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Leselupe.de > Horror und Psycho
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Eingestellt am 09. 02. 2003 01:41


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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

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Wähle 666, unter dieser Nummer verrichten wir Dienstleistungen.
Und zwar jeglicher Art, wir verfügen auch über Referenzen, nur wird keiner unserer Kunden gerne Auskunft geben. Wir sind einfach zu gut.

Nehmen wir Hubert, nicht nur, das er seinen Namen hasst, nein, auch sämtliche körperliche Bewegung widerstrebte bisher seinem natürlichen Wesen.
Aber genau diese Leute landen eher früher als später bei uns, Gemütsmenschen solcher Art gehören zu unserer Klientel.
- Wieder nur die übliche Werbung -, werden sie jetzt denken, aber bedenken sie doch, wir sind ein ganz alteingesessenes Unternehmen. Also nehmen sie sich die Zeit, und lassen sich ruhig von mir persönlich unsere Produkte und Zahlungsmöglichkeiten vorstellen.
Kehren wir nun zu Hubert zurück, ich erzähle ihnen, wie wir sein Leben angenehmer gestalten und wie überaus zufrieden er doch mit uns ist.
Hubert lag gern bequem auf dem Sofa, am liebsten den ganzen Tag bis in die Nacht, lieber noch bis zum frühen Morgen, wenn das TV – Programm danach wahr. Das war eines nachts besonders schlecht, jede Menge Soap-Operas, Wiederholungen vom frühen Morgen und dazu die ewigen Quassel-Sendungen vom späten Nachmittag. Wir sahen von selbst ein, das mussten wir ändern, also schalteten wir unsere Werbung dazwischen, die ansonsten immer läuft, zwischen 24.00 und 0.00 Uhr. Darin wird vorgestellt unser Slogan: Wähl die Zwölf, die Drölf und dreimal die Sechs, dein Leben fluppt fortan wie verhext. Sauberer Satz, nicht! Das merkte auch Hubert, der es nicht schaffte, mit seinen wundgelegenen Hintern den Weg vom Sofa ins Bett zu schaffen; also griff er zum Telefon und rief uns an.

Er erklärte unserer netten Call-Assistentin sein Problem. Für die Nacht wünschte er zünftigerweise einen Horrorfilm zu sehen, und da wir mitdenken, fragten wir, ob es jemanden gäbe, den er ganz besonders nicht leiden mochte. – Aber ja, den gibt es, meinen Chef, oder eher noch die ganze Firma -, sagte er. Nun, kein Problem für uns, er bekam seinen Horrorfilm zu sehen. Als Darsteller nahmen wir gleich die Belegschaft des Unternehmens, bei dem er beschäftigt war. Sie wurden alle blutig dahin gemeuchelt, bis keiner mehr übrig war; das brachte ihm zwar als einzigen Überlebenden einige Zeit in Untersuchungshaft, dafür hatte Hubert aber vorerst ein beschauliches Leben ohne viel Stress. Ja, oder nicht! Sind wir nicht Top in Preis und Leistung?

Sie können sich nun natürlich leicht vorstellen, das Hubert auf unsere Angebote nicht mehr verzichten wollte, so dauerte es nur ein paar Tage ( nach seiner Haftentlassung, versteht sich), als er erneut bei uns anrief. Das Arbeitsamt hatte ihm geraten, eine neue Arbeit anzunehmen, und mal unter uns gesagt: wer will das schon; Hubert fand diese Idee auf jeden Fall gar nicht schön. Er bat uns verzweifelt um Rat. Wir schlugen vor, ihm einen größeren Kredit einzuräumen, in der Richtung, jeden Tag die Taschen voller Geld. Ganz aufgeregt lehnte er zunächst ab, - es gibt Leute, die haben sich mit Krediten um Kopf und Kragen gebracht. - Aber, aber, - beruhigten wir ihn -, einen Finger oder wahlweise einen Zeh für jeden angebrochenen Tausender, der aus irgendeinem Grund nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden könne, damit würden wir uns begnügen. Was soll ich viel sagen, es war ihm recht.

Das er nach kurzer Zeit nicht mehr recht wusste, wie er sein Gleichgewicht auf den Füssen halten sollte, war ein geringfügiger Nebeneffekt, der ihn eigentlich nicht großartig weiter stören sollte, er lag ja eh meist auf dem Sofa, und außerdem hatte er ja noch seine Finger; die uns sehr am Herzen lagen, soviel darf ich ihnen verraten. Zuviel Geld macht auf die Dauer nur wieder Langeweile, das erfuhr auch Hubert, er brauchte sich deshalb Gott sei dank keine Sorgen machen: er hatte ja uns, und wir kümmern uns um die Probleme unserer Kunden, wie sie sicherlich diesen Zeilen bereits entnehmen konnten. Aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Leistungen, das können sie mal glauben, auch Hubert wandte sich vertrauensvoll erneut an uns mit der Bitte um Rat. Er erklärte uns, das ihm das Gehen Schwierigkeiten bereite, und ob wir nicht eine Beschäftigung wüssten, die sein Leben ausfüllen könnte, ohne gleich in Schufterei auszuarten. - Wie wäre es, wenn sie etwas hinaus kämen aus ihrem Heim, wenn ihnen das Gehen schwer fällt, ein Fahrzeug würde die Fortbewegung schon übernehmen, das wäre doch die Lösung! Mit diesen Worten wollten wir ihm Mut zusprechen, zuerst zierte er sich noch, was uns eigentlich unverständlich war, - welche Bezahlung wir den vorschlugen -, fragte er mit leiser, aber gefasster Stimme. – Ach, Hubert, wer redet denn von Bezahlung, die Lebensfreude unserer Kunden steht im Vordergrund –, weiter sagten wir ihm, über unseren Lohn solle er sich mal keine Gedanken machen; wir gaben ihm ein Fahrzeug, klotzen, nicht kleckern ist unsere Devise; deshalb stellten wir ihm einen Vierzig Tonnen Sattelzug und sendeten ihm einen Führerschein der Klasse II ins Haus (bei uns läuft das ganz unbürokratisch und ohne lästige Prüfung ab). Beladen haben wir das vielrädrige Monstrum mit Sonnenöl für den deutschen Sommer, - er solle das Land bereisen, die schönen Gegenden schauen und nur ab und zu das Fenster herunter kurbeln, damit man ihn an Supermärkten verstehen könne, wenn er unsere Ware anpreist.

Gesagt, getan, wir machten selbst aus so einem wie Hubert einen Mann der Tat. Wir möchten uns nicht über den grünen Klee loben, obwohl, verdient hätten wir es. Hubert war überglücklich, kein Wunder, wir kennen eigentlich nur zufriedene Kunden. Er fuhr also durchs Land, entstandene Schäden regelten wir prompt und diskret, ja, gewannen dabei sogar den einen oder anderen Neukunden, jeder hatte etwas von Huberts neuem Glück; besonders die Verbraucher unseres Sonnenöls! Das Zeug war so gut, das es je nach Hauttyp das lästige Organ Haut stellenweise oder gar ganz herunter ätzte; das ist doch was, oder! Sie müssen zugeben, das kann noch längs nicht jedes Sonnenöl, unsere Produkte sind eben unschlagbar, und das zu einem Preis! Wir wollen schauen, was Hubert gerade macht.

– Aber Hubert, Huuuberrrt. Mir scheint, er befindet sich gerade auf der Flucht, sein nagelneuer LKW wird verfolgt von einer Meute Blaulicht. Er hätte doch vorher mit uns sprechen können, wir hätten sicherlich auch dafür einen Rat gewusst. Wo ich gerade auf den PC – Monitor schaue, der die monatlichen Abrechnungen mit unseren Nutzern anzeigt. Wissen Sie, auch bei einem gut geführten Unternehmen wie das unsere schleichen sich manchmal kleine Fehler ein. Ich sehe gerade, Hubert muss für die Ware mit seinen Armen und Beinen eine Bürgschaft leisten, und die tritt unglücklicherweise gerade jetzt in Kraft.

Nun, ich hoffe, dieser kleine Zwischenfall hat sie nicht abgeschreckt, demnächst auch ein zufriedener Kunde bei uns zu werden.
In Erwartung ihrer baldigen Anmeldung in unserem Unternehmen verbleibe ich freudigst.

Ihr Partner in allen Lebensfragen.

DON NATAS (Präsident)

Anmerkung: Etwaige in tiefgefrorenem Zustand
aufbewahrte Körperteile nehmen wir
leider nicht an.

Westen, im Juni 2002

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Michael Schmidt
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Marcus Richter
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Registriert: Jan 2003

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Hi bluesnote,
handwerklich finde ich deine Geschichte eigentlich garnicht schlecht, aber inhaltlich find ich sie leider etwas blass. Ich meine, Satan ist entweder ein unvorstellbar böses Etwas, das keine Züge von Ironie trägt und/oder er und seine Gesellen sind verschmitzte Hurensöhne, im Sinne von Mephistopheles, die scharf drauf sind, Gott heraus zu fordern. Sollen deine Werbetexter Menschen sein, die vom Teufel gelenkt werden? Oder sind es selbst Teufelchen, oder Satan selbst.
Ich finde das Thema selbst sehr interessant, sonst würde ich nicht so viel fragen. Ich glaube, das Thema gibt noch ne menge mehr her, als der alte Jokerwitz mit der Säure im Gesicht. Gut finde ich die Assoziation zwischen Werbung und dem Verkauf der Seele.
"Die Werbung will sozusagen immer nur dein Bestes :
deine SEELE!"

Gruss Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Grünbein

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bluesnote
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Hallo Michael.

Ich war wieder auf einer endlos langen Strasse unterwegs, dabei wollt ich doch nur noch im Nahverkehr unterwegs sein.

Hallo Markus.

Auch dir Dank für deine Anregungen. Allerdings hätte ich nicht gedacht, das dieser kleinen Geschichte soviel Bedeutung beigemessen wird.
Wenn ich den Text mit den Augen des Lesers betrachte, kommen mir bei jedem Durchgang mehr Ungereimtheiten unter.
Werbung und Seele verkaufen. Gute Idee, dass!

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Michael Schmidt
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Hallo bluesnote,

es soll doch wie eine Werbung wirken. Also laß es Krachen. Gerade da braucht man kurze, prägnante Sätze die sich einprägen.

Bis bald,
Michael
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