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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
300 x Triumph des Willens
Eingestellt am 18. 04. 2007 09:51


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dubidu
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├ťber eine Million deutsche Kinobesucher innerhalb von drei Wochen k├Ânnen nicht irren:
Hollywood hat ein brachiales Heldenepos produziert, das genau zur richtigen Zeit den Zorn und den Kampfesmut mobilisiert, um siegreich gegen das B├Âse zu ziehen.

David k├Ąmpft gegen Goliath. M├╝helos lassen sich das kleine bedrohte Griechenland und die aggressiven asiatischen Horden ersetzen durch den Weltpolizisten USA und seinen Staatsfeind Nummer 1, die Weltrevolution der islamistischen Gotteskrieger. Der etwas ├Ąltere Zuschauer erinnert sich an Propagandafilme des Dritten Reiches als massenpsychologische Vorbereitung des heldenhaften Kampfes der "Arier" gegen das Hunnentum der slawisch-j├╝dischen Weltverschw├Ârung. Denn die schnellen Schnitte, die pathetische Musik, die raffinierten Bildmontagen erinnern an die genialen Propagandisten des Nazifilms.

Die Seele Leni Riefenstahls ist auferstanden und in den K├Ârper Zack Snyders gewandert. Dieser appelliert an unsere animalische Trieb- und Gef├╝hlswelt. Werte und Gef├╝hlsregungen wie Ehre, Mut, Willenskraft, Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft werden ganz bewusst angesprochen, um die ├Âffentliche Meinung auf den gro├čen Krieg vorzubereiten.

Damit auch der Nachwuchs auf den "Endsieg" eingestimmt wird, ├Ąhneln Graphiken und Figuren - von Schauspielern k├Ânnen wir kaum sprechen - den Animationen eines Computerspiels. Nicht nur tausende Soldaten verlieren ihre K├Ârperteile - nein, auch die hohen Ideale der Demokratie werden dem Triumph des Willens geopfert: im Senat sitzen nur k├Ąufliche und feige St├╝mper und die Demokratie ist am Ende!

Nun, was wird uns die "Vorsehung" liefern: einen neuen F├╝hrer, der unsere westliche Zivilisation rettet? Oder eher jugendliche Amokl├Ąufer, die sich nach diesem blutr├╝nstigen Filmerlebnis auf ihre Opfer st├╝rzen?


__________________
Die Tollk├╝hnheit des Schreibers und sein spontanes Bed├╝rfnis nach Wahrheit m├╝ssen allemal gr├Â├čer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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NicoD
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Auch auf die Gefahr hin, mich sehr unbeliebt zu machen, m├Âchte ich doch widersprechen. Ich finde Deinen Text zu kurz und zu plakativ.

quote:
├ťber eine Million deutsche Kinobesucher innerhalb von drei Wochen k├Ânnen nicht irren:
Hollywood hat ein brachiales Heldenepos produziert, das genau zur richtigen Zeit den Zorn und den Kampfesmut mobilisiert, um siegreich gegen das B├Âse zu ziehen

So? Ziehen wir Deutschen jetzt gegen das B├Âse? (Hat da jemand "Tornados in Afghanistan" gesagt? Eine Ma├čnahme, die kaum etwa mit dem Willen des deutschen Volkes zu tun hat und eigentlich nur Protest hervorgebracht hat?) Was genau genau stimuliert also dieser amerikanische Propagandafilm beim deutschen Publikum? Gibt es jetzt weniger Bush-Gegner? Mehr Verst├Ąndnis f├╝r den amerikanischen "War on Terror"? Bedeutet kommerzieller Erfolg auch propagandistischen Erfolg? Davon habe ich in diesem Fall noch nichts gemerkt.

quote:
David k├Ąmpft gegen Goliath. M├╝helos lassen sich das kleine bedrohte Griechenland und die aggressiven asiatischen Horden ersetzen durch den Weltpolizisten USA und seinen Staatsfeind Nummer 1, die Weltrevolution der islamistischen Gotteskrieger.

Und umgekehrt. Die Terroristen als eine kleine, verschworene Gruppe, die sich heldenhaft gegen die erdr├╝ckende Milit├Ąrmacht der USA stemmt. Die Klischees, durch die solche Filme funktionieren, sind stets dieselben und immer austauschbar. Man selber ist moralisch integer, eigentlich friedlich, humorvoll etc. Der Gegner ist immer an Zahl ├╝berlegen, feige und grausam (siehe dazu: Braveheart, Gladiator etc).

quote:
Denn die schnellen Schnitte, die pathetische Musik, die raffinierten Bildmontagen erinnern an die genialen Propagandisten des Nazifilms.

Ich bin kein Experte f├╝r Nazipropagandafilme. Aber Deine Beschreibung trifft auf so ziemlich viele Filme zu, sogar auf Videoclips bei VIVA und MTV. Da m├╝├čte schon mehr an Beschreibung der ├ťbereinstimmung kommen, sonst wird es eine reine Behauptung

quote:
Dieser appelliert an unsere animalische Trieb- und Gef├╝hlswelt. Werte und Gef├╝hlsregungen wie Ehre, Mut, Willenskraft, Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft werden ganz bewusst angesprochen, um die ├Âffentliche Meinung auf den gro├čen Krieg vorzubereiten.

Sind Ehre und Mut, Opferbereitschaft animalische Triebe? Wu├čte ich noch nicht. Und um nochmal darauf zur├╝ckzukommen: Ist der deutsche Zuschauer jetzt auf den gro├čen Krieg vorbereitet?

quote:
Damit auch der Nachwuchs auf den "Endsieg" eingestimmt wird, ├Ąhneln Graphiken und Figuren - von Schauspielern k├Ânnen wir kaum sprechen - den Animationen eines Computerspiels.
Weil jeder Computerspieler insgeheim am Endsieg arbeitet? Der ├╝bertriebene Einsatz von Computergraphiken in modernen Filmen ist ein ├Ąsthetischer Graus, das stimmt. Aber ich verstehe Deinen geistigen Dreisprung "Figuren statt Schauspielern"-Endsieg-Computerspieler nicht. Meinst Du, dass der Film besser bei der computerspielenden Jugend ankommt, wenn die Darsteller aussehen, als k├Ąmen sie aus dem Computer? Das ist nicht richtig. Computerspiele kommen gut an, wenn die Darsteller aussehen, als k├Ąmen sie aus dem Film. Aber wie pa├čt da der Endsieg rein?

quote:
Nicht nur tausende Soldaten verlieren ihre K├Ârperteile - nein, auch die hohen Ideale der Demokratie werden dem Triumph des Willens geopfert: im Senat sitzen nur k├Ąufliche und feige St├╝mper und die Demokratie ist am Ende!

Ach was? Man will in den USA die Demokratie abschaffen? Ja, das kann man behaupten, aber dann mu├č man auch den Sch├Ąuble und den Beckstein einsperren, weil sie versuchen, in Deutschland die Demokratie abzuschaffen.
Die Einschr├Ąnkung von B├╝rgerrechten unter dem Feigenblatt der nationalen Sicherheit ist zwar m.E. furchtbar, aber noch kein Versuch der Abschaffung der Demokratie. Und die USA sind nach wie vor demokratisch - sind es die Taliban? Herrschte im Irak, in Afghanistan eine Demokratie? Ein Bush macht noch keinen Diktator!

quote:
Nun, was wird uns die "Vorsehung" liefern: einen neuen F├╝hrer, der unsere westliche Zivilisation rettet? Oder eher jugendliche Amokl├Ąufer, die sich nach diesem blutr├╝nstigen Filmerlebnis auf ihre Opfer st├╝rzen?

Was w├Ąre Dir den lieber? Und was f├╝r eine Vorsehung? Was ist mit diesem R├Ątselwort gemeint, kann ich mir jetzt nicht verkneifen zu fragen. Man wei├č von dem Massenm├Ârder aus Blacksburg so wenig, aber Du ziehst schon eine Parallele.





__________________
Ich erhebe in den meisten F├Ąllen keinen Anspruch auf endg├╝ltige Weisheit!

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dubidu
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Lieber NicoD,

warum solltest du dich unbeliebt machen?
Weil du dir die Zeit genommen hast, auf meinen Artikel zu antworten? Oder weil du eine andere Meinung hast?
Oder etwa, weil du vermeintliche offene Fragen und Widerspr├╝che aufgedeckt hast?

Dass es zu diesem Thema kontroverse Meinungen geben muss, ist klar wie Klo├čbr├╝he. Und tats├Ąchlich liegen m.E. in deinen Anmerkungen viele Punkte, die diskutabel sind.

Mit meinem spontanen Nachdenken ├╝ber das gesehene Spektakel, habe ich direkt meine Gef├╝hle, Ideen und Reflexionen aufgeschrieben. Sollte ich heute ├╝ber das Thema schreiben, w├╝rde ich vieles anders machen und auch etwas detaillierter auf die von dir angesprochenen Fragen eingehen. Aber dann w├╝rde ich das Spontane herausnehmen und der Text bek├Ąme einen ganz anderen Anstrich. Er w├Ąre dann erheblich l├Ąnger und w├╝rde eher Seminaristen der Massenspychologie ansprechen als Schreiber und Leser eines Essay-Kanals.

Insofern lasse ich die von dir angesprochenen Punkte (zun├Ąchst) ohne Widerspruch so stehen, weil ich finde, dass sie sehr viel Substanz haben.

Gru├č
das dubidu
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RAFAEL SELIGMANN

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lapismont
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Hallo dubidu,

als Kolumne vielleicht provokant genug, jedoch w├╝rde ich das Plakative darin gleich so negativ empfinden, dass ich zum Widerspruch tendieren w├╝rde.

Nazi-Vergleiche sind gro├čes Kaliber und dem Film nicht angemessen.
Riefenstahl-├ästhetik w├Ąre hingegen ausbauf├Ąhiger, Du bewegst Dich da auf einer Wissensebene, die mich fragen l├Ą├čt, welches Publikum Du anstrebst. An wen sind Deine Worte gerichtet? Schauen jene solche Filme ├╝berhaupt, und wenn ja, dann doch bereits mit einer vorgefassten Meinung, der Du Nahrung lieferst.
Wenn es Dir gel├Ąnge, den Action-Fan, den Comic-Leser, den Computerspieler zu erreichen, k├Ânnte die Kolumne eine spannende Diskussion ausl├Âsen.

cu
lap
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dubidu
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Liebe Kollegen,

danke f├╝r eure Kommentare.
Es liegt nahe, den Film als US-Propaganda zu empfinden, wenn man die USA als abendl├Ąndischen Kreuzz├╝gler sieht, der gegen die ├╝berm├Ąchtige morgendl├Ąndische islamisch gepr├Ągte Welt k├Ąmpft. Nat├╝rlich kann man die USA auch als Gro├čmacht sehen, die gegen wenige islamistische Terroristen k├Ąmpft. Auf diesen Punkt haben NicoD und auch Ohrensch├╝tzer bereits hingewiesen. Im ├ťbrigen wurde der Film in den USA so eingestuft, dass er erst ab 17 Jahren im Kino gesehen werden darf.

Lieber lapis,
bei Wikipedia unter Kritik zum Film findest du auch den Riefenstahl-Vergleich - d.h., das, was ich empfunden habe, haben auch andere Kritiker so empfunden.

Gru├č
das dubidu
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lapismont
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Nein, Dubidu, ich meine etwas anderes.

Jene, die den Film sehen, sind nicht unbdingt die, die Dich verstehen, wenn Du Riefenstahl erw├Ąhnst.
Du musst es erkl├Ąren, wenn Du f├╝r die Kinobesucher schreibst.
Deine Kolumne scheint sich an jene zu wenden, die eh schon Deine Meinung teilen und den Film zumeist darum auch gar nicht schauen.

cu
lap
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