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Leselupe.de > Lange Texte
3. Kapitel
Eingestellt am 01. 09. 2004 17:56


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Diana Leibacher
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Aug 2000

Werke: 17
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Feya kauerte sich im Schatten zweier Hausw├Ąnde nieder und sp├Ąhte zu der Gastst├Ątte. Es war ein einfaches Haus aus Holz und Lehm, aber es sah gepflegt aus. Ein Mann, augenscheinlich an der Tracht als H├Ąndler zu erkennen, betrat es gerade. Sie blickte an sich herunter und runzelte die Stirn, ob man sie ├╝berhaupt hinein lassen w├╝rde? Sie zuckte resigniert mit den Schultern, ihr blieb nichts anderes ├╝brig, als es zu versuchen. Seufzend stand sie auf, sp├Ąhte ├╝ber die Stra├če und ging dann festen Schrittes auf die T├╝re der Gastst├Ątte zu. Davor angekommen hielt sie kurz inne, mit der Hand auf der Klinke, unschl├╝ssig ob sie wirklich hinein gehen sollte, doch dann dr├╝ckte sie die T├╝re auf und betrat den Schankraum.

An der rechten Wand f├╝hrte eine steile Treppe nach oben, gleich daneben stand die Theke, an der ein rundlicher und freundlich dreinblickender Wirt gerade ein Bier zapfte. Er l├Ąchelte ihr zu und neigte leicht seinen Kopf zur Begr├╝├čung. Sie sah sich weiter um, w├Ąhrend sie auf den Wirt zulief. Hinter der Theke f├╝hrte eine T├╝re wohl in die K├╝che, links von ihr standen Tische und St├╝hle, in den Ecken gem├╝tlich gepolsterte B├Ąnke. Es waren zu dieser sp├Ąten Stunde nur wenige G├Ąste anwesend und die Lautst├Ąrke der gemurmelten Worte hielt sich in Grenzen.
Der Wirt deutete auf das Bier „Einen Moment mein Fr├Ąulein, ich komme gleich zu euch!“ und brachte das Getr├Ąnk einem der G├Ąste an den Tisch. Feya wartete an der Theke und betrachtete die einzelnen Personen, es waren fast ausschlie├člich nur H├Ąndler und Handwerker anwesend, nur eine Person passte nicht ins Bild. Ein blasser, schlanker und schlaksig wirkender J├╝ngling sa├č auf einer der B├Ąnke, neben ihm auf dem Boden lag ein Wolfshund und ein Rucksack, an dem ein wohlgeformter Bogen gelehnt war. Gerade als Feya den J├╝ngling genauer betrachten wollte, kam der Wirt zur├╝ck, nahm eine ihrer H├Ąnde in seine Pranken, t├Ątschelte und l├Ąchelte sie an
„So, nun hab ich Zeit f├╝r euch. M├Âchtet ihr Speis und Trank, oder ein Zimmer?“ Feyas Augen verfolgten die Geste skeptisch, rang sich ein unsicheres L├Ącheln ab und entzog dem Wirt langsam ihre Hand. „Nun, ich h├Ątte gerne ein Zimmer, ein... ├Ąhm.. Freund wollte es vorbestellen lassen!“ Der Mann nickte eifrig, strich sich mit der Hand ├╝ber den Kinnbart
„Ah, einen Augenblick!“ , und holte hinter der Theke ein Buch hervor. Er schlug es auf, fuhr mit dem Finger ├╝ber verschiedene Eintr├Ąge und tippte pl├Âtzlich auf einen Namen „Ihr m├╝sst dann wohl Freyja Marino sein!“

Feya dachte nicht lange nach, der Name war zu ├Ąhnlich „Ja, genau! Welches Zimmer ist es?“
Der Wirt sah auf und griff nach einem Schl├╝ssel den er ihr reichte „Im 2. Stock, 1. Zimmer rechts.“ Schnell nahm sie den Schl├╝ssel entgegen, dankte dem Wirt mit einem Nicken und versuchte ruhig die Treppe nach oben zu steigen, obwohl alles in ihr schrie so schnell wie m├Âglich zu verschwinden, falls es sich der Wirt doch noch einmal anders ├╝berlegen sollte.
Endlich im Zimmer angekommen, schloss sie die T├╝re hinter sich ab und lie├č sich auf das Bett fallen. Erstaunt strichen ihre H├Ąnde ├╝ber das weiche Laken, in Gedanken zog der ganze Tag noch einmal an ihr vorbei und irgendwann schlief sie ein.

Sie wurde von einem heftigen Klopfen geweckt, m├╝de blinzelnd tasteten ihre H├Ąnde verwirrt durch die Dunkelheit. Wo war sie? Dann fiel es ihr wieder schlagartig ein. Langsam hatten sich auch ihre Augen an das durch das Fenster fallende Mondlicht gew├Âhnt und vorsichtig tapste sie zur T├╝r. Wieder klopfte es „Feya? Feya, bist du wach?“ erleichtert ├Âffnete sie die T├╝r einen Spalt und lugte nach drau├čen. Dort stand der Priester, doch er war in Hose und Hemd gekleidet, seine langen Haare fielen offen auf die Schultern herab.
„Darf ich reinkommen?“ Sie nickte und trat beiseite um ihn hinein zu lassen, hinter ihm schloss sie die T├╝r wieder sorgf├Ąltig ab. Er z├╝ndete eine Kerze an und setzte sich aufs Bett, blickte sich um und sah dann zu ihr auf. Sie zog derweil die Vorh├Ąnge zu und blieb dort mit verschr├Ąnkten Armen stehen. „Und jetzt? Was soll das Ganze?“

Er hob beschwichtigend die H├Ąnde „Langsam, eins nach dem anderen!“ Umst├Ąndlich machte er es sich gem├╝tlich und deutete neben sich „Willst du dich nicht...“ sie lie├č ihn nicht aussprechen,
„Wer oder was seid ihr? Was soll dieser Aufzug? Und,.. was um der Zwillinge willen habt ihr nun vor?“ Die Kerze spendete nur wenig Licht, gab nur Konturen wieder, aber er konnte deutlich ihre Gereiztheit aus den Worten lesen und auch, dass sie von Angst herr├╝hrten. Er seufzte auf und nickte, „Gut, ich werde dir einen Teil erz├Ąhlen, mehr wirst du sp├Ąter erfahren!“ er sah auf und bemerkte das sie scharf erwidern wollte.
Streng hob er die Hand um sie daran zu hindern „Nur einen Teil, alles w├╝rde jetzt zu lange dauern. Akzeptiere es oder lass es sein, dass ist sich gleich! Doch du machst es uns beiden einfacher, wenn du einfach nur zuh├Ârst!“ Sie biss sich auf die Unterlippe und lehnte sich zur├╝ck, wartete. Der Priester zupfte an seinen sichtlich f├╝r ihn ungewohnten Kleidung, r├Ąusperte sich und begann zu erz├Ąhlen. „Nun, zuerst die einfachen Fragen. Ich hei├če Maruk und bin ein Priester aus dem Tempel des Feuers und des Wassers. Mein Element ist das Feuer, wie du schon mitbekommen hast. Der Tempel ist der Hochtempel dieses Kultes und bildet Zwillinge in den Elementen aus, um sie dann in die kleineren Tempel zu schicken, oder andere wichtige Aufgaben zu ├╝bergeben. Da ich glaube, das dein Wissen ├╝ber die Tempel nur beschr├Ąnkt ist, erkl├Ąre ich es jetzt nicht ausf├╝hrlich, nur einen kleinen Einblick will ich dir schon mal geben.
Unsere Kultur baut auf die Zwillinge auf, Zwillinge sind Gegens├Ątze, der eine sanft, der andere wild zum Beispiel. So wie das Feuer hei├č und wild ist, das Wasser sanft und k├╝hlend. Die Zwillinge in den Tempeln entscheiden sich jeder f├╝r ein Element, dann werde sie in der „Magie“ wie du es nennen w├╝rdest ausgebildet. Es ist als Ausgleich gedacht, damit keiner ├╝berm├Ąchtig wird. Wasser kann Feuer vernichten und umgekehrt, die Zwillinge ├╝ben auf sich gegenseitig den Ausgleich aus. Aber am besten ist es, wenn sie sich erg├Ąnzen. Da Zwillinge sich sehr nahe sind, trifft dies auch meist zu.“
Er machte eine kurze Pause, holte tief Luft „Nun zu mir. Wie gesagt bin ich kein Zwilling, aber ich habe eine stark ausgepr├Ągte prophetische Gabe, die es mir m├Âglich machte doch in den Tempel aufgenommen zu werden. Ich wurde zwar nicht genauso tief ausgebildet, doch mein Wissen und meine „Magie“ ist ausgepr├Ągter ausgebildet worden, als es normalerweise ├╝blich ist.“

Sie neigte kaum wahrnehmbar den Kopf und als er merkte, dass sich nicht dazu ├Ąu├čern w├╝rde, fuhr er fort. „Nun zu den schwierigen Fragen. Durch meine Gabe sah ich, das ich einer Person begegnen w├╝rde, die sehr wichtig f├╝r die Zukunft unsere Welt sein w├╝rde. Das warst du, ich sp├╝rte es sofort. Ich wei├č zwar nicht welche Rolle du genau spielst, aber sie ist wichtig! Du fragst dich bestimmt was so besonderes an dir sein soll und mit was du es zu tun bekommst, doch das kann ich dir nur anhand von Vermutungen sagen. Mittlerweile ist es ja schon fast ├Âffentlich bekannt, das das Herrscherpaar im sterben liegt“ Er h├Ârte ihr erstauntes Atemholen, sprach aber weiter. „Eine der wichtigsten Aufgaben des Tempels ist es ein Herscherpaar auszubilden, aber.... wir haben kein geeignetes! Selbst die jetzigen waren nur eine art Notl├Âsung. Wenn wir kein neues Paar finden, ist unsere Kultur am Sterben. Schon jetzt dr├Ąngen sich immer mehr einzelne Personen in Machtpositionen, niemand au├čer die Priesterschaft scheint dies bemerkt zu haben. Es muss eine Gruppierung geben, die dieses neue Denken unterst├╝tzt, aber noch heimlich agiert. Sollte das Herrscherpaar sterben, bevor wir....!“

Er stand auf und lief im Raum auf und ab „ Nun zu dir, deine Rolle in dem Ganzen kann ich wie gesagt nur vermuten. Vielleicht f├╝hrst du uns zu den neuen Zwillingen, vielleicht findest du ein Heilmittel, oder aber du bist die Mutter der neuen Zwillinge!“ er blieb stehen und sah sie an.
Sie hatte ihn, w├Ąhrend er sprach betrachtet, zum Ersten mal richtig, auch verbarg die Kleidung nun nicht mehr seine Statur. Er sah noch recht jung aus, sie sch├Ątzte ihn auf Mitte Zwanzig, h├Âchstens Anfang Drei├čig. Er hatte sich nicht rasiert und die ersten Bartstoppeln sprossen hervor. Sein Gesicht h├Ątte das eines jeden Bauer sein k├Ânnen, etwas zu volle Lippen, eine gerade Nase, schmales kantiges Kinn und wellige braune Haare. Ach sein K├Ârper war weder der eines Athleten, noch der einen Gelehrten, doch hatte er feste Muskeln die er wohl t├Ąglich trainierte, aber das fiel nur bei genauer Betrachtung auf und unter seiner Robe w├╝rde es gar nicht auffallen. Seine H├Ąnde waren lang und schmal, doch sie konnte sich nur zu gut daran erinnern, wie fest diese H├Ąnde zupacken konnten. Nur die Augen, die waren etwas besonderes, genauso braun wie das Haar, aber unglaublich ausdruckf├Ąhig. Sie konnten den Priester ver├Ąndern, blickten sie sanft, dann erhellten sie den ganzen Menschen, machten ihn ansehbar und attraktiv, doch blickten sie ernst, oder blitzen sie gar vor Zorn, so schienen sie die ganze K├Ârperhaltung zu vervielfachen, ihn bedrohlich aussehen zu lassen. An den Augen konnte man in ihm lesen, sie spiegelten sein ganzes Wesen wieder.

Als er diesen verh├Ąngnisvollen letzten Satz aussprach, begriff sie zuerst gar nicht was er damit meinen k├Ânnte, aber mit einem Mal wurde ihr alles klar. Nicht das sie vielleicht die Hoffnung ihres Volkes war, nein ihr wurde bewusst, was es f├╝r sie alleine bedeutete. Ihr altes Leben war vorbei, endg├╝ltig, egal ob sie ein Heilmittel fand oder die Zwillinge. Nie wieder w├╝rde sie leben k├Ânnen wie bisher, vielleicht immer an der Seite dieses Mannes. Sie ahnte die Gefahr, egal was sie tat, sie w├╝rde gejagt werden. Entfloh sie Maruk, so w├╝rde er sie verfolgen, ging sie mit ihm, w├╝rden diejenigen, denen daran lag ihre Kultur zu zerst├Âren, sie jagen.
Alles Begreifen spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder, Maruk sah das sie verstanden hatte, er glaubte es zumindest. Er trat n├Ąher und legte ihr eine Hand auf die Schulter, ein Zeichen des Trostes
„Schlaf die Nacht dar├╝ber, ich werde morgen auf den Markt gehen und einkaufen. Neue Kleidung f├╝r dich besorgen, falls du dich entschlie├čt mit mir zu kommen. Auch werde ich Erkundigungen einziehen wie weit dein Steckbrief ausgeh├Ąngt wurde. Dann sehen wir weiter!“
Er lie├č sie alleine, sie sollte in Ruhe dar├╝ber nachdenken, wenigstens den Anschein einer Wahl lassen, auch wenn er wusste, das sie keine hatte...

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