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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
23
Eingestellt am 09. 06. 2002 22:36


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sevenstar
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23

An einem sch├Ânen Wintermorgen, es mu├čte gegen Januar sein und 7 Uhr, zog ich meine tr├Ąg gewordenen Glieder zusammen und befahl mir, aufzustehen.
Nein, was f├╝r eine K├Ąlte war das. Ich begann zu zittern, sowie ich auch nur einen Arm aus dem Schutze des Federbettes streckte. Aber was sein mu├čte, mu├čte auch damals schon sein. Jedenfalls schaffte ich es, ich ri├č mich mit barbarischen Kr├Ąften in die H├Âhe, setzte mich auf und stieg aus dem Bett, wankend wie eine besoffene Walk├╝re.
Nicht, da├č ich mir Schw├Ąche zugestehen wollte. Warum auch. Aber ich beschlo├č, mein Leben zu ├Ąndern. Das Aufstehen war, glasklar, f├╝r Leute meines Alters nichts mehr. Ich beschlo├č, mich klonen zu lassen.
Erl├Âst wieder in die Kissen fallend, leitete ich sofort alles in die Wege, diskret, sauber und unb├╝rokratisch, wie man das eben gew├Âhnt ist.
Ja, hier M., ich h├Ątte gern die Produktionsabteilung. Ja, dankesch├Ân. Ja, hier M., Also ich h├Ątte gern 2 Klone bestellt. Von mir selbst, nat├╝rlich, ja. Ja, elektronisches Formular, kein Problem. Und preislich? - Ach so. Ja, wenn das so ist. Also dann lieber doch etwas intelligenter als das Original. Muskeln? Ja, nat├╝rlich. Aber nicht so ausladend. Ja, Aussehen gleich bitte, sehr gut. Ja, ich warte. - Aha, das klingt g├╝nstig ja. Ja, nehm ich. Expresslieferung bitte, ja. 2 Stunden kanns dauern? Na gut. meinetwegen. Buchen sie ruhig ab. Ja, see you.
Also 2 Stunden, das war ja schon eine Frechheit. Aber so ist das nun mal. Die Armen und Schwachen werden immer benachteiligt. Jedenfalls ging es mir schlecht. Nicht, weil ich zuviel Stre├č gehabt h├Ątte, nein. Eigentlich war ich ja gar nicht so besch├Ąftigt, wie ich mir zeitweilen vorkam.
Fernseher lauterdrehen: Ich f├╝hlte mich wohl wie nie. Geborgen in der Glitzerwelt, alles war heil.
Wie berauscht war ich, bis die T├╝r summte. Herein kamen zwei Leute, fett, absto├čend h├Ą├člich, schrecklich muskul├Âs. Ich mu├čte best├Ątigen, sie empfangen zu haben, dann ging die T├╝r wieder zu, gl├╝cklicherweise.
Na, Jungs, sagte ich, um aufzumuntern. Ich dachte, da├č die wohl so denken w├╝rden, wie ich dachte.
Bist du bl├Âd? fragte mich einer und sah mich an, als wolle er mich verspeisen. Ich lachte. Das waren schon nette Typen, dachte ich. Aber ich mu├čte mich erst einmal vergewissern, ob sie ihr Geld auch wert waren. Mir kam die letzte Quiz-Show in den Sinn. Wo liegt die Hauptstadt der T├╝rkei, fragte
ich messerscharf: A: in D├Ąnemark, B: in Indien, C: in der T├╝rkei, D: auf dem Mond. Tats├Ąchlich, es waren Prachtkerle: Sofort kam die richtige Antwort wie aus meinem eigenen Mund. Es waren ja auch meine eigenen M├╝nder, ich hatte sie ja gekauft.
Das Dumme an den beiden Klons war, stellte ich nach ein paar Wochen fest, da├č sie mir das Leben auch nicht erleichterten. Sie machten alles nur noch komplizierter, und das konnte ich nicht ausstehen. Ich war schon nahe daran, sie zu reklamieren oder einstampfen zu lassen, als einem von ihnen (ich konnte sie nie auseinanderhalten, sie waren ja so gleich) auf die blendende Idee kam, da├č wir doch die Rollen tauschen k├Ânnten. Ich sagte ja, die beiden waren sehr intelligent.
Ich ├╝bernahm also, um meinem Elend zu entgehen, die freiwillige Arbeit meiner Klone. Nur Schade, da├č ich dem nicht gewachsen war. Gestern bin ich drau├čen zusammengebrochen beim Schaufeln. Das Loch Nummer 14 war gerade fertig, ich sah noch, wie die Kiste, die es f├╝llen sollte, angetragen wurde. Erst heute bin ich auf dem Asphalt liegend aufgewacht, unf├Ąhig, mich zu bewegen. Einer der Schaufler vom Feld nahm seine Pflicht wahr und schlug mit dem Spaten mir den Sch├Ądel ein. Alles diskret und sauber, wie ich schon sagte. Ich bekam sofort eine Nummer und einen Platz zugewiesen: Loch 23.
Meine Klone machten sich inzwischen ├╝ber meine Biervorr├Ąte her.

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ex-mact

???

Registriert: May 2001

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Moin,

der Text passt fast in „SF und Fantasy“ - er hat ein wenig von Lem, einen Hauch von Kafka und etwas Bedarf an Feinschliff...

Die Idee finde ich sehr sch├Ân, der Aufbau ist durchaus gelungen. An einigen Stellen „sackst“ Du in der Sprachebene ab, besonders dann, wenn Du Dich augenzwinkernd mit dem Leser „verbr├╝derst“. Ich w├╝rde da den sonst distanzierten Ton beibehalten.

Sch├Ân, da├č es auch solche Texte in der Lupe gibt! Mehr davon...

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