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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
9. Eintrag ins Traumtagebuch
Eingestellt am 04. 06. 2003 18:06


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flammarion
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9. Eintrag ins Traumtagebuch

Ich wollte mit meiner Freundin verreisen. Wir hatten beide schwere Koffer zu schleppen, aber wir waren fröhlich, besonders sie. Sie plapperte ohne Unterlass, plauderte in aller Öffentlichkeit intimste Sachen aus. Einzig, als wir an einer großen Kirche vorbeikamen, schwieg sie. Das war aber auch ein imposanter Bau! Sie war aus honiggelben Steinen erbaut und wölbte sich igluförmig gen Himmel. Die vordere Fassade war gotisch, und hinten hatte man eine aufwendige Vorrichtung für die Glocken errichtet. Sie läuteten gerade, bewegten sich aber kaum.
Wir wollten nach England, und zwar mit dem Zug. Sie kicherte: „Innerhalb der Europäischen Union braucht man ja wohl an der Grenze keinen Ausweis vorzuzeigen, oder? Weißt du Genaueres? Du weißt doch sonst immer alles.“
Ich antwortete: “Frag lieber einen, der schon im Westen war, ich war bisher nur im Osten.“ Das ganze Abteil lachte.
Endlich waren wir am Zielbahnhof angekommen. Eine düstere, schmutzige, hohe, graue Halle, völlig schmucklos. Ein Pulk unfreundlicher Polizisten kontrollierte die Ausweise. Komischer weise war meine Freundin von irgendwelchen Bekannten abgeholt worden und wurde nicht kontrolliert. Ich rief ihr nach: „Mein Ausweis! Komm zurück, du hast meinen Ausweis in deiner Tasche!“
Mürrisch kehrte sie zu mir zurück, wies den Ausweis vor, steckte ihn wieder ein und eilte ihren Freunden nach. Die waren aber weitergelaufen und nicht mehr zu sehen. Meine Freundin schimpfte, denn sie wusste den Weg nicht. Ich fragte mitfühlend: „Weißt du wenigstens, wie die Straße heißt, zu der wir müssen? Dann könnten wir jemanden nach dem Weg fragen.“
Sofort überstrahlte ein Lächeln ihr Gesicht. „Na klar weiß ich die Straße!“ Sie eilte auf den nächst besten Passanten zu und wollte ihn ansprechen. Da sah sie seinen verwahrlosten Zustand und rannte panisch davon. Ich wollte sie bremsen und rief: „Das sind Berber! Die wissen bestens Bescheid in der Stadt!“
Meine Freundin kam nicht zurück, aber zwei Männer traten auf mich zu. Der eine mit verwittertem Gesicht und langem, weißem Vollbart, der andere einfach nur schmutzig und unrasiert. Ich fragte den Bärtigen nach dem Weg und er gab mir freundlich Auskunft. Der andere Mann aber folgte mir.
Bald hatte ich meine Freundin eingeholt und wir rannten, was wir konnten, unserem Ziel entgegen. Der Mann blieb dicht hinter uns und folgte uns bis in die Wohnung, die wir für unseren Urlaub zu mieten gedachten. Meine Freundin versteckte sich auf dem Klo und ich konnte sehen, wie ich mit dem frechen Eindringling klarkomme.
Ich versuchte, ihn hinaus zu komplimentieren, aber er grinste nur. Da hörte ich Stimmen aus der Küche. Ich ging hinein und sah eine Familie dort. Unser Verfolger ließ ein Ei fallen. Er wollte demonstrieren, dass er geschickt und vorsichtig ist. Das Ei war tatsächlich nur ganz leicht angeknickt, wenn man es vorsichtig aufgehoben hätte, hätte man es weiter verwenden können. Aber der etwa zweijährige Sohn zertrat das Ei. Alles glotzte erstaunt und keiner machte Anstalten, den Fremden zu vertreiben, man glaubte, er gehöre zu mir.
Damit wollte ich mich nicht abfinden und verließ die Wohnung. Ich ließ meine Freundin zurück, meinen Ausweis und meinen Koffer, nahm nur mein sauertöpfisches Wesen mit.
Am Rande der Stadt sah ich eine ausgedehnte Parkanlage, die von einem Kreis Hochhäuser eingerahmt war. Schon befand ich mich auf den Dächern! Eines der größten Häuser war zum Teil eingefallen. Das wollte ich unbedingt besuchen. Ich sah nämlich schon von Weitem, dass die früheren Bewohner viel Hausrat zurück gelassen hatten. Vielleicht konnte ich mir etwas davon zu Eigen machen?
Ich inspizierte also die verlassenen Wohnungen. Überall nur unbrauchbares Zeug. Bis auf eine Eckwohnung, da waren schöne Möbel, Plüschsessel, eine gut eingerichtete Küche mit fein gedrechselten Regalen, in den Schränken war feine Wäsche und sogar ein dickes Fotoalbum der Familie.
Plötzlich stand ein kleines Mädchen neben mir und fragte: „Was tust du hier?“ Ich antwortete streng mit einer Gegenfrage: „Und du? Was tust du hier?“ Ihr Gesicht verzog sich zum Weinen: „Ich WOHNE hier!“
Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich fragte rasch: „Und deine Eltern? Wo sind deine Eltern?“ Das Mädchen schluchzte: „Die sind bei dem Angriff umgekommen.“
Ich wurde stutzig: wann wurde England angegriffen? Bin ich überhaupt in England? Dann würde mich die Kleine wohl kaum verstehen, denn ich spreche deutsch.
Während dieser Überlegungen änderte sich das Szenarium. Ich befand mich nun in einer riesigen Wartehalle. Dort sah ich Menschen aller Altersgruppen. Worauf sie warteten, wusste ich nicht. Zur einen Seite war die Halle offen, dort plätscherte das Meer ans Ufer. Herrliche Aussicht! Aber kalt und feucht.
Ein älterer, sehr agiler Mann kam mit vielen Zetteln und Prospekten, die er zum Verkauf anbot. Er wurde nur sehr wenig davon los. Die meisten Leute warfen nicht einmal einen Blick auf sein Angebot.
Eine alte Frau neben mir hatte einen Prospekt gekauft und ich erkannte mich auf der Titelseite. „Darf ich mal schaun?“ fragte ich höflich und es wurde mir gestattet.
Mir fiel fast die Kinnlade herunter, als ich sah, dass es sich um eine Ankündigung handelte: der Waschinsky und etliche andere mir bekannte Künstler würden heute Abend ein Programm bieten. Auch ich sollte mitwirken! Er kündigte mich an, ohne sich vorher zu vergewissern, ob ich bereit bin! Empört eilte ich zur Spielstätte. Da war alles dunkel und kein Mensch anwesend, nur Puppen. Puppen, Puppen und nochmals Puppen. Eine davon sah aus wie ich . . .

Juni 2003

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Old Icke

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