Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92263
Momentan online:
435 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
4. Roy Raperpotz und die Schule Raperpotz
Eingestellt am 04. 02. 2001 11:56


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
tirasrapkeve
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2001

Werke: 7
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

4. Roy und die Schule Raperpotz

Als Roy am nächsten Morgen erwachte mußte er sich zunächst umschauen, wo er überhaupt war. Er hatte so tief und fest geschlafen, daß er es wirklich nicht mehr wußte. Er lag in einem Bett aus purpurnem Samt und als er seine Decke zur Seite schlagen wollte, gab sie eigenartige Töne von sich. „Hm. Jetzt schon aufstehen, Roy Raperpotz? Vielleicht noch ein halbes Stündchen?“ Und da wußte Roy wieder wo er war. Er war in der Schule Raperpotz. Und schnell kamen die Erinnerung an den gestrigen Tag zurück. Racket mußte schon unterwegs sein, denn sein Bett war leer. Aufgeregt stand Roy auf, wusch sich in Windeseile und wollte sich gerade anziehen als die Tür aufflog. „Roy, schnell, du mußt mitkommen.“, Romy stürzte in das Zimmer, drehte sich jedoch sofort verlegen zur Seite. „Oh, entschuldige. Ich dachte du wärst schon angezogen.“
„Schon gut. Ich bin gleich fertig.“
Hastig zog sich Roy an und folgte Romy nach draußen, wo bereits mehrere Kinder wie Hühner aufgeregt hin und her liefen. Einige von ihnen schrien dabei wild. Morella war zurückgekehrt und irrte nun völlig wirr zwischen all den Kindern im Hof herum. In ihren Haaren sah Roy überall schwarze Strähnen, solche, wie auch er eine hatte, und ihr Mantel war mit tiefen schwarzen Löchern übersät. Roy ahnte schon was geschehen war. Morella war gestern Nacht zu Spartakus geflogen, um seinen Traum zu berichtigen. Sie war so vertieft in ihre Arbeit, daß sie nicht bemerkte wie der Regen langsam und schleichend immer näher kam. Eigentlich ist sie ein Meister des Träumelns und eine der Klügsten und Weisesten im Ältestenrat Traumanias. Aber gestern ärgerte sie sich dermaßen über diesen Greg Haport, daß sie all ihre Vorsicht vergaß, und alle Weisheit. Als sie den Regen sah, war es fast schon zu spät. Mit letzter Kraft schleppte sie sich hierher zurück und irrte nun zwischen all den Kindern herum. Niemand konnte ihr helfen, bis von der Seite ein knochiger Mann herbei sprang und sie stützend unter die Arme nahm.
„Mein Gott. Morella. Wie konntest du nur so unvorsichtig sein. Wir werden sie behandeln müssen!“, rief er zwei anderen Männern zu, die aus dem Keller gerannt kamen und zu dritt schafften sie sie in den Keller des Schlosses.
„Wohin bringen sie sie?“, fragte Roy Romy.
„In dem Keller werden alle behandelt, die vom Regen getroffen wurden.“
„In dem Keller? Aber wie?“
„Ich weiß nicht. Ich war noch nie dort unten.“
Aus dem Obergeschoß erklang eine Stimme. „Alle Schüler sofort in die Klassenzimmer. Der Unterricht beginnt in zehn Minuten. Alle Erstkläßler melden sich bei Mrs. Weding im ersten Stock.“
Erst jetzt fand Roy Zeit sich umzublicken. Die Schule Raperpotz war ein riesiges Schloß mit weiten Flügeln zu beiden Seiten, welche einen großen Innenhof umschlossen. Die Türme konnte Roy nur sehr schlecht erkennen, so hoch waren sie, und es schien ihm fast, als ob sie überhaupt kein Ende hätten. Die Fenster hatten etwas magisches an sich. Sobald er hinein schaute, sah er zwar ein Spiegelbild, doch es war nicht seines. Auch wenn es seinen Bewegungen folgte, so sah er doch eindeutig einen ganz anderen Jungen darin. Roy konnte sich nicht erklären wer dieser Junge war, und warum er ständig seinen Bewegungen folgte. Doch jetzt hatte er auch keine Zeit darüber nachzudenken. Er ging mit den anderen Kindern in den ersten Stock, wo sie bereits von Mrs. Weding erwartet wurden. Mrs. Weding war eine relativ junge, hübsche und sehr nette Frau. Aber eigenartiger Weise hatte auch sie schon graue Haare, wie scheinbar alle erwachsenen Menschen hier. Sie begrüßte alle Kinder mit einem freundlichen Händedruck und ein paar persönlichen Worten, und als Roy an der Reihe war, nahm sie sich besonders viel Zeit.
„Sieh an. Da ist er ja. Der berühmte Roy Raperpotz. Ich hoffe es wird dir hier gefallen bei uns.“
„Ja. Ich denke schon.“, erwiderte Roy verlegen.
„Gut. Setzt dich dorthin Roy.“
Roy ging weiter und setzte sich neben Racket auf einen der Stühle, welche im Kreis angeordnet waren. Ein paar der Kinder hatte er draußen schon gesehen. Den kleinen schüchternen rothaarigen, mit dem Namen Sam, der sich kaum traute den Mund aufzumachen. Und auch einen der beiden Jungen, die mit Greg Haport zusammen waren, sein Name war Ed Fischer, betrat jetzt in frechem Schritt das Zimmer. Als alle Schüler sich gesetzt hatten schloß Mrs. Weding die Tür und nahm auf einem Stuhl in die Mitte Platz. Dann begann sie ihren Unterricht.
„Wißt ihr warum ihr hier seid Kinder?“
„Wir wollen lernen, den Menschen ihre Träume zu bringen.“, antwortete ein Mädchen neben Roy.
„Ja, richtig Marie. Und weißt du auch wie wir das nennen?“
Doch noch bevor Marie antworten konnte polterte es aus Racket heraus. „Träumeln, wir nennen es Träumeln.“
„Ja genau. Racket. Träumeln ist das richtige Wort dafür. Und wie träumelt man richtig Racket? Kannst du uns daß sagen?“
„Ja...eh.., ich...“, verlegen schaute er zum Boden. „Nein. Ich weiß es nicht.“
„Weiß es jemand?“, fragte Mrs. Weding die anderen.
Doch niemand meldete sich.
„Roy. Kannst du uns sagen wie man träumelt?“
Was sollte Roy ihr schon antworten. Er war den ersten Tag in dieser Schule und den dritten Tag in diesem merkwürdigen Land. Woher sollte er wissen wie man träumelt? Aber er hatte es ja schon einmal gesehen und so antwortete er mutig. „Man fliegt mit einem Zaubermantel durch die Luft und zerstreut Traumsand und feuert aus einer Kugel Blitze ab.“
Mrs. Weding sah ihn erstaunt und gleichzeitig erschrocken an. „Woher weißt du das Roy? So werden nur verbotene Träume geträumelt.“
Roy sah wie Ed Fischer ihn durchdringend anstarrte und dabei drohende Worte mit den Lippen formte.
„Ich habe davon gehört.“, log Roy, obwohl ihm dabei sehr unbehaglich zumute war. Aber er wollte nicht schon am ersten Tag Ärger bekommen.
„Vergiß ganz schnell, was du da gesehen hast Roy. So etwas ist streng verboten hier in Raperpotz.“
Dann fuhr sie wieder mit freundlichen Ton fort. „Aber es stimmt, daß man zum Träumeln einen Traummantel und eine Kugel, eine Traumkugel, benötigt. Weiß jemand wie diese Kugel heißt?“ Fragend richtete sie sich an Ed Fischer. „Ed?“
„Das ist ein Konkel.“
„Ja richtig. Und was macht man damit?“
„Ich weiß nicht.“, antwortete Ed in einer Art, die Roy merke lies, das Ed schon ziemlich gut Bescheid wußte, was das Träumeln anging, mehr als er bereit war zuzugeben. Da es sonst jedoch niemand wußte, erklärte es Mrs. Weding selbst.
„Es ist eine Kugel mit der die Träume zu den Menschen gebracht werden, das ist der Konkel. Ihr werdet später lernen, wie man mit ihn benutzt. Aber etwas fehlt uns noch. Wir haben den Traummantel, der uns zu den Menschen bringt und wir haben den Traumsand und den Konkel der die Träume weiter schickt. Was fehlt uns da noch? Etwas, das all diese Dinge verbindet. Wer weiß es?“
Sie schaute in die Runde. „Sam? Weißt du es?“
„Ich..., Ich.... Nein.“, sagte er schüchtern und blickte zu Boden.
„Das ist nicht schlimm Sam. Du bist hier um es zu lernen. Es sind die Traumsprüche. Unsere eigene Sprache, das Hunduisch. Es ist die Sprache die alle Dinge miteinander verbindet. Erst sie bringt die Menschen in unser Land, wo sie anfangen zu träumen. Die Traumsprüche verbindet die Träume mit dem Konkel und schickt sie zu den Menschen.“
Aufmerksam lauschten alle Kinder Mrs. Weding. „Hunduisch wird das erste sein, das ihr lernen werdet. Wir werden gleich morgen damit anfangen. Doch jetzt werde ich euch die Schule zeigen.“
Sie murmelte etwas und auf einmal begann sich das Zimmer zu drehen. Roy sah wie sie sich nach oben durch das Haus bewegten und plötzlich über der Schule Raperpotz schwebten. Und obwohl sie nun ganz oben waren konnte Roy noch immer nicht die Türme sehen, die wahrhaftig irgendwo im Himmel zu liegen schienen.
„So Kinder. Von hier aus seht ihr die ganze Schule. Sie wurde von einem der größten Meister unseres Landes erbaut, von Meister Sotalex.“
Roy horchte auf. Dies war der Name des Mannes, den Roy suchen sollte. Wie Guckifix ihm prophezeite wird Sotalex ihm den heiligen Somnel geben können. Und dieser Sotalex hatte Raperpotz erbaut? Roy nahm sich vor mehr darüber herauszufinden. Doch nun hörte er weiter aufmerksam den Worten Mrs. Wedings zu.
„Hinter der Schule befindet sich ein großes Träumelfeld. Dort üben vor allem die jüngeren Schüler das Träumeln.“ Alle Kinder blickten nach hinten.“
„Ah, wie ich sehe ist Mr. Finley gerade mit seiner Klasse dort. Naja. Viel scheinen sie bei ihm ja nicht gelernt zu haben.“
Roy sah wie mehrere Gestalten in der Luft hin und her flogen und einige von ihnen zusammenstießen und auf den Boden krachten. Doch kurz danach flogen sie schon wieder in der Luft, so daß anscheinend nichts Ernsthaftes passiert war.
„So Kinder, jetzt werden wir noch durch ein paar Klassen gehen.“
Schon während sie dies aussprach bewegte sich das Zimmer wieder nach unten, stoppte und gab den Blick in eines der anderen Klassenzimmer frei.
„Dies ist die Klasse in der der richtige Umgang mit Traumsand gelehrt wird und hier hinten...“ Sie drehte sich um und alle Schüler taten es ebenso. „.. hier hinten seht ihr die Klasse für Tierträume, daneben die für Kinderträume und direkt darunter ist die für Erwachsenenträume, aber dorthin werdet ihr erst viel später kommen.“
Und so zogen sie durchs ganze Haus. Mrs Weding zeigte ihnen die Klassen für sämtliche Träume, für Träume der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, sie zeigte ihnen Klassenräume in denen Hunduisch gelehrt wurde und wie man den Konkel und den Zaubermantel richtig benutzt, sie zeigte ihnen die Klasse für Traumgeschichte und für die Geschichte der Menschheit, was ein besonders schweres und wichtiges Fach sei, wie sie betonte. Roy konnte sich all diese Fächer kaum merken. Diese Schule mußte unzählige Klassenzimmer haben, so das Roy schon daran zweifelte, dies jemals alles zu erlernen. Aber dann kamen sie schließlich doch in dem letzten Zimmer an, und Mrs. Weding verkündete feierlich. „In diesem Zimmer, meine Lieben, wird übermorgen die Aufnahmeprüfung stattfinden.“
Ein Raunen ging durch die Schar der Schüler. Racket wurde käseweiß. „Übermorgen schon? Oh Gott. Ich werde bestimmt wieder durchfallen.“
Das Zimmer war winzig klein und hatte keine Fenster. Roy mußte sich anstrengen, um überhaupt etwas zu erkennen. An der hinteren Wand hing ein großer Spiegel, sonst konnte er nichts weiter sehen, keine Stühle, keine Tische, gar nichts. Der Raum war völlig leer. Seltsam. Das konnte doch unmöglich ein Klassenzimmer sein, oder? Was sollte dies für eine Aufnahmeprüfung sein? Doch noch bevor er sich weiter den Kopf darüber zerbrechen konnte bewegten sie sich schon wieder und imnu war das Zimmer wieder an seinem alten Platz, dort wo die Reise durch die Schule Raperpotz begann.
„So, jetzt kennt ihr die Schule Raperpotz. Ich hoffe sie wird euch gefallen, vorausgesetzt ihr besteht die Aufnahmeprüfung übermorgen.“
Racket fing schon wieder an zu schnauben. Er konnte das Wort Aufnahmeprüfung schon nicht mehr hören.
„Habt ihr noch irgendwelche Fragen?“ Mrs. Weding schaute in die Runde.
Roy hatte heute so viel gesehen, daß ihm ganz schwindlig zumute war, und obwohl er natürlich tausend Fragen hatte, so wußte er nun gar nicht so recht was er eigentlich fragen sollte. Doch noch bevor er seine Gedanken ordnen konnte, sprang Marie neben ihm auf und polterte los. „Warum sind in allen Fenstern so seltsame Gestalten, die sich mit bewegen, wenn man daran vorbei geht.“
Roy horchte auf. Auch Marie hatte diese merkwürdigen Bilder in den Fenstern bemerkt. Also ging es nicht nur ihm so. Auch das war eine seiner vielen Fragen.
„Ich habe schon auf diese Frage gewartet, Marie. Nein. Das sind keine seltsamen Gestalten. Das seid ihr. Habt ihr vergessen Kinder. Ihr sind im Land der Träume, und in jedem Traum kommt der wahre Mensch zum Vorschein, offenbart sich der eigene Charakter und das wahre Wesen eines Menschen. Denjenigen, den ihr in diesen Fenstern seht, daß seid ihr selbst, ist euer wahres Ich.
„Das bin ich in diesem Fenster?“, fragte Marie erstaunt. „Aber sie sieht mir doch gar nicht ähnlich.“
„Das ist erstaunlich, nicht wahr?“ Mrs. Weding lächelte Marie an. „Sie spiegelt ja auch nicht dein Äußeres, sondern dein Inneres wider. Verstehst du?“
„Aber die Spiegelbilder der anderen sehen doch alle ganz normal aus?“
„Ja, das stimmt. Für dich sehen sie normal aus, weil du sie nicht sehen kannst, Marie. Da jeder seinen eigenen Traum hat, kann auch nur jeder sein eigenes Spiegelbild sehen und nicht das des anderen.“
,Marie setzte sich etwas verdutz wieder hin. „Ich soll das sein? Mein Inneres? Dieses häßliche Ding?“
„Schau sie dir ganz genau an, Marie. Du wirst überrascht sein, was du sehen wirst.“
Roy hörte fasziniert zu.
„So, liebe Kinder. Morgen werdet ihr den ersten Träumelspruch lernen. Aber für heute ist es genug. Also los, hurtig hinaus.“
Mrs. Weding stand auf und wollte das Zimmer verlassen. Und als sie schon fast aus der Tür war hatte Roy doch noch eine Frage. „Woher kommt der Regen, Mrs. Weding?“
Roy sah, daß ihr so nettes Gesicht plötzlich sehr ernst wurde und sie nicht so recht wußte, was sie ihm erwidern sollte. „Niemand in Traumania weiß woher der Regen eigentlich kommt, Roy. Aber ich hoffe, wir alle hoffen, eines Tages wirst du uns die Antwort darauf geben können.“
Sie drehte sich um und verließ den Raum. Roy, Racket und Romy gingen zurück in ihr Zimmer, wo sie noch lange über diese seltsame Schule sprachen, über die vielen Unterrichtsfächer und Klassen, in denen sie das Träumeln lernen würden, und über dieses kleine Zimmer, in dem ihre Aufnahmeprüfung übermorgen stattfinden sollte, wobei Racket wieder schlecht wurde. Doch Roy war mit seinen Gedanken wieder ganz woanders. Was hatte Mrs. Weding ihm geantwortet? Er wird wissen woher dieser furchtbare Regen kam? Er? Ausgerechnet er? Roy Raperpotz? Aber woher sollte gerade er das wissen? Spät löschten sie das Licht und legten sich schlafen und Roy zog seine Decke tief über seinen Kopf.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!