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Leselupe.de > Kurzgeschichten
5 Minuten
Eingestellt am 13. 03. 2003 09:45


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Cat Moon
???
Registriert: Feb 2003

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Langsam gehe ich den Korridor des Krankenhauses entlang. Der scharfe Geruch von Medikamenten liegt in der Luft. Der Gang erscheint mir unendlich lang und meine Schritte hallen von den W├Ąnden wider.
Da ist es: Zimmer 576.
F├╝nf Minuten, hat die Oberschwester gesagt, als ich mir den h├Ąsslichen gr├╝nen Kittel anziehen musste. F├╝nf Minuten habe ich also, um ihn zu sehen. F├╝nf Minuten... Von wie vielen wohl? Wie viele Minuten sind noch ├╝brig? Vielleicht sogar weniger als f├╝nf?
Unschl├╝ssig stehe ich vor der T├╝r. Zaghaft klopfe ich an, als mir einf├Ąllt, dass es ja eigentlich albern ist. Er liegt im Koma, wie sollte er das h├Âren? Aber jemand wird doch bei ihm sein, schie├čt es mir durch den Kopf.
Ich trete ein, empfangen vom Piepen und anderen Ger├Ąuschen der Maschinen, an die er angeschlossen ist. Er sieht so klein aus zwischen all den Apparaten. Schl├Ąuche f├╝hren in Mund und Nase und auch wieder heraus. Ob er dies alles ├╝berhaupt will? Aber mir ist es wichtig! Sein Gesicht ist bleich und trotzdem sieht es aus, als w├╝rde er nur schlafen. Schlafen, wie er es jede Nacht tat. Doch genau dieser Anblick macht mir Angst.
Jetzt erst bemerke ich die Schwester, die an seinem Bett steht. Sie weist mir den Stuhl neben dem Bett zu und ich setze mich. Ich f├╝hle mich verloren zwischen all den Maschinen und ihren Ger├Ąuschen. Ich will nach seiner Hand greifen, doch auch dort f├╝hren Schl├Ąuche hinein. Ich zucke zur├╝ck.
Die Schwester hat es wohl bemerkt, denn sie sagt: „Nehmen sie ruhig seine Hand.“ Ihre Stimme klingt in diesem Raum unerwartet menschlich.
Ich nehme seine Hand. Sie ist so kalt. Warum ├Âffnet er seine Augen nicht?
Es ist wie fr├╝her, wenn er nur zu tief schlief und deshalb nicht wach wurde. Ich hatte jedes Mal Angst, er w├╝rde nie wieder aufwachen, wie so viele vor ihm. Dann begann ich zu weinen und seinen Namen zu schreien und er wachte auf, nahm mich in den Arm und tr├Âstete mich.
Am liebsten w├╝rde ich auch jetzt laut schluchzen, in der Hoffnung, er w├╝rde die Augen aufschlagen und mich in seine Arme schlie├čen.
Doch diesmal wird es nichts n├╝tzen.

Die f├╝nf Minuten sind vor├╝ber. Ich gehe wieder den Gang entlang, diesmal in die andere Richtung. Meine Schritte hallen von den W├Ąnden wider und die Luft riecht noch immer nach Medikamenten.
Doch trotzdem ist alles anders.
Denn als ich ihn verlie├č, gaben die Maschinen ihn auf.

__________________
poesie ? - die Sprache der Liebe, denn wie diese, zerstoerst du sie, wenn du versuchst sie mit dem Verstand und nicht dem Herzen zu begreifen.

Ich will nicht sterben, nur tot sein...

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Parsifal
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Cat,

eine wunderbar einf├╝hlsam geschriebene Geschichte. Besonders der letzte Satz hat bei mir einen starken Eindruck hinterlasssen.
Nur ein kleiner Fehler im letzten Absatz: bei riecht hast Du das e vergessen.

Herlichst
Parsifal

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Klabautermann
???
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Hallo Cat Moon,

eine sehr sch├Âne Geschichte, weich erz├Ąhlt und mit der richtigen Dosis Traurigkeit und Sachlichkeit.

Die Schritte auf dem Gang w├╝rde ich vielleicht noch charakterisieren (laut,).
Als Leser w├╝rde man nat├╝rlich gern diese 5 Minuten erleben, dieses Stillstehen der Maschinen. Aber auchDeine L├Âsung finde ich sehr elegant dargestellt.
Kleiner Fehlerteufel:
und die Luft richt noch
riecht

sonst wirklich sehr sch├Ân formuliert.

viele Gr├╝├če
Klabautermann

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Cat Moon
???
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Hallo Pasifal,

Hallo Pasifal,

Danke f├╝r das Lob und den Vermerk auf den Fehler, hab ihn gleich berichtigt.

Lieben Gru├č und meow,
Cat
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Cat Moon
???
Registriert: Feb 2003

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Hallo Klabautermann

Hallo Klabautermann,

auch dir herzlichen Dank f├╝r das Lob und den Verweis auf den Fehler.

Nun, ich habe diese Geschichte damals im Reliunterricht geschrieben. Wir haben 4 Bilder bekommen und durften uns eins davon aussuchen. Anschlie├čend bekamen wir 20-30 Minuten zum Schreiben.
Daher ist nicht alles so sehr ausgef├╝hrt.

Trotzdem war ich sehr stolz darauf, weil die Zettel eingesammelt wurden und sp├Ąter eine vorgelesen werden sollte. Es war dann meine und ich war wirklich sehr, sehr gl├╝cklich. Daher f├Ąllt es mir sehr schwer, daran noch etwas zu ├Ąndern, Ausschm├╝ckungen eingeschlossen

Lieben Gru├č und meow,
Cat


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Ich will nicht sterben, nur tot sein...

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Klabautermann
???
Registriert: Feb 2003

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Hallo CatMoon,

wie produktiv der Unterricht zuweilen sein kann, konnte auch ich vor Jahren selbst erfahren. (So schlecht kann die Schule manchmal gar nicht sein, hm? *smile*)Finde ich toll, dass ihr scheinbar einen sehr engagierten und moderneren Religionslehrer habt, dass solch tiefsinnigen Geschichten dabei entstehen.
Auch verstehe ich, dass man gerade bei solchen Texten nicht mehr viel ├Ąndern m├Âchte, da sie doch in einem besonderen Moment entstanden sind. Doch f├╝r einen "neutralen" Leser scheint noch viel Potenzial darin zu liegen. Wer wei├č, vielleicht nimmst Du ihn Dir ja irgendwann mal wieder vor...

Wert w├Ąre er es jedenfalls.

viele Gr├╝├če
und noch einen sch├Ânen Abend
w├╝nscht Dir
Klabautermann

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