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Leselupe.de > Humor und Satire
A.J. Neumanns History Of Life, Sex & Death
Eingestellt am 06. 11. 2003 21:54


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Marc Olivier
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Registriert: Nov 2003

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„Mein erstes Erlebnis hatte ich selbstverst├Ąndlich nach meiner Geburt. Genau 16 Jahre, 4 Monate und 17 Tage waren es. Wie ich sie kennengelernt hatte? Das wird den Leser nicht interessieren. Wie es war? Interessant! Was es war? Eine Katastrophe! Erst war sie bereit, und als sie es kurz darauf kaum noch war, war ich bereit. Ich hatte es gerade noch hineingeschafft. Das zweite Mal, mit demselben M├Ądchen, war schon besser. Wir lagen zeitlich schon nicht mehr so weit auseinander. Insgesamt ben├Âtigten wir 14 Anl├Ąufe, bis wir es geschafft hatten, einen parallelen zeitlichen Ablauf zu gew├Ąhrleisten. Weitere 9 Versuche waren es, bis wir beide das Ziel erreichten. Und nur noch 4, um es gleichzeitig zu erreichen. Dann haben wir Schluss gemacht. Wir hatten herausgefunden, dass das doch nichts war mit uns beiden. Ich war 16 Jahre, 5 Monate und 1 Tag alt und war das erste Mal abserviert worden. Zwei Wochen und 5 Tage sp├Ąter traf ich die erste gro├če Liebe. Bei ihr sah meine Statistik schon besser aus: 10 – 5 – 3 statt 14 – 9 – 4. Leider, sehr zu meinem Bedauern, war ich f├╝r sie nicht die gro├če Liebe und sie verlie├č mich, als ich 16 Jahre, 5 Monate und 14 Tage alt war. Es folgte eine lange Pause, in der ich mich sammelte und die ersten Eindr├╝cke verarbeitete. Als ich 18 Jahre, 1 Monat und 3 Tage alt war, hatte ich einen „One-Night-Stand“ mit der Freundin eines Freundes. Die Unverbindlichkeit dieses Erlebnisses veranlasste mich, im darauffolgenden Jahr insgesamt 7 wechselnde weibliche Partner f├╝r nur eine Nacht mit zu mir nach Hause zu nehmen. Meine durchschnittliche Statistik, die mir durchaus Mut f├╝r die Zukunft machte, betrug 0,375 – 0,375 – 0,25. Im Vergleich zu meiner ersten weiblichen Partnerin sehr gut, wie ich finde. Als ich 19 Jahre, 1 Monat und 7 Tage alt war, war es um mich geschehen. Liebe! Sie erwiderte sie, wir blieben zusammen bis zum heutigen Tag. Jetzt bin ich 33 Jahre alt, wohne mit meiner Lebensabschnittsgef├Ąhrtin in einem Loft in der Gro├čstadt, unterhalte mich viel mit Studenten und arbeite als Werbetexter. Das ist ein interessanter Job, man muss viel psychologisches Wissen mitbringen. Meine Statistik habe ich ├╝brigens weitergef├╝hrt. Da ich meine weibliche Partnerin aber schon seit 14 Jahren besitze, errechne ich nur noch den viertelj├Ąhrlichen Durchschnitt f├╝r einen vollzogenen Verkehr. Das letzte Ergebnis war 0,223 – 0,499 – 0,278. Ich verweise auf die positiv auffallende Verschiebung der H├Ąufigkeit auf die Werte 2 und 3.“

Gestatten, mein Name ist A.J. Neumann, und w├Ąre ich in derselben Dimension existent wie der Leser dieser Zeilen, so w├Ąre ich der unfreiste Mensch der Weltgeschichte. Aber das bin ich nicht. Ich bin gar kein Mensch. Ich bin eine „fiktive Person“, entsprungen der Fantasie eines erfolgshungrigen Autors. Er hat mich erschaffen, um diese Geschichte zu erfinden und niederzuschreiben. Aus seinem Gehirn hat er mich vor sein geistiges Auge projeziert, mich auf einen alten, klapprigen Holzstuhl gesetzt, mir gedankenerschaffene Fesseln angelegt und mir so die Bewegungsf├Ąhigkeit genommen. Flucht war unm├Âglich.
„Dein Name ist A.J. Neumann“, fuhr er mich an.
„Meinen Namen brauchst Du nicht zu wissen. Du wirst ihn sp├Ąter mal auf dem Cover des Romans lesen, den Du geschrieben haben wirst und den ich unter meinem Namen ver├Âffentlicht haben werde.“
Er beugte sich ├╝ber mich, er ber├╝hrte meine Nasenspitze mit der seinen.
„Nat├╝rlich nur, wenn Du vorher in mehreren Probel├Ąufen entsprechendes Talent bewiesen hast.“ Er entfernte sich wieder und lie├č sich mir gegen├╝ber seiner Macht bewusst in einen Sessel fallen.
„Zur Sache...“, fuhr er fort, seine Stimme hatte den Klang eines Gesch├Ąftsmannes angenommen. „Du schreibst eine Kurzgeschichte. Du schreibst sie, weil ich gerne tiefgr├╝ndiger schreiben w├╝rde. Aber damit ist heute kein Geld zu verdienen, verstanden?“ Die Angst vor diesem Mann, wie er sich mir gegen├╝ber gebar, die Unklarheit ├╝ber das, was er von mir wollte, l├Ąhmte mich auch noch geistig.
„VERSTANDEN?“, br├╝llte er mich an. W├Ąre ich nicht zur Bewegungslosigkeit verdammt gewesen, w├Ąre ich zusammengefahren.
„Ja“, zischte es kaum merklich aus meinem Mund.
„Na also! Das Gute an totaler Bewegungslosigkeit ist, dass man nur das Wort „Ja“ einigerma├čen unfallfrei herausbringt, hahaha!“ Schallend!!!
„Aber zur├╝ck zum Ernst der Sache. Du schreibst eine Geschichte. Ich mache Dir hierf├╝r noch nicht mal viele Vorgaben. Es wird eine Geschichte ├╝ber Dein Liebesleben und es gibt eigentlich nur vier Dinge, die Du ber├╝cksichtigen musst...“ Er sah mich mit schr├Ąg gehaltenem Kopf an. „Konzentrier Dich!“ Er lie├č mir eine kurze Pause hierf├╝r. „Diese Dinge sind erstens ein cooler Vorname - den hast Du ja schon. Zweitens eine zeitlich logische Abfolge, wie sich das geh├Ârt f├╝r eine Biographie. Drittens ein englischer Titel, damit es stylish klingt. Und letztendlich viertens, und das ist das Allerwichtigste, das Wort Sex im Titel der Geschichte. Unter diesen Vorraussetzungen werden sich erst mal genug Leser f├╝r diese Gr├╝tze interessieren. D├╝rfte f├╝rs Erste langen, um Dein Talent f├╝r Erfolgsromane zu testen.“ Er schien auf eine Reaktion meinerseits zu warten. Dann fiel ihm offenbar ein, das ich ja nicht reagieren konnte - aufgrund des Zustands, in den er mich versetzt hatte.
„Du fragst Dich sicher, wie Du an das n├Âtige Know-how f├╝r die Geschichte rankommst....“ Diesmal wartete er nur kurz, bevor er fortfuhr. „Ich habe nat├╝rlich vorgesorgt. Ich werde Dich in den n├Ąchsten 3 Tagen in meinem Gehirn durch meine Augen schauen lassen. Ich werde den ganzen Tag fernsehen. Der Rest wird Dir ganz von alleine kommen, hoffe ich. Ein bisschen Intelligenz bei Dir muss ich schlie├člich voraussetzen k├Ânnen. Ich muss mich ja auch auf Dich verlassen k├Ânnen. Das w├╝rde nicht funktionieren, wenn ich Dich strohdumm erschaffen h├Ątte.“
Weil er genau das nicht getan hat, bin ich ├╝berhaupt in der Lage, meiner Geschichte diesen Anhang zu verpassen. Und ich wei├č auch, dass es egal ist, ob sie sie verrei├čen, in den h├Âchsten T├Ânen loben oder einfach nur ignorieren. Denn entweder ich m├╝sste weiter seinen Befehlen gehorchen oder er w├╝rde mich sterben lassen, indem er mich mit einem einzigen Gedanken wieder aus seiner imagin├Ąren Welt streicht. Und wenn sie Leben als die Freiheit definieren, alles zu tun oder nicht zu tun, was sie wollen, dann bin ich sowieso schon tot.

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Edgar G├╝ttge
Guest
Registriert: Not Yet

wo ist die Geschichte?

Hallo Marc,

ignoriert habe ich deinen Text nicht, wie du siehst, verrei├čen will ich ihn nicht, weil er an sich ganz nett geschrieben ist, aber loben kann ich ihn auch nicht, weil ich n├Ąmlich die Geschichte vermisse. Es ist halt nur eine kleine Statistik aus der Sicht eines Werbetexters, wobei mich der Satz gest├Ârt hat: "Da ich meine weibliche Partnerin schon seit 14 Jahren besitze."
Vielleicht erlebt er zu wenig, weil er den ganzen Tag fernsehen muss (oder 3 Tage, arbeitet der Werbetexter nicht?)
Der Konflikt zwischen dem Protagonisten und der Romanfigur ist allerdings ansatzm├Ą├čig vorhanden. Da kannst du noch was daraus machen.

Bezieht sich der A.J. eigentlich auf "MAD" Alfred E.?

Euch beiden noch viel Spa├č beim Schreiben
Gru├č
Edgar

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Marc Olivier
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Registriert: Nov 2003

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hi edgar

zun├Ąchst mal danke f├╝r deine stellungnahme. sicher hast du mit einigen kritikpunkten recht. a.j. ist kein querverweis zu alfred e., das hatte ich ├╝berhaupt nicht beabsichtigt und ist mir erst aufgefallen, als du es erw├Ąhnt hast (h├Ątte ich vorher dran denken m├╝ssen )die figur des a.j. ist allein zum verfassen von "erfolgsgeschichten" erfunden worden, seinen beruf, sein leben usw. hat er sich ausgesucht und erdacht, als er in die glotze schauen konnte. so gesehen hat a.j. ├╝berhapupt kein leben, da er vom erfolgshungrigen autor nur f├╝r dessen zwecke verheizt wird. kann sein, dass das im text nicht deutlich wird. ich werde daran arbeiten

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