben die Unterschiede zwischen Tag und Nacht erkennen l├Ąsst und die Figur der frischgebackenen Mama allm├Ąhlich in die alten Klamotten passt. Blo├č in welche ? Das Business-Outfit f├╝llt 90% des Kleiderschrankes. Man kann weder mit kurzem engem Kost├╝m auf dem Boden herumtollen, noch eignet sich der teure Designer - Blazer f├╝r die unvermeidbaren Milchfleckchen auf der Schulter. Wer stillt, wird den engen Tops nicht mehr sehr viel abgewinnen k├Ânnen, es sei denn, man mag durch-schimmernde Stilleinlagen. Eine neue Garderobe muss her. Mit etwas Gl├╝ck kauft man auch gleich die richtige Gr├Â├če. Mitunter jedoch wird die neue Kollektion in ein paar Wochen auch wieder schlapp um die H├╝ften baumeln, denn manch eine wird schlanker denn je bei diesem bewegungsreichen Leben mit einem quietschfidelen kleinen Wirbelwind.
Wenn nun auch die F├╝├če nur noch mit Gesundheitslatschen zufrieden sind, weigern sie sich in die alte schicke Schuhmode zu schl├╝pfen. Die hochhackigen Pumps muten ohnehin zu Jeans und T-Shirt etwas merkw├╝rdig an. Also wird das Baby in das praktische Tragetuch gebunden, wo es sanft durch alle verf├╝gbaren Schuhgesch├Ąfte geschaukelt wird auf der Suche nach flachen und bequemen Schuhen. In dieser Position ist Mamas Allerliebstes wenigstens vor den aufdringlichen Patscheh├Ąnden alter Tanten sicher, die immer so gerne „Du, du, du...“ machen. Quasi in den Ausschnitt wird hoffentlich keiner fassen, um das Babygesicht zu befingern.

Nach einigen Monaten oder auch Jahren intensiven Zusammenseins mit dem kleinen Sonnenschein wird die eine oder andere Mutter vielleicht wieder an eine Besch├Ąftigung im alten Job denken. Oft erweckt die Idee an Teilzeitarbeit Sympathie. Leider meist nicht beim alten Chef. So hei├čt es denn, auf ein Neues Bewerbungsunterlagen zusammentragen und Vorstellungsgespr├Ąche meistern. Aber: wer ist denn in der Zeit der Babysitter ? Welch Luxus, wenn die Oma in der N├Ąhe ist. Oder wenn der Kindsvater wohlgemut in der Mittagspause in Schlips und Kragen den Kinderwagen spazieren f├Ąhrt, be├Ąugt von schaulustigen Passanten. Und wehe, der Inhalt des munter gebl├╝mten Gef├Ąhrts br├╝llt sich gerade sie Seele aus dem Leib. Dann wird manch ein mitf├╝hlender Vorbeikommender die abwesende Mutter beschimpfen und beifallheischend den hingebungsvollen Vater mustern. Da hilft nur, sich samt schreiender Fracht schleunigst aus dem Staub zu
machen, um weiteren Beileidsbekundungen und schlauen Ratschl├Ągen zu entgehen.

W├Ąhrenddessen versucht die Bewerberin, das Vorstellungsgespr├Ąch in einigerma├čen ordentlichem Kleiderzustand und dann auch noch p├╝nktlich zu erreichen. Meist war vor Baby├╝bergabe in irgendeinem abgasgeschw├Ąngerten Parkhaus noch ein Windelwechsel auf dem R├╝cksitz erforderlich, w├Ąhrend der Hosenmatz an Muttis neuem Seidentuch nuckelt. Schlie├člich sitzt sie mit eilig ├╝berpuderten Schwei├čperlen auf der Stirn endlich im Gespr├Ąch. Und dann kommt sie wieder: die Frage, ob denn ein Geschwisterchen geplant sei. Hut ab vor der, die l├╝gen kann. Ich w├╝rde es nicht k├Ânnen........











__________________
08/2002 Heike Strobel

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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Abgesehen davon, dass ich pers├Ânlich es etwas bissiger bevorzuge, w├Ąre eine Idee, die Geschichte in mehrere Teile zu splitten und das Ganze etwas ausf├╝hrlicher zu machen.

Gut gemacht!

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herb
???
Registriert: Jul 2002

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lach, geht das noch bissiger? F├╝r mich als "Ossi" sehr interessant zu lesen. ├ťbrigens in der DDR waren fast alle M├╝tter im Berufsleben. Ich glaube mit acht Wochen, sp├Ąter wude es wohl auf zw├Âlf verl├Ąngert, kamen die Kinder in die Kinderkrippe, mit drei Jahren in den Kindergarten alles von fr├╝h morgens bis zum Abend, und die Schulen hatten f├╝r die Nachmittage Horte, alles sehr billig mit Vollverpflegung.
Die M├╝tter arbeiteten in allen Berufen wie die M├Ąnner, es gab Kranfahrerinnen, Elektriker(weiblich), selbst im Stra├čenbau hatte ich bei schwerer k├Ârperlicher Arbeit Frauen gesehen, es gab nat├╝rlich auch ├ärztinnen und Ingenieure(weiblich), aber ab Betriebsleiter waren es nur M├Ąnner, auf politische Ebene so ab Kreissekret├Ąr der SED auch nur M├Ąnner.
Die meisten M├Ąnner ├╝bernahmen die Hausarbeiten ganz fair zur H├Ąlfte, es gab aber auch viele, die gingen lieber in die Kneipe, und die Frauen mussten die Hausarbeit allein erledigen.

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hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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Heike Strobel
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

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Hallo Michael,
es ist nicht so einfach f├╝r mich, den Text noch bissiger, aber dennoch nicht verbittert klingen zu lassen. Es soll sich nicht Richtung "die frustrierten Hausm├╝tter schlagen zur├╝ck" bewegen. Aber etwas mehr ├╝berzeichnen sollte ich vielleicht schon! Vielen Dank f├╝r den Tip.

Hallo herb,
in der DDR waren die Frauen sicher so sehr daran gew├Âhnt, weiter im Beruf zu bleiben, da├č eine Entscheidung f├╝r Kinder und Familie sicherlich schon revolution├Ąr gewesen ist, wenn eine Mutter ├╝berhaupt die Wahl gehabt hat(rein finanziell), oder?. F├╝r mich jedenfalls eine Horrorvorstellung, mit acht/zw├Âlf Wochen mein Kind abzugeben. Selbst wenn ich daf├╝r Kranfahrerin sein d├╝rfte...


Herzliche Gr├╝├če, Heike
__________________
08/2002 Heike Strobel

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