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Leselupe.de > Humor und Satire
"no time to stop"
Eingestellt am 15. 09. 2003 09:26


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pleistoneun
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Streifenpolizist Jacob J. Cop fuhr gerade die 118th Mittelstreifen-Avenue entlang, als dieser azurblaue Wagen in affenartiger Geschwindigkeit an ihm vorbei raste - aber rechts bittesch├Ân. Im Augenwinkel konnte er am Heck des Fahrzeugs noch einen provokanten Aufkleber ausmachen "no time to stop". So schnell konnte man gar nicht schauen, hatte der gewissenhafte Jacob seine Signalh├Ârner aufgesetzt und auf volle Lautst├Ąrke gestellt, denn jetzt gab┬┤s allen Anschein nach mal endlich wieder eine ordentliche Verfolgungsjagd.

Nach zwei Stunden Reifenquietschen, Abgasqualm und Menschengekreische hatte sich Jacob um einige Zentimeter an das Fluchtfahrzeug herangetastet. Im Tiefflug verfolgten drei Helikopter und ein Hubschrauber den Fl├╝chtigen, der es sehr eilig zu haben schien und nicht im Entferntesten daran dachte, anzuhalten. Dutzende Polizeifahrzeuge bedr├Ąngten von allen Seiten den azurblauen Wagen, dessen erkl├Ąrtes Ziel es zu sein schien, nicht irgendeinen Fluchtort zu erreichen, sondern einfach in Bewegung zu bleiben. Nach vier Stunden Hetzjagd rollten die ersten Streifenw├Ągen mit leerem Benzintank von der Stra├če. Offensichtlich hatte nur Streifenpolizist Jacob dieses Pflichtbewusstsein, seinen Wagen vor Dienstantritt immer vollzutanken. Jetzt machte sich dieses Dekorum bezahlt. Jacob verfolgte trotz seiner Beharrlichkeit auch Benzin sparend. S├Ąmtliche Lufthilfe war schon l├Ąngst der Treibstoff ausgegangen und im R├╝ckspiegel sah er nun auch den letzten Kollegen Jeffrey klein beigeben und ausrollen. So: nun gab es nur noch diesen Irren im azurblauen Wagen und Jacob, den tollk├╝hnen Streifenpolizisten. Aber auch er musste jetzt Acht geben und die Benzinanzeige im Auge behalten. Es k├Ânnte knapp werden, er musste sich etwas einfallen lassen. Wie k├Ânnte er diesen Wahnsinnigen blo├č stoppen?

Das zentimeterweise Ann├Ąhern war nicht Erfolg versprechend, polizeiliche ├ťbermacht auch nicht und die Lautsprecherdurchsagen "Bitte fahren Sie jetzt rechts ran" versickerten ebenfalls in den Wirren der Treibjagd. Doch dann fiel sie ihm ein: seine Marie-Ann, seine Braut im Halfter, seine Schusswaffe. Er z├Âgerte nicht lange und ballerte wie wild das 24-Schuss-Magazin leer; im Pistolenrauch konnte er zuerst nicht erkennen, ob er getroffen hatte, erkannte aber sofort, dass der Qualm nicht mehr von seiner Waffe kam, sondern vom Verfolgten. Yes! Der azurblaue Wagen rollte langsam an den Stra├čenrand. Das Problem, dem sich Streifenpolizist Jacob nun gegen├╝ber sah, war eine leere Schusswaffe, mit der er wohl kaum einen Verbrecher dieser Kategorie erschrecken k├Ânnte, aber zum Bedrohen reicht┬┤s.

Gerade als Jacob seinen Wagen verlassen wollte, bemerkte er eine ungew├Âhnliche K├Ârperschwere, ein seltsam bleiernes Gef├╝hl in Armen und Beinen. Er sp├╝rte, dass dieses Gef├╝hl sich auf seine Bewegungen und Wahrnehmungen ausweitete und ihn jetzt daran hinderte auszusteigen. Tats├Ąchlich sa├č er nun bewegungsunf├Ąhig im Wagen und sah noch, wie die Menschen auf den Stra├čen und die Fahrzeuge ebenfalls von dieser Schwere betroffen zu sein schienen. Jacob J. Cop, dieser ├╝bereifrige Polizist, hatte in seiner Verfolgungslust den Fahrer gestoppt und damit weltweit das Leben Stillstand gebracht. Um genau 14:27:11 Uhr mittelamerikanischer Zeit h├Ârten alle Uhren auf zu ticken, erlosch das pulsierende Leben in den Stra├čen und stellte der Tag sein Leben ein. Was Jacob J. Cop geschafft hatte, war den Fl├╝chtigen anzuhalten; was er aber nicht wissen konnte: der Fahrer war die Zeit auf ihrem unbestimmten Weg in die Zukunft. Und da die Zeit nun selbst f├╝r sich still stand, gab es keine M├Âglichkeit mehr, sich selbst aus sich heraus zu beleben.

Und nur weil so ein Streifenpolizist mal wieder ├╝bereifrig war, musste der liebe Gott den "Reset-Knopf" der Sch├Âpfung dr├╝cken.
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Der Zusammenhang zwischen Eile und Zeit ergibt sich meiner Meinung nach nicht zwingend im Text, daher kommt das Ende ein wenig ├╝berraschend und unbefriedigend.

F├╝r mich, aber vielleicht habe ich den Knackpunkt ├╝berlesen?

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pleistoneun
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Es geht ja eigentlich nur darum, mal zu ├╝berlegen, was passiert, wenn die Zeit still steht. Sie kann sich ja nicht - wie beschrieben - aus sich selbst wieder zum Laufen bringen, was dazu f├╝hrt, dass alles einfriert. Naja, und dann muss - wie bei einem Systemcrash - der Himmelvater mal wieder einen Neustart machen. Man kann sich zus├Ątzlich ├╝berlegen, was passiert, wenn der Polizist die Zeit ├╝berholt h├Ątte, er w├Ąre also der Zeit voraus gereist. Was daraus resultiert, sagt uns wie immer unser ALBERT EINSTEIN.
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Der Punkt mit dem ├ťberholen w├Ąre besser gewesen, vor allem was pleistoneun dazu sagt. Wen interessiert schon Einsteins Meinung?

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Gibts hier eine Philosophieabteilung?

├ťberholen: okay. Aber, wenn ich richtig ├╝berlege, ist der Polizist beim ├ťberholen der Zeit dann in der Zukunft und steht dann au├čerhalb aller vorhandener Materie, weil ja die Zeit erst durch das Voranschreiten jede Sekunde die Welt zu schafft. Er befindet sich im leeren Raum. Insofern w├Ąre er entweder in einem Paralleluniversum, au├čerhalb der Materie oder tot. Und ganz so fiktiv wollte ich es dann ja doch nicht werden lassen. Danke aber f├╝r┬┤s Mit├╝berlegen.
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Er ├╝berholt die Zeit, existiert dann eigentlich zweimal, ein Zeitparadox. Er kann ja dann die Zeit nicht anhalten, da er ja auch gleichzeitig hinter ihr her ist und die Zeit stoppt auf Grund dieses Zeitparadox. Gott nimmt dann den Reset-Knopf und f├Ąngt am Ursprung an. Es werde Licht. Oder der gro├če Knall.

Ist auch nicht fiktiver, oder?

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pleistoneun
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Ja, genau. Aus der Sicht unserer Herrgotts schaut das so aus, als h├Ątte ein "Fehler in der Matrix" *g...├Ąh.. ein Fehler im Sch├Âpfungsprogramm (der ├╝bereifrige Polizist) dazu gef├╝hrt, dass die immerw├Ąhrende, treibende Kraft (die Zeit) zum Erliegen kommt und er dann "reseten" muss. Ob es den Polizisten dann 2x gibt, ist sekund├Ąr oder Thema einer weiteren Abhandlung. Magst du eine Geschichte dar├╝ber schreiben, jetzt, wo wir das Prinzip schon so tief diskutiert haben ?*g.
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