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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
"The Prestige" (2. Versuch)
Eingestellt am 08. 01. 2007 11:57


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jon
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(Spoiler-Warnung: Wer ganz ganz sicher gehen will, dass er die Überraschungsmomente des Films im Kino voll auskosten kann, sollte jetzt nicht weiter lesen. Weniger Gefahr läuft man in der ersten Version der Rezension: Hier klicken)


The Prestige

Ich würde Ihnen gern etwas über „The Prestige – Meister der Magie“ erzählen, etwas, das Sie bewegt, ins Kino zu gehen. Am besten sofort. Aber alles, was ich verraten darf, damit der Film nicht „kaputt geht“, wird Sie nur überzeugen, wenn Sie ein Fan sind.

Wenn Sie ein Fan von History-Kostüm-Thrillern sind, dann sind Sie bei „The Prestige“ richtig, denn der Film spielt um 1900 und ist üppig in dem Stil illustriert, den man heute mit jenen Jahren zwischen Adels-Hochzeit und rasant fortschreitender Industrialisierung verbindet. Erzählt wird die Geschichte zweier Magier. Der eine - Robert Angier (Hugh Jackman) – glaubt den anderen – Alfred Borden (Christian Bale) - schuldig am Tod seiner Frau. Aus diesem Hass erwächst ein beruflicher Zweikampf der schließlich bei Bordens „Der Transportierte Mann“ seinen Höhepunkt erreicht. Dabei betritt Borden alias „Der Professor“ auf einer Seite der Bühne eine frei stehende Box und kommt im nächsten Augenblick am andern Ende der Bühne aus einer zweiten, anscheinend durch nichts mit der ersten verbundenen Box wieder hervor. Angier jagt diesem „Trick aller Tricks“ nach. Bis zum entsetzlichen Finale.

Wenn Sie in Fan von Menschenstudien sind, dann sind Sie bei „The Prestige“ ebenfalls richtig. Vor allem Besessenheit wird hier aufs Trefflichste studiert.
   Da wäre Alfred Borden, der – so will es der Film, mir als Laien entgehen da jedoch die Feinheiten – ein begnadeter Magier ist und zwar in jeder Hinsicht: Er beherrscht das Handwerk und er ist besessen davon, neue, noch nie da gewesene Tricks zu entwickeln beziehungsweise existierende Tricks bis an den Rand des Machbaren zu perfektionieren. Vom Beginn des Filmes an ordnet er alles diesem Ziel unter, nur ein einziges Mal ist es umgekehrt, dort nämlich, wo Borden seine zukĂĽnftige Frau mit einer frĂĽhen Form des „Transportierten Mannes“ bezaubert.
   Bordens Gegenspieler ist Robert Angier. Die beiden waren Helfer in einer Magier-Show, die - was sozusagen die technisch-organistorische Seite angeht – von Cutter betreut wurde. Schon damals war Angier fasziniert von dem GefĂĽhl, das einem „Star“ auf der BĂĽhne vom Publikum entgegen kommt. Als seine Frau – Assistentin in eben jener Show – auf der BĂĽhne ums Leben kommt macht diese Besessenheit aber vorerst einer anderen Platz: Angier ist sicher, dass Borden Schuld an dem Unfall war, und will ihn zu einem Geständnis zwingen. DafĂĽr schreckt er nicht davor zurĂĽck, Bordens Zaubershows zu sabotieren, ja sogar, ihn dabei zu verletzen.
   Was dann folgt, ist ein gegenseitiges sich die Tricks stehlen und die Shows verderben. Dass diese Besessenheit, den jeweils anderes vom Thron des „Besten Magiers“ zu stĂĽrzen, längst nichts mehr mit dem Tod von Angiers Frau zu tun hat, wird dem aufmerksamen Beobachter nach und nach klar. Denn was hat es noch mit „Gesteh endlich!“ zu tun, wenn Angier den „Transportierten Mann“ nicht nur fĂĽr seine Show kopiert und viel schowwirksamer darbietet, sondern um jeden Preis dahinter kommen will, wie Borden „es“ macht?
   Besessen ist auch Nicola Tesla (David Bowie). Diesen Mann gab es wirklich, wie Sie sich vielleicht noch aus dem Physikunterricht erinnern, und er galt und gilt zum einem als genialer Erfinder in Sachen Elektrizität und ihre Anwendungen, zum anderen umschwebt ihn aber eben jener Ruf des nicht ganz realitätsnahen Weltverbesserers. („Nicht ganz realitätsnah“ sind ĂĽbrigens auch die Erfindungen, die der Film-Tesla zur Handlung beisteuert.) In dem Film nun ist Tesla bereits zu der Erkenntnis gelangt, was Besessenheit anrichten kann, es gelingt ihm jedoch nicht, Angier die Gefahr klar zu machen. Mehr noch: Er kann sich der Idee selbst nicht entziehen und lastet – so sehr er sich auch sträubt – Mitschuld am Geschehen auf.
   Zu den Opfern der besessenen Magier gehören vor allem ihre Frauen. Es beginnt bei Angiers Ehefrau und trifft später auch seine Geliebte und Assistentin Olivia, die er zum Werkzeug seiner Pläne degradiert und damit in Bordens Arme treibt. Borden wiederum „opfert“ – die Warnsignale ignorierend – seine Ehefrau und – den selben Fehler wiederholend – auch Olivias Liebe.
   Nur Cutter scheint frei von Besessenheit. Er ist – obwohl er in der Geschichte mitspielt – so etwas die Personifizierung des Zuschauers. Anders als es mir ging, hat er sich aber offenbar einen Schutzmantel zulegen können, unter dessen Kapuze hervor er zwar sehen kann, was passiert, an dessen Oberfläche aber die Erkenntnis und ihre Tragweite lange Zeit abperlen. Als Cutter begreift, als sein Mantel durchnässt ist, steht er fĂĽr einen winzigen Moment wie erstarrt. Dann zieht er den Mantel aus, wirft ihn samt der Erkenntnisse fort und zieht einen neuen an. Was er gesehen hat und was er getan hat, ist damit zwar nicht gelöscht, aber sein Inneres ist wieder gut eingehĂĽllt.

Wie Sie bemerkt haben, sind auch alle Fans von Magie und Illusionen in „The Prestige“ gut aufgehoben. Dabei sind es aber wohl weniger die Tricks selbst, die dort auf die Bühne gebracht werden, die für Erstaunen sorgen – irgendwie hat man das alles schon mal gesehen und außerdem kann mit moderner Film-Technik ja bekanntlich nahezu unbegrenzt getrickst werden. Es ist die Atmosphäre des Film, die so gut passt. Und es ist das hervorragende Spiel mit der Täuschung. Wie bei der „Münze hinter dem Ohr“: Man sieht zwar, was passiert, aber man hat – wenn man den Trick nicht kennt – kaum eine Chance, zu sehen, was wirklich passiert. Und selbst wenn man den Trick kennt, weiß man zwar, was wirklich passiert, aber es sieht immer noch so aus, als erschiene die Münze aus dem Nichts.

Und falls Sie nun noch immer nicht überzeugt sind, dass Sie „The Prestige“ unbedingt sehen müssen, lassen Sie mich an Ihre Lust auf grandiose Schauspieler appelieren! Schauen Sie sich Christian Bale an, wie er Bordens Zweispalt, seine Zärtlichkeit und seine Abgründe darstellt! Schauen Sie sich Scarlett Johannsen an, wie sie in ihrer Nebenrolle Olivias Inneres gefrieren lässt! Schauen Sie in Michael Caines Gesicht, der Cutter ein bisschen verschmitzt, ein bisschen besessen, ein bisschen gutmenschentümlich und ein bisschen entsetzt sein lässt. Und bitte bitte schauen Sie auf Hugh Jackman: Schauen Sie, wie er am Anfang der absolut glaubwürdige „große Lausbub“ ist, wie er sich später im Publikumserfolg sonnt (selbst unter der Bühne versucht er es), wie er blind wird vor Besessenheit und wie er wütend wird. Schauen Sie, wie er seinen eigenen Doppelgänger spielt und dabei all das wegwischt, was man an Angier als „typisch Hugh Jackman“ definieren möchte und was es vielleicht auch ist. Schauen Sie sich an, wie Angier seinem Tod entgegensieht. Und ich meine damit weniger den Mord, den man Borden anlastet, und erst recht nicht den, den Borden tatsächlich begeht …


Filmografisches:
The Prestige - Meister der Magie
(USA 2006 - "The Prestige")
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Hugh Jackman (Robert Angier), Christian Bale (Alfred Borden), Sir Michael Caine (Cutter), Scarlett Johansson (Olivia Wenscombe), David Bowie (Tesla) u.a.


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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Version vom 08. 01. 2007 11:57
Version vom 05. 04. 2009 14:21

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Bad Rabbit
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Ich bin vielleicht nicht der Experte, aber besteht die Kunst einer Filmrezension nicht darin, den Zuschauer neugierig zu machen, ohne wichtige Details ĂĽber die Handlung zu verraten?

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Ein Wolf im Schafspelz bleibt trotzdem ein Wolf.

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jon
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(Redakteur: Bad Rabbits Frage ist so gut, die hab ich mal wieder eingeblendet …)

Das ist in der Tat die Crux bei Filmen wie diesem …

Das Aufgabengebiet von Rezensionen reicht von "auseinander pflücken, analysieren, interpretieren, Verbindungen herstellen" an einem Ende der Skala bis zum "begründeten Film/Buch/Hörtipp" am anderen Ende. Das erste ist eine Art "Würdigung des Werkes" und kann alles nennen, das andere ist eher "Werbung" und darf den Genuss nicht verderben.

Wenn, wie hier, ein großer Teil des "Wow!" auf den Finessen der Handlung beruht, wird es schwer. Es hat sich eingebürgert, dass man eine Spoiler-Warnung voranstellt, wenn man sich nicht sicher ist, ob man nicht zu viel verrät (, oder wenn es gar nicht als Tipp sondern als "lasst uns über den Film reden!" {oder Lexikon-Eintrag oder so} gemeint ist). Das ist kein guter Kompromiss, das muss ich zugeben, aber mir fällt kein anderer ein. Tipps?

Vielleicht kann mir (später) mal jemand, der erst das hier las und dann den Film sah, mitteilen, ob ich tatsächlich zu viel verraten habe …
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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lapismont
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Hallo Jon,

das ist ja mal eine interessante Rezension! Sehr unterhaltsam geschrieben, wenn ich auch das "Sie" nicht so mag.
Es ist immer schwer, einem Film gerecht zu werden, der am Mainstream vorbei produziert wird.
FĂĽr mich hat Deine Rezension den Mehrwert, dass Du auf Dinge eingehst, die mir beim ersten Sehen nicht so wichtig waren.
Etwa die Gesichter. Ich habe viel zu sehr das Buch gesucht.
Wahrscheinlich vermisste ich deshalb etwas Präsenz bei den Frauen.

Aber Deine Rezi verfĂĽhrt ja regelrecht dazu, den Film erneut zu schauen!

cu
lap, der die Archivauflösung sehr spannend findet
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Kunst passiert.

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