Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
303 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
3 Etagen zur Vergebung
Eingestellt am 12. 07. 2005 17:25


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vorgaben: 80 Zeilen, Dialog in einer in sich geschlossenen Szene



3 Etagen zur Vergebung



Rufus Hohlmut hinkte durch die Lobby zum Aufzug. Der Kragen seines doppelt gestĂ€rkten Hemdes scheuerte den Hals wund, doch das machte ihm nichts aus. Disziplin war eine Eigenschaft, die er an sich selbst in höchstem Maße schĂ€tzte. Disziplin war alles. Sie gab ihm das GefĂŒhl, sein Leben unter Kontrolle zu haben. Wie zerbrechlich diese Kontrolle in Wirklichkeit war, wĂŒrde er in genau einer Minute und fĂŒnfundzwanzig Sekunden heraus finden.

Mit einem „Ping“ öffnete sich die FahrstuhltĂŒr und gab eine winzige Kabine frei. Er trat hinein und drĂŒckte die Drei. Die TĂŒr schloß Ă€chzend und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Doch er fuhr nicht hinauf.

Im Tiefgeschoss wartete Milli Woitila auf den Aufzug. Als er kam, rumpelte sie mit dem Putzwagen hinein. Das Vorderrad eierte ein wenig, so dass sie dabei versehentlich an die Schuhspitze eines Herren stieß, der sich an die Aluminiumwand drĂŒckte und sie mit entsetzten Augen ansah. Ein paar Tropfen schwappten aus dem Putzeimer.
„Was machen Sie da?“ Rufus Hohlmut starrte abwechselnd auf seinen rechten Schuh und auf die kleine Frau in KittelschĂŒrze und Badelatschen.
Der Aufzug ruckte an, dass sich Rufus der Magen umdrehte. Diesmal fuhr er nach oben.
„Was cheißt ‚was machen Sie da?‘ Das sĂ€hen Sie doch. Ich putze jetzt diese Fahrstuhl.“ Herausfordernd griff Milli nach dem Putztuch und dem Reinigungsmittel. „Und Sie? Was machen Sie da?“
„Entschuldigen Sie“, schnappte Rufus „ich arbeite hier.“
„Nicht um diese Uhrzeit. Um diese Uhrzeit ich putze diese Fahrstuhl, weil noch keiner da ist. Nur Sie sind da und stören.“
„Ich störe? Das ist ja wohl die Höhe! Sie haben meine Schuhe nass gespritzt. Mit diesem Putzwasser!“ Mit steifem Zeigefinger deutete er auf den Eimer.
Milli legte den Lappen weg und beugte sich hinunter. „Ich kann nichts sĂ€hen“, stellte sie fest und strich sich eine fettige HaarstrĂ€hne aus dem Gesicht.

Im gleichem Augenblick wurde es dunkel und der Aufzug kam ruckartig zum Stehen.
„Was.... was soll das?“ RufusÂŽ Stimme ĂŒberschlug sich in der Dunkelheit.
„Was soll schon sein? Wir sind stecken geblieben. Das ist mir diese Monat schon zwei Mal passiert.“
„Scheiße!“ Rufus rieb sich die SchlĂ€fen. Dann hörte er ein Rascheln und das Schlurfen von Millis Latschen. „Was machen Sie?“
„Na was schon? Ich wĂ€rde Chilfe rufen.“ Eine kleine Flamme tauchte aus ihrer Hand auf und beleuchtete die Knöpfe des Fahrstuhls. Sie drĂŒckte den Alarmknopf. „Thor-Aufzugstechnik“ murmelte eine mĂŒde Stimme aus dem Lautsprecher.
„Ja challo. Wir sind stecken geblieben. In der Weinstraße 23. Zwischen zweite und dritte Etage.“
„Gute Frau, es ist sechs Uhr morgens“, sagte die Stimme. „Woher glauben Sie nehme ich um sechs Uhr morgens einen Techniker? Es tut mir leid, aber Sie mĂŒssen sich ein wenig gedulden.“
Milli rĂ€usperte sich. „Wie lange ist ein wĂ€nig fĂŒr Sie?“
„Naja, es kann unter UmstĂ€nden schon zwei Stunden dauern.“, erwiderte die Stimme. Ich schicke jemanden vorbei.“ Die Leitung knackte und es war still.

„Zwei Stunden! Das kann doch nicht wahr sein!“ Rufus sank neben dem Putzwagen zu Boden und atmete schwer.
„Jetzt machen Sie mir bloß nicht schlapp“, hörte er Milli irgendwo ĂŒber sich sagen. Doch er antwortete nicht mehr.
„Chey, Sie! Sagen Sie doch Ă€twas!“ Stille. Millis SchĂŒrze raschelte.
„Chaben Sie Platzangst?“ Behutsam tippte sie ihn an. Rufus antwortete nicht.
„Na gut, Sie rĂ€den nicht mit mir. Dann werden wir Ă€ben zwei Stunden schweigen. Dann sind Sie wĂ€nigstens nicht unchöflich.“ Sie ließ sich auf den Boden plumpsen und schwieg. Doch lange hielt sie nicht damit durch.

„Ich komme aus Pollen, wissen Sie? Mein Mann ist schon lange tott und ich kam mit meine Tochter chiercher. Doch jetzt sie ist auch tott. Ein Junge chat sie umgebracht. Ich weiß nicht weschalb. Das ganze Leben ist eine große Scheise. Wissen Sie das? Aber die Totten sind nicht weg. Wir können sie nur nicht mĂ€hr sĂ€hen. Es ist immer wie amputierte Bein. Phantomschmerzen, vĂ€rstĂ€hen Sie? Wir sĂ€hen sie nicht, aber es fĂŒhlt sich manchmal so an, als wĂ€ren sie noch da. VĂ€rstĂ€hen Sie das?“

In der Dunkelheit schluchzte es leise. „Ja, das verstehe ich sehr gut.“, flĂŒsterte Rufus. „Mein Sohn hat ein MĂ€dchen umgebracht. Es ist ungefĂ€hr zwei Jahre her. Ich.... ich habe es nicht ausgehalten und hab das Auto eine Woche spĂ€ter gegen einen Baum gefahren, aber Sie sehen: ich bin noch da. Nur das rechte Bein, dass ist nicht mehr da. Und die Frage danach, was ich falsch gemacht habe, die ist auch immer da. Jeden Tag und jede Nacht. Seitdem schlafe ich auch nicht mehr.“

Als die Techniker knapp zwei Stunden spĂ€ter in der dritten Etage die AufzugstĂŒr aufbrachen und in die halbe TĂŒröffnung hinunter leuchteten, fanden sie einen Mann, der zusammengerollt wie ein Baby auf dem Boden lag. Er hatte den Kopf in den Schoß einer Frau gebettet und schlief.



__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Quidam
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo freifrau,

argh! warum so konstruiert? Idee klasse! Schön flĂŒssig zu lesen! Aber zu unglaubwĂŒrdig ...

Vorschlag: Lass sie von einem fehlenden Finger/Arm sprechen und ihm fehlt das Bein (oder umgekehrt) und lass seinen Sohn nicht ein MÀdchen umgebracht haben, sondern dass Rufus einen anderen Schicksalsschlag erlebt hat. Ansonsten könnten man denken, sein Sohn hÀtte ihre Tochter umgebracht. Falls das wirklich so war, ist es erst recht konstruiert.
Zudem stören die Perspektivenwechsel.
Dialoge sind sehr gut, einzig die Metabeschreibungen zu standartmĂ€ĂŸig, austauschbar. Zudem: Anfangs charakterisierst du den Rufus als sehr pingelig und schlußendlich hat das mit der Geschichte nichts zu tun.

Nur meine Meinung ...

GrĂŒĂŸe
Quidam

Bearbeiten/Löschen    


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

lieber quidam,

hab dank fĂŒrs lesen und kommentieren.

ich musste aus ganzem herzen schmunzeln ĂŒber den vorwurf der unglaubwĂŒrdigkeit, denn mir passieren stĂ€ndig solcherlei dinge - Ă€hnliche, wenn auch nicht ganz so dramatische.

wenn ich deinem vorschlag folge, dann ist das nicht mehr die geschichte, die ich erzÀhlen wollte.

die charakter-skizze von rufus hat meiner meinung sehr wohl etwas mit der geschichte zu tun, denn durch die begegnung mit milli wird er heraus gerissen aus seiner sorgsam gehĂŒteten kontrolle und all das wird fĂŒr ihn noch ungewöhnlicher, als es so schon wĂ€re.

der perspektivwechsel war absicht, denn ich wollte nicht aus der sicht des einen oder anderen erzÀhlen.

viele grĂŒĂŸe
freifrau
__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


Gandl

AutorenanwÀrter

Registriert: Jul 2003

Werke: 1
Kommentare: 166
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Verehrte Freifrau,

ich liebe „Lift-Szenen“. Da ist alles so schön auf kleinstem Raum eingedampft – Panik, Schweiß, Angst.
Aber ... bei dir ist mir ein klein wenig zuviel Zwischenmenschraumlosigkeit.
Der vorletzte Absatz kam mir zu schnell. Gern hĂ€tte ich etwas von einem Übergang der beiden gelesen. Das AnnĂ€hern ĂŒber die Abneigung. Mir kams zu fix.
Wenn du schon die Vorgabe 80 Zeilen hast, dann nimm doch lieber bei der Pingeligkeit was weg.
Na, und das mit dem doppelten MĂ€dchentod – es brachte mich auf eine falsche Spur (nix gegen falsche Spuren, aber hier fĂŒhrte sie ins Nichts).

LG
Gandl

Bearbeiten/Löschen    


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

lieber gandl,

ich weiß genau, was du meinst und ich hĂ€tte mindestens noch mal 40 zeilen gebraucht, um das ganze so schreiben zu können, wie ich es gewollt hab, aber die waren nicht drin. ich hĂ€tte auch liebend gern etwas vom ĂŒbergang geschrieben, denn das sind die wirklich spannenden sachen, aber ich fand, dass ich fĂŒr den ĂŒbergang allein schon mehr als 80 zeilen gebraucht hĂ€tte, geschweige denn, dass es eingeflochten gepasst hĂ€tte, und so hab ich wert auf den beginn und die pingeligkeit gelegt, weil sie etwas ĂŒber den typen rufus aussagt, was fĂŒr den rest der geschichte wichtig ist.
was meinst du mit dem doppelten mÀdchenmord? es ist doch nur eine gestorben und die interpretationsmöglichkeiten, wie sie starb, sind zahlreich. wo liest du einen doppelten mÀdchenmord?

*sich am kopf kratzt*

gruß freifrau
__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


Gandl

AutorenanwÀrter

Registriert: Jul 2003

Werke: 1
Kommentare: 166
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

MĂ€dchenTOD nicht MĂ€dchenMORD,
na, steht doch in deinem Text ...
(Sie: Tochter tot. Er: Sohn hat MĂ€dchen umgebracht)
hm ... nicht versteh, warum du nicht versteh ...
kopfkratz ... hm ...
LG
Gandl

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!