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Leselupe.de > Lange Texte
1. Kapitel
Eingestellt am 01. 09. 2004 17:14


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Diana Leibacher
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2000

Werke: 17
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Ihr Magen knurrte erbĂ€rmlich, seufzend rĂŒckte sie das straffe Lederband um die Brust zurecht. Sie lief zum Markt. Schon von weitem konnte sie das Geschrei der HĂ€ndler hören und die verschiedenen GerĂŒche wahrnehmen. Sie bog in die kleine Seitengasse und spĂ€hte in die Menschenmenge.
Da, der Mann am KrĂ€merstand, der sah wohlhabend aus, den wĂŒrde sie sich vorknöpfen. Sie schob die langen Haare unter die Kapuze, prĂŒfte noch mal ihre Kleidung und schlenderte scheinbar ziellos auf den Mann zu. Nur noch 2 Schritte war sie von ihm entfernt. Sie leckte sich nervös die Lippen, ein ungutes GefĂŒhl beschlich sie, wurde sie beobachtet? Vorsichtig lies sie den Blick schweifen, doch niemand achtete auf sie, die Menge schob und drĂ€ngelte, die HĂ€ndler schrieen.
Wieder wandte sie sich ihrem Opfer zu, stellte sich direkt neben ihn. Ihre Hand packte das kleine Messer fester und schob sich behutsam in das lange Gewand des BĂŒrgers. Mit einer schnellen Bewegung schnitt sie den Beutel ab, fing ihn geschickt auf und huschte davon. Doch der Mann hatte sie bemerkt, denn das Beutelchen war recht schwer gewesen. Er drehte sich um und begann laut zu schreien „Haltet den Dieb!“

Das MĂ€dchen schlĂŒpfte geschickt durch die Masse der Marktbesucher, doch immer mehr HĂ€nde griffen nach ihr. Einmal musste sie einem Passanten sogar ihr kleines Messer in den Arm stoßen, um sich aus seinen HĂ€nden zu befreien. Sie wich den zupackenden HĂ€nden aus und wirbelte mit seltsamen Verdrehungen um ihre eigene Achse. WĂ€re sie nicht auf der Flucht, hĂ€tte man es mit einem Tanz vergleichen können. Plötzlich hörte sie die gleichmĂ€ĂŸig stampfenden Schritte der Wachen und hechtete ohne weiter auf die Passanten zu achten los, um der Gefahr zu entkommen. Sie schaute kurz hinter sich, die Menge hatte sich geteilt und gab den Blick auf einen kleinen Trupp Soldaten frei. Angst schoss in ihr Hoch, ihr Herz hĂ€mmerte als sie die 4 Wachen nun im Laufschritt hinter ihr herrennen sah. Sie sammelte noch mal ihre letzten KrĂ€fte, schnappte nach Luft und rannte weiter. Auch vor ihr teilte sich die Menge, was ihr einerseits keine Deckung mehr gab, andererseits freien Raum zu laufen.

Endlich erreichte sie die AuslĂ€ufer des Marktes, hier gab es noch weniger Deckung und die Soldaten waren gefĂ€hrlich Nahe. In ihrer kopflosen Angst rannte sie in die nĂ€chste Gasse und bog willkĂŒrlich in eine weitere ein, doch die Schritte verfolgten sie hartnĂ€ckig. Sie entdeckte einen Spalt zwischen zwei HĂ€usern, flink huschte sie hinein, egal, ob sie jemand dabei sah, oder nicht. Dann presste sie sich eng an die Hauswand und hielt den Atem an. In Gedanken betete sie inbrĂŒnstig zu den Zwillingen und zwang sich still zu verharren.
Die Soldaten nĂ€herten sich, verlangsamten ihren Schritt und schließlich hielten sie ganz an, direkt vor dem Spalt. Aber sie sahen nicht nach! Die Soldaten unterhielten sich mit jemanden und gingen weiter!

Eine Welle der Erleichterung ĂŒberflutete ihren Körper, zittrig rutschte sie an der Hauswand in die Knie, legte erschöpft den Kopf auf die Arme und schluckte ihre Übelkeit herunter.
„Ey, Junge! Komm raus, sie sind weg!“
Der Kopf des MĂ€dchens ruckte hoch, starrte auf die Gestalt, die wie ein Schatten am Eingang des Spaltes stand.
„Ich tu dir nichts, ich habe sie weitergeschickt!“ die Gestallt kicherte leise „Jetzt komm schon raus, hab keine Angst!“
Das MĂ€dchen blickte sich gehetzt um, es gab kein Entkommen, die HĂ€userwĂ€nde liefen schrĂ€g aufeinander zu. Resigniert schob sie sich ein StĂŒck nach vorne, wĂ€hrend die Gestalt zur Seite trat. Zitternd betrat sie die Straße, nicht ohne vorher noch einmal nach den Soldaten zu spĂ€hen, doch sie waren fort. Bevor sie sich dem Fremden zuwandte steckte sie schnell ihre Beute in den UnterĂ€rmel.
Als sie erkannte was der Fremde war, riss sie entsetzt ihre Augen auf.

Der Priester hob beruhigend seine HĂ€nde „Ich sagte schon, ich werde dir nichts tun, hab keine Angst!“
„Warum hast du... ihr mir geholfen?“
Er lĂ€chelte und seine Augen schimmerten sanft, „Ich habe auf dich gewartet!“
Sie sah ihn irritiert an „Gewartet?“
Er nickte zustimmend „Ja, ich wusste ich begegne heute jemanden und das bist du!“
Unsicher lĂ€chelte sie.. „Wieso ich? Ihr könnt doch immer noch Jemanden treffen!“
Er schmunzelte.
„Ich fĂŒhle aber, das du es bist!“

Das MĂ€dchen lĂ€chelte scheinbar verlegen, schielte aber insgeheim nach einer Fluchtmöglichkeit. Gerade als der Priester erneut zu sprechen begann, drehte sie sich auf dem Absatz um und rannte die Straße hinunter. Sie hörte ihn hinter ihr rufen, sie möge bitte stehen bleiben, doch sie ließ sich nicht aufhalten, beschleunigte ihr Tempo nur noch mehr. Irgendwann war sie sich sicher ihn abgehĂ€ngt zu haben, verlangsamte ihren Schritt und ging zielstrebig auf ein altes verlassenes Haus zu.
Die Fenster waren mit Brettern zugenagelt und das Dach war teilweise abgedeckt, das Tor zum Hof stand offen und gab den Blick auf einen ĂŒberwucherten Platz frei. Dieses Haus war ihr Unterschlupf, sie blickte sich noch mal sichernd um und kletterte dann durch ein Fenster in den Keller. Zwei KellerrĂ€ume hatte sie sich hergerichtet, in dem einen lebte sie, dort lag eine Strohmatte, ein Herd und eine alte Kommode, in dem anderen Zimmer lagerte sie ihre Habseligkeiten, mehr GerĂŒmpel als wertvolle Sachen.

Erschöpft ließ sie sich auf den Strohsack fallen, streckte alle Glieder von sich und schloss die Augen. Als sie wieder aufwachte mussten schon ein paar Stunden vergangen sein. Sie stemmte sich auf, griff nach dem erbeuteten SĂ€ckchen im Ärmel und öffnete ihn erwartungsvoll: 8 GoldstĂŒcke, 5 Silberlinge und 11 KupferstĂŒcke! Das war ein Fang!
Ein breites Grinsen stahl sich auf ihre Lippen, heute wĂŒrde es ein Festmahl geben. Schnell stopfte sie ein paar der MĂŒnzen in die Tasche. Den Rest legte sie in ihr Geheimversteck, ein loser, ausgehöhlter Stein im Mauerwerk.
Zufrieden mit sich selbst, löste sie das Band um ihre Brust und zog die MĂŒtze vom Kopf, so dass sie langen kastanienbraunen, aber verfilzten Haare herabfielen. Sie kĂ€mmte sie flĂŒchtig mit den Fingern durch und stieg dann aus dem Kellerfenster in den Hof und von dort auf die Straße.

Zielstrebig ging sie auf den kleinen Laden zu, der nur einige Straßen weiter von Perina gefĂŒhrt wurde. Perina war eine Ă€ltere Frau mit starken Ausmaßen, die von allen nur Mama genannt wurde und sich nicht im mindesten darum scherte woher ihre Kunden das Geld hatten.
Das GeschĂ€ft musste einmal ein gut funktionierender Laden gewesen sein, doch heute sah es nur noch schĂ€big aus. Die bunte Farbe blĂ€tterte von denn WĂ€nden und das Holz war verzogen und rissig. Auf der Strasse standen zwei Tische mit allerlei Krimskrams, in denen Dinge lagen, die Perina als Bezahlung annahm, wenn der Kunde kein Geld vorzuweisen hatte. Neben Schuhen, Töpfen und verrostetem Werkzeug lagen auch einige SchmuckstĂŒcke, wie zum Beispiel eine alte Meerschaumpfeife.

Perina lehnte in der TĂŒr als das MĂ€dchen zu ihr kam, „Hallo Feya, na, was bringst du mir diesmal mit?“
„Oh, Mama! Heute hab ich ein gutes GeschĂ€ft gemacht!“, sie grinste spitzbĂŒbisch, „Ich werde einen Großeinkauf tĂ€tigen! Mein Hunger ist gewaltig!“
Perina schmunzelte nur und ihre verfaulten ZĂ€hne stachen zwischen den Lippen hervor, „Na dann komm rein, meine Kleine.“
Feya folgte der HĂ€ndlerin ins Innere des Ladens und packte Obst, GemĂŒse, Fleisch und jede Menge SĂŒĂŸigkeiten in einen Korb, dann wandte sie sich Perina zu, die sie schon skeptisch beobachtete. Ihre GesichtszĂŒge verfinsterten sich.
„Wie willst du das alles bezahlen?“
Feya trat ganz nahe zu ihr, holte 2 GoldstĂŒcke hervor und grinste Perina an, „Damit Mama! Und die Pfeife nehme ich auch mit.“ Die Frau fing die MĂŒnzen geschickt auf, als Feya sie ihr zuschnippte, biss kurz auf beide und nickte.
„Gut MĂ€del. Du kannst alles mitnehmen und die Pfeife auch.“ , die MĂŒnzen verschwanden in Perinas Rockfalten und gerade als sie sich umwenden wollte hielt sie inne und ĂŒberlegte. Feya hatte inzwischen die Meerschaumpfeife zwischen einem Satz Besteck herausgeklaubt.

„Feya, warst du heute auf dem Markt?“
Mit der Pfeife im Mund antwortete das MĂ€dchen glĂŒcklich mit einem Nicken.
Perina blickte besorgt, „Tauch unter MĂ€del, die halbe Stadt sucht nach dir! Du hast den zweitreichsten Stadtvater bestohlen.“
Feya zuckte nur mit den Schultern , „Und? Sie suchen nach einem Jungen, nicht nach einem MĂ€dchen!“, sie lachte leise.
„Nein Feya, du irrst!“, Perinas Stimme wurde eindringlich, „Sie haben anscheinend einen Priester auf dich angesetzt, er schnĂŒffelte den ganze Vormittag hier herum.“, sie hob beschwörend die HĂ€nde, „Glaub mir, Priester haben ungewöhnliche KrĂ€fte, können Gedanken lesen und so! Tauch unter, ist besser so!“
Feya nahm Perinas Worte nicht all zu ernst, nickte aber brav, packte ihre Sachen zusammen und verabschiedete sich.

Auf dem Heimweg ließ sie sich Zeit, genoss den lauwarmen Abend und grĂŒĂŸt hier und da alte Bekannte. Endlich war sie an ihrem Fenster angelangt, schlĂŒpfte leise und um sich blickend in die Kellerwohnung und stellte gedankenversunken den Korb ab. Sie legte am Kamin die Nahrungsmittel ab, legte einige Scheite Holz nach und blies in die Glut. Ihr Magen knurrte vernehmlich und sie rieb sich die HĂ€nde in Gedanken an das Festessen. Plötzlich stockte sie, hatte sie den Strohsack nicht aufgeschĂŒttelt?
Verstohlen blickte sie sich um und entdeckte noch einige andere Dinge die nicht an ihrem angestammten Platz standen. Aus der GerĂŒmpelkammer drangen leise GerĂ€usche zu ihr, vorsichtig nahm sie einen Holzscheit auf und schlich zur TĂŒr. Unendlich langsam spĂ€hte sie am Rahmen vorbei in den Raum, dort untersuchte jemand ihre Sachen, drehte sie begutachtend in den HĂ€nden und murmelte etwas vor sich hin. Sie ĂŒberlegte nicht lange, wer auch immer das war, er hatte sie noch nicht bemerkt.
Vorsichtig schob sie sich nĂ€her an den Schatten heran, hob den Holzscheit und ließ ihn, mit aller in ihr wohnenden Kraft, auf den SchĂ€del des unerwĂŒnschten Gastes krachen. Mit einem leisen, fast schon zĂ€rtlichen Seufzen brach die Gestalt zusammen. Feya schlug das Herz bis zum Hals, fieberhaft dachte sie nach. Sie warf den Scheit in eine Ecke, schnappte den „Gast“ an der Robe und zerrte ihn, auf den Boden schleifend in ihr Wohnzimmer. Nun erst wendete sie den Körper und betrachtete ihn genauer und erstarrte, es war der Priester von heute Morgen!
Feya lief es eiskalt den RĂŒcken runter, ihr Mund wurde trocken. Bei Nyris, was habe ich nur getan? Wenn er nun Tod ist? Ging es ihr durch den Kopf. Sie legte ein Ohr auf seine Brust und stellt nach bangem warten erleichtert fest, das er noch atmete. Dann untersuchte sie seinen Kopf, doch außer einer dicken Beule war nichts zu erkennen.
Sie holte einen nassen Lappen und schlang ihn dem Priester um den Kopf, danach fesselte sie ihn an HĂ€nden und FĂŒĂŸen. Zuletzt knebelte sie den Priester noch mit einem alten Taschentuch. Sie war sich sicher, dass er nun nicht mehr entfliehen konnte, doch was wenn er aufwachte? Was sollte sie mit ihm machen? Sie setzte sich neben ihn auf den Boden, schlang verzweifelt ihre Arme um die Knie und wartete.

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Fellmuthow
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und noch ein paar Hinweise



Hallo Diana,

wie beginnst du die SÀtze? (In den ersten zwei AbsÀtzen)

Ihr Magen - Sie lief - Sie bog - Sie leckte sich – Ihre Hand - Er drehte
Sie wich - Sie schaute - Sie sammelte

Dadurch wirken die SĂ€tze auf mich, wie aufgereiht.

Dann stimmen ein paar SĂ€tze so nicht.

„Der Kopf des MĂ€dchens ruckte hoch, starrte auf die Gestalt.“ der Kopf?

„... dort lag eine alte Matzratze, ein Herd und eine alte Kommode... Herd und Kommode liegen?

SpÀter ist der Herd auch noch ein Kamin.

Also meine Empfehlung: ĂŒberlegen, durchdenken, ĂŒberarbeiten – dann kann etwas daraus werden.

lg Fellmuthow

__________________
HW

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Diana Leibacher
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Registriert: Aug 2000

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Hi Fellmuthow,

danke fĂŒr deine Kritik.
Ja, jetzt nachdem ich es gelesen habe, stimme ich dir zu. Es liest sich wirklich, als wĂŒrden der Herd und Kommode "liegen"... *lĂ€chel*

Na ja, aber auch dafĂŒr hab ich die Texte hier, einem selbst fĂ€llt so etwas nur selten auf...

Werds demnÀchst Àndern...

Gruß
Diana

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