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Leselupe.de > Kurzgeschichten
0401
Eingestellt am 04. 01. 2003 14:46


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zeitsucht
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
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04:01



Der Platz war dunkel.

Die wenigen Werbeschriften, die normalerweise fĂŒr das Grelle an diesem Ort sorgten, waren defekt.



Hier saß niemand, hier wollte niemand sein.

MĂŒll lag herum. Überall.

Ein Hund rannte vorbei, blieb stehen, schnupperte.

Dann verschwand er wieder.



Cut. Aus. Da war Nichts los.

Es war zu spÀt. Es war wohl zu lange her.



In der Erinnerung war das anders.

Da war es voll und blĂŒhend und extrem.



Jede Sekunde war zu spĂŒren.

Jede Minute verging.

Jede Stunde war lÀnger.





8:35



Es ging schon.

Es galt, sich darauf zu konzentrieren.



Wasser schmeckte hier nicht wie Wasser.

Schuhe liefen sich hier nicht wie Schuhe.

Uhren gingen nicht wie Uhren.



Sie schmerzten wie ein Hirnschlag.

Sie warteten wie ein Geduldiger

und machten trotzdem Druck.

Sie lachten und spotteten.





10:13



Die Leere verschwand.

Es kam das Ganze und brachte Alles mit.



Es pochte, es wirbelte. Es tat weh.

Und dennoch nicht wegrennen, dennoch hier sitzen.

Zusehen, eintauchen – vielleicht.

12:49



Woanders. LĂ€ngst gegangen.

Einsteiger drÀngelten, guckten umher.

Sie fuhr, sitzen ging nicht mehr.

Es roch nach Schweiß, das Gesicht wurde zwischen die Achseln Fremder gepresst - Zu eng hier.

Kinder standen unten.

Sie hatten andere Ansichten. Viel tiefer.

Sie starrten auf Hosen und ihre Augen fixierten die Oberen. Warum seid ihr so groß?

Damit wir nach Luft schnappen können.

Sie japsten und schimpften.

Es war eindeutig zu voll und das Alles nervte.

Es nervte total.

Bleibt nur das Aussteigen.

Bitte Vorsicht.





14:37



Wenn es blĂŒht, wenn es warm ist, dann haben Menschen hĂ€ufig die Angewohnheit auf Wiesen zu liegen.

Oft bringen sie Freunde mit.

Die liegen dann daneben.



Hier lag niemand.

Es war wohl zu kalt, aber auch bei KÀlte lÀsst es sich prima auf Grashalmen liegen.



Ein alter Mann sammelte Flaschen aus MĂŒlleimern.

Die sind leer. Er nickte.

Du kannst mich mal.







15:57

Ein Dreieck baute sich auf.

Es hatte drei Ecken.

An jeder Ecke befand sich eine Gruppe.

Die Gruppen hatten die Aufgabe zu wandern.

Wandern Sie von A nach B und dann von B nach C.

Wer zuerst wieder an seinem Startpunkt angekommen ist, der hat gewonnen.

Wandert gefÀlligst gleichschenklig.



Wer nicht wanderte, der saß halt in der Mitte und sah zu. Es war amĂŒsant, es war eine willkommene Abwechslung, ja – es machte Spaß und da konnten die Miesmacher noch so viel reden – hier wurde gewandert.





16:24



Die Straßen waren verstopft, es stank nach Großstadt.

Die Leute hier hatten es eilig, sie stĂŒrmten in ihre Richtungen, sahen das Ziel schon vor sich.

Da wollten sie unbedingt hin.

Die Zeit drÀngte.

Wie spÀt war es denn?

Wie lange darf man auf dem Gehweg sitzen?

Nein, kein Geld, bitte nicht.

Keiner hörte, denn der Puls des Tages war viel zu laut. OhrenbetÀubendes Allerlei, gepaart mit dem Geschrei der einzelnen Bestandteile.

Aber es war ja schön. Darauf wartet man ja.

Endlich lebte der Ort und er wurde immer zappliger.

So in etwa hatte das ausgesehen.

Viel Zeit war seitdem vergangen.





17:07



Die Menschen waren es hier gewöhnt, mobil zu sein.

Das war ja auch Ă€ußerst hilfreich, sie waren mal hier, mal dort und kaum Zeit verstrich.



Es ist die menschliche Freiheit, das Auto!

Menschlich Freiheit ist die FĂ€higkeit zu laufen!

Es ist unsere demokratische Freiheit, die Öffentlichen benutzen zu können, zu dĂŒrfen!



Es ist eure Freiheit, entscheiden zu können, wo ihr hinwollt!

Achso.

Was bildest du dir denn ein?





18:59



Zog man den Stecker aus der Dose, so war man plötzlich nicht mehr drin.

Hey! Wir sind draußen! Pass doch auf!

Es war sehr wacklig, die ganze Angelegenheit war wacklig, instabil.

Ihr verlasst euch auf die Stecker?

Was bleibt uns denn sonst ĂŒbrig?

Sie hatten Recht.



Eine Menge Daten waren zu verstauen.

Wenn der Platz nicht reiche, dann habe man ein Problem. Ein großes Problem, denn man habe ja nicht ewig Zeit und im Hintergrund wurden schon fleißig DĂ€umchen gedreht.



Wie wÀre es mit einer Erweiterung?

Oder einer VerlÀngerung?



Bist du verrĂŒckt?





20:21



Köche sind Kreateure.

Sie sind auch kreativ, ja – aber vor allem sind sie Schöpfer.

Sie bauen sich ihre eigene Welt auf.

Sie haben den Plan und richten die Karte ein.

Wie ein großer Komponist, aber eben viel elementarer.

Sie entscheiden, was geboren, sprich: in die Pfanne, kommt und was am heutigen Tage aufgetischt wird.



Sie sind Götter?



Bleiben wir mal auf dem Teppich, aber sie sind durchaus kleine Herrscher ĂŒber ihr Universum.



Du musst auch aufpassen:

Gehst du in ein Restaurant, so willst du Nichts vom Koch. Nein, er will was von dir.

Okay, natĂŒrlich auch dein Geld.

Aber du bist nicht da, um von ihm bekocht zu werden.

Du bist da, um seine Werke zu testen, um die Ehre zu haben, ein StĂŒck von seiner Schöpfung in deinen Magen zu bekommen.

Er regiert, es herrscht der Absolutismus.

Jedenfalls: du bist nicht der Zu-Bedienstleistende, du bist vielmehr nur ein ganz kleines Teilchen seines Reichs – du glaubst du kommst freiwillig hier rein, aber da kann man sich nicht so sicher sein.

Und außerdem: wenn er keine Lust mehr auf dich hat, dann könnte er dich einfach eliminieren.

Ein bisschen davon in den Topf, dann noch das.

Und du bist seinen Launen ausgesetzt.

Seelenruhig nimmst du dein Besteck und löffelst seine Suppe aus. Also; jetzt nicht ĂŒbertragen gemeint.



Alles hier schwitze.

Menschen, die beim Essen schwitzen. Es war widerlich.

Aber es schmeckte.



Was passiert eigentlich, wenn man nach dem ersten Probierschluck die Flasche Wein gnadenlos ablehnt?

Ekelhaft das Zeug!

Sie holte was Neues.



Was hast du da gerade fĂŒr einen Schwachsinn geredet?

Mit dem Koch?



Totaler Blödsinn.





22:36



Sind Menschen, die sich nicht mehr kontrollieren können die ehrlicheren Menschen?



Du Arschloch.

Ich hasse diese Stadt.



Hör auf, reiß dich zusammen.

Oder man macht eben weiter.

Im Endeffekt spielt es keine Rolle.



Die Straßen waren leerer, aber irgendwie lebendiger.

Waren es einfach nur die richtigen Leute?

Die perfekten Leute?

Total happy und so.



Wie dem auch sei, man trank halt.



Kennst du die da?





0:01



Sie erzÀhlte gerne Geschichten und hörte gerne Gedichte.

Geschichten waren langweilig, Gedichte waren blöd.



Sonst war die Frau in Ordnung.

Wer sagt das? So verachtend?



Es war eine Zeit, zu der Alles nicht weniger, sondern immer mehr wurde – das konnte man gut finden, das konnte einem auch auf den Geist gehen.



Jetzt einfach in den Wald gehen?

In den Wald?

HĂ€user zu BĂ€umen machen.

Das klang verdammt nach Naturtrip und wĂŒrde nur in einer Naturaggression und einem Tritt gegen einen Baum enden. LĂ€sst man bleiben.



Es gab hier aber jetzt auch Stellen, die waren absolut verlassen – da war es nur dunkel, ohne Beleuchtung eben und da schlief man auch.

Die Stadt hatte sich in zwei HĂ€lften geteilt.

Schlafende gegen Wache.

Vernunft gegen Weitermachen.



Bist du mĂŒde?











1:38



Die Leute konnten den Fahrplan noch so oft anstarren, die Zeiten standen fest. Da ging Nichts mehr.



Sollen wir laufen?





1:56



MĂŒdigkeit.



Wenn man die Augen krampfhaft offen halten muss, wenn man nicht mehr spĂŒrt, dass man seine Beine bewegt, dann sollte man sich hinlegen.

Sollte man, muss man aber nicht.



Willst du dich hinlegen?





2:13



Einer kehrte die Straße.



Schaufenster waren ja immer sichtbar.

So hatte jeder zu jeder Zeit die Möglichkeit, Waren zu betrachten.

Oder eben starre Puppen anzugucken, die Waren prÀsentierten.

Oft hatten sich irgendwelche Leute etwas ausgedacht; eine Idee wurde umgesetzt. Ein bestimmtes Thema wurde durch dazu passende Dekoration dargestellt.

Jeder konnte sich seinen Teil dazu denken.



Zwei BrÀute. Die eine hebt ihren rechten Arm, beide schauen nicht sehr fröhlich.

Neben ihnen steht ein BrÀutigam.

Ein hĂŒbscher schwarzer Anzug.

Zwei bombastische weiße Kleider.

Muss er sich entscheiden, oder was?

Es war ziemlich hell bei denen – da drinnen.



Die Augen trÀnten hier schnell.

Sie waren zu trocken.







3:26



Überall sah es fast gleich aus.

Es ist nicht immer leicht, den Weg zu finden.

Zumal es ja verdammt spÀt war.



Die Menschen, die jetzt noch unterwegs waren, die gingen entweder nach Hause oder sie waren gerade von zu Hause aufgebrochen.



Der Lieferant holte ein großes Paket aus seinem Laster, packte es auf eine Sackkarre.

Er hatte den SchlĂŒssel zu dem belieferten Laden.

Wieso?

Hatte er die SchlĂŒssel zu allen seinen Kunden?

Da lief er dann herum. Zwischen Regalen und Kassen.

Nahm er sich manchmal eine kleine Erfrischung?

Nur so, ganz unauffÀllig.



Ein Hupen.

Straßen sollten immer beachtet werden, auch wenn kein Auto erwartet wird.



Kannst du nicht aufpassen?





4:00



Der Platz war hell.

Viele Werbeschriften stachen ins Auge.

FĂŒr wen wurden sie beleuchtet, hier war niemand.



Es war ein Ausgangspunkt, ein Ankunftsort, ein Sammelpunkt, eine Wiederkehr.



Es war merkwĂŒrdig heiß.

Bellen war von Weitem zu hören.



Die FĂŒĂŸe taten weh, die Kehle war trocken.



Verdammt nochmal.



Wie spÀt ist es?








__________________
pb

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mara
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 23
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Hallo, Zeitsucht!

Im allgemeinen gefĂ€llt mir Dein Text gut. Schöne GedankengĂ€nge. Ich glaube allerdings, er wĂŒrde sich flĂŒssiger lesen, wenn Du nicht stĂ€ndig auf die Reset-Taste gedrĂŒckt hĂ€ttest. An einer Stelle ein von Dir sicherlich nicht beabsichtigter Lacher: "Ein Dreieck baute sich auf. Es hatte drei Ecken." *g*

__________________
Soll doch in einem Kellerfach verwesen, was ich schon viel zu lange bei mir trag. (Ein Abgesang an meine alten Gedichte...)

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Am besten gefiel mir der Absatz "Zog man den Stecker aus der Dose..."
Ja, wirklich, es hat was. Die richtige Formatierung fĂŒr diesen Text wĂ€re: ihn auf einen langen Papierstreifen drucken und die Enden zusammenkleben. Meine ich jetzt ganz im Ernst. Gute Idee!

lG, Zefira

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zeitsucht
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 3
Kommentare: 4
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danke euch beiden, durchaus spannende ĂŒberlegungen dabei

ja, durchaus ist hier ausgeprÀgter "resetismus" vorhanden, weniger beabsichtigt, als dumm entstanden.

wer die ursprĂŒngliche, sinngerechte formatierung sehen will, der guckt einfach bei

Hier klicken

vorbei


achja: die dreiecks-stelle ist bewusst zum potentiellen "lacher" geworden, in der tat!
__________________
pb

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