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Leselupe.de > Kurzgeschichten
5 Minuten Sehnsucht
Eingestellt am 18. 02. 2002 19:36


Autor
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sturmwind
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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5 Minuten Sehnsucht

Sie waren gerade auf dem Heimweg vom Einkaufen, diesen Nachmittag waren sie in der Georgia Mall gewesen. Nun, Heimweg ist nicht ganz die richtige Umschreibung, aber es traf f├╝r eine Weile zu, zwei Wochen. Beschwert lag das Gef├╝hl in der Luft, dass sie bald wieder abreisen muss, dass die Zeit hier bald zu einer Erinnerung wird. Die Gedanken wanderten, wanderten weit durch Raum und Zeit. Werde ich je wieder hier sein? Der Blick glitt nahezu sehns├╝chtig aus dem Fenster und suchte die leblose Umgebung der Stra├če ab, auf der sie fuhren. Heimweh versp├╝rte sie nur leicht und im Grunde wollte sie gar nicht so schnell wieder weg von hier, einfach bleiben. Langsam neigte sich die Sonne am Himmel nieder und begann ihr Farbenspiel am Horizont zu verbreiten, umrandet von wenigen Wolkenfetzen. Sie lie├č sich im Beifahrersitz etwas zur├╝cksinken und schaute dabei fast wie gebannt von dieser Sch├Ânheit in den R├╝ckspiegel, wo alles wunderbar zu sehen war. Wirklich sch├Ân... genie├če es. Die Musik drang nur leicht zu ihr durch und sie bemerkte kaum, dass sie fast tonlos mitsang. Es war als klinge das Lied gemeinsam mit den Farben am Himmel. Es war ein Zusammenspiel, was sich tief einbrannte und sie wusste, dass, wann immer sie diese Musik h├Ârt, sie an diesen kurzen Augenblick erinnert wird. Das Auf und Ab der Stra├če fiel ihr kaum mehr auf, sie sah es nur, wenn sie genauer in den R├╝ckspiegel blickte, nicht nur auf die Farben konzentriert. Verharren... kann die Zeit nicht kurz stehenbleiben? Sie konnte sich nicht satt sehen an diesem Bild, wollte alles in sich aufnehmen und gut verschlie├čen, es aufheben, wie ein Foto. Aber jedes Foto w├Ąre nur eine billige F├Ąlschung, das wusste sie, deswegen versuchte sie einfach nur so viel und so lange es nur ging hinzusehen. Sie mochte es schon immer, einfach so nur im Auto zu sitzen und durch die Gegend zu fahren.
Bei jeder Gelegenheit, die sich bot, sprang sie auf und fuhr einfach mit, auch wenn es nur war um jemanden abzuholen. Sie liebte es. Am sch├Ânsten war es nachts, wenn man sich zur├╝cklegt und entweder die Sterne beobachten konnte oder die Lichter in der Stadt. Es gab viele solche Momente, wenn sie zur├╝ckdenkt, und in jedem dieser Momente spielte die Musik eine Rolle. Die Musik vermag es etwas besonderes daraus zu machen, etwas, das sich mit den Bildern zu einer sch├Ânen Erinnerung zusammenschlie├čt.
Doch dieser Augenblick war etwas ganz besonderes. Nie wieder... . Er war einzigartig. Das Rot der tiefh├Ąngenden Sonne gl├╝hte kr├Ąftiger und streckte sich weit ├╝ber den Horizont, reichte bis weit in sie hinein und schlich sich an einen Ort in ihren Gedanken, in dem es noch lange so wunderbar gl├╝hen wird. Alles wurde irgendwie bedeutungslos und die Gedanken verrannen sich, hielten den Atmen an. Kurz schloss sie ihre Augen, ein vertr├Ąumtes L├Ącheln auf den Lippen. Es f├╝hlte sich f├╝r sie an, als ob sie sich in dieses Farbenmeer fallen lassen k├Ânne.
Von pl├Âtzlicher Stille wurde sie, schneller als ihr lieb war, aus ihren Gedanken gerissen. Die Musik war aus, das Lied zuende. Sie schlug die Augen auf und starrte an die Wand. Ein Foto viel ihr besonders auf in diesen Augenblick, ein verwirrter Augenblick, denn sie glaubte sich an einem anderen Ort. Ein kurzer Seufzer schlich ├╝ber ihre Lippen und sich abwendend sagte sie, "Eine billige F├Ąlschung... .", w├Ąhrend unbemerkt scheue Tr├Ąnen niederrinnen wollten, aber dann wieder versiegten.

18. Februar 2002 by sturmwind
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Alles ist so leicht -
und doch wieder schwer

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