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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
10. Eintrag ins Traumtagebuch
Eingestellt am 21. 09. 2003 18:13


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flammarion
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10. Eintrag ins Traumtagebuch

Endlich hatte ich mir meinen Herzenswunsch erf├╝llen k├Ânnen, nach Indien zu reisen. Mehrere Wochen konnte ich dort bleiben und mich gr├╝ndlich umsehen.
Nat├╝rlich wollte ich auch die Landessprache beherrschen und hatte einen sehr guten Lehrer gefunden, der mich die Sprache anhand alter indischer Weisheiten lehrte. ├ťbungshalber murmelte ich diese Worte auf meinen Spazierg├Ąngen vor mich hin. Neben und hinter mir lauschten die im Staub liegenden Bettler erstaunt auf.
Eine Europ├Ąerin, die alte indische Weisheiten von sich gibt? Sie erhoben sich und folgten mir. Da ich mich ihnen nicht verst├Ąndlich machen konnte, wusste ich auch nicht, wie ich sie abwimmeln sollte. Aus meinem Mund kamen nur Weisheiten.
Die Schar meiner Anh├Ąnger wurde st├Ąndig gr├Â├čer. Eine wahre Menschenlawine folgte mir. Es war beinahe gespenstisch und bedrohlich, all diese halbnackten, stinkenden Menschen in meinem R├╝cken zu wissen. Aber ich ertrug es mit Sanftmut.
Am Tag meiner Abreise ging ich mit gesenktem Blick und zaghaften Schritten zum Hafen. Was w├╝rden meine Anh├Ąnger tun, wenn ich auf das Schiff gehe? Sie k├Ânnen mir dorthin nicht folgen, sie haben keine Fahrkarten. Au├čerdem k├Ânnte kein Schiff der Welt so unendlich viele Menschen fassen!
Wie eine Antwort auf meine Frage h├Ârte ich hinter mir ein Gemurmel, aus welchem ich entnehmen konnte, dass die Leute am Ufer auf meine R├╝ckkehr warten wollten. Sehr erleichtert ging ich auf die Reling zu.
Rechts von mir entstand pl├Âtzlich ein Tumult. Es hie├č, die indischen Studenten w├╝rden den amerikanischen St├╝tzpunkt st├╝rmen, weil dort ein riesiger Giftgasbeh├Ąlter lagerte mit einer so gro├čen Menge Gift, dass daran die gesamte Weltbev├Âlkerung sterben k├Ânnte. Die Studenten forderten, dass die Amis ihren Dreck gef├Ąlligst in ihrer Heimat lagern sollten.
Der Tumult wurde immer heftiger. Steine flogen, Glas splitterte, Sch├╝sse knallten. Dann hie├č es: Der Giftbeh├Ąlter ist gesprungen, das Gift tritt aus und verpestet die Luft. Panik brach aus. Tausende st├╝rmten zum Hafen, wollten mit den Schiffen auf den Ozean hinaus und so der Gefahr entgehen. Ich wurde zur Seite gedr├Ąngt. Ich wandte mich meiner Anh├Ąngerschar zu. Erstens wusste ich, dass die Schiffe keine Rettung boten und zweitens wollte ich nicht niedergetrampelt werden, wie einige Leute vor mir. Ich erhob meine Stimme und sagte: „Wenn es beschlossen ist im Weltenplan, dass wir heute sterben sollen, dann wollen wir das mit W├╝rde tun. Lasset uns noch einmal die Herrlichkeit dieser Erde in unsere Sinne aufnehmen und in Frieden scheiden.“
So standen wir erhobenen Hauptes, blickten in den wolkenlosen Himmel und betrachteten die ruhelosen V├Âgel, die ihre Bahnen wie eh und je zogen. Mit Bedauern und Mitleid blickten wir auf die vielen Menschen, die einander von der Reling stie├čen.
Bald sanken die Schiffe unter der Menschenlast. Einige Leute schwammen hektisch in die See, kamen aber nicht weit. Da der Hafen immer viele Abf├Ąlle bot, gab es Haie und Reptilien, die ihre Rachen aufhielten.
Es hatte gehei├čen, dass das Gift innerhalb eines Tages die gesamte Menschheit getilgt haben w├╝rde. Nun waren schon zwei Stunden vergangen und die Luft hatte sich nicht ver├Ąndert. Sonderbar, denn der Tank war ja in unmittelbarer N├Ąhe geplatzt. Kein Mensch lie├č irgendwelche Anzeichen von Beschwerden erkennen.
Ich stimmte ein altes indisches Lied an und alle fielen ein. Bald klang das Lied durch die ganze Stadt. Der Tumult endete. Man k├╝mmerte sich um die Toten und Verwundeten. Den hilflos im Hafenbecken strampelnden wurden Rettungsringe, Latten, Leitern und Stricke zugeworfen, damit sie nicht ertrinken.

Heute nennt man mich Maharani. Ich werde als Nationalheldin gefeiert, trage kostbare Sari und habe eine Leibwache. Es stellte sich n├Ąmlich heraus, dass kein Giftgas ausstr├Âmte, sondern Sauerstoff. Das Gift-Ger├╝cht war nur verbreitet worden, damit das Volk das amerikanische Milit├Ąr aus Indien treibt.

__________________
Old Icke

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