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Leselupe.de > Kurzprosa
3.Sitzung oder Telepathie
Eingestellt am 03. 10. 2005 21:10


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nachtfalter
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Unl├Ąngst, so vor ca. 30 Jahren, machten Herta und ich einen Ausflug zum Fuschlsee. Zuerst sprach sie davon, was an Hitler doch auch gut gewesen sein soll und dann, nachdem ich vor lauter ├ťberraschung schwieg, begann sie, mir aus einem alten Buch vorzulesen. Weil es in lateinischer Sprache verfasst war, verstand ich sowieso kein Wort. Sie aber sagte: ohne Latein ist Bildung nicht fundiert. Ich schwieg weiter,
schaute zum wolkenlosen Himmel hinauf und er schaute zur├╝ck.
Eine bestimmte Passage musste sie pl├Âtzlich ver├Ąrgert haben, denn sie scheuchte nicht nur mit einer Handbewegung das Insekt von der Seite des Buches, in dem sie eben gelesen hatte. Sie warf das Buch hinterher ins Wasser, es klatschte, das Buch war sofort versunken und auf dem Wasser waren Ringe zu sehen die sich an der Stelle, wo das Buch versunken war, drehten. Dann klatschte das Wasser wieder, monoton, leise, gegen die h├Âlzerne Breitseite des Bootes, es schaukelte weiter.
Der Himmel war immer noch blau. Ich schaute hinauf und er schaute zur├╝ck.
Pl├Âtzlich nahm Herta die Ruder in die Hand und dr├╝ckte kr├Ąftig. Wenn ich in die Pension zur├╝ckkomme, werde ich ein anderes Buch lesen, sagte sie und das Radio aufdrehen, um die lokalen Nachrichten zu h├Âren. Kein Mensch wird auf die Idee kommen, dass wir hier sind und sie lachte, freute sich diebisch auf das n├Ąchste Buch und ich dachte, das w├Ąre jetzt eine gute Gelegenheit, sie ins Wasser zu sto├čen.
Sie war eher sportlich, ritt auch gerne und zog schon mal als Direktorin eines Erziehungsheimes einer Insassin die Reitgerte ├╝ber die Haut.
Wer wusste schon, dass sie nicht schwimmen konnte? Und ├ľsterreichs Seen sind ja bekanntlich tief.
Der Himmel war nicht mehr zu sehen, Algen streichelten mein Gesicht, es war nass und dunkel rings, ab und zu streifte ein vorbeihuschender Fisch meine Haut mit seinem glitschigen Leib.

Am besten wird sein, sagte Frau Ahavzi, wir werden das Buch ├╝bersetzen.

__________________
MargareteSch.

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petrasmiles
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Der Text gef├Ąllt mir gut! Da wird sprachlich ein Fenster aufgerissen und ich wohne einer Szene bei, gleichsam von innen und au├čen.
Ich w├╝nschte nur, ich k├Ânnte die letzten Zeilen einordnen.
Warum landet die Ich-Erz├Ąhlerin (?) im Wasser?
Und wer ist Frau Ahavzi?
Liebe Gr├╝├če
P.
__________________
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nachtfalter
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Der Text gef├Ąllt mir gut! Da wird sprachlich ein Fenster aufgerissen und ich wohne einer Szene bei, gleichsam von innen und au├čen.
Ich w├╝nschte nur, ich k├Ânnte die letzten Zeilen einordnen.
Warum landet die Ich-Erz├Ąhlerin (?) im Wasser?
Und wer ist Frau Ahavzi?
Liebe Gr├╝├če
P.


Herta sp├╝rte meine Absicht, ich tat es nicht, aber sie.
Frau Ahavzi ist eventuell in einem gr├Â├čeren Rahmen, sofern was draus wird, wie bei einem Gobelin. Das ist die, wohin sie zur Sitzung und" zur├╝ckgeht". Nach M├Âglichkeit spielen Zeit, Raum und Bewu├čtseinszust├Ąnde keine Rolle. Danke f├╝r das Lob, freut mich.
Sch.
__________________
MargareteSch.

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nachtfalter
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Der Text gef├Ąllt mir gut! Da wird sprachlich ein Fenster aufgerissen und ich wohne einer Szene bei, gleichsam von innen und au├čen.
Ich w├╝nschte nur, ich k├Ânnte die letzten Zeilen einordnen.
Warum landet die Ich-Erz├Ąhlerin (?) im Wasser?
Und wer ist Frau Ahavzi?
Liebe Gr├╝├če
P.


Meine Absicht f├╝hrte Hertha aus, sie hat es eben gesp├╝rt, die ├ťbertragung, was ├╝brigens ein Begriff aus der Analyse ist.Frau Ahavzi ist Analytikerin und ich wollte diesen Beitrag so wie andere in einem gr├Â├čeren Kontext einordnen, wobei ich nicht wei├č ,ob es mir gelingen wird.
Danke f├╝rs Lesen und die Antwort, das Lob hat mich nat├╝rlich gefreut.
__________________
MargareteSch.

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