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Leselupe.de > Kurzprosa
08/15
Eingestellt am 07. 03. 2000 00:00


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Tabasco
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???

Registriert: Mar 2001

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08/15
Das feuchte Blut war noch frisch und kaum klebrig und lief mir von der Pulsader direkt in meinen Pullover hinein. Ich hielt den Arm hoch und das Blut lief mir somit unterhalb des Armes in die Achselh├Âhlen. Auf meinem Pullover sahen die durchgeweichten Stellen auf den ersten Blick aus wie riesige Schwei├čflecken. Das war ein durchaus unangenehmes Gef├╝hl auf der Haut und vermittelte mir dennoch den wohltuenden Eindruck ein durchgeschwitzter harter Arbeiter aus der Stahlindustrie zu sein. Auf meinem Oberarm begann das Blut schon langsam hart zu werden und eine dicke Kruste zu bilden. Wenn ich all meine Oberarmmuskeln anspannte konnte ich merken, wie die rote Kruste von meiner trockenen haut bl├Ątterte. Ich senkte den Arm nach unten und sch├╝ttelte die Kr├╝mel hinaus. Wie Konfetti schwebten sie aus meinem ├ärmel auf den Boden und landeten seicht. Das erinnerte Mich irgendwie an Bilder von Fallschirmspringern im Krieg, wie ich sie im Fernsehen gesehen hatte. Abgesehen von dem kleinen Unterschied, dass die meisten der Fallschirmspringer schon vor ihrer Landung vom Feind abgeschossen wurden, sah es fast genauso aus. Das Blut, das noch nicht verh├Ąrtet war lief also auch wieder meinen Arm hinunter und sorgte durch das kribbelnd kalte Gef├╝hl auf meiner Haut f├╝r eine wahnsinns leckere G├Ąnsehaut! Jedes einzelne K├Ârperhaar spitzte sich nach oben zu und zog jeweils ein Zipfelchen Haut mit sich in die H├Âhe. Nie zuvor und nie wieder danach habe ich eine solch ├Ąsthetische G├Ąnsehaut zu Gesicht bekommen. Sie war geradezu perfekt. Mir war als k├Ânnte ich sie riechen. Es war der Geruch von alten B├╝chern, die man aufklappt, daran riecht und wei├č, dass man sie schon einmal gelesen hat. In diesem Moment dachte ich mir, wenn ich je ein Buch schreiben sollte, sollen die Menschen in hundert Jahren noch daran riechen k├Ânnen und sagen: "Ja das Buch kenne ich! Ein tolles Buch!" Dieser unwiderstehliche Geruch...
Man erkennt an ihm quasi sofort ob es sich um ein gutes oder schlechtes Buch handelt. Meine G├Ąnsehaut roch nat├╝rlich nach einem gutem Buch, vielleicht sogar nach dem Besten, das ich je gelesen habe.
Ich kam dann auf die Idee meine G├Ąnsehaut zu fotografieren. Ich lies es dann aber doch bleiben, weil man weder mit einem Fotoapparat noch mit der besten Kamera der Welt diesen Geruch mit aufnehmen k├Ânnte. Tiefe Depression ├╝berkam mich bei dem Gedanken diese G├Ąnsehaut wahrscheinlich nie wieder zu sehen.
Ich hatte mich verliebt!
Verliebt in meine G├Ąnsehaut. Das muss man sich mal vorstellen. Ich liebte sie ├╝ber alles und verfluchte den Jenigen, der es vers├Ąumt hatte, ein Ger├Ąt zu erfinden mit dem man Ger├╝che aufnehmen kann! Dann fiel ich in Ohnmacht. Ich tr├Ąumte nichts. Es war einfach nur alles schwarz. Keine Halluzinationen, keine Hirngespenster. Nichts. Als ich wieder zu mir kam stand der Regisseur neben mir und beugte sich ├╝ber mich. " Was war denn blo├č los, Junge? Was ist passiert? Sag schon! Sag blo├č du kannst kein Blut sehen? Kannst du mir so was nicht fr├╝her sagen? Jetzt m├╝ssen wir diese ganze verfluchte Szene nochmal drehen! Verdammt nochmal! Immer nur ├ärger mit den schei├č Statisten!"
Ich erinnere mich noch haargenau an das was er sagte, obwohl ich ihm ├╝berhaupt nicht richtig zugeh├Ârt habe. Texte merken konnte ich mir schon immer gut. Trotzdem wollten die mir nie eine Sprechrolle geben. Wei├č der Teufel warum...
Das erste woran ich dachte als ich wieder zu mir kam, war meine G├Ąnsehaut. Sie war weg. Spurlos verschwunden. Ich hatte sie verloren. Wohl m├Âglich f├╝r immer. Abermals ├╝berkam mich tiefste Depression.
Nach diesem Erlebnis habe mich die darauf folgenden drei Wochen nur damit besch├Ąftigt die Situation noch einmal nachzustellen, in der Hoffnung sie komme wieder. Keine Reaktion. Ich w├╝nschte ich w├Ąre ihr nie begegnet. All diesem Kummer, diesem Schmerz h├Ątte ich somit aus dem Weg gehen k├Ânnen...
Und das war sie.
Meine erste gro├če Liebe, kennengelernt am Set zu irgendeinem bescheuertem Film, den sich wahrscheinlich kaum ein Schwein angeguckt hat.
Mit dem Schauspielern ist das so eine Sache. Solange ich denken kann, wollte ich nur einmal in meinem Leben in einem gro├čen Film mitspielen. Nur ein einziges Mal! Eigentlich nur um anzugeben und meine ganz pers├Ânlichen f├╝nfzehn Minuten des Ruhmes auszuleben. Dieser Wunsch hat sich nie erf├╝llt. Und das ist wahrscheinlich auch gut so. Denn sonst w├╝rde ich wahrscheinlich heute nicht hier sitzen und schreiben.
Korrekt!
Ich bin also Schriftsteller geworden. Ich hab mir gedacht:
Wenn schon kein gro├čer Film, dann vielleicht ein gro├čes Buch!



Tabasco 2000 ┬ę



(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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