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Leselupe.de > Kindergeschichten
„.... wie grün sind deine Blätter“
Eingestellt am 17. 12. 2003 21:25


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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„Oh neiiin! Ich fass es nicht! Das darf doch nicht wahr sein!“
Frau Burlich stand wie gelähmt im Rahmen der Kellertür und starrte mit ungläubig aufgerissenen Augen genau in die Ecke des Vorratsraumes, wo gestern noch die wunderschöne Nordmanntanne gestanden hatte. Was sie jetzt dort erblickte, versetzte sie regelrecht in Panik.
Güüüüntheeer!“ Ihre schrille Stimme durchdrang das ganze Haus. Und als sie ein zweites Mal und jetzt sogar noch viel lauter nach ihrem Mann rief, wurde es selbst oben im Kinderzimmer still. Dort war Sohn Maiki bereits seit über einer Stunde dabei, auf dem Keybord ein Weihnachtslied einzustudieren. Er vermochte zwar nur einen Finger zu benutzen, aber nach und nach hatte sich die Melodie des so geschätzten Liedes „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“ deutlich heraus geschält. Schwesterchen Anna hatte ihn mit ihrem piepsenten Gesang tatkräftig unterstüzt. Soeben war es den Kindern gelungen, die Töne des Keybords und den hingebungsvollen Mädchengesang einigermaßen aufeinander abzustimmen, da riss sie der Schrei der Mutter jäh aus ihrem künstlerischen Schaffen. Sie ließen alles stehen und liegen und rannten die Treppe hinunter.
„Güüünth....!“
Frau Burlich brach ab, denn ihr war wieder eingefallen, dass ihr Mann ja gleich nach dem Mittagessen mit dem Auto weggefahren war, um die Großeltern abzuholen. Pünktlich zur Bescherung wollte er zurück sein.
„Du kannst ja schon mal den Weihnachtsbaum schmücken“, hatte er wie in jedem Jahr gesagt. Frau Burlich hatte, wie in jedem Jahr, stumm genickt und dem Auto nachgewunken, als es über die tief verschneite Landstraße aus dem kleinen Dorf zuckelte.
„Hoffentlich ist er rechtzeitig zurück.“ Mit diesem alljährlichen Standart-Seufzer war sie dann in den Keller gestiegen.
Und nun das! Völlig verstört lehnte sie am Türrahmen und kämpfte vergeblich mit den Tränen. Just in diesem Moment kamen die Kinder in den Keller gestürzt, sahen die weinende Mutter und wußten sofort, dass etwas ganz Schlimmes passiert sein musste. Maiki lugte vorsichtig in den Vorratsraum, und als er in die bewusste Ecke schaute, entfuhr ihm ein entsetztes: „Ach du Scheiße!“
Dort, wo der erst vorgestern in der Kreisstadt gekaufte Weihnachtsbaum abgestellt worden war, lehnte nun ein braunes stakeliges Etwas an der Wand. Gewiss – der gerade Stamm besaß noch all seine in hübscher Regelmäßigkeit gewachsenen Äste, und auch die Krone war noch da. Aber der Baum, der sich gestern abend noch in duftendem Grün präsentiert hatte, besaß nicht eine einzige Nadel mehr. Über Nacht waren sie einfach verschwunden.
Klein-Anna sah nun auch, was los war und stimmte sogleich in das Schluchzen ihrer Mutter ein.
„Was sollen wir denn jetzt machen?“ jammerte Frau Burlich und lies ratlos den Kopf hin und her pendeln. „Wo kriegen wir denn jetzt noch einen neuen Baum her?“
„Ich gehe in den Wald und säge eine Kiefer ab“, meldete sich Maiki und legte seine Hand der Mutter beruhigend auf den Unterarm.
„Unsinn. Erstens schaffst Du das nicht und zweitens ist das verboten. Ich muss mit Vati reden, vielleicht weiß der Rat.“
Ruckartig riss sie sich von dem traurigen Anblick los und ging nach oben, um mit ihrem Mann zu telefonieren.
„Das Benutzen eines Handys während der Fahrt ist auch verboten!“ rief ihr Maiki altklug hinterher. Weil er aber keine Antwort erhielt, widmete er seine Aufmerksamkeit wieder dem Baum bzw. dem, was von ihm übrig geblieben war. Gefolgt von Klein-Anna trat er näher.
So genau er auch jeden einzelnen Ast untersuchte, er vermochte wirklich nicht eine einzige Nadel zu entdecken.
„Komisch“, sagte er und kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Sie sind alle weg. Aber wo sind sie geblieben?“ Er bückte sich und strich ungläubig über den blitzsauberen Betonfußboden.
„Komisch“, echote Klein-Anna und schien vor Verwunderung einen Schluckauf zu bekommen. Jedenfalls hatte Maiki ein deutliches „HICK“ gehört. Er drehte sich zu seiner kleinen Schwester um, aber die starrte immer noch die Reste des Baumes an und schien bereit, gleich wieder los zu heulen.
„HICK!“
Nein – das war nicht Klein-Anna! Maiki bekam kreisrunde Augen. Wo kam das her? Unruhig schaute er um sich.
„Hick!“
Nun guckte auch Klein-Anna ganz entgeistert. „Das kam von dort hinten“, flüsterte sie und schmiegte sich ängstlich an den Bruder. Der war immerhin schon acht Jahre alt und fast einen Kopf größer als sie. Er würde sie beschützen.
„HICK!“
Maiki nickte unmerklich und hielt den Atem an. Tatsächlich das merkwürdige Geräusch kam aus einem Winkel, der von dem Regal mit den Einmachgläsern verdeckt wurde. Maiki musste all seinen Mut zusammen nehmen, um sich in diese Richtung vorzuwagen. Vorsichtshalber griff er sich einen herumstehenden Besen, und pirschte sich, solcherart bewaffnet bis nahe an das Regal. Klein Anna folgte ihm so dicht, dass sie prompt gegen ihn prallte, als er plötzlich wie angewurzelt stehen blieb. Verwundert schaute sie zu ihm hoch und sah, wie er ganz blas geworden war.
„Wa..was ist den das?“ Mit zittrigen Fingern wies er in die Ecke, wo ein kleines graubraunes Bündel auf dem Fußboden saß. Ja – es saß dort, und es war auch kein Bündel, sondern ein winziges Männchen, kaum größer als der Riesen-Plüschbär den Klein-Anna im letzten Jahr vom Weihnachtsmann bekommen hatte. Die kleine Gestalt steckte in einem grauen Mäntelchen, und um die dünnen Beine schlotterte eine moosgrüne Hose. Die klobigen Schuhe wollten so gar nicht zu diesen Spinnenbeinchen passen. Das Männchen schien schon ziemlich alt zu sein, denn sein dunkelbraunes Gesicht war über und über von Runzeln durchzogen. Die grün gltizerden Augen wurden von einem wettergegerbten Filzhut fast völlig verdeckt. Am auffälligsten war aber das prall runde Bäuchlein, das sich überdeutlich unter dem Mantel abzeichnete und fast die Knöpfe abzureißen drohte.
„Ein Zwerg“, flüsterte Maiki und vergaß in seiner aufkommenden Furcht, dass er ja bewaffnet war.
„Sswerg“, echote Klein-Anna und drängte sich noch enger an den Bruder.
Doch die Angst schien beide Seiten zu beherrschen, denn beim Anblick der Kinder verkroch sich das Männchen noch weiter in seine Ecke, zog die Beine an und hielt die Hände schützend vor das Gesicht. Dabei blinzelte es aber immer wieder mißtrauisch zwischen den Fingern hindurch, wobei seine Aufmerksamkeit vor allem dem Besenstiel zu gelten schien.
„Bitte nicht schlagen“, bat er schließlich mit dünner und von einem leichten Krächzen untermalter Stimme.
Dass der Zwerg Angst zu haben schien, wirkte sehr beruhigend auf Maiki. Er fand sogar den Mut, das Wort an den kleinen, aber unheimlichen Eindringling zu richten.
„Wer bist Du? Und was machst Du hier in unserem Keller?“ fragte er und versuchte möglichst streng seine Stirn zu furchen, so wie es Vati immer machte, wenn die Kinder etwas ausgefressen hatten.
„Ich... ich habe hier nur übernachtet. Bitte tut mir nichts. Ich verspreche euch, spätestens, wenn der Weihnachtsmann hier vorbei kommt, bin ich wieder verschwunden. Solange lasst mich bitte hier bleiben. Es ist so – HICK – so schön warm hier.“
Bei dem „HICK“ hüpfte der kleine dicke Bauch so lustig auf und ab, dass Klein-Anna laut lachen musste.
„Tschuldigung“, murmelde der Zwerg und umfasste seine Wampe mit beiden Händen. „Ich glaube, ich habe zuviel gegessen.“
Mißtrauisch ließ Maiki den Blick über die Einweckgläser wandern. Aber die standen alle noch brav in Reih und Glied und schienen vollzählig zu sein.
„Und wie kommst Du hierher?“ Maikis Stimme hatte noch nichts von seiner Strenge eingebüßt.
Der Zwerg versuchte sich zu erheben, ließ sich aber sogleich mit einem Seufzer wieder zurück fallen und starrte eine Weile auf seinen Bauch.
„Ich komme aus dem Märchenland“, sagte er schließlich. „Seit vielen Jahren habe ich den Weihnachtsmann gebeten, mich doch mal auf eine seiner Touren mitzunehmen. Ich wollte ihm beim Tragen der Päckchen helfen – na ja – bei den ganz kleinen. Und ich wollte sehen, wie sich die Kinder über die vielen Geschenke freuen. Gestern hat der Alte dann endlich eingewillgt und mich auf seinem Schlitten aufsteigen lassen.“
„Gestern? Aber Weihnachten ist doch erst heute!“ fuhr Maiki scharfsinnig dazwischen,
„Weihnacht iss heute“, echote Klein-Anna.
„Ich weiß, aber gestern fand in einem Kindergarten eine Weihnachtsfeier statt und da mussten wir hin.“
„Ja, aber wie bist du dann ausgerechnet in unseren Keller gekommen?“
„Das ist eine traurige Geschichte“, seufzte der Zwerg und zog die Mundwinkel tief nach unten. „Vom Märchenwald bis hierher ist es ein sehr weiter Weg. Wir sind daher auch schon früh aufgebrochen. Das bin ich nicht gewöhnt, denn ich schlafe gewöhnlich bis in den Mittag hinein. Und langweilig war die Fahrt auch. Immer nur Wald – und nicht mal Nadelbäume. Da bin ich auf dem Schlitten irgendwann eingeschlafen. Als ich aufwachte, war es schon dunkel und ich lag im tiefen Schnee -–direkt vor eurem Haus. Der Weihnachtsmann wird wohl gar nicht bemerkt haben, dass ich von seinem Schlitten gefallen bin. Aber heute kommt er ja hier vorbei und da kann er mich wieder mit nach Hause nehmen.“
Maiki wußte nicht, ob er die Geschichte glauben sollte. „Aus dem Märchenland kommst Du? Da bist Du wohl gar einer von den sieben Zwergen?“
„Nein. So berühmt bin ich nicht“, sagte der Kleine und ließ betrübt die Runzeln in seinem Gesicht noch tiefer werden. „Ich bin nur der Nadelschnurps und noch nie in einem Kindermärchen vorgekommen.
„Wie heißt Du?“
„Nadelschnurps – hast Du etwa doch schon von mir gehört?“
Maiki ging ja immerhin schon in die zweite Klasse und Kriminalfilme hatte er auch schon gesehen. Während er also kombinierte, wanderte sein Blick hinüber zu dem traurigen Gesteck, dass einmal ein Weihnachtsbaum gewesen war.
„Hast Du etwa...die Nadeln....aufge...schnurpst??? Hast du deshalb so einen dicken Bauch und Schluckauf?“ Maiki hob drohend den Besenstiel.
„Bitte nicht hauen! Ich hab doch nicht gewußt... und außerdem, ich hatte riesigen Hunger. Und das hat so wunderbar geduftet. Da konnte ich nicht widerstehen."
„Hatte großen Hunger“, sagte Klein-Anna sanft und legte ihre Hand auf den in der Luft verharrenden Besenstiel.
Doch Maiki war außer sich. Er dachte an das geplatzte Weihnachten. Was ist schon eine Bescherung ohne einen wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum. Er dachte an die Tränen der Mutter und stellte sich vor, welch lange Gesichter die Großeltern machen würden. Ganz zu schweigen von Vatis Reaktion, die er im Voraus nicht einzuschätzen vermochte. Wütend trat er von einem Bein auf das andere, ließ drohend den Besenstiel wippen.
„Entschuldigt, ich habe nicht gewußt, wie wichtig für euch Menschen so ein Baum ist.“ wisperte der Kleine. „Ich war doch noch nie zur Weihnachtszeit auf der Erde.“
Langsam schob er sich an der Wand hoch und stand schließlich schnaufend auf seinen dünnen Beinen. Während er ein paarmal tief durchatmete, verzog er grübelnd das Gesicht. Schließlich hellte sich seine Miene auf und er blickte den Kindern fest ins Gesicht.
„Ich bringe das in Ordnung“, versprach er und versuchte sich selbstbewußt in die magere Brust zu werfen.
„Und wie?“ fragte Maiki nach wie vor voller Mißtrauen.
„Ich werde ein wenig zaubern.“ Jetzt flog sogar ein listiges Grinsen über sein Gesicht.
„Ssaubern?“ fragte Klein-Anna und verdrehte ungläubig die Augen. Sie kannte nur große, grimmig aussehende Zauberer mit langem Umhang und riesigem Zauberstab.
„Du kannst zaubern?“ Auch Maiki war voller Zweifel. Dieser Nadelschnurps wollte ihn doch nur verarschen.
„Klar kann ich zaubern“, knurrte der Alte und schien fast ein wenig beleidigt. Und als er sah, dass ihm die Kinder immer noch nicht glauben wollten, setzte er stolz hinzu: „Ich bin schließlich der Sohn vom Rumpelstilzchen.“
Das überzeugte. Wer von einem Gnom abstammt, der sogar Stroh zu Gold spinnen konnte, der vermochte sicherlich auch aus einem ent-nadelten Weihnachtsbaum wieder einen be-nadelten machen.
„Bist du wirklich sicher, dass du das kannst?“ fragte Maiki aber lieber noch mal nach.
„Lasst mich nur machen. Wo soll der Baum stehen?“
„Oben im Wohnzimmer“, sagte Maiki und trat einen Schritt zur Seite. Wenn er auch Zweifel besaß. Es blieb keine andere Wahl.
„Ihr müsst aber eure Mutter ablenken“, zischte Nadelschnurps und bewegte sich flink auf die Kellertreppe zu. „Ihr werdet staunen, wie ich zaubern kann.“
„Na gut“, lenkte Maiki ein. „Dann kannst du ja den Baum auch gleich schmücken. Die Kugeln, das Lametta und die Lichterkette findest du in den Kartons, die im Wohnzimmer stehen.“
Nadelschnurps murmelte etwas, das die Kinder nicht verstanden und hieß sie dann voran zu gehen. Es gelang den dreien, unbemerkt ins Wohnzimmer zu schleichen, weil die Mutter, um Ablenkung bemüht, in der Küche herum werkelte.
Maiki zeigte dem Zwerg, wo der Baum hin sollte und belehrte ihn, dass es Vati überhaupt nicht mochte, wenn das Lametta schlampig aufgehängt würde.
„Fein säuberlich – Faden für Faden“, verlangte er.
„Das dauert dann aber etwas länger“, maulte Nadelschnurps. „Aber jetzt raus mit euch. Und niemanden herein lassen!“
„Was macht ihr denn da?“ fragte die Mutter, als die Kinder bei ihr auftauchten.
„Och nüscht weiter.“ meinte Maiki und versuchte möglichst gelangweilt zu wirken.
„Gar nüscht“, nuschelte Klein-Anne.
„Hast Du Vati erreicht?“ versuchte Maiki abzulenken. Die Mutter schüttelte traurig den Kopf und wies auf ein Regal, wo neben der Küchenuhr das Handy lag. Maiki vermochte sich ein Grinsen nicht zu verkneifen. Die Mutter bemerkte es nicht. Sie hatte sich über die Zubereitung des Kartoffelsalates gemacht. Ein wenig wunderte sie sich schon, dass die Kinder ständig um sie herum wuselten und sich sogar zum Helfen anboten.
‚Bestimmt wollen sie mich trösten‘, dachte sie und in ihre Augen traten diesmal Tränen der Rührung. Einige Zeit später wurden aber wieder echte Tränen daraus. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als das Auto auf den Hof fuhr und jetzt der Moment gekommen war, ihrem Günter und den Großeltern von der Katastrophe zu berichten, die sich über Nacht ereignet hatte. Fast zeitgleich fühlte sich Maiki, der bereits in den Korridor gelaufen war, leicht am Ärmel gezupft.
„Alles fertig – so wie du gesagt hast“, flüsterte der Nadelschnurps.
„Wirklich?“
„Zwergen-Ehrenwort“, flüsterte es zurück. Damit huschte der Nadelschnurps wieder zurück in den Keller, um dort in Ruhe die Ankunft des Weihnachtsmannes abzuwarten.
Maiki besaß keine Zeit, sich von der Richtigkeit der Zwergenworte zu überzeugen, denn jetzt betrat der Vater gemeinsam mit den Großeltern die Wohnung.
Frau Burlich flog ihrem Mann förmlich entgegen. Ohne auf die Großeltern zu achten versuchte sie von dem Unglück zu berichten, war aber dabei so aufgeregt, dass weder er noch die Großeltern aus ihrem Gestammel schlau wurden. Also wandten sie sich verständnislos mit dem Kopf schüttelnd ab und begrüßten erst mal die Kinder.
Maiki blieb bei den großmütterlichen Umarmungen ziemlich zapplig, denn der große Augenblick stand unmittelbar bevor.
„Kommt rein“, sagte er schließlich mit vor Aufregung belegter Stimme und griff mit klopfendem Herzen zur Klinke der Wohnzimmertür. Hatte der Nadeschnurps Wort gehalten?
Ehe die Mutter Einwände geltend machen konnte, stand die Tür offen und...Maiki atmete tief auf. Genau an der von ihm bezeichneten Stelle stand der Weihnachtsbaum in voller Pracht. Die Kerzen waren sorgsam verteilt und ihr Licht spiegelte sich in den vielen glänzenden Silberkugeln. Und das Lametta hing fein säuberlich Faden an Faden. Maiki strahlte.
Aber dann... Was war das? Er glaubte sich getäuscht zu haben.
Ein Blick über die Schulter bestätigte ihm aber, dass er nicht träumte. Er starrte in stumm aufgerissene Münder.
„Das gibt es doch gar nicht!“ fuhr es ihm durch den Kopf. Aber sosehr er sich auch die Augen rieb, das, was er sah, blieb Wirklichkeit.
Der prachtvolle Baum erstrahlte nicht nur im Licht der Kerzen, sondern präsentierte sich wunschgemäß in sattem Grün. Aber all die so schön regelmäßig gewachsenen Äste besaßen keine Nadeln, sondern.... Blätter! Eichenblätter, Birkenblätter, Lindenblätter, Ahornbl... sogar einige Kastanienblätter waren dabei.
Im Wohnzimmer herrschte ungläubiges Schweigen. Und mitten in diese Stille hinein, drang plötzlich das schwache Stimmchen Klein-Annas. Sie sang das Lied, das sie mit Maiki vorhin so lange geübt hatte.
„Oh Tannenbau, oh Tannenbaum – wie grün sind deine Bläääteeer.“

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hera
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Hallo Ralph,

es hat mir viel Spaß gemacht, deine Geschichte zu lesen.
Zunächst schaffst du die typischen weihnachtliche Familienstimmung. Die Kinder „versuchen“ ein Lied einzustudieren, der Vater holt die Grosselten und die Mutter sieht schon mal nach dem Baum.
Aber dann wird es richtig spannend. Hat doch dieser sagenhafte Zwerg die Tannennadeln verspeist. Der Nadelschnurps! Und Zaubern kann er auch noch, wenn er da auch einen überraschenden Fehler macht. Aber das ist ja der Clou.
Die Geschichte ist sehr schön ausgearbeitet. Sie wird Kindern garantiert sehr gefallen.

Viele Grüße, hera

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Mara Krovecs
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Hallo Ralph,

ich kann nur bestätigen, was Hera über Deine Geschichte gesagt hat,sie ist wirklich spannend und außerdem mit viel liebevollem Humor geschrieben.
Und der Name "Nadelschnurps" ist einfach köstlich knuddelig.

Liebe Grüße Mara

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Ralph Ronneberger
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Hallo hera, hallo mara,

ihr glaubt gar nicht, wie froh ich über eure lobenden Kommentare bin. Ich habe nämlich noch nie etwas für Kinder geschrieben und besaß auch hier meine Zweifel, ob ich nicht zu "erwachsen" rüber komme.

Vielen Dank nochmal und liebe nachweihnachtliche Grüße von
Ralph


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flammarion
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ach,

lieber ralph, deine geschichte ist hinreißend! ich freue mich sehr, dass du sie hier eingestellt hast. ist schon in meiner sammlung!
nur mit dem "stakeligen Etwas" biste vielleicht ins mundartliche gerutscht, oder war das beabsichtigt? bei mir hätt es stachlig geheißen.
ganz lieb grüßt eine begeisterte
__________________
Old Icke

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flammarion
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hallo,

heute habe ich die geschichte für meinen sohn kopieren wollen, mit bildern, versteht sich, und dabei fast einen infarkt erlitten.
Es ist, wie gesagt, eine wunderschöne und heitere Geschichte, mit der du dich überall sehen lassen kannst. Ich frage mich nur, wie dir die vielen Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind. Korrigiere bitte piepsenten in piepsige, unterstüzt in unterstützt, gestern abend in gestern Abend, wußten und alle damit zusammen hängende Worte werden nach der neuen Rechtschreibung mit ss geschrieben, nachgewunken wird neuerdings getrennt, lies wird nur mit einem s geschrieben, wenn es mit lesen zu tun hat; in diesem Fall hat es aber mit lassen zu tun, also ß, nach solcherart bewaffnet kommt ein Komma, blass wird mit ss geschrieben, außer, wenn es eine Aufforderung zum Blasen ist, bei was ist den das fehlt ein n, nach Plüschbär kommt ein Komma. Sieh dir mal die grün glitzernden Augen an, da sind gleich zwei Flüchtigkeitsfehler drin, misstrauisch wird neuerdings mit ss geschrieben, es heißt untermalten Stimme, nicht untermalter, es heißt murmelte und nicht murmelde. Bei . . . eingewilligt, auf seinem Schlitten aufzusteigen . . . solltest du besser seinen schreiben. Wenn er auf seinem aufsteigt, müsste er nämlich ein Ballon sein. Bei traurigen Gesteck, dass einmal . . . ist ein s bei dass zuviel, selbstbewusst wird auch nicht mehr mit ß geschrieben, bei einen be – nadelten zu machen fehlt das zu. Man sagt nicht schüttelte mit dem Kopf. Ich empfehle: verständnislos und kopfschüttelnd.
Bei Hatte der Nadelschnurps Wort gehalten fehlt das l in Nadelschnurps, bei Er glaubte, sich getäuscht zu haben fehlt das Komma, sosehr wird nicht zusammen geschrieben, bei Und mitten in diese Stille hinein drang kommt meiner Meinung nach kein Komma. Die Anrede wird nur in Briefen groß geschrieben, nicht in normalem Text. Es sei denn, dass die Rechtschreibreform auch das geändert hat.
Uff. Seufz, schnauf und stöhn. Aber du kennst mich ja und weißt, dass ich an der Stelle empfindlich bin. Die Geschichte ist so schön, dass sich eine Korrektur wirklich lohnt. Deine Enkel werden sich freuen!
Ganz lieb grüßt



__________________
Old Icke

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