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Leselupe.de > Kurzgeschichten
... und plötzlich ist Weihnachten!
Eingestellt am 02. 12. 2003 08:29


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Gabi Gennrich
Hobbydichter
Registriert: Jul 2003

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... und plötzlich ist Weihnachten!

Der Wecker schrillte an diesem trüben Morgen besonders laut. Er zog sich die Decke über den Kopf, drehte sich noch einmal auf die andere Seite und murmelte: „Wie ich das hasse, das frühe Aufstehen!“ Der Wecker gab nicht auf.
Das erneute Klingeln erschien noch viel auffordernder, sich nun endlich aus dem Bett zu erheben.

Er schwang die Beine aus dem Bett. Rund um ihn herum war absolute Stille. Er sah auf das Bett neben ihm. Ganz ordentlich war bereits die Bettdecke gefaltet und es schien auf den Abend zu warten, um endlich wieder benutzt zu werden. Er ging ins Bad. Etwas schien an diesem Morgen anders zu sein. Das ganze Haus war, entgegen der sonstigen Tage, von einer besonderen Stille. Er duschte, rasierte sich, nahm Hemd und Hose aus dem Schrank und zog sich für den normalen Büroalltag an.

Er war verwundert, denn sonst legte seine Frau immer Hemd und Hose bereit, weil sie wusste, dass er morgens noch nie so recht munter war. Dann ging er in die Küche. Alle möglichen Düfte kamen ihm entgegen; der Duft von frischem Kaffee, gebratenen Eiern und Toast. Doch zwischen all diesen gewohnten Düften war etwas Besonderes; etwas, das anders roch als an den üblichen Tagen, doch ihm wurde nicht bewusst, was es war. Er griff nach der Morgenzeitung, die wie auch sonst üblich an seinem Platz lag.
Auf dem Titelbild sah er eine festlich beleuchtete Einkaufsstraße und er las die Überschrift: „Das Weihnachtsgeschäft boomt“.
‘Ach ja’, dachte er bei sich, ‘es ist ja bald Weihnachten und ich habe noch immer keine Geschenke für meine Familie. Vielleicht schaffe ich es ja heute einmal im Internet nach etwas Passendem zu suchen.’ Er schlürfte seinen Kaffee, stocherte in den gebratenen Eiern und verzehrte den Toast so nebenbei. Schließlich stand er auf, auf ein neues verwundert, dass sich niemand aus der Familie am Frühstückstisch hatte sehen lassen, tat es aber mit der allgemeinen Begründung ab, dass die Kinder wohl erst später zur Schule müssten und seine Frau wohl schon unterwegs war. Gesagt hatte sie allerdings nichts.
So machte er sich auf den Weg zur Arbeit.

Auf den Straßen war nicht viel los.
‘So müsste es immer sein’, dachte er, denn meistens stand er im Stau und erreichte mit Mühe seinen Arbeitsplatz zur vorgeschriebenen Zeit. Darüber war er glücklich, denn so konnte er noch vor Arbeitsbeginn schnell das Internet nach Weihnachtsgeschenken durchsuchen. Er parkte das Auto in der Tiefgarage, die bis auf wenige Parkplätze leer war. ‘Was ist das heute für ein komischer Tag?’, fragte er sich. ‘Sonst streiten sich alle um die besten Parkplätze.’ Seine Schritte hallten durch das leere Parkhaus als er zum Fahrstuhl ging. Er drückte auf den Knopf. Leise öffnete sich die Fahrstuhltür. ‚Sonderbar’ fuhr es ihm durch den Kopf, ‚sonst musste man ewig auf den Fahrstuhl warten.
Sanft setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung. Aus dem Lautsprecher klang weihnachtliche Musik. Auch das noch! Überall wurde man daran erinnert, dass Weihnachten kurz bevor stand. Mit einem kurzen Ruck hielt der Fahrstuhl in der Büroetage. Als sich die Tür öffnete, blickte er zum Empfangstresen. Dort saß jemand, versteckt hinter einer Zeitung, deren Schlagzeile ihm sofort ins Auge sprang: „...und plötzlich ist Weihnachten!“

Er stöhnte leise auf. In diesem Moment sank die Zeitung herab und ein erstaunter Pförtner sah ihn sprachlos an. Zögerlich kam ein „Guten Morgen“ über die Lippen. Er nickte kurz mit dem Kopf und eilte in sein Büro. Glücklicherweise war hier alles beim alten.
Die Telefone klingelten, Faxgeräte piepsten, Drucker arbeiteten surrend und doch war es als vereinigten sich alle Geräusche zu einer Melodie, die wie „Jingle Bells“ klang. Er schüttelte den Kopf. Jetzt wurde ihm klar – er brauchte dringend Urlaub. Der Stress der letzten Wochen und das vorweihnachtliche Geschehen um ihn herum, hatten ihn völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Er nahm sich vor, die Feiertage zum Ausspannen zu nutzen.

Seine Aktentasche flog auf den Schreibtisch, sein Mantel an den Kleiderständer, an dem sonderbarerweise kein anderer Mantel hing. Er öffnete seine Tasche, nahm Kalender, Stift und Brille heraus, schloss sie und stellte sie beiseite.
Schnell auf den Startknopf des Computers gedrückt, sollte sein Arbeitstag beginnen, doch der Bildschirm blieb dunkel. Hastig hämmerte er auf einigen Tasten herum, doch es passierte nichts. Er griff zum Telefon, wählte die Nummer der Serviceabteilung und blickte während es in der Leitung klingelte, gebannt auf seinen Bildschirm. Dort erschien ein kleiner roter Punkt, der größer und größer wurde. Da sich die Serviceabteilung nicht meldete, legte er auf und starrte wir magnetisiert auf den jetzt schon recht großen roten Punkt auf seinem Bildschirm.

Es dauerte einige Sekunden bis er erkannt hatte, dass es sich um eine rote Weihnachtsmannmütze handelte. ‚Oh nein, welcher Scherzbold hat das auf meinen Bildschirm geladen?’ waren seine Gedanken. Er drückte wieder auf einige Tasten, doch die rote Mütze verschwand nicht vom Bildschirm. Nein, sie drehte sich sogar und er blickte in das Gesicht des Weihnachtsmannes.
Unter dem Gesicht erschien wie von Zauberhand eine Schriftzeile: „Was machst Du heute im Büro?“ ‚Na was wohl? Arbeiten, Du Witzbold!’ antwortete er in Gedanken und versuchte erneut durch das wahllose Drücken von Tasten endlich das richtige Programm zu öffnen.

„Heute?“ stand plötzlich auf dem Bildschirm und das Gesicht des Weihnachtsmannes sah fragend aus. ‚Himmel, was geht Dich das an?’ war seine gedankliche Antwort. „Heute ist Weihnachten!“ erschien in großen, leuchtend roten Buchstaben. Er schüttelte den Kopf und fragte sich, wieso sein Computer heute ein Eigenleben zu haben schien.
‚Weihnachten, das ist doch erst in ein paar Tagen’. Er dachte angestrengt nach.
„Nein – HEUTE !“ erschien die Antwort auf dem Bildschirm. ‚Heute?’, ganz langsam machten sich Zweifel breit. „Ja, heute ... und DU hast es vergessen!“

So langsam wurde ihm einiges klar: Die Stille zu Hause und der besondere Duft, die freien Straßen, das leere Parkhaus, der verwunderte Blick des Pförtners.
Ihm wurde heiß und kalt – er hatte keine Geschenke für die Kinder und seine Frau und war außerdem am Weihnachtsmorgen ins Büro gefahren. Er merkte wie ihm der Schweiß auf die Stirn trat. Schnell flitzen seine Finger über die Tasten. Irgendetwas musste doch zu arrangieren sein. Doch welche Seite er auch immer anklickte, überall Weihnachtenswünsche und der Hinweis auf die Feiertage.

Er sackte in seinem Schreibtischstuhl zusammen, Schweiß stand auf seiner Stirn.
‚Einfach den Computer ausschalten’, dachte er, ‚dann ist wieder alles in Ordnung und vielleicht doch einmal ein bisschen weniger arbeiten.’ Doch auf dem Bildschirm erschien erneut der Weihnachtsmannkopf. „Ho, ho, ho – Weihnachten findet ohne Dich statt!“
„Nein, nein!“, rief er jetzt laut in den Büroraum...... Dann wurde es dunkel.

Er hörte Kinder weihnachtliche Weisen singen und auch der köstliche Weihnachtsduft stieg wieder in seine Nase.

„He, Papa! Willst Du heute gar nicht aufstehen? Und mit wem hast Du da eben gesprochen?“ Seine Kinder standen vor seinem Bett. „Heute ist Weihnachten, hast Du das vergessen?“ quäkte sein Jüngster.
„Natürlich nicht!“ antwortete er nachdenklich. ‚Beinahe doch...’, dachte er im Stillen.
Die Kinder zogen ihn aus dem Bett und in das Wohnzimmer. Dabei fiel sein Blick auf seinen häuslichen Arbeitsplatz mit Computer und Monitor. Er traute seinen Augen kaum, auf dem dunklen Bildschirm tanzte eine rote Weihnachtsmannmütze auf und ab. „He, Papa. Wir haben Dir einen neuen Bildschirmschoner installiert, damit Du auch einen weihnachtlichen Computer hast“, erklärte ihm sein ältester Sohn. ‚Dann war das alles doch bloß ein Traum?’ Sicher war er sich aber nicht mehr.


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