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Leselupe.de > Lange Texte
2. Kapitel
Eingestellt am 01. 09. 2004 17:40


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Diana Leibacher
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Aug 2000

Werke: 17
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Feya bemerkte zuerst erst gar nicht, dass der Priester sich bewegte und schreckte auf, als sie sein leises St├Âhnen vernahm. Sie griff nach dem Dolch und kauerte sich dicht neben ihn auf den Boden. Pl├Âtzlich riss er die Augen auf und blickte sie direkt an. Feya war irritiert ├╝ber die Klarheit seines Blickes, normalerweise h├Ątte er tr├╝b sein oder zumindest verschlafen wirken m├╝ssen, doch nichts von alledem traf zu.
Sie versank f├Ârmlich in ihnen. Verwirrt sch├╝ttelte sie sich, wie um sich loszurei├čen und sah auf den Lappen, den sie ihn um den Kopf geschlungen hatte. Behutsam nahm sie ihn ab, befeuchtete ihn neu und schlang ihn wieder um den Kopf des Priesters. Dieser beobachtete sie mit den Augen und versuchte durch den Knebel hinweg etwas zu sagen, aber er brachte nur ein Summen zustande. Sie blickte wieder zu ihm, den Dolch drohend erhoben. „Ich kann euch nicht losbinden, dass ist zu gef├Ąhrlich , ... f├╝r mich!“ ,sie grinste gequ├Ąlt.

Seine Augen sahen bittend zu ihr auf, wieder war dieses Summen zu h├Âren. Feya seufzte auf, „Schaut mich nicht so an, ich wei├č noch nicht was ich mit euch mache!“ Er begann zu husten und zu r├Âcheln bei einem weiteren Versuch zu sprechen, sein Gesicht lief rot an und die Augen quellten hervor. Feya sah es mit steigender Besorgnis, schnell richtete sie ihn auf und zischte ihm drohend zu, „Also gut, ich nehme euch den Knebel ab, aber ich warne euch, wagt es nicht zu schreien. Mein Dolch ist schneller in eurem Herzen, als ihr zuende geschrieen habt!“ ,mit diesen Worten l├Âste sie den Knebel und warf ihn zur Seite, die Hand mit der Waffe auf seinen Hals gerichtet.
Doch der Priester schrie nicht, nur ein r├Âchelndes „Wasser!“ kam ├╝ber seine Lippen und ein erneutes trockenes Husten. Das M├Ądchen langte nach einem Becher und hielt ihn an die Lippen des Priesters. Gierig trank er von dem k├╝hlen Nass, um dann erleichtert zu ihr aufzublicken. „Danke!“, seine Stimme klang nun wieder ann├Ąhernd menschlich. Sie nickte nur, stellte den Becher ab und setzte sich neben ihn auf den Boden, noch immer angespannt.

Seine Augen durchsuchten den Raum und nachdem er sich erholt hatte, richteten sie sich dann fragend auf sie, „Wo ist dein Bruder?“. Feya konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, deutete mit den H├Ąnden einen Zopf an und grinste spitzb├╝bisch, „ Meint ihr den?“. Erkennen blitzte im Gesicht des Priesters auf und er l├Ąchelte anerkennend, „Keine schlechte Idee, mein Kompliment!“. Sie lie├č die Haare wieder auf den R├╝cken fallen und zuckte mit den Schultern, „Frau tut was sie kann!“
Er sah sie ernst an, fixierte sie geradezu, „Was hast du nun mit mir vor? Du kannst mich nicht ewig hier gefangen halten. Irgendwann werden sie anfangen mich zu suchen und dich suchen sie sowieso schon!“
„Ich wei├č es noch nicht.“ Sie ├╝berlegte und l├Ąchelte dann verschw├Ârerisch. Sie neigte den Kopf zu ihm und fl├╝sterte ihm zu, „Am Besten ich schneide euch die Zunge heraus und die H├Ąnde ab. Dann k├Ânnt ihr niemanden erz├Ąhlen wo ich bin und um es perfekt zu machen steche ich euch noch zus├Ątzlich die Augen aus. Hmm, was haltet ihr davon?“, sie lie├č sich zur├╝cksinken und nickte sich selbst best├Ątigend zu, als f├Ąnde sie ihre Idee phantastisch. Gleichzeitig unterdr├╝ckte sie sich gekonnt ein Lachen, als sie die entsetzte Miene des Priesters sah.
„Das w├╝rdest du nicht tun, oder?“
„Doch, nat├╝rlich! Ich habe keine Garantie, dass ihr schweigt und dies ist der einfachste Weg es zu erm├Âglichen euch am Leben zu lassen ohne Gefahr f├╝r mich!“ sie setzte eine ernste Miene auf. Er konnte nicht wissen, dass sie noch nie get├Âtet hatte und es auch nicht vor hatte. F├╝r sie war es ein Test wie er reagieren w├╝rde.

„H├Âr zu, ich verrate dich nicht, wenn ich dich verraten wollte h├Ątte ich es schon heute Morgen getan!“, seine Stimme ├╝berschlug sich fast.
„Vergesst ihr mich und auch, dass ich hier wohne?“ fragte sie spitz.
Er sch├╝ttelte resigniert den Kopf und senkte den Blick, „Das kann ich nicht!“
Sie sprang auf und lief im Raum auf und ab, „Warum nicht?“
Seine Augen folgten ihren Bewegungen, „Ich kann es nicht weil, ... weil ich f├╝hle das du etwas besonderes bist und... hmm, ich mir sicher bin, dass etwas passieren wird und du...“, sie schnitt ihm mit einer energischen Handbewegung die Worte ab und bedeutete ihm still zu sein.
„Was ist los?“
Sie sprang auf ihn zu und legte eine Hand auf seinen Mund, „Still!“. Sie deutete auf ihre Ohren und dann nach drau├čen. Der Priester verstand und lauschte.
Ged├Ąmpft drangen Stimmen zu ihnen nach unten, kaum wahrnehmbar, aber doch deutlich f├╝hlbar, wie eine Bedrohung. Feya schlich zum Kellerfenster und lugte kurz hinaus, dann duckte sie sich erschrocken und huschte zum Priester zur├╝ck, der sie gespannt beobachtete.
Leise raunte er ihr zu, „Die Wachen?“
Sie nickte und packte mit fliegenden Fingern ihre Habseligkeiten zusammen. „Ihr hattet Recht Priester, sie suchen mich!“
Er rutschte mit gefesselten Gelenken m├╝hsam auf sie zu, um nicht laut sprechen zu m├╝ssen. „Binde mich los, bitte. Ich kann dir vielleicht helfen!“ Sie betrachtete ihn kurz am├╝siert und sch├╝ttelte dann den Kopf, „Nein, alleine bin ich schneller.“ , sie griff nach dem hohlen Stein in der Mauer.

„Das kannst du nicht tun, wenn sie mich hier finden jagen sie dich nicht nur in der Stadt, sondern auch im ganzen Umland.“
W├Ąhrend sie hastig das Geld in einen Leinenrucksack stopfte, zusammen mit Proviant, Wechselkleidung und nat├╝rlich der Pfeife, redete der Priester auf sie ein.
„Ich finde dich wieder, ich habe dich zwei Mal gefunden, da werde ich es auch ein Drittes Mal schaffen. Au├čerdem hast du keinen anderen Unterschlupf. Wo willst du dich denn verstecken? Ich k├Ânnte dir eine Weile Unterschlupf geben, wenn du mir nur die Fessel abnimmst!“
Sie hielt inne, „Wisst ihr, ihr h├Ârt euch an, als wolltet ihr auf keinen Fall gefunden werden, vielleicht suchen sie ja euch und nicht mich?“

Selbst wenn sie ins Schwarze getroffen hatte, lie├č er sich nichts anmerken.
„Ich gebe zu, das es peinlich w├Ąre, w├╝rden sie mich hier in diesem Zustand entdecken, aber das ist nicht der Grund.“
„So? Was dann?“ fragte sie pikiert und beugte sich zu ihm herab.
„Daf├╝r bleibt jetzt keine Zeit, ich erkl├Ąre es dir, wenn du in Sicherheit bist. Jetzt binde mich endlich los!“, er streckte ihr die gefesselten H├Ąnde entgegen.
Sie seufzte auf und schnitt die Fesseln durch. „Ich wei├č zwar nicht warum ich das tue, aber ich hoffe ich bereue es nicht.“, sie half ihm auf die Beine. Er massierte sich die Gelenke und l├Âste dann die Fesseln an den F├╝├čen, „Danke!“.

Sie packte die restlichen Sachen zusammen, dann zog sie ihr Hemd aus und legte wieder das straffe Brustband an, st├╝lpte die Kapuze ├╝ber und steckte die Haare hinein. Er wandte sich zu ihr um, „Sch├Ân, dass du es dir noch einmal ├╝berlegt hast, wo ist dein Fluchtweg?“
Sie deutete auf das Kellerfenster und grinste ihn an.
Er stutzte „Was, da durch? Direkt in die Arme der Wachen?“.
Sie nickte und winkte ihn heran, „Ich h├Âre einen Teil der Wachen oben im Haus, also k├Ânnen nicht mehr viele drau├čen sein.“
Er sp├Ąhte durch das Fenster und wandte sich dann wieder ihr zu, „Zwei Wachen, die anderen m├╝ssen im Haus sein, aber es sind trotz allem zu viele!“
Sie strich sich eine vorwitzige Locke aus dem Gesicht „Ja, ich h├Âre sie schon herunterkommen, es gilt nun die Wachen im Hof abzulenken. Habt ihr einen Vorschlag? Alleine w├Ąre ich einfach gerannt, aber mit euch...“, sie lie├č die letzten Worte ungesagt, doch der Priester verstand auch so. Er verdrehte die Augen, sch├╝ttelte den Kopf, gab aber dann resigniert auf.
„Gut, ich lass mir was einfallen, was auch immer passiert, wenn ich jetzt sage, quetschst du dich durchs Fenster, ohne dich umzusehen, rennst zu Perina, dort treffen wir uns wieder, verstanden?“. Sie verkniff sich eine Patzige Antwort und nickte, w├Ąhrend er schon die Augen schloss und sich konzentrierte. Schwei├č stand ihm auf der Stirn und seine H├Ąnde beschrieben Figuren in der Luft, dann keuchte er kurz auf und japste nur noch, „Jetzt!“

Sie zw├Ąngte sich durch das Fenster und kam im Hof zum Stehen, denn der Anblick der sich ihr bot war erschreckend. Die zwei Wachen, die im Hof gestanden hatten brannten lichterloh, w├Ąlzten sich schreiend auf dem Boden, w├Ąhrend die Flammen immer h├Âher schlugen. Es war ein unnat├╝rliches Feuer, denn es lie├č sich nicht l├Âschen, nein, es war zu schnell, immer wenn eine Stelle nur noch schwelte, h├╝pfte ein Funke darauf um das Feuer neu zu entfachen. Wie kleine Irrlichter sprangen die Funken umher und bald war nur noch ein Wimmern von den beiden M├Ąnnern zu h├Âren. Feya starrte gebannt auf das grausame Schauspiel und zuckte entsetzt zur├╝ck, als der Priester neben ihr auftauchte und sie w├╝tend anfunkelte. Er schnappte sie am Arm und zerrte sie hinter sich her.

Irgendwann blieb er stehen und Feya starrte ihn mit neuem, ├Ąngstlichem Respekt an. „Ihr habt euch die ganze Zeit selbst befreien k├Ânnen! Ihr habt mit mir gespielt! Wie habt ihr das gemacht?“ sie wich vor ihm zur├╝ck. Er ging auf sie zu, legte die H├Ąnde auf ihre Schulter und sch├╝ttelte sie unsanft, „Verdammt noch einmal M├Ądchen, was glaubst du tun Priester, hmm? Hatte ich dir nicht gesagt, dass du laufen sollst? Deine Reaktion h├Ątte uns beinahe Kopf und Kragen gekostet!“
Feya blickte ihn unverstanden an, nur ihren letzten Satz wiederholend.. “Wie habt ihr das gemacht?“
Nun riss dem Priester der Geduldsfaden, sie sah wie er die Augen verengte und die Hand hob, aber sie konnte nicht ausweichen, sie war noch immer von den Geschehnissen benommen. Er schlug sie nicht fest, aber es reichte um sie wieder klar denken zu lassen, ihre Hand tastete nach ihrer Wange und sie straffte sich merklich.
Erleichtert seufzte er auf, „Tut mir leid, aber es war n├Âtig!“ seine Stimme klang nun weich und er schaute sie fast besorgt an. „Verzeih mir, bitte!“ er wollte sie ber├╝hren, doch sie wich zur├╝ck, ihr Blick war hart.
„Wohin soll ich gehen?“
Er lie├č die Hand entt├Ąuscht sinken, zuckte dann mit den Schultern. „Ich kenne ein Gasthaus im H├Ąndlerviertel, dort wird nicht nachgefragt.“
Langsam rollte eine kleine Tr├Ąne ihre Wange herunter, doch sie biss sich auf die Lippe und fragte nur wie sie hink├Ąme. Wieder wollte er sie tr├Âsten, sagen das es ihm leid tat, doch er wagte es nicht. Entt├Ąuscht von seiner ├ťberreaktion beschrieb er ich in kurzen S├Ątzen den Weg. Sie wandte sich um, um sofort das Gasthaus zu suchen, als er seine Hand auf ihre Schulter legte und sie erstarrte. Sie drehte sich nicht um, wartete nur.
„Geh erst in der D├Ąmmerung hin, ich werde alles arrangieren. Versprich mir, das du da sein wirst!“ seine Stimme klang spr├Âde, bittend, so als w├Ąre er nicht gewohnt zu bitten, jedenfalls nicht ehrlich zu bitten. Sie nickte kurz und riss die Schulter los, dann verschwand sie in eine Seitengasse. Traurig blickte er ihr nach und hoffte sie w├╝rde da sein.

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