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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
"Moving, just keep moving" (supergrass)
Eingestellt am 28. 10. 2005 22:47


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Mika
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„Der tanzt aber komisch“, sagt Nils über Sebastian.
„Das ist aber ein reichlich merkwürdiger Tänzer“, sagt Sebastian über Nils.

Und ich sehe mir die beiden an und stelle mal wieder fest: Männer sind doch so was von überzeugt von ihrem Tanzstil.
Sie schwingen mit einem Arm herum und überqueren dabei erst in diagonaler, dann in schräg- entgegengesetzter Richtung den Raum, wobei sie meist noch diverse Auf-und-Ab- Bewegungen, mit rückwärtsgerichteten Drehungen gekoppelt, vollführen, bei denen nicht selten ein spontanes Stampfen der unteren Gliedmaßen integriert ist.
Hört sich kompliziert an, ist es auch.
Und deshalb sieht es auch so aus, als wĂĽrden die beiden bei jedem einzelnen Schritt ĂĽberlegen, wie das noch mal war in den Nachhilfestunden bei Detlef "D." Soooooooooooooost.
Nicht daß ich generell etwas gegen solche oder andere bizarre Tanzweisen hätte - ich bin ja tolerant und aufgeschlossen gegenüber modernen Varianten der Bewegung und außerdem ist so was ohnehin Geschmackssache - aber wieso werde ich einfach nicht den Eindruck los, es handelt sich hier nicht um einen gewöhnlichen Tanzabend, bei dem der Spaß im Vordergrund steht, sondern daß es ausschließlich darum geht, dabei den Salonlöwen zu markieren und um die Frage "Wie beeindrucke ich am Besten die Frau da drüben am Tresen?"
Es scheint, als beschränkten sich die allwöchentlichen männlichen Tanzveranstaltungsbesuche auf wirklich nur zwei Aktivitäten: den gesamten Abend an der Bar verbringen oder schlecht tanzen. Die Alternative zu schlecht tanzen wäre gar nicht tanzen und dafür will man die 25 Euronen auch nicht ausgegeben haben. Also nix wie rauf auf 's Parkett und in ekstatische Zuckungen verfallen oder wenigstens den falschen Text mitgegrölt. Hauptsache nicht rumstehen, das könnte ja ängstlich und deshalb unmännlich wirken...

„Unsinn!“, meint Nils. „Stimmt doch alles gar nicht!“, sagt Sebastian.

Zugegeben, es gibt Ausnahmen: Neulich treffe ich zufällig einen tanzenden G. beim Sifi-Jazz.
Auf seine verführerische Tanzweise angesprochen, behauptet der doch, er könnte eigentlich gar nicht tanzen. Von wegen, ich glaub’ ihm kein Wort! So wie der sich bewegt, hat er doch schon mindestens zehn Tanzwettbewerbe gewonnen. Da könnten sich die Nils’ und Sebastians dieser Welt mal ein Beispiel dran nehmen.
Stattdessen fühlt mann sich bei „I’m too sexy“ von Right Said Fred immer gleich persönlich angesprochen und meint, schon allein aus diesem Grund die Hälfte des Parketts für sich
beanspruchen zu können.
Aber ich verstehe das, ich kenne das. Ich brauche auch immer mindestens zehn Quadratmeter um mich beim Tanzen frei bewegen zu können. Das hat übrigens nichts mit meiner Figur zu tun, sondern liegt ausschließlich an meinen erotisch-ausschweifenden Beckenbewegungen.

Ich habe ĂĽbrigens auch noch nie eine Frau gesehen, die schlecht tanzt, ehrlich.
Könnte man sich ja mal fragen, warum das so ist. Warum sieht es bei Männern so verkrampft oder nach diese-Körperteile-gehören-nicht-zu-mir aus und warum wird einer Frau einfach gerne dabei zugeschaut ?
Liegt es an der generell fehlenden männlichen Begabung sich instinktiv in irgendwas hineinzufühlen? Oder befürchten sie vielleicht, wir zögen beim Tanzen unbewusst Rückschlüsse auf ihre sexuelle Begabung und könnten sie möglicherweise für hypersensible Memmen oder homosexuell halten?
Ich habe keine Ahnung, aber wahrscheinlich sind wir Frauen einfach schon von Natur aus die anmutigeren Wesen. Und: wir denken nicht darüber nach, wie wir tanzen (weil es uns völlig Schnuppe ist, ob es elegant wirkt oder anrüchig und provokativ - prinzipiell jedenfalls). Man kann da durchaus existenzialistische Tendenzen bei uns beobachten, wir sind die Musik, der Takt, der Rhythmus, das Tanzen und tun es eben einfach.
Sobald wir den Saal betreten haben, stürmen wir auf die Tanzfläche, selbst wenn gerade DJ-Bobo gespielt wird. Das ist ja auch ganz logisch. Schließlich wollen wir doch alle irgendwie dem Mann hinter den Turntables imponieren. Und solange er nicht seine eigenen tänzerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen muss, finden wir ihn auch reizvoll, attraktiv und interessant. Doch wehe er setzt selbst auch nur einen Fuß auf die Tanzfläche, dann war’s das. Dann ist er aus der Traum vom Mann mit einem Sinn für Ästhetik, mit Rhythmus im Blut und Feuer unterm Hintern, mit Taktgefühl in jeglicher Hinsicht. Dann schleppen wir uns morgens um halb sieben ermüdet nach Hause, verfluchen unsere Schuhe und werden uns unserer Illusion hinsichtlich männlicher Tanzkompetenz bewusst. Oder auch nicht. Ich meine, vielleicht geht das ja alles nur mir so. Vielleicht gehe ich in die falschen Tanzlokale und beobachte die falschen Leute oder vielleicht haben Nils und Sebastian doch irgendwie Recht. Was weiß ich... Am Wochenende eröffnet hier jedenfalls ein neuer Club, ich freu mich schon.


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sohalt
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Locker flockig geschrieben, könnte man bedenkenlos in jeder Frauenzeitschrift abdrucken und ich schätze, für diese Zielgruppe wurde es ja auch geschrieben. Das ist ein Text, der weiß, was er will und das auch schafft. Also Lob.

Natürlich gehört das genüßliche Sich-Suhlen in Klischees quasi zur Textgattung, also den folgenden Einwand nicht allzu ernst nehmen...

Es ist nur so, ich fühle mich persönlich fast ein wenig angepisst, weil: Ich bin nämlich eine Frau und kann _überhaupt_ nicht tanzen. (Natürliche Anmut? Ha. Ha.) Wird mir jetzt meine Weiblichkeit abgesprochen?

nix fĂĽr ungut,
die Sohalt.
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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de différence entre les hommes. (Pascal)

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Mika
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Also an Frauenzeitschriften-LeserInnen als Zielgruppe hatte ich eigentlich nicht gedacht (wehre mich auch prinzipiell dagegen, etwas mit dieser Art von Lektüre zu tun zu haben). Handelt sich eher um meine persönlichen Erfahrungen - wenn die gängigen Klischees entsprechen, na gut, kann ich nichts machen...

Die Art von Bescheidenheit, die du mit deinem Einwand an den Tag legst, ist doch sehr bezeichnent für Frauen (und meistens sind das dann die Frauen, die eigentlich ganz besonders gut tanzen können) - im Gegensatz zu den Herren der Schöpfung eben, die sich ja ständig rühmen, angeblich gut tanzen zu können.

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sohalt
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Nö. Keine Bescheidenheit.
Mein Nicht-Tanzen-Können wurde mir auch bereits von objektiver Seite bestätigt.
(Er so: Du tanzt aber auch wirklich sauschlecht.
Tja. In vino veritas.)


Das mit der Frauenzeitschrift hab ich nett gemeint, nehms aber auch gern wieder zurĂĽck.
(Ich les das in Wahrheit ja sowieso nicht, also kann ichs ja wohl auch gar nicht so genau wissen.)
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jon
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Ich finde den Text unterdurchschnittlich. Weil:
Ich bin keine Tanzlokal-Geherin, ich weiß nicht, wie „die Männer“ tanzen (, aus meiner Studentenzeit hab ich aber gar keine grausligen Erinnerungen daran). Das Problem, das sich daraus ergibt: Ich seh es auch im Text nicht. Du SAGST es mir, aber ich kann es dir nicht glauben. Auch, dass „der G. beim Sifi-Jazz“ – was immer dieser Code bedeutet – toll tanzt, behauptest du lapidar nebenbei, so dass ich mich als Leser nicht entscheiden kann, ob "der G." mit "ich kann nicht tanzen" wirklich Bescheidenheit zeigt oder ob du nur durch ein kräftige Pheromonwolke blind gemacht wurdest. Ich bin mir auch nicht sicher, ob du im Frauen-Teil etwas ironisch meinst (und wenn ja, was genau). Der Schlenker mit dem "dem DJ imponieren" erscheint mir ebenfalls ein wenig krude (, wenn es um den geht, was guckst du da nach den anderen?) und zu speziell (, denn das betrifft doch nur die Frauen, die den Typen anhimmeln, was maximal 1/3 der Frauen ausmacht – je nach Typ des DJ ein anderes Drittel, aber eben immer nur eines –, während im Männer-Teil "die Frau da drüben am Tresen" für viele Frauen steht und also durchaus 3/4 der männlichen Tänzer meinen kann).
Ja wenn ich wenigstens erführe, was dich so "aufregt", was dich so stört, warum es dir dieses „typisch männliche Defizit" so sehr bewusst ist … Irgendwas, was dieser Beobachtung Bedeutung verleiht, so dass es wert ist, darüber auch nur eine Minute lang nachzudenken, statt es achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen…
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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knychen
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widerspruch

hallo mika,
über den text selbst möchte ich nichts sagen - er hat mich nicht berührt, war nicht mein tonfall, mein satzbau, etc, das ist aber kein urteil - aber zu der these, männer können eh nicht tanzen, muß ich einen spruch machen.
unter tanzen verstehe ich NICHT rhythmische bewegungen nach vorgeschriebenen schrittfolgen und solchen belastenden kram. wenn du mal an einem wochenende in berlin bist, dann fahre nach mitternacht zum bahnhof schöneweide und wenn du dort aus dem haupteingang trittst, hörst du von schräg rechts gegenüber laute musik. die kneipe heißt "eisenbahner" und macht eigentlich nur am wochenende umsatz. ab mitternacht legt peter mit viel gespür für die leute auf, querbeet, außer techno. da kannst du männer tanzen sehen. aber nicht immer, es muß 'ne gute nacht sein. und wenn du früh um sieben aus dem laden fälllllst, wirst du dich fragen: verfluchte scheiße, wo war ich die ganze zeit?
gruĂź aus berlin sagt knychen
__________________
kny

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