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Leselupe.de > Kurzprosa
2+2=5
Eingestellt am 18. 10. 2001 18:34


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Paul
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Registriert: Nov 2000

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2+2=5
(oder: "Die Wahrheit ist ein Trick." )

Ann├Ąherung eines Raubtieres an das Opfer, die Wahrheit!

I.) Die Wahrheit, wie wir sie erahnen und vermuten, gibt es nicht!
Es ist eine Worth├╝lse, Worth├╝lle, leer und leblos besetzt sie einen Platz in unserem Sprachgebrauch, der jeglichen Sinns entbehrt. Das, was Philosophen seit tausenden von Jahren zu ergr├╝nden suchen, dem sie hinterherhecheln, wie ein Esel, der an einem Stab gebundenen Mohrr├╝be, diese Arbeit, die sie in unz├Ąhlige Kumulationen von Buchstaben steckten - alles f├╝r die Katz. Sysiphos h├Ąlt sich schallend den Bauch...
Diese Wahrheit, die dem Anspruch eine allgemein g├╝ltige und f├╝r jedermann anwendbare zu sein, gen├╝gen soll - ab in die Glutenkiste damit! Nicht real existent!
Mag sein, da├č mich dies behauptend ein Hauch von Nihilismus umflattert, doch: was soll eine "eine heilige Wahrheit" in einer von Individuen bev├Âlkerten Welt, welchen Sinn, Nutzen und Zweck erf├╝llte sie? Warum also nach etwas suchen, was bedeutungslos und bar jeglicher Vern├╝nftelei? Es ist, als w├╝rfe man die Angel aus, in der Erwartung einen kapitalen Hirschen zu fangen...
Und noch einmal, liebe Kritiker, auch wenn es sie g├Ąbe, diese Wahrheit, so w├Ąre sie f├╝r uns komplett Wurscht. Man kann sie nicht wissen. Insofern ist der Begriff "Philosoph" schon ├Ąu├čerst merkw├╝rdig gew├Ąhlt... - suchten sie sie tats├Ąchlich, die Handwerker des Geistes, so hie├čen sie vielmehr Philoveritaner - oder so...
Da├č es nun dieses Objekt der Begierde, die Wahrheit, nicht gibt, soll nicht hei├čen, da├č es nicht eine Wahrheit gibt, eine f├╝r dich, eine f├╝r mich - "jedem seine Wahrheit", bin ich gewillt zu br├╝llen, jedem seinen Platz, jedem seine Bestimmung - und wer das letzte Mosaiksteinchen einf├╝gt merkt dann schon..., derweil der Sensenmann h├Ąmisch sein Werkzeug wetzt... - aber das ist eine andere Geschichte...
Manchmal lassen sich diverse Ähnlichkeiten konstatieren, manche weisen ein gleiches Gerüst, manche ein gleiches Fundament auf - man spricht dann von Freundschaft, Seelenverwandtheit und Liebe...




II.) Das subjektive Empfinden, meine Herrschaften, achten Sie bitte auf die
individuelle Sinneseinstellung, die pers├Ânliche Eichung und Auslotung!
Anhand eines Beispiels: ich sitze in einem Fa├č eiskalten Wassers und gehe
dann unter eine lauwarme Dusche - hach, wie ist sie prickelnd warm. Oder:
gerade noch schwitzte ich gl├╝hend in der Sauna, husch springe ich unter dieselbe lauwarme Dusche - brrr, wie erscheint sie mir kalt und frostig... - Ein anderes Beispiel: der Farbenblinde! Sie sagen gr├╝n, er sagt rot - und vice versa. Wer also wagt es, Begriffe zu definieren? Was ist kalt, was ist warm? Was ist rot, was gr├╝n? Was wahr, was falsch?
Laut Lexikon ist die Wahrheit im ontologischen Sinn die Erkennbarkeit des Seienden f├╝r den Menschengeist - in der traditionellen Metaphysik wird sie als eine der Wesenseigenschaften des Seins definiert. Aha! Soso... - letzteres besagt also, da├č es ohne die Wahrheit kein Sein g├Ąbe. Sie selbst wird als Axiom vorausgesetzt, die Wahrheit ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit - eine Rose ist eine Rose ist eine Rose...
In der ersten Definition wird von der Erkennbarkeit f├╝r den Menschengeist gesprochen - erinnern wir uns daran, da├č wir durch Sinne erkennen... . Und der Menschengeist, oh, weh... - unser Denken also kommt hier ins Spiel, jetzt wird's spannend... . Unser Denken ist aufgebaut in Begriffen, Begriffe, die in grauer Vorzeit festgelegt wurden und es im Laufe der Zeit und der Karriere zur Allgemeing├╝ltigkeit geschafft haben - vergessen wir bitte nicht, da├č subjektives Empfinden ihr Quell! So verh├Ąlt es sich im ├╝brigen auch mit dem Begriff Gott, der interessanterweise ebenso diesen sog. Wahrheitsanspruch innehat... - Unser Denken. Unser Denken ist begrenzt durch die Faktoren, gar Vektoren Raum und Zeit. Raum und Zeit gaben sich im Anfang die Hand, will sagen waren eins - hier sprechen wir vom Urknall bzw. ,auf unser pers├Ânliches Denken gem├╝nzt von der Geburt. Weiterhin verfl├╝chtigen sich diese zwei Liebenden in der Ewigkeit (f├╝r uns: soweit das Auge reicht...), ohne eine Chance auf ein Wiedertreffen - das ist die Trag├Âdie unseres Seins! In diesem Rahmen bewegen sich alle Begriffe, so auch das Alles wie auch das Nichts - sie flie├čen in diesem Flu├č unseres Erkennens, basierend auf unserer Empirie!
Da├č ausgerechnet die Naturwissenschaftler von der Tatsache ausgehen, da├č zwei Parallelen sich in der Ewigkeit ber├╝hren, erf├╝llt mich voll Scham - mir d├╝nkt, sie haben Angst, Angst vor der Ewigkeit, Angst vor dem Nichts... - doch will ich sie weiter rechnen lassen, mir bleibt nur die Freiheit zu erkennen: 2+2=5!







III.) Ehrf├╝rchtig m├Âchte ich hier noch diejenigen erw├Ąhnen, die mit dem Begriff der Wahrheit bzw. Un-wahrheit (nicht zu verwechseln mit der L├╝ge...) umzugehen verstehen, wie ein Jongleur :
Zum einen sind dies die Buddhisten, ihnen voran die Zen- Buddhisten, aber auch einige K├╝nstler wagen den Blick ins Transzendente hinaus, erinnern wir uns an die Dadaisten zu Anfang des letzten Jahrhunderts, die auch Definitionen wie die folgende wagten: dada ist garnichts, dh. alles!

IV.) Das Gleichnis von dem Blinden und dem Elefanten
Einstmals lebte in Shravasti (in Nordindien) ein gewisser K├Ânig. Der gebot seinem diener: "Lasse alle Blindgeborenen der Stadt an einem Ort zusammenkommen." Als dies geschehen war, lie├č er den Blindgeborenen einen Elefanten vorf├╝hren. Die einen lie├č er den Kopf betasten mit den Worten: "So ist ein Elefant", andere das Ohr oder den Sto├čzahn, den R├╝ssel, den Rumpf, den Fu├č, das Hinterteil, den Schwanz, die Schwanzhaare. Dann fragte er: "Wie ist ein Elefant beschaffen?" Da sagten die, die den Kopf betastet hatten, "Er ist wie ein Topf", die das Ohr betastet hatten, "wie ein geflochtener Korb zum Schwingen des Getreides", "wie eine Pflugstange", "ein Speicher", "ein Pfeiler", etc. - Und mit dem Rufe: "Der Elefant ist so und nicht so!", schlugen sie sich gegenseitig zur Belustigung des K├Ânigs.
V.) Abschlie├čend m├Âchte ich noch bemerken: Sch├Ân, da├č wir uns nun so ausf├╝hrlich dar├╝ber unterhalten haben, was die Wahrheit ist - ich f├╝r meinen Teil halte nichts davon, ich gehe jetzt viel lieber Kies harken!
VI.) AMEN!



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anderermartin
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Der Trick an der Wahrheit ist der Zweifel?

Ein interessanter Essay, vielleicht ein wenig rundumschlagartig f├╝r meinen Geschmack, aber unterhaltsam und anregend zugleich. Ich mag solche Texte.

Ein paar nicht weniger rundumschlagende Gedanken aus dem Bauch heraus:

Ist die Frage nach der Objektivit├Ąt der Wahrheit sinnvoll? Wenn wahr ist, dass sie nur subjektiv existiert, ist diese Erkenntnis dann objektiv wahr?

Oder soll ich es mit Kant halten, der - wenn ich das ansatzweise richtig verstanden habe - das Denken in Begriffen damit erkl├Ąrte, das wir gar nicht anders denken k├Ânnen, weil die Begriffe unserem Denken vorausgesetzt und damit subjektib zwingend objektiv sind? Ist es unter dieser Voraussetzung interessant, ob die Wahrheit ein wahrer Begriff ist?

Was w├Ąre eigentlich, wenn wir eines Tages die Wahrheit herausf├Ąnden? Welches Ziel sollte die Menschheit dann noch verfolgen? Ist nicht das Streben danach unser Lebenselexier, nach dem Motto "der Weg ist das Ziel"?

Oder ist doch Gott das Ziel und der Weg zu ihm nur der Weg? Hat er uns die Begriffe eingegeben, in denen unser Denken gefangen ist? Ist Gott eine subjektive Wahrheit? Hat der Gott gewonnen, dessen Sch├Ąfchen auf Erden die anderen Herden besiegen? Es gibt Leute, die sind der Ansicht, die Eigenschaft Christi als Gottes Sohn lasse sich rational belegen.

Mit welchen Begriffen?

Gru├č Martin

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Aruganbe
Hobbydichter
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Wahrheit

hallo Paul,

Ist es denn gar nicht wahr, dass ich hier gerade einen bericht gelesen habe?
Es ist doch wahr, dass ich gerade am schreiben bin und dass du vorhin geschrieben hast... oder etwa nicht?
das ist doch wahrheit ...
ich vermute du sprichst irgendwie die religionen an...
Da muss ich dir recht geben... das hat ja auch nur mit glauben zu tun.
Aber das was du oder ich oder sonst jemand tut, ist doch wahr.
ich vermute, dass das mit kalt und warm auch nicht unbedingt subjektiv ist. irgendwann wird es auch den eskimos zu kalt oder den w├╝stenv├Âlkern zu heiss.
aber ist es dir nicht schon aufgefallen, dass wenn es "kalt" ist draussen, und du bist mit jemandem im "warmen", dass beinahe gleichzeitig jeder das fenster schliessen m├Âchte? das gef├╝hl erreicht beide gleichzeitig,(ausser wenn eskimo und tuareg im zimmer sind nat├╝rlich, oder vielleicht nicht mal dann? ich meine wenn beide nackt und so aber lassen wir dass...),es sagen meisstens nicht beide gleichzeitig, weil eine person einfach dominanter ist, immer alles am schnellsten entscheidet und so... oder eine person ist eher scheu und ist auf besuch... ich hoffe du siehst worauf ich hinaus will...

auf jeden fall ein intaressanter beitrag, hallelujah...

arugan

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2247
Kommentare: 11064
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Im Buch der K├Ânige war Pi=3, f├╝r einen speziellen Bottich mit Wasser. Pi wuchs und wurde irrational.

Unbesehen nehmen wir an 1:2=1/2
dabei ist 1:2=2

Wenn ich einen Haufen durch zwei teile, habe ich zwei Haufen.

Das geht ziemlich lange gut.

Das Sichtbare besteht aus v├Âllig Unsichtbarem.

Bogonon fragt:

Wieviel Seiten hat ein Blatt Papier?

Er setzt sich und schreibt einen einseitigen Brief, der jeden Zentimeter des M├Âbiusschen Blattes f├╝llt.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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manka
???
Registriert: May 2001

Werke: 1
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versuchs mal damit

Ciao allerseits,

Mir scheint das angesprochene Problem von der Wahrheit ├Ąu├čerst simpel. Was nicht hei├čt ich h├Ątte die Wahrheit mit L├Âffeln gefressen. Doch versucht man diese eine Wahrheit, dieses Letztendliche mithilfe von Worten und dem Verstand zu verstehen, wird man zwangsl├Ąufig immer bei Schwarz und Weiss landen. Egal mit welchem Beispiel man sich an dieses verzwickte Problem heranwagt es wird immer Dual bleiben. Das Dumme ist nur das die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt, genau dort wo unsere Worte eben nicht sind und auch nie hingelangen k├Ânnen. Dies bedeutet das wir uns dar├╝ber nicht unterhalten k├Ânnen, da uns die Worte fehlen. Die L├Âsung des Problems hat also mit Worten, Gedanken, Theorien ├╝berhaupt rein gar nichts zu tun. Die Wahrheit kann zwar jeder begreifen, doch dar├╝ber unterhalten kann sich niemand. Weshalb ich die Versuche der diversen Kirchen auch ├Ąu├čerst r├╝hrend finde ihren Sch├Ąfchen mithilfe von Predigten der Wahrheit nahe zu bringen. F├╝r mich hat Wahrheit was mit begreifen ÔÇô greifen und nicht mit verstehen ÔÇô stehen zu tun. Also aktiv und nicht passiv. Ich mu├č wohl meinen Arsch fortbewegen um die Wahrheit erfahren zu k├Ânnen. Was bedeutet das die Wahrheit niemals hier ist sondern immer wo anders.

Liebe Gruesse

Manka
__________________
mailmeto: manka@galgata.net

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Paul
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 286
Kommentare: 62
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na das is doch mal was, hut ab, manka, scheinst es ge-griffen zu haben... - und eine verneigung noch dazu f├╝r deine homepage, da is ja richtig was los..., mehr darf ich dazu nicht sagen, bin die zivilisation in person und solidarisch mit jedem cowboy...;-)

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