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Leselupe.de > Kurzgeschichten
27 Minuten
Eingestellt am 27. 11. 2016 14:18


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Mia Lila
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Registriert: Mar 2016

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27 Minuten

Es dauert 27 Minuten, bis Sie diese Nachricht abgeschickt hat. Vier S├Ątze, in unter zwei Minuten geschrieben. Sie hat die Nachricht durchgelesen und sie so belassen, weil sie ehrlich ist, aber trotzdem hat es 27 Minuten gedauert, bis Sie sie endlich verschickt hat. Dann ist sie fort. Man kann die S├Ątze nicht mehr einfangen oder zur├╝cknehmen. Worte, selbst geschriebene, k├Ânnen ihren Klang im Raum hinterlassen. Manchmal ein sch├Âner Ton, manchmal ein kr├Ąchzender Schrei. Ihre Umgebung scheint Ihr zu laut. Echo, Kl├Ąnge und Gef├╝hle von vier S├Ątzen schleudern umher, sodass Sie sich lieber unter der Bettdecke versteckt. Das Echo von Worten besteht aus Gedanken, Hoffnungen und ├ängsten und davor kann man sich nicht einmal unter der Bettdecke verstecken.
Warum hat Sie die Nachricht blo├č abgeschickt?
Was wird der Empf├Ąnger dieser kleinen Wahrheit dar├╝ber denken?
Und was wird Er ├╝ber Sie denken?
Hat Sie Ihn damit vielleicht sogar vertrieben?
Hat Er verstanden, worum es geht?
Begreift Er, dass er ein kleines St├╝ck Wahrheit erhalten hat?
Hat Er Sie m├Âglicherweise schon vergessen?
Wird Er ├╝ber die Nachricht lachen?
Was wird Er antworten?
Wann wird Er antworten? Minute f├╝r Minute.
Es rauscht in Ihren Ohren, w├Ąhrend Sie wartet und immer wieder auf die Uhr sieht. Gewiss ist Ihre Unsicherheit v├Âllig unbegr├╝ndet. Wenn Sie seine Nachricht bekommt, werden sich endlich alle Fragen aufl├Âsen.
Zwei Minuten Unendlichkeit sind auszuhalten. Aber Sie wird weiter alleingelassen mit all den Ger├Ąuschen in ihrem Kopf.
Die Antwort - die einfachste Erl├Âsung - bleibt aus.

Es dauert 27 Minuten, bis Sie diese Nachricht abgeschickt hat. Vier S├Ątze, in unter zwei Minuten geschrieben.
Es dauert nur wenige Sekunden, bis Er die Nachricht gelesen hat. W├Ąhrend f├╝r Ihn nur ein kurzer Moment verstreicht, bedeutet f├╝r Sie die selbe Zeitspanne eine Ewigkeit des Nachdenkens, Hinterfragens und Zweifelns.
Warten kann ein schreckliches Gef├╝hl sein, ein Durchleben aller M├Âglichkeiten und Verluste.
Es dauert nicht einmal zwei Minuten, um Sie davon zu befreien. Wenn Er sich nicht einmal daf├╝r die Zeit nimmt, wie kann Er sich die Zeit f├╝r andere Wertsch├Ątzungen nehmen? Wie viele Freundschaften k├Ânnen zerbrechen in unter zwei Minuten? In einer Generation, in der rasante Entwicklung und Kommunikation in H├Âchstgeschwindigkeit dazu f├╝hren, dass das Leben immer schneller wird - wer nimmt sich Zeit f├╝r eine banale Nachricht, die mit so viel hintergr├╝ndigen Gedanken gef├╝llt ist? Niemand.

All diese Gedanken durchqueren Ihren Kopf. Er hat ihre Nachricht gelesen, das kann Sie sehen und es gibt tausend Gr├╝nde, warum Er noch nicht geantwortet hat.
Und dann wird Sie endlich befreit. Der Klingelton l├Ąsst ihr Herz gefrieren und Sie h├Ąlt die Luft an, w├Ąhrend Sie die Nachricht ├Âffnet.
Ein Smiley. Er hat ihr einen Smiley geschickt. Und einen Daumen nach oben.

Version vom 27. 11. 2016 14:18

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Blumenberg
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Hallo Mia Lila,

du schreibst hier einen sehr knapp gehaltenen Text, der mit der Hochfrequenzkommunikation unserer Zeit ein Thema aufgreift ├╝ber das es sich, wie ich finde, lohnt nachzudenken.
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, finde ich w├╝rde es dem Text guttun, wenn du noch an der ein oder anderen Ecke ein wenig nachschleifst, da mir einige Dinge aufgefallen sind und das ja ein Forum zur Textarbeit ist, ein paar kleine Anmerkungen von mir.

Zun├Ąchst allgemein zur Struktur des Textes: Dass du die Sender- und Empf├Ąngerperspektive einander in einem je eigenen Teil gegen├╝berstellst finde ich eine sinnvolle Idee, du solltest das dann allerdings auch konsequent umsetzen. Am deines zweiten Abschnitts wird die Perspektive wieder gewechselt hier w├╝rde ich nach "Niemand" einen Absatz machen, der klar macht, dass der Fokus wieder auf sie zur├╝ckkehrt.

Au├čerdem w├╝rde ich sehen, dass der Empf├Ąngerabschnitt aus dem Allgemeinen ins Einzelne versetzt wird. Du schreibst beispielsweise: "Es dauert nur Sekunden bis man die Nachricht gelesen hat" Hier w├╝rde ich das "man" durch ein "er" ersetzen. Ebenso im Satz danach statt "f├╝r einen Menschen" w├╝rde ich "ihn" schreiben, aus dem anderen Menschen w├╝rde dann "sie" und so weiter. So bekommt das Ganze eine pers├Âhnliche Note, ohne dass deine Kritik an der Form moderner Kommunikation verloren geht.

Daneben ist mir im ersten Absatz noch eine Passage aufgefallen die ich als unrund empfunden habe:
"Man kann die S├Ątze nicht mehr einfangen oder zur├╝cknehmen. Worte, selbst geschriebene, k├Ânnen ihren Klang im Raum hinterlassen. Manchmal ein sch├Âner Ton, manchmal ein unsicheres Gef├╝hl. Hier ist es laut. Echo, Kl├Ąnge und Gef├╝hle von vier S├Ątzen schleudern umher, sodass Sie sich lieber unter der Bettdecke versteckt."

Hier rufst du ein sprachliches Bild auf in dem du Nachrichten ein Klangbild zuordnest, allerdings setzt du das dann bei der Gegen├╝berstellung nicht um. Auf der einen Seite steht ein sch├Âner Ton, auf der anderen ein unsicheres Gef├╝hl. Beschreib doch vielleicht statt des unsicheren Gef├╝hls einen dyssonanten Klang. Das "Hier ist es laut" solltest du meines Erachtens streichen oder umformulieren, da der Satz mit dem hier auf etwas Bezug nimmt, wobei aus dem vorher Geschriebenen nicht hervorgeht auf was es sich bezieht.


Ich hoffe die Anmerkungen sind hilfreich f├╝r dich!

Beste Gr├╝├če

Blumenberg

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Mia Lila
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Lieber Blumenberg! Genau diese Art von Kritik ist wundervoll! Du hast mir sehr geholfen und ich hoffe, ich habe alles gut umgesetzt. Ich bin dir sehr dankbar!

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